Donnerstag, 09. Februar 2023

Flucht aus dem Krieg
Für eine Million Ukrainer ist Deutschland Notheimat geworden

Etwa die Hälfte der Geflüchteten aus der Ukraine sind Akademiker, auf Hilfe vom Sozialamt sind sie meist nicht angewiesen. Viele wohnen zudem privat. Doch mehr und mehr werden Gemeinschaftsunterkünfte benötigt. Kommunen kommen an ihre Grenzen.

Von Claudia Laak | 25.11.2022

Blick auf eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Sachsen. Die aus Wohncontainern errichtete Unterkunft bietet 300 Plätze.
Viele Kommunen spüren aktuell den Bedarf nach Unterkünften und reagieren (picture alliance/dpa | Jan Woitas)
Ein Freitagabend im Oktober, Berlin-Kreuzberg. In den Räumen einer Genossenschaft eröffnet Oleksandra Bienert ihre Fotoausstellung: 18 großformatige Schwarz-Weiß-Porträts ukrainischer Frauen, die im Frühjahr nach Berlin geflohen sind. "Es bedeutet, Menschen sichtbar machen, es bedeutet aber auch, dass wir dem entgegenwirken, dass wir diese Menschen nur auf eine Rolle reduzieren, und zwar auf eine Opferrolle. Wir sind ja nicht nur Geflüchtete, wir sind auch Ärztinnen, wir sind Intellektuelle, wir sind Menschen."
Es sind Bloggerinnen, Psychotherapeutinnen, Personalmanagerinnen, Sängerinnen, Schauspielerinnen und Barkeeperinnen, die Oleksandra Bienert fotografiert hat. Viele von ihnen sind zur Vernissage gekommen, machen jetzt ein Doppelporträt von sich.
Oleksandra Bienert (3.v.l), in der Ukraine geborene Aktivistin und Expertin, und Franziska Giffey (SPD, 2.v.l), Regierende Bürgermeisterin von Berlin, halten mit Vertreterinnen und Vertretern der ukrainischen Zivilgesellschaft vor dem Roten Rathaus eine ukrainische Flagge in der Hand.
Oleksandra Bienert möchte dazu beitragen, dass Flüchtlinge ganzheitlich als Menschen wahrgenommen werden (picture alliance / dpa / Fabian Sommer)
"My name ist Yuliya Kresko, I´m from Charkiv, from Ukraine, ich wohne seit sieben Monaten in Berlin." Die 23-jährige Kamerafrau ist kaum wiederzuerkennen, frappierend der Unterschied zwischen dem Schwarz-Weiß-Porträt an der Wand und der Realität. Auf dem Foto: dunkle Augenringe, strähnige Haare, der Blick verzweifelt. Jetzt strahlt sie: die Lippen knallrot, am Hals Tattoos, ein Nasenpiercing.
"Berlin ist, glaube ich, die Hauptstadt der Freiheit, ich fühle mich sehr wohl in dieser Stadt, und ich habe eine Menge Freunde in Berlin, sie sind wie eine kleine Familie für mich. Ich liebe diese Stadt. Das ist nicht wie das konservative Deutschland. Klar, Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland, aber es ist nicht das wahre Deutschland", sagt Kresko.

