Samstag, 03. Dezember 2022

Newsblog zum Coronavirus
Die Entwicklung vom 22. Dezember bis 25. Dezember

+++ Über 100.000 Neuinfektionen in Frankfreich. +++ Kritik an Formulierungen "Corona-Diktatur" und "Spaltungen der Gesellschaft" +++ Für 2020 und 2021 verzeichnet der Weiße Ring deutlich mehr Fälle von Gewalt in Familien. +++ Eine vorausschauende Planung der Corona-Maßnahmen fordert der Städte- und Gemeindebund. +++ Für die Weihnachtsfeiertage sind schon über 4.000 Flüge pandemiebedingt abgesagt worden. +++ Mehr im Newsblog.

25.12.2021

    Das Foto zeigt einen Radfahrer vor dem Eiffelturm.
    Das dritte Mal in Folge verzeichent Frankreich einen Höchststand bei den Corona-Neuinfektionen. (AFP / Ludovic Marin)
    Die aktuellen Entwicklungen finden Sie hier.

    Samstag, 25. Dezember

    +++ In Frankreich hat die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen erstmals die Schwelle von 100.000 überschritten.

    Binnen 24 Stunden seien 104.611 neue Fälle verzeichnet worden, teilten die Behörden mit. Damit wurde den dritten Tag in Folge ein neuer Höchststand registriert. Am 4. Dezember waren in Frankreich erstmals mehr als 50.000 Neuinfektionen gemeldet worden. Binnen drei Wochen hat sich diese Zahl nun mehr als verdoppelt. Frankreich erlebt bereits die fünfte Corona-Welle.

    +++ Bayerns Ministerpräsident Söder rechnet damit, dass eine allgemeine Corona-Impfpflicht die Spaltung der Gesellschaft eher überwinden als vertiefen wird.

    Der "Welt am Sonntag" sagte der CSU-Chef, viele Menschen würden ihre Voruteile verlieren und feststellen, dass es gar nicht so schlimm sei, sich impfen zu lassen. Vielmehr würden sie erkennen, dass eine Impfung schütze und Freiheit gebe. darüber hinaus könne eine Impfpflicht einigen helfen, "ihr Gesicht zu wahren". Eine einheitliche Pflicht, die für alle gelte, schweiße auch zusammen. Das Wichtigste sei nur, dass das Thema nicht zerredet werde.

    +++ Der Berliner Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Tom Sello, beklagt eine Verharmlosung des Begriffs Diktatur in den Debatten über Corona-Beschränkungen.

    In der Bundesrepublik seien Meinungsäußerungen, Versammlungen und die Gründung von Vereinen möglich - anders als früher in der DDR, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Menschen, die beides gleichsetzten, würden nicht nur die heutigen Verhältnisse verkennen. Sie täten den Menschen Unrecht, die in Diktaturen lebten und unter diesen Verhältnissen litten. Der Begriff der "Corona-Diktatur" taucht bei Protesten gegen Pandemie-Auflagen immer wieder auf. Bisweilen wird auch die Absetzung der Bundesregierung oder die Überwindung des politischen Systems gefordert.
    Der Publizist und Bürgerrechtler Tom Sello, hier im Sommer 2014.
    Der Publizist und Bürgerrechtler Tom Sello (picture-alliance / dpa / Paul Zinken)

    +++ Der Verfassungsrechtler Christoph Möllers kritisiert die Warnungen vieler Politiker vor einer "Spaltung der Gesellschaft".

    Die Spaltung sei erst einmal eine Behauptung ohne Nachweis, sagte der Professor von der Humboldt-Universität in Berlin der Zeitung "Die Welt". Mit dieser Behauptung würden "extreme Minderheiten" einen Anspruch auf Einfluss erheben, der ihnen gemessen an ihrer Größe nicht zustehe. Mutlose Politiker griffen das auf, um Konflikte zu vermeiden, die zum demokratischen Prozess gehörten. Ohnehin würden gewaltbereite Minderheiten die politische Unterschiede in einer Gesellschaft nicht verschärfen, erklärte Möllers. Sie könnten aber umgekehrt zu "Solidarisierungseffekten" führen. Das gelte für militante Impfgegner ebenso wie für die RAF oder islamistische Terroristen.

