Donnerstag, 19. Mai 2022

Inflation
Warum steigen die Preise?

Die Inflation war lange Zeit kein Thema – nun ist sie mit voller Wucht zurückgekehrt. Rund um den Globus rüsten sich die Notenbanken im Kampf gegen die Teuerung. Auch in Deutschland machen sich viele Menschen Sorgen, dass ihre Kaufkraft schwindet und sie sich weniger leisten können. Wie entsteht Inflation und wie wird gegengesteuert?

11.05.2022

Eine Frau holt eine 5-Euro-Banknote aus ihrem Portemonnaie
Sorgen um die Kaufkraft in Deutschland: Die Inflation steigt (picture alliance / dpa / Fernando Gutierrez-Juarez)
Im Jahr 2022 ist die Inflation in Deutschland stark gestiegen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Verbraucherpreise im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,9 Prozent, im Februar dann um 5,1 Prozent. Dies war schon mehr als von Analysten erwartet. Jedoch im März machte die Teuerungsrate dann nochmals einen unerwarteten Sprung auf die Marke von 7,3. Dies wurde von vielen Experten als Ausreißer gewertet – das stimmte aber nicht. Denn im April 2022 stieg die Rate nochmals auf 7,4 Prozent – das ist der höchste Wert seit 40 Jahren.
Ökonomen gehen davon aus, dass der Preisdruck weiterhin anhalten wird. Dabei treibt insbesondere der Krieg in der Ukraine die Preise, aber auch massive Probleme bei den internationalen Lieferketten durch die Null-Covid-Politik Chinas.
Wegen der Corona-Pandemie mit ihren Einschränkungen für das öffentliche Leben hat das Statistische Bundesamt die Berechnung des Preisindex erneut angepasst. Stärker gewichtet werden nun zum Beispiel Ausgaben für Freizeit und Unterhaltung. Weniger ins Gewicht fallen Dienstleistungen von Gaststätten und Hotels.
Im Jahresdurchschnitt erhöhten sich die Verbraucherpreise 2021 gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent. Eine höhere Jahresteuerungsrate wurde nach Angaben des Bundesamtes zuletzt vor fast 30 Jahren ermittelt: 1993 legten die Verbraucherpreise um 4,5 Prozent zu. Im Jahr 2020 hingegen lag die Inflationsrate noch bei lediglich 0,5 Prozent und damit deutlich unterhalb des von der Europäischen Zentralbank (EZB) angepeilten Ziels von zwei Prozent.

Wie entstehen Inflation und Deflation?

Inflation ist der anhaltende Wertverlust von Geld durch steigende Preise. Preissteigerungen können verschiedene Ursachen haben, etwa die Verknappung bestimmter Güter oder Dienstleistungen. Derzeit sind zum Beispiel viele Baustoffe knapp, aber auch Computerchips. Wegen der hohen Nachfrage erhöhen sich die Preise der Produkte. Dieser Preisanstieg wird von den Unternehmen an die Verbraucher weitergegeben.
Eine Deflation ist sozusagen das Gegenteil der Inflation. Hier gehen die Preise stetig zurück, Güter und Dienstleistungen werden billiger. Die Gründe können ebenfalls unterschiedlich sein: die Nachfrage privater Haushalte sinkt oder die Nachfrage aus dem Ausland nach Importwaren. Gefährlich ist eine Deflation, weil sie eine Abwärtsspirale in Gang setzen kann: Werden fallende Preise erwartet, werden Investitionen und Käufe zurückgestellt – die Wirtschaft stockt.

Was treibt aktuell die Preise?

