Freitag, 01. März 2024

Effiziente Elektroheizungen
Warum verkauft Viessmann seine erfolgreiche Wärmepumpen-Sparte?

Der Umsatz der Wärmepumpen-Sparte der Firma Viessmann ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Trotz der weiter guten Aussichten verkauft das Familienunternehmen nun an einen US-Konzern. Der Boom ist Fluch und Segen zugleich für Mittelständler.

27.04.2023
    Eine Wärmepumpe der Marke Viessmann steht im Garten eines Einfamilienhauses.
    Wärmepumpen sollen bei der Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft helfen, die Branche rund um die Firma Viessmann ist daher massiv in Bewegung. (picture alliance / Kirchner-Media / David Inderlied)
    Wärmepumpen sind eine Schlüsseltechnologie, um den Gebäudesektor klimaneutral zu gestalten. Die Branche boomt seit einigen Jahren, das deutsche Unternehmen Viessmann hat daran gut mitverdient. Doch die Branche steht auch vor großen Umwälzungen - und Viessmann war trotz der guten Zahlen unter Druck.
    Nun verkauft Viessmann seine Klimatechnik-Sparte an den US-Konkurrenten Carrier Global. Dazu gehört auch das Geschäft mit Wärmepumpen.

    Warum verkauft Viessmann seine lukrative Wärmepumpen-Sparte?

    Auf den ersten Blick sei der Verkauf überraschend, sagte Dirk Dohse, Leiter des Forschungszentrums Innovation und Internationaler Wettbewerb am Institut für Weltwirtschaft Kiel. Viessmann habe schließlich gute Geschäfte mit seiner Wärmepumpen-Sparte gemacht.
    Zum einen sei aber das Angebot des US-Herstellers Carrier Global sehr lukrativ, zwölf Milliarden Euro fließen durch den Verkauf an die Familie Viessmann. Ein hoher Preis, denn Viessmann hat im Jahr 2022 vier Milliarden Euro Umsatz erzielt.

    Der Markt wird künftig hart umkämpft sein

    Ein Fünftel des Preises bekommt die Familie Viessmann zudem in Aktien von Carrier Global und wird damit einer der größten Aktionäre des Unternehmens. Konzernchef Max Viessmann zieht in den Verwaltungsrat von Carrier ein. Mit dem Verkauf entstehe ein "zukunftssicherer globaler Klima-Champion" - so sieht Viessmann den Deal.
    Die Statistik stellt die Umsatzentwicklung der Viessmann Werke in den Jahren 2011 bis 2021 dar.
    Der Umsatz von Viessmann hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt (Statista/Bundesanzeiger)
    Diese Perspektive sieht auch der Ökonom Dohse. Carrier Global sei erheblich größer als Viessmann. Und das werde für den Markt, der zukünftig vermutlich deutlich härter umkämpft sein wird, ein wichtiger Aspekt. Der Heizungsmarkt ist aktuell in großer Bewegung, es gibt einen globalen Wettlauf um die besten, nachhaltigsten und günstigsten Heizungssysteme, Wärmepumpen sind dabei im Fokus. Carrier Global rechnet damit, dass sich der Markt für Wärmepumpen in Europa bis 2027 verdreifacht.
    Die Fertigungshalle für Wärmepumpen bei Viessmann.
    Gute Geschäfte: die Fertigungshalle für Wärmepumpen bei Viessmann. (picture alliance / dpa / Viessmann)
    Deswegen stehen auch viele Konkurrenten aus Asien in den Startlöchern. Ein mittelständisches Unternehmen wie Viessmann kann in so einem boomenden Markt nur schwer mithalten. Unternehmen bräuchten in so einem Umfeld einiges an Kapital, um ihre Produktion stark genug ausweiten zu können, erklärt der Ökonom Jens Südekum. Der Verkauf an Carrier Global eröffne nun diese Wachstumschancen.

    Was bedeutet der Viessmann-Verkauf für den Standort Deutschland?

    Viessmann gilt als deutscher Marktführer für Wärmepumpen, ist aber nicht das einzige deutsche Unternehmen in dieser Branche. Neben Viessmann produzieren etwa Bosch, Vaillant und Stiebel Eltron, aber auch zahlreiche kleinere deutsche Unternehmen Wärmepumpen.
    Aktuell spielt die Entwicklung am Markt allen Unternehmen in die Karten. Doch große Unternehmen investieren massiv in eine automatisierte und kostengünstige Fertigung der Pumpen - das dürfte kleine Mitbewerber langfristig unter Druck setzen.

    Deutsche Wärmepumpen-Hersteller investieren im Ausland

    Schon vor dem Verkauf war für Experten absehbar, dass Wärmepumpen künftig vor allem außerhalb Deutschlands gebaut werden. Das Münchener Beratungsunternehmen S&B Strategy verweist darauf, dass deutsche Wärmepumpen-Hersteller zunehmend im europäischen Ausland investiert haben. Beispiele seien Werke von Bosch und Viessmann in Polen oder von Vaillant in der Slowakei. Dort lockten schnellere Genehmigungsverfahren, geringere Energiepreise und niedrigere Lohnkosten.
    Doch auch wenn Viessmann seine Erfolgssparte verkauft: Wichtige Produktionsstandorte haben in dem Deal eine Bestandsgarantie für mindestens fünf Jahre erhalten, und auch der Hauptsitz wird noch mindestens zehn Jahre in Allendorf an der Eder bleiben.

    Welche Folgen könnte der Viessmann-Deal für Verbraucher haben?

    Kunden dürften den Verkauf des Unternehmens erst einmal kaum spüren, sagt Dirk Dohse vom Institut für Weltwirtschaft Kiel. Auf lange Sicht dürften die Kosten für Wärmepumpen dann allerdings fallen. Denn der Viessmann-Verkauf gehe auch darauf zurück, dass der Wettbewerb am Markt zunehme.
    Einen langfristigen Preistrend nach unten erwartet auch das Beratungsunternehmen S&B. Allerdings machten die Geräte selbst nur einen Teil der Kosten aus, die auf Verbraucher zukommen, wenn sie sich für die Technologie entscheiden. Ausschlaggebend für die Anschaffungskosten sei auch die mit hohem Aufwand verbundene Installation der Wärmepumpen. In den entsprechenden Gewerken herrsche weiter Fachkräftemangel.
    Die Statistik zeigt die Entwicklung der Absatzzahlen von Heizungswärmepumpen in Deutschland in den Jahren von 2010 bis 2022. Im Jahr 2022 wurden in Deutschland rund 236.000 Heizungswärmepumpen abgesetzt.
    Die Nachfrage nach Wärmepumpen steigt in den vergangenen Jahren deutlich an (Statista/Bundesverband Wärmepumpe)

    Warum sind Wärmepumpen eine Schlüsseltechnologie?

    Wärmepumpen gelten als die Technologie, mit der wir in Zukunft überwiegend heizen werden. Der Grund dafür: Wärmepumpen laufen mit Strom, und wenn dieser CO2-frei ist, lässt sich damit klimaneutral und sehr effizient heizen. Wärmepumpen ziehen beispielsweise Energie aus der Umgebungsluft und produzieren damit mit einer Kilowattstunde Strom bis zu vier Kilowattstunden Wärme.
    Quellen: Dlf, Eva Bahner, Frank Grotelüschen, dpa, Reuters, pto