Die Hälfte der Geflüchteten sind Akademiker

Yuliya ist Teil der jungen ukrainischen Kreativ-Szene in der Hauptstadt. Dazu gehören auch Programmierer, Webdesignerinnen und KI-Spezialisten. Etwa die Hälfte der Geflüchteten sind Akademiker. Sie sind meist nicht auf Hilfe vom Sozialamt angewiesen und wohnen in keiner Flüchtlingsunterkunft. Sie haben sich bei Freunden oder Kolleginnen eingemietet, können remote weiterarbeiten oder gründen Niederlassungen von ukrainischen IT-Unternehmen.
So wie die 26-jährige Daria Kravets aus Kiew, die für eine App arbeitet: "Ich bin nicht zum Jobcenter gegangen, denn ich habe ja einen Job. Ich arbeite offiziell für ein ukrainisches Start-up. Wir haben eine großartige IT-Industrie und eine digitalisierte Wirtschaft, ich glaube, sie ist ein Vorbild für die gesamte EU. Die Ukraine ist besser digitalisiert als Deutschland."
Sie sind selbstbewusste Europäerinnen und Europäer, wollen auf Augenhöhe behandelt werden, nicht als Opfer. Und doch – wer ihnen näherkommt, fühlt die Verzweiflung. Zum Beispiel bei Anna-Marta Dontsova, Tänzerin und Schauspielerin aus Charkiw.  Sie steht in der Kreuzberger Foto-Ausstellung neben ihrem Schwarz-Weiß-Porträt und blickt skeptisch. "Weißt Du, das klingt jetzt komisch. Aber ich mag mich auf dem Foto lieber als jetzt hier. Als ich ankam, hatte ich eine große Hoffnung, ich wusste nichts, ich schwamm in diesem großen See, ich war in einem offenen Raum, ich war oben auf den Berggipfeln", sagt Dontsova.
Dieses Gefühl von Offenheit und Freiheit ist ein halbes Jahr später dem Gefühl der Verlassenheit gewichen. Die 26-Jährige hat Angst, ihren Eltern in Charkiw könne etwas passieren. Dann bricht sie in Tränen aus. "Alles wird gut, alles wird gut. Aber wann? Ich verstehe nicht wann. Ich fühle, dass sich nichts verändert. Ich fühle diesen großen Schmerz in mir. Dieser Krieg hat mich gezwungen, mein Leben zu ändern. Ich habe es geändert und jetzt verstehe ich es nicht mehr."

Ukrainer sind besser gestellt als andere Flüchtlinge

Anna-Marta Dontsova ist eine von etwa einer Million Ukrainerinnen und Ukrainern, die seit dem 24. Februar in Deutschland Schutz gesucht haben. In den meisten Fällen sind es Mütter mit ihren Kindern. Sieben von zehn Erwachsenen sind weiblich, etwa ein Drittel der Geflüchteten Kinder und Jugendliche.
Die Flüchtlinge aus der Ukraine sind bessergestellt als die aus Afghanistan, Iran oder Syrien. Sie müssen kein Asylverfahren durchlaufen, erhalten sofort eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis und dürfen einen Integrationskurs besuchen. Können sie arbeiten, ist das Jobcenter für sie zuständig, sonst das Sozialamt. Gut 500.000 Menschen aus der Ukraine sind aktuell auf Grundsicherung angewiesen, teilt die Arbeitsagentur mit, etwa 70.000 haben bereits einen Job.

Ukrainer als Lehrer

Hunderte von ihnen arbeiten inzwischen auch an deutschen Schulen. Als Lehrerinnen in Vorbereitungsklassen für Geflüchtete. Oder um beim ukrainischen Unterricht zu helfen oder als Dolmetscherin - wie Natalia Linchak aus Lwiw. Die Deutschlehrerin unterrichtet an einem Berufsschulzentrum im baden-württembergischen Leonberg in der Nähe von Stuttgart.
Natalia Linchak bringt den knapp 20 Jugendlichen aus der Ukraine, Albanien, Syrien oder Italien die Grundregeln der deutschen Sprache bei. Die 38-Jährige hat sich früher immer gefragt: "Warum habe ich deutsch studiert? Was kann ich mit der deutschen Sprache tun? Ich bin wieder Lehrerin und ich kann verdienen und meine Kinder unterhalten, das ist wie ein Traum!"
In der Ukraine konnte sie vom Unterrichten irgendwann nicht mehr leben. Ausgerechnet im Februar dieses Jahres ist sie nach Deutschland gekommen, neun Tage vor dem Krieg. Um in Baden-Württemberg als Altenpflegerin Geld zu verdienen. Nach dem russischen Angriff auf ihr Land hat Linchak dann ihre sieben- und 17-jährigen Söhne nachgeholt. Als das Kultusministerium im Frühjahr ukrainische Lehrkräfte suchte, bewarb sie sich sofort: "Ich möchte etwas Gutes, etwas Wichtiges machen. Da kann man nicht so einfach sich mit den Gedanken drücken lassen. Es ist so schwer! Besonders, wenn Du schlechte Nachrichten hörst."
So wie Natalia Linchak haben sich in Baden-Württemberg weitere 540 Lehrkräfte aus der Ukraine angemeldet, um zu unterrichten. 170 haben schon einen Vertrag. Neben dem Unterricht bilden sie außerdem eine wichtige Brücke zu den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern, sagt der Abteilungsleiter am Leonberger Berufsschulzentrum, Frank Weidner: "Die ukrainische Lehrkraft, die ist schon sehr wichtig, einfach auch um Dolmetschertätigkeit zu übernehmen, bei Elternabenden, im Kontakt mit den ukrainischen Schulen. Das ist tatsächlich etwas anders wie bei den Geflüchteten die 15/16 zu uns kamen. Die kamen nämlich alleine, ohne Eltern."