    +++ Holetschek für Sanktionen bei Verstoß gegen Impfpflicht

    Bayerns Gesundheitsminister Holetschek schlägt weitgehende Sanktionen bei Verstößen gegen die geplante allgemeine Impfpflicht gegen Covid-19 vor. Neben Bußgeldern könne man etwa auch über finanzielle Nachteile bei der gesetzlichen Krankenversicherung nachdenken, sagte der CSU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Mehr

    +++ Der organisierte Kölner Karneval hat harsche Kritik an Bundesgesundheitsminister Lauterbach (SPD) geübt.

    Es sei schade, wie wenig er als Rheinländer über den Karneval wisse, andernfalls würde er sich nicht öffentlich eine Verlegung der Karnevalsaktivitäten in den Sommer wünschen, heißt es in einem offenen Brief des Festkomitees Kölner Karneval an den SPD-Politiker. Der Karneval sei ein Fest im Jahreskreislauf wie Weihnachten oder Ostern. Niemand würde ernsthaft fordern, alle weihnachtlichen Feiern vom Weihnachtsmarkt über die Christmette bis zu den Treffen im Familienkreis auf den Sommer zu verlegen - selbst in Pandemiezeiten nicht. Wörtlich forderte das Festkomitee: "Kommen Sie aus dem Talkshowmodus heraus und agieren Sie wie ein Minister." Lauterbach reagierte darauf auf Twitter:

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    +++ Indien: Kathedrale zu Weihnachten geschlossen

    Gläubige versammelten sich im indischen Delhi außerhalb der Herz-Jesu-Kathedrale, die wegen steigender Corona-Zahlen zu Weihnachten geschlossen bleiben musste. Vor der Absperrung entzündeten die Menschen Kerzen.
    Betende mit und ohne Mundschutz stehen bei Kerzenlicht zusammen
    Neu Delhi: Gebete am Weihnachtstag vor der geschlossenen Herz-Jesu-Kathedrale (AFP/Sajjad Hussain)

    +++ Kino-Branche blickt auf ein weiteres schwieriges Jahr

    Seit Juli seien zwar rund 38 Millionen Kinokarten verkauft worden, doch im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie sei das ein drastischer Einbruch, sagte die Chefin des Branchenverbandes der Filmkunst-Theater, Berg. Nach wie vor werde die Kinobranche anders behandelt als die Gastronomie, beklagte Berg. Mehr

    +++ Weißer Ring: Nach Lockdowns suchten mehr Gewaltopfer Hilfe

    Gewalt in Familien und Partnerschaften hat während der Corona-Pandemie nach Einschätzung des Weißen Rings deutlich zugenommen. Bei der sogenannten häuslichen Gewalt verzeichnete die Hilfsorganisation im Jahr 2020 ein Plus von etwa zehn Prozent. Im Vergleich zu 2018 hätten sich sogar 20 Prozent mehr Hilfesuchende gemeldet. Für dieses Jahr zeichne sich eine ähnlich hohe Zahl ab wie 2020, sagte der Bundesvorsitzende des Weißen Rings, Ziercke.
    Die Prognose, dass häusliche Gewalt mit der Pandemie und dem Lockdown zunehme, und dass dies mit einem Verzögerungseffekt deutlich werde, habe sich bestätigt. Einige Wochen nach den Lockdowns 2020 und 2021 seien die Zahlen sprunghaft nach oben gegangen und die Bereitschaft der Opfer gestiegen, sich zu melden. In der Kriminalstatistik für das vergangene Jahr hatte sich ebenfalls eine deutliche Zunahme der Gewalt in Familien gezeigt.
    Gewalt in Familien: Wo gibt es Hilfe?

