Samstag, 18. Mai 2024

US-Medien über Donald Trump
Neuer Wahlkampf, alte Fehler

Vor der Präsidentschaftswahl 2016 erhielt Donald Trump die meiste Aufmerksamkeit. 2024 werde sich das nicht wiederholen, beteuern Journalisten in den USA. Doch die Realität sieht anders aus. Mit Medien, die nun sogar als Wahlkämpfer gesehen werden.

Von Yaena Kwon | 15.04.2024
Der republikanische Präsidentschaftskandidat und ehemalige Präsident Donald Trump spricht mit Medienvertretern während eines Wahlkampfauftritts
Talk mit den selbsterklärten "Feinden" - Donald Trump mit Medienvertretern während eines Wahlkampfauftritts (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Matt Rourke)
Donald Trump: „Dieses leere Podium rechts von mir - wisst ihr, was das ist? Das ist für Joe Biden. Ich versuche ihn, zum Duell zu fordern.“
Ein angeklagter Ex-Präsident, der es wieder schafft, die Wahl-Berichterstattung in den US-Nachrichten zu dominieren. Wie schon 2016, als Donald Trump die Presse zu seinem Feind erklärte. Und die Glaubwürdigkeit der Medien grundlegend schädigte, sagt Journalist Martin Baron, ehemaliger Chefredakteur der Washington Post.
“Trump hat uns als Feind der Menschen bezeichnet. Uns beschimpft, mit allen möglichen schlimmen Wörtern, die man sich nur verstellen kann. Abschaum, Müll, die niedrigste Form der im Leben überhaupt.“
Donald Trump: “Fake News”
“An seinem ersten Tag im Amt erschien Trump in der Zentrale der CIA und meinte höchstpersönlich, dass er in einem laufenden Krieg mit den Medien sei.“
Donald Trump: “Wie Sie wissen, befinde ich mich auf Kriegsfuß mit den Medien. Sie gehören zu den unehrlichsten Menschen der Welt.”
„Wochen später wurde ich nach meiner Reaktion gefragt. Ich sagte: Wir sind nicht im Krieg mit der Regierung. Wir sind am Arbeiten. Wir machen unseren Job.“
Martin Baron war gerade zwei Jahre im Amt als Chefredakteur der Washington Post, als Trump zum Präsidenten gewählt wurde. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Collision of Power“ erinnert er sich an die Zeitenwende, die Donald Trump damals einläutete. Seit dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 habe die Polarisierung im Land weiter zugenommen.
 “Für viele Politiker in diesem Land ist Polarisierung ein Wirtschaftsmodell, genauso wie für viele Medienvertreter. Und das ist ganz sicher der Fall bei Fox News.“
Aus der Berichterstattung von Fox News:
Moderator: „Heute Morgen wird die Trump-Kampagne wahrscheinlich optimistisch sein. Neue Umfragen zeigen, dass er Präsident Biden in sechs Swing-States geschlagen hat.“
Moderatorin: „Das Alter und die geistige Fitness von Präsident Biden sind zu den größten Sorgen der amerikanischen Wähler geworden.“
Martin Baron: „Fox News und die Mehrheit seiner Programme sind im Grunde genommen ein aktiver Verbündeter von Donald Trump. Fox unterstützt, ohne Geld zu bekommen, die Trump-Kampagne. Konsequent werden Joe Biden und die Demokraten verunglimpft. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen ihre bereits existierenden Meinungen bestätigt sehen wollen. Und Fox ist genau dazu bereit.“

"Jede Form von Sichtbarkeit ist Sichtbarkeit“

Man habe aus den Fehlern von Trump 1.0 gelernt, heißt es unter Medienvertretern. Doch schon jetzt seien Wiederholungsfehler zu beobachten, so Politikjournalistin Margaret Talev. Sie war lange Zeit lang Korrespondentin im Weißen Haus und arbeitet heute für das US-Nachrichtenportal Axios.
“Damals wurde Trump als Prominenter behandelt. Eines der Probleme im Wahlkampf 2016 war die Menge an ungleicher Berichterstattung. Trump bekam so viel mehr mediale Aufmerksamkeit wie kein anderer Kandidat, und genau das passiert heute immer noch, im Jahr 2024.“
Aus den “Breaking News” von CNN:
"Hier ist CNN Breaking News... Ein Richter hat eine strafrechtliche Anklage gegen den ehemaligen Präsidenten Donald Trump aufrechterhalten."
"Ein weiterer großer Trump-Fall..."
Margaret Talev: “Wenn Sie den Fernseher anmachen und einen Nachrichtenkanal erwischen, dann laufen den ganzen Tag lang Berichte über Trump. Sendezeit ist Sendezeit. Jede Form von Sichtbarkeit ist Sichtbarkeit.“

Expertin: Viele Journalisten sehen sich als Aktivisten

Margaret Talev beobachtet den Wahlkampf auch aus Forschungsperspektive. Sie leitet das Institute for Democracy, Journalism and Citizenship an der Syracuse University in Washington D.C. Laut Umfragen haben nur noch 14 bis 16 Prozent der amerikanischen Bevölkerung Vertrauen in traditionelle Medien. Die Mehrheit nutze die sozialen Medien als Hauptinformationsquelle, insbesondere in diesem Wahlkampf, sagt Talev.
 “Eine der größten Herausforderungen für Nachrichtenmedien ist nicht nur die Polarisierung der Hauptsender oder Haupt-Onlineportale. Sondern die Tatsache, dass sich die Öffentlichkeit zunehmend von den traditionellen Nachrichten abwendet, und sich der Unterhaltung widmet. Menschen werden regelrecht von visuellen Elementen angezogen, von Memes und Shorts, anstelle von tiefgründigen längeren Geschichten. Oft verschwimmt die Linie zwischen professionellem Journalismus und einer Person, die lediglich ihren Senf zu aktuellen Ereignissen dazugibt.“
Und auch diese Grenze verschwimmt zunehmend. Seit Donald Trump verstehen sich viele Journalisten als Aktivisten. Eine Entwicklung, vor der Martin Baron eindringlich warnt.
“Ich denke nicht, dass das der beste Weg ist, unsere Arbeit anzugehen. Oder Vertrauen in der amerikanischen Bevölkerung zu gewinnen. Es ist wichtig, dass wir uns professionell verhalten und nicht wie Kämpfer.“
Trump-Anhänger gegen Trump-Feinde – auch in diesem Rematch zwischen Biden und Trump scheint dies für viele US-Medien jetzt schon das Hauptnarrativ in der Wahlberichterstattung.