Es werden mehr Unterkünfte gebraucht

Fast 200.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine gehen inzwischen deutschlandweit zur Schule. Anfangs sind viele vor allem in eher große Städte geflohen, inzwischen kommen auch die Schulen und Kindergärten in kleineren Städten an ihre sowieso oft schon ausgereizten Kapazitätsgrenzen.
Die Kommunen spüren den Andrang auch bei der Suche nach Unterkünften. Baden-Württemberg hat bis November mehr als 160.000 Geflüchtete aufgenommen – auch aus anderen Ländern. Allein 140.000 kamen aber aus der Ukraine. Über den kalten Winter dürften es noch mehr werden. Dabei warnen Landkreise in ganz Deutschland schon seit Wochen vor einer Überforderung, auch weil überall Personal fehlt.
Private Unterkünfte reichen schon lange nicht mehr aus. Längst werden auch auf dem Land Gemeinschaftsunterkünfte aufgebaut, ehemalige Hotels oder Hallen gesucht und wieder Turnhallen, ehemalige Baumärkte und Container belegt. Wie in Gengenbach, im Schwarzwald. 30 Kilometer von der französischen Grenze entfernt. 60 Menschen aus der Ukraine leben in der 11.000-Einwohner-Stadt in weißen Metallcontainern.
Eine Frau im Bademantel kommt gerade aus der Gemeinschaftsdusche. Sie zeigt kurz ihre Bleibe: zwei kleine Räume, hauptsächlich Betten. Zu viert leben sie hier, sagt sie. Und sie sei der Stadt sehr dankbar für die Unterkunft.

Flüchtlingshilfe ist auf Ehrenamt angewiesen

Draußen verteilt Christine Weygoldt-Barth Dutzende Wasserkocher für die Familien. Weygold-Barth leitet den Asylkreis in Gengenbach und koordiniert dort die Ehrenamtlichen. Die Wasserkocher wurden von einem lokalen Verein gespendet. 150 Menschen engagieren sich in der kleinen Stadt regelmäßig für Senioren und Geflüchtete. Seit 2015 gibt es kaum Pausen: "Das so aufrechtzuerhalten, was wir eigentlich als Standard immer angesehen haben: Deutschunterricht. Wir versuchen, die zu integrieren. Aber die schiere Menge, da wird es jetzt sehr langsam wirklich sehr anstrengend." Ohne Ehrenamtliche würde die Flüchtlingshilfe nicht funktionieren. Das ist auf dem Land nicht anders als in der Stadt.
Obwohl dieses Jahr so viele Menschen wie noch nie nach Baden-Württemberg kamen, lief das Ankommen unaufgeregter als noch vor sieben Jahren, sagt auch Joachim Walter, Präsident des Landkreistages Baden-Württemberg: "Das hat natürlich super geklappt. Wir haben gestaunt. Wir haben viele Wohnungen gekriegt auf Anhieb, die wir für sonstige Flüchtlinge nicht bekommen. Auch aufgrund der Tatsache, dass natürlich den Menschen der Krieg in der Ukraine wesentlich näher war als der Krieg in Syrien oder die furchtbaren Zustände in Afghanistan."