    +++ Corona-Zahlen an den Feiertagen unvollständig, Inzidenz sinkt vorläufig weiter

    Viele Gesundheitsämter melden an den Feiertagen keine Daten. Das Robert Koch-Institut kann deshalb nach eigenen Angaben derzeit nur ein unvollständiges Bild der Lage bieten und verzichtet bis zum 27. Dezember auf ausführliche Berichte. Die bislang gemeldeten Daten ergeben mit heutigem Stand eine weiter rückläufige Inzidenz von rund 243. Die Hospitalisierungsrate stagniert bei 4,5.
    Alle verfügbaren Zahlen zur Corona-Lage in Deutschland mit Stand heute

    +++ Polizei in Hamburg löst in den zurückliegenden beiden Nächten zwei große Tanzveranstaltungen mit jeweils hunderten Gästen auf.

    Gestern Abend wurden die Beamten zu einem Livekonzert in den Stadtteil Allermöhe gerufen. Vor Ort trafen sie auf etwa 800 Teilnehmer. Das gerade in Kraft getretene Tanzverbot wurde missachtet, auch sonstige Corona-Regeln wurden nicht eingehalten.

    +++ Forderung nach vorausschauenderer Planung der Corona-Maßnahmen

    Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert die Politik in Bund und Ländern auf, die Pandemiebekämpfung langfristiger zu planen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung würde steigen, wenn nicht immer nur von einer Bund-Länder-Konferenz zur nächsten entschieden würde, sagte der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Alle wüssten, dass die Omikron-Welle komme, daher seien langfristige Planungen unverzichtbar. Er forderte den Bundestag auf, erneut die epidemische Lage von nationaler Tragweite festzustellen.

    Freitag, 24. Dezember

    +++ Weltweit über Weihnachten schon 4.000 Flüge storniert

    Angesichts der Pandemie sind über die Weihnachtsfeiertage der Internetseite FlightAware zufolge mehr als 4.000 Flüge abgesagt worden. Viele Besatzungsmitglieder hätten sich krank gemeldet, zitierten Medien eine Mitteilung des US-Unternehmens Delta. Es gebe mehrere Ursachen für die Schwierigkeiten, eine davon sei Omikron. Die Corona-Variante ist in den USA dominant. Auch die Lufthansa hatte Interkontinentalflüge gestrichen, weil sich viele Piloten krankgemeldet hatten.

    +++ Polizei verstärkt Schutz für niederländischen Gesundheitsminister

    In den Niederlanden hat die Polizei die Schutzmaßnahmen für Gesundheitsminister de Jonge verstärkt. Wie die Nachrichtenagentur ANP berichtet, wurden vor dem Wohnhaus des 54-jährigen Politikers Überwachsungskameras installiert und ein mobiler Polizeiposten eingerichtet. Der Christdemokrat de Jonge ist auch stellvertretender Ministerpräsident. Wie es weiter heißt, kursiert seine private Adresse in sozialen Netzwerken - verbunden mit dem Aufruf, sie weiterzuverbreiten. Einem Bericht zufolge hat ein Mann versucht, an der Haustür mit dem Minister über die Corona-Maßnahmen der Regierung zu sprechen. Der Mann sei wegen des Verdachts auf Bedrohung festgenommen worden. In den Niederlanden ist wenige Tage vor Weihnachten ein harter Lockdown in Kraft getreten. Viele Bürger reagierten enttäuscht, doch große gewalttätige Proteste wie in den Monaten zuvor blieben zunächst aus.

