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StartseiteGesichter EuropasRussisch, ukrainisch, tatarisch02.12.2017

Mythos KrimRussisch, ukrainisch, tatarisch

Seitdem Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hat, heißt es: "Krym nasch", "die Krim gehört uns". Die Regierung versucht, diesen Anspruch auch kulturell zu untermauern. Doch die alte Krim lebt weiter.

Von Gesine Dornblüth

Der antiken Tempelstadt Chersones (imago stock&people)
Laut einer Legende ließ sich Großfürst Wladimir vom Volke der Rus auf der Krim taufen. Historisch ist das umstritten. Aber Moskau untermauert damit gern seinen Herrschaftsanspruch. (imago stock&people)
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In der antiken Tempelstadt Chersones soll ein "russisches Mekka" entstehen, ein Wallfahrtsort. Denn hier sei die russische Nation begründet worden. Die Fakultät für Ukrainisch an der Universität in Semferopol wurde verkleinert, politisch diskutiert wird kaum noch – dennoch lebt die alte Krim hier weiter.

Nur die Krimtataren, die seit Jahrhunderten auf der Insel leben, äußern noch offen Kritik an der russischen Annexion. Russen, Ukrainer, Tataren – alle haben ihren eigenen Blick auf die geschichtsträchtige Halbinsel. "Gesichter Europas" lässt die Menschen zu Wort kommen und begibt sich auf die Suche nach dem Mythos Krim.

Menschen halten eine Flagge der Krimtataren in Händen. Sie erinnern in Kiew an den 70. Jahrestag der Krim-tatarischen Deportation. (Archivbild 2014)   ( ITAR-TASS / Zurab Dzhavakhadze) ( ITAR-TASS / Zurab Dzhavakhadze)Ein Tataren-Bataillon in Wartestellung
Für die Krimtataren steht fest: Die Krim gehört zur Ukraine, nicht zu Russland. Auf dem ukrainischen Festland unterhalten sie ein eigenes, privat finanziertes Bataillon, das sich für einen möglichen russischen Angriff rüstet.
 

2379547097_Chersones Basilika.jpg (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)Chersones – ein "russisches Mekka"
In der antiken Stadt Chersones soll die russische Nation ihren Anfang genommen haben. Und Russland untermauert den umstrittenen Mythos der geistig-kulturellen Wurzeln auf der Krim kräftig, mit Geld.

Studenten am Lehrstuhl für Ukrainistik der Universität von Simferopol (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)Ungeliebtes Ukrainisch
Ukrainer haben seit der Krim-Annexion 2014 einen schweren Stand auf der Halbinsel. Sie werden diskriminiert, Ukrainisch hört man kaum noch. Manche setzen aber trotz großer Widerstände weiter auf ukrainische Kultur und Sprache.
 

Ilmi Umerov wird Ende September zu zwei Jahren Haft verurteilt. (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)Tataren kämpfen gegen die Annexion
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Der Hippie Andrej Dementjew steht in seinem Laden in Koktebel. (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth) (Deutschlandradio / Gesine Dornblüth)Für Hippies von Koktebel ist Krim russisch
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