Aber auch durch die Erfahrungen der Jahre 2015 und 2016 seien die Kommunen besser vorbereitet gewesen, sagt Walter: Trotzdem gebe es viel Luft nach oben. Er plädiert dafür:  "Dass wir zumindest so ein gewisses Maß an Unterkünften auch vorhalten müssen. Damit wir nicht wieder bei null anfangen."
Fast also wie im März, in Meßstetten auf der Schwäbischen Alb: Drei Jahre lang war hier auch eine Erstaufnahmestelle für Tausende Geflüchtete aus aller Welt untergebracht. Später ein Impfzentrum. Immer wurde danach alles wieder abgebaut. Als im Frühjahr ein Ankunftszentrum nur für Menschen aus der Ukraine eingerichtet werden musste, ging es wieder von vorn los. Zehn Tage hatten die Stadt und der Landkreis Zeit: Dann kamen die Ersten. Heute sind hier 600 Menschen untergebracht.
Auf dem riesigen Kasernengelände fällt das kaum auf. Überall hängen aber Schilder mit ukrainischer Schrift, die vor dem Truppenübungsplatz nebenan warnen. Die Menschen würden hier sofort darüber aufgeklärt, dass es sich nur um Übungen der Bundeswehr handelt, sagt Frank Maier. Er ist zuständig für Geflüchtete im gesamten Regierungsbezirk Tübingen und leitet stellvertretend auch die Unterkunft in Meßstetten. Anders als in den sonstigen Erstaufnahmestellen, sei in Meßstetten noch Platz: "Die Zugangszahlen insgesamt sind jetzt deutlich zurückgegangen im Vergleich zur Kriegs-Anfangsphase. Da kamen auch viele individuell hierher. Jetzt stellen wir eigentlich eher fest, dass es oftmals dann auch privat organisierte Busse sind, die in die Ukraine fahren oder in benachbarte europäische Länder und da dann Menschen mitbringen."
Auf dem Gelände gibt es eine Krankenstation und einen Kindergarten. Sogar ein Tierheim wurde in einer ehemaligen Bundeswehrunterkunft eingerichtet. In einem der vielen Zimmer der alten Kaserne lebt seit August auch Lena Kremer mit ihrer Familie: ihrem Mann und den drei Kindern. Kremer kommt aus Odessa, sie und ihr Mann hatten dort ein Fotostudio. Dass sie jetzt am Rande einer Kleinstadt untergekommen sind, stört sie nicht: "Uns gefällt, dass es hier schöne Wälder gibt, und sehr gute Luft. Und unsere Kinder sind nicht krank hier, weil die frische Luft hier sehr gut ist."

Wer aus der Ukraine flieht, erhält die Grundsicherung

Immer wieder wird auch im Südwesten Deutschlands darüber diskutiert, dass die höheren Sozialleistungen für Geflüchtete aus der Ukraine einen besonderen Anziehungseffekt hätten. Wer aus der Ukraine flieht, erhält die Grundsicherung, also Hartz IV. Und damit mehr als andere Geflüchtete, die Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen. Statistisch belegen lässt sich ein Pull-Faktor nicht, sagen die Behörden. Lena Kremer will erstmal in der Unterkunft in Meßstetten bleiben: "Wir bleiben hier bis Kriegsende, das ist hundert Prozent sicher! Aber, wir wollen zurückkehren, weil wir dort ein wunderbares Leben haben. Kämpfe werden in Odessa hoffentlich keine mehr stattfinden. Deshalb kehren wir zurück."
Auch die Ukrainerinnen, die sich an jedem Mittwochabend im Interkulturellen Zentrum des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg treffen, wollen zurück, sobald der Krieg zu Ende ist. Bis dahin müssen sie sich mit bürokratischen Problemen herumschlagen, erzählt Anne-Marie Braun von der Flüchtlings-Initiative "Schöneberg hilft". "Sie fallen durch Raster und Lücken, weil die Ämter überlastet sind und das Chaos nicht mehr zu händeln ist. Wenn das Geld fließen würde, dann wäre das kein Problem. Wir haben hier viele, bei denen der Wechsel vom Sozialamt zum Jobcenter noch nicht funktioniert oder aber, die eigentlich beim Sozialamt sind, aber da das Geld nicht fließt."
Wichtig ist bei den Treffen vor allem der Austausch: Wie finde ich für mein Kind einen Platz in einer Willkommensklasse? Wird mir das Hartz IV gekürzt, wenn ich in die Ukraine fahre, um Wintersachen zu holen? Aber vor allen Dingen: Wie bekomme ich eine Wohnung?