    +++ Lauterbach rät auch Geimpften zu Corona-Tests an Weihnachten

    Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat zu Vorsicht bei den Weihnachtsfeierlichkeiten gemahnt. Der Anteil der Omikron-Fälle werde in den "nächsten Tagen SEHR stark ansteigen", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. "Über Feiertage melden Gesundheitsämter mit Verspätung. Wir haben Entwicklung dennoch im Blick. Bitte vermeidet/vermeiden Sie Ansteckungen beim Fest. Sogar Geimpfte sollten sich testen." Zuvor hatte sich der Minister in einer Videobotschaft bei den Beschäftigten des Gesundheitswesens bedankt, insbesondere während der Pandemie.
    Corona-Test vor verschwommenem Hintergrund
    Derzeit fallen wieder weniger Corona-Tests positiv aus: Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt. (picture alliance / CHROMORANGE / Matthias Stolt)

    +++ Ein großer Teil der Gesundheitsämter in Deutschland verfolgt im Fall von positiven Corona-Testergebnissen keine Kontakte mehr

    Dementsprechend würden auch Quarantäne-Regelungen nicht mehr überprüft, sagte die Bundesvorsitzende der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Teichert, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ihren Angaben zufolge haben mehrere Länder die Suche nach Kontaktpersonen vollständig ausgesetzt, zum Beispiel Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg. Man gehe dort davon aus, dass sich die Menschen selbst informieren würden, was sie bei einem positiven Testergebnis oder einem Risikokontakt tun müssen. Die Frage sei allerdings, ob das alle täten.
    Ordner in eine Regalreihe sind mit COVID-19 beschriftet.
    Die Gesundheitsämter haben durch Corona viel Mehrarbeit (picture alliance/dpa/Marijan Murat)

    +++ Bundesweite Corona-Inzidenz weiter gesunken

    Nach Angaben des Robert Koch-Instituts liegt der Wert aktuell bei 265,8 - nach gestern 280,3. Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 35.400 bestätigte Neuinfektionen von den Gesundheitsämtern registriert. Die Gesamtzahl der Corona-Todesfälle in Deutschland stieg um 370 auf 110.119. Das Robert Koch-Institut hat trotz der weiter sinkenden Zahlen mit Blick auf die sich ausbreitende Omikron-Variante Sorge und erwartet eine zusätzliche Belastung des Gesundheitssystems. Zudem sei während der Feiertage und zum Jahreswechsel mit weniger Tests und weniger Meldungen zu rechnen. Demnach könnten die offiziellen Daten nur ein unvollständiges Bild der Lage in Deutschland ergeben.

    +++ Ecuador beschließt allgemeine Impfpflicht ab 5 Jahre

    Das südamerikanische Land ist damit das erste, das eine Impfpflicht bei Kindern in diesem Alter ansetzt. Ausnahmen solle es nur für Menschen geben, bei denen nachweislich gesundheitliche Gründe gegen eine Impfung sprechen, hieß es. In Ecuador sind derzeit rund 69 Prozent der 17,7 Millionen Einwohner geimpft, rund 900.000 Menschen haben eine Booster-Impfung.

    Donnerstag, 23. Dezember

    +++ Spanien, Portugal und USA als Hochrisikogebiete

    Die Bundesregierung stuft unter anderem Spanien, Portugal und die USA wegen hoher Corona-Infektionszahlen von Samstag an als Hochrisikogebiete ein. Das teilte das Robert Koch-Institut mit. Österreich gilt dagegen nicht mehr als Hochrisikogebiet.

    +++ In Berlin und Hamburg weiter Zuschauer erlaubt

    Trotz der Entwicklung der Corona-Pandemie sind in Berlin und Hamburg auch nach Weihnachten Zuschauer bei Sportveranstaltungen erlaubt. Der Berliner Senat beschloss, vom 28. Dezember an bis zu 3.000 Zuschauer im Freien sowie 2.000 Zuschauer in geschlossenen Räumen zuzulassen, wie die Regierende Bürgermeisterin Giffey mitteilte. Dabei gelten 2G-plus-Regeln. In Hamburg dürfen unter freiem Himmel und unter 2G-Bedingungen auch weiterhin Sportveranstaltungen mit weniger als 5.000 Teilnehmern stattfinden. In Innenräumen sind es maximal 2.500 Teilnehmer. Am Dienstag hatten Bund und Länder vereinbart, dass überregionale Großveranstaltungen spätestens ab dem 28. Dezember ohne Zuschauer stattfinden müssen.

    +++ Einreisende nach Dänemark müssen ab kommende Woche unabhängig vom Impfstatus im Besitz eines negativen Corona-Tests sein.

