EURO 2024
Premiere bei einer Fußball-EM: Vereinbarung über Menschenrechte

In sieben Monaten beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Der Deutsche Fußball Bund hat dazu zusammen mit der UEFA eine gemeinsame Menschenrechtserklärung vorgestellt.

15.11.2023
Nancy Faeser (SPD), Bundesministerin des Innern und für Heimat, spricht auf einer Veranstaltung zur Unterzeichnung einer Menschenrechtserklärung zur UEFA EURO 2024.
Politik und Fußballverbände haben eine Menschenrechtserklärung zur UEFA EURO 2024 unterzeichnet. Die Erklärung benennt die Verantwortlichkeit zur Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte beim Turnier. (picture alliance / dpa / Hannes P Albert)
In Berlin unterzeichneten Mitglieder der Bundesregierung sowie Vertreter von DFB und UEFA eine Erklärung, die das Bekenntnis zu fairen Arbeits- und Lebensbedingungen für die Europameisterschaft betont. Die Vereinbarung stellt eine Premiere in der EM-Geschichte dar und soll als Vorbild für zukünftige Sportgroßveranstaltungen in Deutschland dienen.

Was steht in der Erklärung der Verbände?

UEFA und DFB wollen die internationalen Standards der Vereinten Nationen einhalten - im Bezug auf Arbeits- und Menschenrechte. Somit sollen Schwarzarbeit, Niedriglöhne und Diskriminierung bei dem Turnier tabu sein.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hob die Wichtigkeit einer solchen Erklärung hervor: „Wir wollen uns ungetrübt auf dieses Sportereignis freuen – es soll Fairness geben, nicht nur auf dem Fußballplatz. Es sollen faire Spiele werden. Und wir wollen auch, dass es Heimspiele für Menschenrechte werden.“
In dem Dokument steht auch, dass ein Sportereignis dieser Größe das Risiko von Menschenrechtsverletzungen berge, zum Beispiel in Form von Diskriminierung von Sportlern, Fans oder Volunteers. Alle Beteiligten sollen vor Diskriminierung und rassistischen und antisemitischen Aktionen etwas in den Fanzonen geschützt werden.
Eine solche Erklärung ist ein neuer Schritt für den europäischen Fußballverband, betonte Bundesinnenministerin Nancy Faeser: „Die UEFA hat zum ersten Mal ein solches Papier unterzeichnet." Man habe zur Einhaltung der Menschenrechte verschiedene Ziele definiert, die für das Turnier wichtig sind, wie zum Beispiel die Einhaltung der Nachhaltigkeitsziele, der Menschenrechte, von Arbeitnehmerrechten, von Lieferketten und den Schutz vor Diskriminierung. "Das ist so besonders und soll auch als Beispiel dienen für nächste Sportgroßveranstaltungen.“ Das Dokument benenne individuelle Verantwortlichkeiten.
Nach der WM in Katar im letzten Jahr, die wegen diverser Menschenrechtsverletzungen zum Teil stark kritisiert wurde, war es der deutschen Politik und dem DFB wichtig, das Zeichen zu setzen.

Wie will man denn garantieren, dass die Menschenrechte bei der EM auch eingehalten werden?

Im Dokument findet man zumindest eine Risikoanalyse in einer Tabelle mit 34 verschiedenen Szenarien für die Europameisterschaft. Da geht es um unterschiedlichste Felder – Sicherheit und Gesundheit, Diskriminierung, aber auch Inklusion oder Meinungs- und Pressefreiheit.
Auch die Arbeitsbedingungen sind ein elementarer Teil der Vereinbarung, betont Hubertus Heil: „Konkret unterwirft sich die UEFA damit als Veranstalter dem deutschen Lieferkettengesetz. Das heißt konkret, dass wenn es um Fairness geht - zum Beispiel wenn es um T-Shirts geht, Fußbälle, die nicht aus Kinderarbeit kommen – aber auch um eine faire Bezahlung und Behandlung der Beschäftigten in Deutschland, das ist eine Facette von Menschenrechten.“
Beraten wurden DFB und UEFA dabei auch von mehreren Menschenrechtsorganisationen.

Jetzt sind sieben Monate nicht mehr viel Zeit bis zur EM – kann man die Pläne rechtzeitig umsetzen?

Es wird zeitlich ziemlich eng. Das kritisieren auch die Organisationen, auch solche, die zum Teil mit beraten haben. Denn zum Beispiel wird die Beschwerdestelle der EURO 2024 GmbH gerade erst eingerichtet und soll erst im Januar ihre Arbeit aufnehmen. Aktuell ist vor allem noch unklar, wie eine Beschwerdemeldung genau bearbeitet wird und wer wann zuständig ist.
Außerdem hatte der DFB schon bei seiner Bewerbung versprochen, auch die Turniervorbereitung menschenrechtskonform durchzuführen. Diese Vorbereitung ist allerdings schon im vollen Gange: Viele Merchandising-Produkte werden im Ausland bereits hergestellt.
Zum Vergleich – bei der Frauenfußball-WM in Australien und Neuseeland in diesem Sommer hatte es die Menschenrechtserklärung mitsamt Risikoanalyse schon eineinhalb Jahre vor Turnierstart gegeben. Jetzt sind es nur noch sieben Monate bis zum Start.

Niklas Potthoff, og