100.000 Kriegsflüchtlinge in Berlin

Der Berliner Senat geht von etwa 100.000 ukrainischen Kriegsflüchtlingen in der Hauptstadt aus. Von denen leben allerdings nur 3.000 in offiziellen Unterkünften des Landes. Sprich – die überwiegende Mehrheit hat entweder eine eigene Wohnung, lebt nach wie vor bei deutschen Gastgebern oder ist bei Verwandten oder Bekannten untergekommen.
So ist es bei Antonina Gavrylenko. Die 57-Jährige hat in der Personalabteilung eines Kosmetikherstellers in Kiew gearbeitet. Seit März teilt sie sich eine Drei-Zimmer-Wohnung mit einem Bekannten. Doch auf die Dauer gehe das nicht, sagt Gavrylenko. Sie hätten viel zu wenig Platz, ihr Gastgeber arbeite zuhause. "Ja, seit dem Sommer suche ich aktiv eine Wohnung. Ich bin in verschiedenen Chat-Gruppen, ich frage Ukrainer, ich frage Deutsche, ich suche in den Wohnungsportalen im Internet, täglich etwa zwei bis vier Stunden."
Als Ausländerin in Berlin eine Wohnung zu finden, ist schwer bis unmöglich, hat Antonina Gavrylenko erfahren müssen. Zweimal wäre sie fast auf Betrüger hereingefallen. Einmal sollte die Ukrainerin für eine Wohnungsbesichtigung bezahlen – 300 Euro – ein andermal einen Mietvertrag unterschreiben, ohne vorher die entsprechende Wohnung gesehen zu haben. "Mehr oder weniger alle Ukrainer sind schon mit solchen Betrügereien konfrontiert worden."

Und die Lage verschärft sich weiter. Der stillgelegte Flughafen Berlin-Tegel, bisher lediglich Ankunfts- und Verteilzentrum für Ukraine-Flüchtlinge, ist bereits zur Notunterkunft ausgebaut worden. Berlin hat bereits vor Jahresende mehr Schutzsuchende als im Winter 2015/2016 aufgenommen.
Wo sich Kriegsflüchtlinge jetzt gebrauchte Kleidung aussuchen können, war früher mal ein Zeitungskiosk. Der Schalter einer Fluggesellschaft dient jetzt als  "Animal-Care-Point", täglich müssen etwa 30 bis 40 Hunde, Katzen, Wellensittiche und Hamster versorgt werden. Auf einem stillgelegten Gepäckband liegen Kuscheltiere zum Mitnehmen.

Die Turnhallen sollen frei bleiben

"Und wir laufen gleich einmal durchs Gebäude raus aufs Rollfeld, in ein Zelt rein, aber nehmen gleich wieder die Kurve raus." Der Leiter der Taskforce Ukraine Andreas Karden zeigt gemeinsam mit Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping den umfunktionierten ehemaligen Flughafen Tegel. Rechnet man die derzeitigen Zahlen hoch, braucht Berlin bis Ende des Jahres 10.000 weitere Plätze. Turnhallen will der Senat möglichst nicht belegen.
Katja Kipping: "Was wir hier gerade aufgebaut haben, sind zwei Zelte vom Deutschen Roten Kreuz, die aber gut ausgestattete Wohnzelte sind. Das darf man sich jetzt nicht wie ein Zeltlager auf Moria vorstellen. Und dann bauen wir jetzt, weil wir vor die Lage kommen müssen und mehrere großflächige Unterkünfte brauchen, als allererstes Leichtbauhallen, die sind energetisch besser, die wollen wir akquirieren und auch Großzelte, weil wir uns auf viele, viele neue Plätze einrichten müssen."
Wir müssen vor die Lage kommen, diesen Satz sagt Berlins Sozialsenatorin gerade häufiger. Aber was heißt das? Wie viele Schutzsuchende in den nächsten Wochen aus der Ukraine kommen werden, lässt sich kaum prognostizieren. Berlin bereitet jedenfalls gerade auch seinen zweiten stillgelegten Flughafen Tempelhof als Flüchtlingsunterkunft vor – so wie 2015.