Im Jahresdurchschnitt 2021 verteuerten sich vor allem die Energieprodukte, die gegenüber dem Vorjahr deutlich um 10,4 Prozent zulegten – nach einem Rückgang um 4,8 Prozent im Jahr 2020.
Für die Verbraucherinnen und Verbraucher spürbare Preiserhöhungen gab es 2021 vor allem bei leichtem Heizöl (plus 41,8 Prozent) und bei Kraftstoffen (plus 22,6 Prozent). Auch die Preise für andere Haushaltsenergie wie Erdgas (plus 4,7 Prozent) und Strom (plus 1,4 Prozent) erhöhten sich. Die Preissteigerungen bei Energiekosten werden seit Monaten von der weltweiten Konjunkturerholung nach dem wirtschaftlichen Einbruch durch Corona angeheizt.
Im Jahr 2022 gehen die Preissteigerungen bei Energie weiter. Insbesondere der Krieg in der Ukraine hat die Preise deutlich anziehen lassen: Öl- und Gaspreise sind nach Kriegsbeginn regelrecht in die Höhe geschossen, weil ein Öl- oder sogar auch ein Gasembargo seitens der EU für möglich gehalten wird. Auch ein Lieferstopp von russischem Öl oder Gas ist denkbar. Ende April hat der russische Staatskonzern Gazprom bereits Polen und Bulgarien den Gashahn abgedreht. Wie sich die Öl- und Gaspreise in den kommenden Monaten entwickeln werden, ist kaum absehbar.
Rechnete die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht von Ende Januar 2022 noch mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von im Schnitt 3,3 Prozent in diesem Jahr, maßgeblich angetrieben durch hohe Energie- und Lebensmittelpreise, so musste sie sich in sehr kurzer Zeit selbst korrigieren: In ihrer am 27. April vorgelegten Frühjahrsprognose rechnet sie nun für 2022 mit einer Inflation von 6,1 Prozent. "Solche Raten wurden bislang nur zu Zeiten der Ölkrise oder kurz nach der Wiedervereinigung beobachtet", so das Wirtschaftsministerium. Laut Frühjahrsprognose soll die Teuerung im Jahr 2023 bei 2,8 Prozent liegen.
Der Ökonom Thomas Mayer sieht die Ursachen der Teuerung auch in der Fehlannahme, dass sich die Güterproduktion und Lieferketten nach dem Ende der pandemiebedingten Lockdowns schnell normalisieren würden. Dabei habe man sich verrechnet - und nicht rechtzeitig gegengesteuert. Das sei spätestens zum Jahreswechsel 2020/2021 fällig gewesen, so Mayer. Man habe aber erst Ende 2021 zugegeben, dass der Inflationsanstieg nicht vorübergehend sei.

Was sind Auswirkungen und Gefahren von Inflationsraten?

Steigende Inflationsraten können für die Verbraucher einen Verlust ihrer Kaufkraft bedeuten. Das heißt: Für eine bestimmte zur Verfügung stehende Geldsumme können bei einem Anstieg der Inflation nicht mehr in gleichem Maße Güter oder Dienstleistungen in Anspruch genommen werden. Daher ist es für die Beurteilung inflationärer Tendenzen sehr wichtig, auf die Entwicklung von Löhnen und Gehältern zu schauen. Steigen sie in der Teuerung nicht oder im Verhältnis zum Anstieg der Preise zu wenig, schwindet die Kaufkraft der Konsumenten.
Wichtig ist die Inflation auch für die Geldanlage und den Vermögensaufbau etwa zur Altersvorsorge. Steigt die Inflation, nicht aber die Zinsen, wird angelegtes Vermögen immer weniger wert.
Für Hartz-IV-Bezieher oder Menschen in Altersgrundsicherung seien diese Preissteigerungen eine Katastrophe, sagte der Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, im Januar 2022 im Deutschlandfunk. Die ausgezahlten Gelder reichten ohnehin nur für ein Leben „unter dem Existenzminimum“. Insbesondere die stark anziehenden Strompreise machten den Menschen Angst.
Die Inflation spielt in der Berechnung der Hartz-IV-Regelsätze zwar eine Rolle – allerdings zeitverzögert. Zum 1. Januar 2022 wurde der Hartz-IV-Regelsatz für Erwachsene um drei Euro von 446 auf 449 Euro angehoben, also um circa 0,7 Prozent. Dazu wurden die Preissteigerungen des Jahres 2020 und der ersten Jahreshälfte 2021 berücksichtigt. Bis zum April 2021 lag die Inflationsrate allerdings noch unter zwei Prozent und stieg danach erst bis Dezember auf mehr als fünf Prozent an.