    Das teilte die Regierung in Kopenhagen mit. Ausnahmen gelten demnach unter anderem für Einwohner Schleswig-Holsteins, Dienstreisende und Kinder unter 15 Jahren. Die Testpflicht gilt vorläufig bis zum 17. Januar.

    +++ Der sächsische Landespolizeipräsident Kretzschmar hat eingeräumt, "möglicherweise" zu spät mit härteren Maßnahmen auf unerlaubte Corona-Proteste reagiert zu haben.

    Mit einer zurückhaltenden Strategie habe er deeskalieren wollen, sagte er der Zeitung "TAZ". Er sei der festen Überzeugung gewesen, dass die Menschen im Freistaat Sachsen in Anbetracht der dramatischen Lage in den Krankenhäusern zur Vernunft kommen würden. Bei vielen sei das geschehen, aber leider bei zu wenigen. Mit der Versammlungsfreiheit müsse man "sehr sorgsam" umgehen, führte der Landespolizeipräsident aus. Daher habe er erst später die Strategie gewechselt. Seit Anfang Dezember werde nun aber versucht, die Versammlungslage mit einer deutlich robusteren Art in den Griff zu bekommen.

    +++ Kulturstaatsministerin Roth hat der jüngeren Generation ihr Bedauern wegen der erneuten Belastungen durch die Corona-Maßnahmen ausgedrückt.

    Es schmerze sie sehr, dass Clubs und Diskotheken wieder schließen müssten, teilte die Grünen-Politikerin mit. Das sei für die Betreiber, aber gerade auch für die - Zitat - "jungen und jung gebliebenen Menschen" nicht leicht. Dennoch sei die Entscheidung angesichts der Pandemielage richtig, führte Roth aus.
    Menschen tanzen im Club Cassiopeia in Berlin eng an eng.
    Clubs und Diskotheken müssen spätestens nach Weihnachten wieder überall schließen. (dpa / picture alliance / Sophia Kembowski)

    +++ Auf dem afrikanischen Kontinent breitet sich die Omikron-Virusvariante zunehmend schneller aus.

    Wie ein Sprecher der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union mitteilte, ist der Erreger mittlerweile in 22 afrikanischen Ländern nachgewiesen. Omikron verbreite sich sehr schnell. Rund einen Monat nachdem Südafrika die Entdeckung der neuen Variante bekanntgab, stehen nun den offizielen Angaben zufolge auch Staaten wie Ägypten, Togo, Marokko, Kenia, Mauritius oder Burkina Faso auf der Liste.

    +++ In Deutschland sind bisher 3.198 Corona-Fälle mit der neuen Omikron-Variante nachgewiesen worden.

    Diese Zahl nennt das Robert Koch-Institut in seiner täglichen Übersicht vom 22. Dezember. Dies entspreche im Vergleich zum Vortag einem Zuwachs von 810 Fällen bzw. 25 Prozent. Die meisten Infektionen gibt es demnach in den Gruppen der 15-34-Jährigen (1.501) und der 35-59-Jährigen (1050). Eine infizierten Person in der Altersgruppe der 60-79-Jährigen ist gestorben. Weitere Informationen zu diesem Fall sind nicht bekannt.

    +++ Kurz vor Weihnachten haben sich noch einmal mehr als eine Million Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen.

    Nach Angaben des Robert Koch-Instituts gab es gestern 1.041.000 Impfungen, davon waren 847.000 sogenannte Booster zum Auffrischen des Impfschutzes. Inzwischen sind 70,7 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, bei den Erwachsenen sind es 81,4 Prozent. Nicht geimpft sind 26,3 Prozent.

    +++ Die Wehrbeauftragte des Bundes, Högl, kritisiert, dass die Bundeswehr in der Corona-Pandemie dauerhaft Amtshilfe im Gesundheitswesen leistet.

