Dienstag, 16. April 2024

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Umweltfreundlichere Schifffahrt
Abgase mit erhitztem Ballastwasser reinigen

Im Ballastwasser von Schiffen reisen immer wieder Organismen um die Welt. Einige von ihnen verursachen dort, wo das Wasser abgelassen wird, massive Probleme. Forscher wollen deshalb das Ballastwasser zur Abgasreinigung nutzen und es dadurch so stark erhitzen, dass alle Lebewesen darin absterben.

Von Monika Seynsche | 16.03.2022
Hauptsächlich beladen mit Containern aus China fährt ein Containerschiff elbaufwärts in den Hamburger Hafen. Seit dem Ausbruch des Corona-Virus lahmt die chinesische Wirtschaft und die Weltwirtschaft insgesamt. Die Börsen sind weltweit eingebrochen, die Angst vor einer weltweiten Wirtschaftskrise wächst.Foto: Rothermel *** Mainly loaded with containers from China, a container ship sails up the Elbe to the Port of Hamburg Since the outbreak of the corona virus, the Chinese economy and the global economy as a whole have been paralyzed The stock markets have collapsed worldwide, fears of a global economic crisis are growing Photo Rothermel
Containerschiffe transportieren unabsichtlich Lebewesen im Ballastwasser (imago images / Winfried Rothermel)
Peter Vidmar hat ein einfaches Ziel. Er will Schiffe effizienter machen. Denn die verlieren bei zwei Prozessen ziemlich viel Energie. Beim Fahren und beim Reinigen ihres Ballastwassers.
„Wir wissen, dass Ozeanschiffe durch ihre riesigen Antriebsmaschinen große Mengen Treibstoff verbrennen. Dabei entsteht sehr viel Wärme, die völlig ungenutzt aus den Schornsteinen in die Atmosphäre aufsteigt. Wir wollen einen Teil dieser Wärmeenergie sinnvoll nutzen.“

Mit Ballastwasser heiße Schiffsabgase filtern

Dafür will sich der Schiffsbauingenieur der Universität von Ljubiljana ein System zunutze machen, das seit einigen Jahren auf immer mehr Schiffen eingebaut wird. Die sogenannten Scrubber oder Gaswäscher filtern mithilfe von Wasser Schadstoffe aus den heißen Schiffsabgasen heraus. Normalerweise wird dafür frisches Ozeanwasser genutzt.
„Das Wasser heizt sich dabei stark auf. Und das ist der Clou. Denn wir wollen statt normalem Wasser Ballastwasser für diese Abgasreinigung nutzen. Das würde sich dann so stark erhitzen, dass man es danach gefahrlos ablassen könnte.“

Lebewesen im Ballastwasser abtöten

Die Hitze im Gaswäscher, so Peter Vidmars Hoffnung, sollte ausreichen, um alle Lebewesen im Ballastwasser abzutöten. Natürlich müssten die aus den Abgasen herausgewaschenen Schadstoffe vor dem Ablassen ins Meer noch herausgefiltert werden, aber das geschehe auch jetzt schon mit dem bislang genutzten Wasser.
„Sicher würde das System nicht bei allen Schiffen funktionieren. Für Schüttgutfrachter etwa, die kleine Motoren und sehr viel Ballastwasser haben, wäre es wahrscheinlich nichts. Aber es gibt Schiffe, für die es sich eignen könnte. Containerschiffe zum Beispiel, die starke Motoren haben, also sehr viel Wärmeenergie produzieren, und gleichzeitig nur relativ wenig Ballastwasser mit sich führen.“

"Das kostet etwas Zeit, aber es sollte möglich sein.“

Peter Vidmar möchte sogar noch weiter gehen. Seiner Einschätzung nach ließe sich das Ballastwasser nicht nur zur Abgaswäsche nutzen, sondern es könnte auch in den Entsalzungsanlagen an Bord von Schiffen eingesetzt werden. Dort wird Meerwasser so stark erhitzt, dass es verdunstet. Übrig bleiben Salz und Wasserdampf, der aufgefangen als Trinkwasser genutzt werden kann. Auch dieses Verfahren sollten die Organismen im Ballastwasser nicht überleben. Noch sind das alles Ideen, aber Peter Vidmar ist optimistisch, dass sie schnell umgesetzt werden könnten. Denn alle drei einzelnen Systeme, also die Abgasreinigung mithilfe von Wasser, die Ballastwasserbehandlung mit Hitze und die Entsalzungsanlagen existieren bereits.
„Man müsste nur im Rahmen eines Projektes untersuchen, wie genau sich die Verfahren kombinieren lassen. Und dann müsste das System natürlich noch geprüft und zugelassen werden. Das kostet etwas Zeit, aber es sollte möglich sein.“
Ein solches kombiniertes System könnte den Schiffen dabei helfen, viel Energie zu sparen. Und gleichzeitig würde es die Umwelt entlasten, durch weniger Abgase in der Luft und weniger schädliche Organismen im Wasser.