
Junge Männer gelten vielen als treibende Kraft hinter dem Erfolg der AfD. Tatsächlich unterscheiden sich ihre politischen Einstellungen oft deutlich von denen junger Frauen. Doch ein Blick auf Studien zeigt: Die politische Polarisierung zwischen den Geschlechtern ist nicht neu. Und sie erklärt den Erfolg der AfD bei Wahlen nur zu einem geringen Teil.
Das Wahlverhalten junger Männer und Frauen
Bei der Bundestagswahl 2025 haben Frauen häufiger Grüne, Linke und SPD gewählt, Männer hingegen CDU, FDP und AfD. Bei den unter 25-Jährigen war dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern sogar noch deutlicher ausgeprägt - und hat im Vergleich zur Wahl 2021 weiter zugenommen.

Besonders deutlich zeigt sich das bei zwei Parteien: bei der Linken und der AfD. 37 Prozent der Frauen unter 25 Jahren wählten die Linke, von den jungen Männern hingegen nur 18 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei der AfD: 25 Prozent der jungen Männer haben der AfD ihre Stimme gegeben, nur 13 Prozent der Frauen.
Warum die AfD trotzdem keine Partei junger Männer ist
Die Politikwissenschaftlerin Gefjon Off forscht zum Wahlverhalten der Generation Z, zu der üblicherweise die Jahrgänge Mitte der 1990er- bis Anfang der 2010er-Jahre gezählt werden.
Sie geht davon aus, dass sich der Trend aus der Bundestagswahl auch bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigen wird. In den ostdeutschen Bundesländern falle die Präferenz junger Männer für die AfD sogar noch stärker aus.
Gleichzeitig warnt Gefjon Off vor vorschnellen Schlüssen: "Diese jungen Männer wählen nicht häufiger die AfD als Männer mittleren Alters." Zwar entscheiden sich junge Männer häufiger für rechte Parteien als junge Frauen. Insgesamt seien junge Menschen jedoch progressiver eingestellt als ältere Generationen, unabhängig vom Geschlecht.
Auch der Politikwissenschaftler Reto Mitteregger von der Humboldt-Universität Berlin hält es für irreführend, die AfD als Partei junger Wähler darzustellen.
Er hat berechnet, dass nur vier Prozent der AfD-Wählerschaft Männer zwischen 18 und 24 Jahren sind. Das liegt vor allem daran, dass junge Menschen in der alternden deutschen Gesellschaft nur einen kleinen Teil der Wahlberechtigten ausmachen.
Zudem liegen junge Männer mit ihrer Zustimmung zur AfD im Durchschnitt aller Männer. Noch häufiger wird die Partei jedoch von Männern zwischen 35 und 59 Jahren gewählt. In diesen Altersgruppen entschieden sich bei der Bundestagswahl 2025 etwa 31 Prozent für die AfD. Bei Frauen desselben Alters waren es nur etwas mehr als 20 Prozent.
Politische Polarisierung: ein wiederkehrendes Muster bei jungen Generationen
Dass die politische Polarisierung bei jungen Menschen stärker ist, liegt insbesondere auch daran, dass junge Frauen so stark nach Links tendieren. Während im Durchschnitt aller Altersgruppen nur jede zehnte Frau Die Linke wählte, war es bei den 18 -bis 24-Jährigen fast jede vierte.
Der niederländische Politikwissenschaftler Roderik Rekker sieht darin allerdings keinen neuen Trend. Dieses Muster konnte er in einer Studie auch in früheren Generationen finden. Rekkers Arbeit ist allerdings noch nicht publiziert, eine wissenschaftliche Bewertung seiner Ergebnisse steht also noch aus.
Onlineartikel: Tobias Pastoors / Radioautorin: Lydia Jakobi



