Was besagt die Inflationsrate?

Als Inflationsrate wird der prozentuale Anstieg des allgemeinen Preisniveaus in einem bestimmten Zeitraum bezeichnet, in der Regel ein Jahr, und zwar gemessen an einem Preisindex.
In Deutschland wird die Inflationsrate von den Statistischen Landesämtern und dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden berechnet. Jeden Monat werden zu diesem Zweck Einzelpreise erfasst, und zwar von Waren und von Dienstleistungen. Insgesamt werden Preise von rund 600 Güterarten erhoben: Sie bilden den sogenannten Warenkorb. Er wird als repräsentativ angesehen, allerdings gibt es auch immer wieder Diskussionen darüber, ob er richtig zusammengesetzt ist.

Wie nehmen Zentralbanken Einfluss auf Preisstabilität?

Die Sicherung stabiler Preise ist in der Regel die originäre Aufgabe der Zentralbanken. Sie sind daher idealerweise nicht an Weisungen von Regierungen gebunden. In Deutschland hat über viele Jahre die Deutsche Bundesbank die Steuerung der Geldpolitik verantwortet. Seit der Einführung des Euro-Systems, deren Mitglied die Bundesbank ist, ist die Europäische Zentralbank zuständig. Auch sie ist vorrangig dem Ziel der Preisstabilität verpflichtet. Das unterscheidet sie zum Beispiel von der US-amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed). Diese berücksichtigt in ihren geldpolitischen Entscheidungen auch Effekte für den Arbeitsmarkt.
Preisstabilität sieht die EZB dann als am besten gewährleistet an, wenn mittelfristig ein Inflationsziel von zwei Prozent angestrebt wird. Dieses Ziel ist symmetrisch, das bedeutet: negative Abweichungen von diesem Zielwert sind genauso unerwünscht wie positive Abweichungen. Es wird angenommen, dass die Gefahr einer Deflation dann nicht besteht, weil es eine maßvolle Teuerung gibt. Die Bedrohung durch eine "galoppierende", also stark zunehmende Inflation wäre bei einer beherrschbaren Preissteigerung von zwei Prozent ebenfalls nicht gegeben.
Das Ziel einer Inflationsrate von nahe zwei Prozent hat die EZB aber über lange Zeit nicht erreicht. Normalerweise erhöhen die Zentralbanken die Zinsen, wenn die Teuerung zunimmt, um die Preise stabil zu halten. Denn bei höheren Zinsen werden Kredite teurer und daher seltener aufgenommen. Es entsteht weniger Nachfrage und damit weniger Druck auf die Preise. In den vergangenen zehn Jahren hat die EZB die Zinsen immer wieder gesenkt, bzw. auf einem niedrigen Niveau belassen, um auf diese Weise Geld günstiger zu machen und ein Anziehen der Inflation zu erreichen. Seit März 2016 liegt der Leitzins im Euroraum bei 0,0 Prozent.
(Die IWF-Chefin, Christine Lagarde, soll Mario Draghi an der Spitze der Europäischen Zentralbank nachfolgen
EZB-Chefin Christine Lagarde hat noch keine Zinserhöhungen eingeleitet - das kritisieren viele (AFP / Saul Loeb)
Auf die Coronakrise reagierte die EZB angesichts der ohnehin schon bei Null liegenden Zinsen mit einem anderen Mittel: mit gigantischen Aufkäufen von Anleihen, um so die Wirtschaft zu stabilisieren. Mit den jüngsten Fortschritten in der Bekämpfung der Pandemie zieht auch die Wirtschaft im Euroraum wieder an. Da auch andere wichtige Volkswirtschaften wie China oder die USA deutlich zulegen, ist ein Wettlauf um produktionsnotwendige Rohstoffe entstanden. Deren Preise steigen deutlich und heizen die Inflation auch im Euroraum an, wo die Inflationsrate inzwischen so hoch ist wie zuletzt während der Finanzkrise 2008: Im Oktober 2021 stieg sie in der Eurozone auf 4,1 Prozent an, inzwischen liegt sie bei dem Rekordwert von 7,5 Prozent (Stand: Schätzung für April 2022).

