Donnerstag, 01. Dezember 2022

Organist Hansjörg Albrecht über Bruckners Symphonien
"Was für ein crazy Typ!"

Er steckt mitten in einem ambitionierten Projekt. Hansjörg Albrecht nimmt alle Symphonien von Anton Bruckner auf - gespielt auf der Orgel! Im Dlf-Interview erzählt er, welche neue Facetten das aufzeigt.

Hansjörg Albrecht im Gespräch mit Susann El Kassar | 03.08.2022

Profil des Kopfes einer Statue. Sie zeigt den Komponisten Anton Bruckner und steht in Linz.
In Linz wurde er 1824 geboren: der Komponist und Organist Anton Bruckner. Dort steht ein Bruckner-Denkmal, dessen Kopf hier im Profil zu sehen ist. (imago images/McPHOTO)
2024 jährt sich der Geburtstag von Anton Bruckner zum 200. Mal. Der Organist Hansjörg Albrecht hat das zum Anlass genommen, um alle neun Symphonien (und die sogenannte "Nullte") von Bruckner aufzunehmen. Und zwar auf der Orgel.
Mitte Juli ist Volume vier beim Label Oehms Classics erschienen, mit der Symphonie Nr.4, der "Romantischen". Es ist eine große Herausforderung, ein groß besetztes Orchester, für das Bruckner schreibt, alleine mit zwei Händen und zwei Füßen zu imitieren, gibt Hansjörg Albrecht zu. Die Orgel könne nicht atmen wie ein Orchester und wirke dadurch auf Dauer etwas eindimensional. Gleichzeitig könne eine Orgel mit all ihren Registern ein Orchester hinsichtlich der Lautstärke noch übertreffen.

Wechselwirkungen zwischen Orgel und Orchester

Anton Bruckner war ein sehr erfolgreicher Organist und so wundert es nicht, dass sich in seinen Symphonien Orgelspuren finden, die in den Transkriptionen deutlich werden. Für Hansjörg Albrecht sind das beispielsweise die großen Klangströme in den Finalsätzen, choralartige Passagen oder auch Überleitungen, die Bruckner aus der Kirchenmusik übernommen hat. Außerdem greift Bruckner die Akustik der großen Kathedralen auf, indem er mit effektvollen Generalpausen arbeitet. Dieses tiefe Durchdringen der Werke und auch die Auseinandersetzung mit Bruckners Werdegang bringt Hansjörg Albrecht immer wieder zum Staunen: "Was war das für ein crazy Typ!"

Redaktionell empfohlener externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige jederzeit wieder deaktivieren.

Eine Erweiterung des Orgelrepertoires

Im Zuge des kommenden Bruckner-Jubiläums werden die Transkriptionen der Bruckner-Symphonien auch verlegt. Es sei aber die Frage, wer diese Werke auch tatsächlich einstudiert, mein Albrecht. Dabei schließen diese "Orgel-Symphonien" eine Lücke im Repertoire der deutschen Orgelromantik und sie kompensieren die Tatsache, dass der bedeutende Organist Bruckner nur wenige Stückchen für "sein" Instrument hinterlassen hat.

Neue Musik als Bruckner-Spiegel

Zu jeder Transkription hat der Organist ein neues Werk in Auftrag gegeben. "Ich finde es grundsätzlich spannend, Dinge neu anzugehen", sagt Hansjörg Albrecht, und so hat er mehrere Komponisten und Komponistinnen gebeten, Bruckners Symphonien neu zu bespiegeln. So greift Thomas Jockel z.B. eine typische Tonfolge aus Bruckners Symphonie auf und verarbeitet diese kunstvoll in der eigenen Komposition.
Anton Bruckner: Sämtliche Symphonien in Orgeltranskriptionen, Vol.4
Symphonie Nr. 4, Es-Dur (Orgeltranskription von Th. Schmögner)
Abendzauber Ges-Dur (Orgeltranskription von H. Albrecht)
Philipp Maintz: Choralvorspiel XKVI "Morgenglanz der Ewigkeit" (Bruckner-Fenster zur Symphonie Nr.4)
Hansjörg Albrecht, Rieger Orgel des Konzerthaus Wien
Oehms Classics