
Er spricht zudem von einem hohen Erwartungsdruck auch an Union und SPD auf Bundesebene. Die Abstimmungen beginnen im März mit den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie den Kommunalwahlen in Bayern und Hessen. Im September werden dann die Landesregierungen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neu bestimmt. In der Hauptstadt werden zugleich auch die Bezirksverordnetenversammlungen gewählt, in Niedersachsen finden Kommunalwahlen statt.
Gute Ergebnisse für die AfD - schwierige Konstellationen für die anderen?
Thomas Biebricher ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Frankfurt am Main. Er geht davon aus, dass die AfD ihren Aufwärtstrend vermutlich fortsetzen und "in allen Wahlen sehr gute Ergebnisse" erzielen wird. Aus den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnte sie sogar als stärkste Kraft hervorgehen. Eine solche Konstellation wäre in mehrfacher Hinsicht schwierig, sagte Biebricher im Deutschlandfunk. Um eine Landesregierung unter Führung der AfD zu verhindern, müssten sich die übrigen Parteien zu einer Koalition zusammenfinden. Das sei aber nicht einfach, weil sie ein sehr breites politisches Spektrum abbildeten, betonte Biebricher.
Zum anderen sei es "problematisch, wenn dauerhaft 20 bis 30 Prozent davon ausgehen müssen, dass ihre Partei, die sie präferieren, nicht an die Macht kommt". Es gebe zwar gute Gründe dafür, nicht mit der AfD zusammenzuarbeiten und zu versuchen, sie von der Macht fernzuhalten. Es sei aber eben auch "alles andere als ideal", wenn eine Partei so hohe Zustimmungswerte und Wahlergebnisse verzeichnen könne - und dann von der Regierungsmacht ausgeschlossen werde.
Schwierige Situation für schwarz-rote Bundesregierung
Die Diskussionen über mögliche Wahlerfolge der AfD auf Länder- und Kommunalebene - und wie sie möglicherweise verhindert werden können - wirken sich nach Ansicht des Politikwissenschaftlers auch negativ auf die Bundespolitik aus. "Für die Regierungsparteien wird es kompliziert", unterstrich Biebricher. Denn Union und SPD stünden unter einem hohen Erwartungsdruck der Wählerinnen und Wähler, müssten ihr Profil schärfen und Erfolge vorweisen. Das werde vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wahlen jedoch zunehmend schwierig.
Biebricher plädierte dafür, Wahlen auf Länder- und Kommunalebene künftig nicht mehr über das Jahr verteilt durchzuführen, sondern die Termine zu bündeln, damit die Bundespolitik nicht über Monate hinweg davon beeinträchtigt werde.
Bleibt die Brandmauer gegen die AfD?
Momentan sieht der Politikwissenschaftler die sogenannte Brandmauer der anderen Parteien gegen eine Zusammenarbeit mit der als rechtsextremistischem Verdachtsfall eingestuften AfD als stabil an. Doch wie es letztlich auf Länderebene weitergehe, entschieden die jeweiligen Landesverbände, räumte Biebricher ein.
Diese Nachricht wurde am 18.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.