Wie wird die hohe Inflationsrate eingeschätzt?

Bis Ende 2021 sorgte sich angesichts der stark steigenden Inflationsraten kaum ein Ökonom, viele sahen in den Preissteigerungen ein vorübergehendes Phänomen. Inzwischen ist die Einschätzung pessimistischer geworden und warnende Stimmen werden lauter. Skepsis gegenüber der Einschätzung, dass die Preissteigerungen vor allem bedingt durch die Folgen der Corona-Krise und nur vorübergehend sind, äußerte unter anderem der neue Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel.
Zwei der großen Notenbanken reagierten bereits klar und leiteten eine geldpolitische Trendwende ein: Die Bank of England und die US-amerikanische Fed. In einem ungewöhnlichen Schritt erhöhte die wichtigste Zentralbank, die Fed, nach Einleitung der Zinswende die Zinsen am 4. Mai 2022 noch einmal drastisch: um 50 Basispunkte auf eine Spanne von 0,75 bis 1 Prozent. Ungewöhnlich deshalb, weil bei Zinserhöhungen in den USA ein Schritt um 25 Basispunkte üblich ist.
Nur einen Tag später, am 5. Mai 2022, schraubte auch die Londoner Notenbank den Leitzins weiter nach oben, und zwar um einen Viertel Punkt auf 1,0 Prozent. Das war der mittlerweile vierte Zinsschritt der Bank of England innerhalb eines halben Jahres.
Beide großen Notenbanken setzen mit ihrer Zinspolitik nun auch die Europäische Zentralbank unter Druck. Noch im Dezember bekräftigte die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, an ihrer Nullzins-Politik festhalten zu wollen. Inzwischen können sich viele „EZB-Watcher“ – so werden die Experten genannt, die sich mit der Geldpolitik der Notenbank beschäftigen – vorstellen, dass auch die EZB eine Zinswende einleiten muss. Als möglicher Zeitpunkt gilt die Zinssitzung der EZB im Juli.
Generell sei die Unsicherheit durch die Pandemie und die geopolitische Lage derzeit extrem hoch, sagte Kerstin Bernoth vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Dlf (13.02.2022). Im Herbst habe auch sie noch zu den Optimisten gezählt, inzwischen habe sich die Situation jedoch geändert, betonte die Wirtschaftswissenschaftlerin: "Wir haben das ruhige Fahrwasser verlassen, in dem wir seit Jahren vorher schwammen, wo Geldpolitik total langweilig war, wo nichts passierte", betonte Bernoth.
Ökonomin Bernoth zur EZB und der Psychologie der Inflation (13.02.2022)
Noch gebe es keine Lohn-Preisspirale, die die Inflation weiter anheizen könnte, so die Ökonomin. Doch je länger die Inflation auf einem erhöhten Niveau bleibe, umso wahrscheinlicher sei es, dass auch Lohnforderungen angepasst würden. "Es kommt jetzt wirklich auf die nächsten Monate an, wie sich die Energiepreise und auch die Produktionspreise entwickeln", sagte Bernroth und mahnte die Zentralbanken, die Entwicklung genau zu beobachten. Die EZB müsse sich darauf vorbereiten, einzugreifen und ihre Geldpolitik zu straffen, wenn die Preissteigerung nicht mehr vor allem von den Energiepreisen getrieben sein sollte, sondern etwa auch durch "Zweitrundeneffekte" wie höhere Lohnabschlüsse.
Auch seitens der Politik stieg zuletzt der politische Druck auf die Währungshüter. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" gibt es in Berliner Regierungskreisen die Sorge über eine "starke Inflationsdivergenz" innerhalb der Euro-Zone, mit zum Teil sehr hohen, nahezu zweistelligen Inflationsraten etwa im Baltikum. Dies könnte die europäischen Staaten in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung weiter auseinandertreiben, so die Befürchtung.
Pessimistisch hatte bereits Mitte Oktober 2021 die Dienstleitungsgewerkschaft Verdi auf Inflationsraten von mehr als vier Prozent reagiert. Ihr Vorsitzender Frank Werneke forderte schon damals "deutlich spürbare Reallohnsteigerungen", damit die Beschäftigten und ihre Familien den Preisanstieg auffangen könnten. Die Preissprünge träfen vor allem Menschen mit geringeren und mittleren Einkommen.

