Sonntag, 25. September 2022

US-Botschafterin in Deutschland
Amy Gutmann - die erste ihrer Familie mit Uniabschluss

Amy Gutmann dürfte sich auf ihre Anhörung vor dem Senatsausschuss gut vorbereitet haben. Seit fünf Monaten wartet die designierte US-Botschafterin auf ihre Bestätigung. Die Tochter jüdisch-deutscher Einwanderer, die als erste ihrer Familie einen Uniabschluss erwarb, ist damit aber nicht allein.

14.12.2021

US-Präsident Joe Biden und die designierte US-Botschafterin in Berlin, Amy Gutmann bei einer Veranstaltung an der University of Pennsylvania
US-Präsident Joe Biden und die designierte US-Botschafterin in Berlin, Amy Gutmann, bei einer Veranstaltung an der University of Pennsylvania (picture alliance / ZUMAPRESS / Ed Hille)
Seit dem Sommer 2021 steht fest, dass die Politikwissenschaftlerin und Uni-Präsidentin Amy Gutmann US-Botschafterin in Deutschland werden soll. Der Posten ist seit Juni 2020 vakant. Der letzte Botschafter Richard Grenell, von Präsident Donald Trump ernannt, hatte in Deutschland ziemlich verbrannte Erde hinterlassen. Doch Gutmanns Bestätigung durch den Auswärtigen Ausschuss des Senats ließ fünf Monate auf sich warten. Nun findet die Anhörung der US-Botschafterin für Deutschland vor dem Auswärtigen Ausschuss endlich statt. Gutmann wäre die erste Frau, die als US-Botschafterin in die Bundesrepublik entsandt wird.

50 US-Botschafter warten noch auf ihre Bestätigung

Die Bestätigung von US-Botschaftern zu verzögern, ist für Senatoren ein beliebtes Mittel, um Druck auf die US-Regierung auszuüben. Nur sieben Botschafter wurden bislang bestätigt, über 50 warten immer noch auf ihre Anhörung. Die neue NATO-Botschafterin Julianne Smith bestätigte der US-Senat trotz des eskalierenden Ukraine-Konfliktes erst am 18. November. Zum Vergleich: Am Ende von sowohl Barack Obamas und als auch Donald Trumps erstem Amtsjahr hatte der US-Senat bereits die allermeisten Botschafterkandidaten bestätigt. 

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Dabei geht es oft gar nicht um den Kandidaten, sondern um politische Fragen, die nichts mit der Person zu tun haben. Bob Menendez, der Vorsitzende des Auswärtigen Senatsausschusses, machte im November seinen Frust über die Verzögerung bei der Besetzung des Berliner Postens öffentlich: der früher routinemäßige Prozess von Nominierungen, Anhörungen und Ausschussabstimmungen sei inzwischen wie Zähneziehen, sagte der demokratische Senator.

Republikaner leisten Widerstand gegen Nord Stream 2

Im Fall der designierten US-Botschafterin in Deutschland kamen mehrere Dinge zusammen. Zum einen der Widerstand im US-Kongress gegen Nord Stream 2: Nachdem US-Präsident Biden die Sanktionen des US-Kongresses gegen das deutsch-russische Gaspipelineprojekt außer Kraft gesetzt hatte, kündigte deren Mitinitiator, Senator Ted Cruz aus Texas, Widerstand an mit der Begründung, die Fertigstellung der Nord Stream 2-Pipeline sei schlecht für die Vereinigten Staaten, schlecht für Europa und gut für Russland und Putin.

Tochter jüdisch-deutscher Flüchtlinge

Zudem suggerierten die republikanischen Senatoren Rubio, Cruz und Johnson im November, Gutmanns Nominierung sei eine Art Belohnung durch den US-Präsidenten: Joe Biden hatte zwischen 2017 bis 2021 einen gut dotierten Posten als Professor an der University of Pennsylvania inne, Amy Gutmann war zu der Zeit dort Uni-Vizepräsidentin. Das Weiße Haus bezeichnete in einer Reaktion die Vorwürfe als längst entlarvte Verschwörungstheorie. Die Spezialistin für politische Philosophie genieße weltweit Respekt und sei darüber hinaus als Tochter jüdisch-deutscher Flüchtlinge außergewöhnlich qualifiziert für den Botschafter-Posten.
Gutmann ist Tochter eines jüdischen Vaters, der 1934 aus Nazi-Deutschland über Indien in die USA geflohen war. Dort wurde Gutmann geboren und wuchs in Brooklyn, New York auf.

Öffnete die Uni für unterrepräsentierte Studierende

Die 71-jährige Gutmann, die erste in ihrer Familie mit akademischem Abschluss, hat sich in der Lehre, und mindestens so sehr im Universitätsmanagement, einen Namen gemacht. Als Präsidentin von Penn, wie die Privatuniversität in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania genannt wird, hat Gutmann die Spitzenuni gezielt für unterrepräsentierte Studierende geöffnet. Sie hat Milliardenbeträge für Stipendien gesammelt, damit auch die studieren können, die es sich sonst nicht leisten könnten. Jeder achte Studierende an der Penn ist der erste in seiner Familie. Sie hat sich für Millioneninvestitionen in das öffentliche Schulsystem in Philadelphia eingesetzt. Das Magazin Fortune bezeichnete die designierte US-Botschafterin für Deutschland 2018 als eine der 50 weltweit wichtigsten Führungspersönlichkeiten.

Gute Beziehungen zu US-Präsident Biden

Gutmann hat die Universität auch als Ort für den politischen Diskurs stark gemacht. Als Donald Trump im vergangenen Jahr Einreiseverbote für Greencard-Bewerber und ausländische Arbeitskräfte erließ, griff Gutmann zum Megaphon und protestierte vor ihrer Universität: Die Anordnung verursache großen Schaden und müsse zurückgenommen werden.
Mit US-Präsident Biden pflegt Gutmann gute Beziehungen. 2017 eröffnete sie das Penn-Biden-Zentrum für Diplomatie und globales Engagement in Washington, D.C., das sich mit Diplomatie, Außenpolitik und dem Dialog zur nationalen Sicherheit befasst.

Umgang mit China - ein schmaler Grat

Biden bemüht sich seit seinem Amtsantritt darum, die transatlantischen Beziehungen zu erneuern. Dabei kommen auf die designierte US-Botschafterin in Deutschland auch Herausforderungen zu, allen voran der Konflikt um die Gas-Pipeline Nord Stream 2, durch die russisches Gas auf direktem Weg nach Deutschland geliefert werden soll.
Ein weiterer Konfliktpunkt zwischen Washington und Berlin ist der Umgang mit China. Berlin verfolgt einen eher pragmatischen, ideologiefreien Kurs. Der frühere US-Präsident Donald Trump hingegen hatte in seiner Amtszeit einen erbitterten Handelskonflikt mit China gestartet, der mit gegenseitigen Strafzöllen eskalierte und bis heute andauert. Auch Joe Biden verfolgt einen harten Kurs gegen China. Staatssekretär Anthony Blinken kündigte am 14.12.2021 an, dass die USA ihre militärischen und ökonomischen Beziehungen mit Partnern in Asien erweitern wollen, um Chinas Vormachtstellung im Indisch-Pazifischen Raum zurückzudrängen.
Ihre diplomatischen und außenpolitischen Fähigkeiten wird Amy Gutmann als Botschafterin erst unter Beweis stellen müssen. Dennoch wird ihr die Kapazität zugesprochen, eine gute Botschafterin zu sein.
Quellen: Doris Simon, Agenturmaterial