Dienstag, 09. April 2024

Krieg in Nahost
Israelischer Fußballer verlässt die Türkei nach Gedenken an Hamas-Terror

Der israelische Fußballprofi Sagiv Jehezkel ist in der Türkei nach einem öffentlichen Gedenken an den Angriff der Hamas festgenommen worden und soll nun nach Israel zurückkehren.

15.01.2024
Fußball, Antalyaspor - Trabzonspor - Sagiv Jehezkel zeigt Anti-Terror-Botschaft beim Torjubel Antalyaspor s Israeli player Sagiv Jehezkel was excluded from the squad after he reminded of Hamas attack on his country after scoring a goal against Trabzonspor, Turkish Super League. 18194816
Fußball, Antalyaspor - Trabzonspor - Sagiv Jehezkel zeigt Anti-Terror-Botschaft beim Torjubel Antalyaspor s Israeli play (IMAGO / Depo Photos / IMAGO)
Es läuft die 68. Spielminute im Spiel Antalyaspor gegen Trabzonspor, als Sagiv Jehezkel per Kopf den 1:1 erzielt. Beim Jubeln zeigt er einen Verband an seinem Arm. Darauf die Botschaft: "7.10. - 100 Tage", daneben ein Davidstern.
Jehezkel ist israelischer Nationalspieler und wechselte erst im September von Hapoel Beer Sheva in die türkische Süper Lig zu Antalyaspor. In 13 Saisonspielen kommt er auf acht Torbeteiligungen. Der Ausgleichstreffer am Sonntag war sein sechstes Saisontor. Und wohl sein letztes in der Türkei.

Jehezkel: "Ich wollte niemanden provozieren"

Das israelische Außenministerium teilte mit, dass Jehezkel die Türkei verlassen werde. "Die Türkei ist zu einer dunklen Diktatur geworden, die gegen humanitäre Werte und die Werte des Sports arbeitet", sagte Außenminister Israel Katz den Angaben zufolge.
Im Anschluss an sein öffentliches Gedenken an das Hamas-Angriff vom 7. Oktober in Israel war Jehezkel festgenommen worden. Wegen "öffentlicher Anstiftung zum Hass", wie der türkische Justizminister Yilmaz Tunc bei X mitteilte. Der mehrmalige Nationalspieler Israels habe das "von Israel begangene Massaker im Gazastreifen" gefeiert. Tunc betonte, die Türkei werde weiter "die unterdrückten Palästinenser unterstützen". Antalyaspor hatte den 28 Jahre alten Rechtsaußen umgehend freigestellt.

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"Ich habe nicht vorgehabt, jemanden zu provozieren", sagte Jehezkel laut des Fernsehsenders NTV in seinem Verhör. Er sei kein Kriegsbefürworter, sondern habe vielmehr auf die von der islamistischen Hamas genommenen Geiseln aufmerksam machen und nicht den Krieg unterstützen wollen. Mitte Oktober trat Jehezkel nicht fü Antalyaspor an, als in der Süper Lig eine Schweigeminute und weitere Aktionen veranstaltet wurden, um alleine der Palästinenser zu gedenken, die bei israelischen Luftangriffen ihr Leben verloren haben. Das ließ die israelischen Opfer vom 7. Oktober außer Acht. Damals war der heutige Dortmunder Co-Trainer Nuri Sahin für das Team als Trainer verantwortlich.

Israels Verteidigungsminister: Türkei agiert als "Arm der Hamas"

Der Vorfall geriet zur Staatsaffäre. Israels Verteidigungsminister Joav Galant warf der Türkei auf der Plattform X vor, als "Arm der Hamas" zu wirken. Israel habe dem Land nach den verheerenden Erdbeben im Februar vergangenen Jahres mit zehntausenden Toten als erster Staat Hilfe gewährt und damit vielen Menschen in der Türkei das Leben gerettet. "Die skandalöse Festnahme des Fußballspielers Sagiv Jehezkel ist Ausdruck von Heuchelei und Undankbarkeit", schrieb Galant weiter.

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Antalyaspor begründete den Rauswurf von Jehezkel damit, dass dieser "gegen die Werte unseres Landes" verstoßen habe, wie es in einer Mitteilung hieß. Der türkische Fußballverband TFF sprach von einem "völlig inakzeptablen Verhalten" des Spielers. Die Kündigung durch den Klub sei "angemessen." 

Weiterer israelischer Spieler unter Druck

Unterdessen verkündete der Istanbuler Klub Basaksehir, eine Disziplinaruntersuchung gegen einen anderen israelischen Spieler, Eden Karzev, einzuleiten. Grund sei, dass dieser in Onlinenetzwerken einen Beitrag zu den Geiseln geteilt hatte: "Bring Them Home" ("Bringt sie nach Hause") - der Aufruf zur Freilassung der Verschleppten. 

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Der Umgang mit Israel wird immer häufiger Thema im Sport. Im Vordergrund steht dabei angeblich die Sicherheit der Sportlerinnen und Sportler. Mit diesem Argument hat der Eishockey-Weltverband Israel nun vorläufig vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Man könne nicht für die Sicherheit des Teams sorgen, hieß es. Funktionäre aus olympischen Sportarten haben die Sorge, "dass so ein Präzedenzfall eine Art Berechtigung für andere Organisatoren geben könnte, israelische Sportlerinnen und Sportler auszuschließen, sagte der israelische Sportjournalist Felix Tamsut im Deutschlandfunk. "Innerhalb des israelischen Sports ist das ein Thema."

Mehr als 1.200 Menschen am 7. Oktober ermordet

Am 7. Oktober 2023 hatten Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen im Süden Israels mehr als 1.200 Menschen ermordet und rund 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt.
Israel reagierte mit Luftangriffen und einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden dabei inzwischen mehr als 24.000 Menschen getötet. (nch/dpa/sid)