Was lehrt die Geschichte?

Dass die Bundesbank für die D-Mark eine sehr strikte, auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik verfolgte, hat mit dem historischen Trauma der Deutschen zu tun: nämlich der Erfahrung der Hyperinflation des Jahres 1923. Als Hyperinflation wird eine Geldentwertung bezeichnet, die 50 Prozent im Monat in der Spitze übersteigt. Die Bilder von Schubkarren voller Geldscheine waren im Bewusstsein der Deutschen im 20. Jahrhundert gegenwärtig. Letztlich war die "harte D-Mark" eine Folge dieser Erfahrung.
Der Ökonom Thomas Mayer sieht in der Hyperinflation von 1923 einen historischen Präzedenzfall. Damals sei die Produktion in Folge von Streiks zum Stillstand gekommen, der Staat habe die Ausfälle über Transfers der Reichsbank kompensiert. Die Folge sei eine Hyperinflation gewesen. Auch während der Lockdowns 2020 und 2021 sei der Produktionsausfall kompensiert worden - durch Schulden, die von der Zentralbank finanziert wurden. Dabei habe man sich aber verrechnet, denn das Angebot sei nach der Lockerung nicht wie antizipiert zurückgekommen.
Mayer sieht eine weitere Parallele zur Wirtschaftskrise der 1970er-Jahre. Damals gab es ebenfalls einen negativen Angebotsschock, als sich die Rohstoffe verknappten, die Geldbeschaffung groß war und es infolgedessen zu einer sogenannten Stagflation kam. In den USA wurde unter der Reagan-Administration eine drastische Zinserhöhung vorgenommen sowie Deregulierung und Steuersenkung. In Deutschland, wo die Inflation Anfang der 1970er-Jahre ebenfalls bei 7,5 Prozent lag, habe die Bundesbank den Geldmarktzins, der sich direkt vom Leitzins ableite, auf über zehn Prozent geschleust. Auch jetzt müsse man eine sehr tiefe Rezession einleiten, um gegenzusteuern. Denn das Problem sei verschleppt worden, sagte Mayer im Deutschlandfunk. (08.05.2022)

Könnte es auch zu einer Stagflation kommen?

Unter Stagflation versteht man ein Szenario, in dem die Wirtschaft stagniert und die Preise gleichzeitig anziehen. Erste Experten meinen, dass aktuell eine Stagflation in Europa drohen könnte. Der Krieg in der Ukraine und die daraufhin beschlossenen Sanktionen werden die wirtschaftlichen Aktivitäten deutlich belasten, gleichzeitig treiben sie die Rohstoffpreise nach oben.
Stagflation sorgt für einen Teufelskreis. Die gestiegenen Preise senken die Nachfrage, Unternehmen produzieren weniger und müssen daher auch Arbeitsplätze streichen, auch weil die Mitarbeitenden wegen gestiegener Preise höhere Löhne fordern. Die Arbeitslosigkeit steigt an und darüber fällt wiederum die Nachfrage.
Stagflation ist für die Notenbanken in tückisches Problem. Um die Inflation zu bremsen, würden sie eigentlich die Zinsen erhöhen – das allerdings setzt dem Wachstum zu, und die Wirtschaft wächst ja in einer Stagflation ohnehin nicht. Umgekehrt würden die Notenbanken gerne die Zinsen senken, um die Wirtschaft zu stützen – das treibt dann allerdings die Inflation.
Um aus einer Stagflation zu entkommen, müssen die Notenbanken vor allem Vertrauen schaffen. Vertrauen, dass die Preise nicht weiter steigen werden. Besteht dieses Vertrauen, können Unternehmen wieder neue Arbeitsplätze schaffen, weil sie nicht länger mit steigenden Lohnforderungen und fallender Nachfrage rechnen.
(Quellen: Klemens Kindermann, dpa, Reuters, AFP, cp, pto, tih)