    Dies werde zunehmend problematisch, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Zu Beginn der Pandemie sei das Vorgehen gut und richtig gewesen. Landkreise und alle anderen, die für Katastrophenhilfe und Bevölkerungsschutz zuständig seien, hätten die Zeit aber nutzen können. Strukturen seien nötig, damit die Zuständigen nicht jedes Mal, wenn es eng werde, die Bundeswehr rufen müssten. Jetzt seien zivile Kräfte gefragt.

    +++ Die Lufthansa hat über die Weihnachtstage zahlreiche Interkontinentalflüge gestrichen, weil sich zu viele Piloten krank gemeldet haben.

    Betroffen seien vor allem Verbindungen über den Nordatlantik etwa nach Boston, Houston und Washington, sagte ein Unternehmenssprecher. Dort könnten die Passagiere am leichtesten umgebucht werden. Der Sprecher räumte einen extrem hohen Krankenstand ein, der trotz großen Puffers nicht aufgefangen werden könne.

    +++ Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger ruft dazu auf, sich vor einer neuen Infektionswelle durch die Omikron-Variante auf erneute Auswirkungen auf den Schulbetrieb vorzubereiten.

    In dieser Situation seien Vorkehrungen auch für den Bildungsbereich erforderlich, sagte die FDP-Politikerin der Funke Mediengruppe. So müsse man sich etwa auf die Gestaltung von Wechselunterricht vorbereiten, sollte ein solcher wieder erforderlich werden. Stark-Watzinger fügte hinzu, man solle sich auch darauf einstellen, dass Schulschließungen notwendig werden könnten. Dies werde voraussichtlich nicht flächendeckend geschehen, aber womöglich regional.
    Bettina Stark-Watzinger (FDP), Bundesministerin für Bildung und Forschung, spricht im Bundestag.
    Bettina Stark-Watzinger (FDP), Bundesministerin für Bildung und Forschung, spricht im Bundestag. (Michael Kappeler/dpa)

    +++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen geht weiter zurück.

    Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, beträgt der Wert nun 280,3 - nach 289,0 gestern und noch 340,1 vor einer Woche. Binnen eines Tages wurden 44.927 Neuansteckungen gemeldet. Das sind 11.750 Fälle weniger als am vergangenen Donnerstag. Zudem wurden 425 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Sars-CoV-2-Ansteckung registriert. Die Hospitalisierungsrate hatte das RKI zuletzt mit 4,57 angegeben.

    +++ Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kurschus, setzt sich für eine generelle Impfpflicht gegen das Coronavirus ein.

    Dies sei die einzige Möglichkeit, das Infektionsgeschehen einzudämmen, sagte Kurschus im Deutschlandfunk. Es gehe dabei nicht nur um das eigene Wohl, sondern darum, das Leben der Schwächeren in der Gesellschaft zu schützen. Kurschus sieht zudem die Kirchen in der Pflicht, einen anderen Ton in die aufgeheizten Debatte hineinzubringen. Man müsse deutlich machen, dass es nicht um ein Gegeneinander gehe, sondern darum, dass man miteinander gut in die Zukunft komme.
    Kurschus: "Impfen ist eine Pflicht aus christlicher Nächstenliebe heraus"

    +++ Bundesgesundheitsminister Lauterbach geht wegen der Omikron-Variante davon aus, dass nach dem sogenannten Boostern eine weitere Impfrunde notwendig wird.

    Dafür seien bereits bei Biontech 80 Millionen Impfdosen bestellt worden, sagte Lauterbach im ZDF. Gestern hatten die Gesundheitsminister der Länder beschlossen, Booster-Impfungen nach drei Monaten für alle Erwachsenen ermöglichen.

    +++ In der Politik mehren sich die Stimmen für eine allgemeine Impfpflicht.

    Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Wüst sagte im ARD-Fernsehen, darum werde man nicht herumkommen. Eine "Dauerschleife von Lockerungen und Lockdowns" müsse vermieden werden, so der CDU-Politiker. Der SPD-Vorsitzende Klingbeil nannte das Ausschließen einer Pflicht zu Beginn der Impfkampagne einen Fehler. Er habe geglaubt, dass sich sehr viel mehr Menschen Vakzine verabreichen lassen würden, als es bis heute tatsächlich der Fall sei, sagte Klingbeil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er finde es aber wichtig, dass Politik auch dazulernen dürfe.
    Eine Hand hält eine Impfdose mit dem Moderna mRnA-Impfstoff und zieht ihn mit einer Spritze heraus
    Kommt eine allgemeine Impfpflicht? (imago images / Sven Simon)
    Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Mihalic, rief die Bundestags-Abgeordneten zu schnellem Handeln auf. Sie sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", es könne aus ihrer Sicht nicht um das Ob, sondern nur um das Wie einer Impfpflicht gehen. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Chrupalla bezeichnete dagegen eine mögliche Impfpflicht als verfassungswidrig. Die Bundesregierung bewege sich mit ihrer Corona-Politik weiter in einer Sackgasse, sagte er im ARD-Fernsehen.

    +++ Angesichts des zunehmenden Reiseverkehrs zu Weihnachten hat Verkehrsminister Wissing die Bürgerinnen und Bürger zur Vorsicht aufgerufen.

    Jeder Kontakt und damit auch jede Reise stellten in Pandemiezeiten ein Risiko dar, sagte der FDP-Politiker der "Wirtschaftswoche". Wer die Risiken einer Reise nicht vermeiden könne oder wolle, sollte unbedingt die Hygienevorschriften beachten und im Nah- oder Fernverkehr FFP2-Masken tragen. Wissing betonte, jeder müsse Verantwortung für sich und andere übernehmen. Er traue den Menschen zu, das selbst zu entscheiden.

    +++ Der Bundes-Datenschutzbeauftragte Kelber warnt davor, ein nationales Corona-Impfregister vorschnell einzurichten.

    Die Politik müsse zunächst konkrete Ziele benennen, die mit der Erfassung der Daten erreicht werden sollten, sagte Kelber dem "Handelsblatt". Ein Impfregister könnte nach Ansicht zahlreicher Fachleute die Impfkampagne erleichtern. Die Argumentation lautet, damit lägen gesichertere Daten zur Impfsituation in Deutschland vor als bisher.

    +++ Mehrere tausend Menschen haben in München gegen Corona-Maßnahmen demonstriert.

    Dabei kam es zu Gewalt. Nach Angaben der Polizei wurden Beamte angegriffen. Auch Medienvertreter seien attackiert worden. Man habe Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt, um einen größeren Marsch in Richtung Innenstadt zu stoppen. Elf Menschen wurden vorläufig festgenommen. Außerdem gab es zahlreiche Anzeigen und Platzverweise. Nachdem Gegner der Corona-Maßnahmen eine angemeldete Demonstration im Vorfeld abgesagt hatten, wurde nach Angaben der Polizei in Messenger-Gruppen zu sogenannten Spaziergängen durch die Stadt aufgerufen.
    Polizisten versuchen einen Demonstrationszug von Gegnern der Corona-Politik vor dem Hauptbahnhof von München zu stoppen. Annähernd 3000 Gegner der Corona-Maßnahmen haben am Mittwochabend in München demonstriert. Auf der Ludwigstraße und im Viertel rund um Siegestor und Universität versuchten nach Polizeiangaben rund 500 Beamte, die sogenannten Spaziergänge zu unterbinden.
    Polizisten versuchen einen Demonstrationszug von Gegnern der Corona-Politik vor dem Hauptbahnhof von München zu stoppen. (Lennart Preiss/dpa)

    Mittwoch, 22. Dezember

    +++ Die Gesundheitsminister der Länder ermöglichen Booster-Impfungen nach drei Monaten für alle Erwachsenen.

    Das beschlossen die Ressortleiter auf ihrer Gesundheitsministerkonferenz. Sie folgen damit einer entsprechenden Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Der Vorsitzende des Gremiums, der bayerische Minister Holetschek, sagte, Voraussetzung sei, dass der Bund genügend Impfstoff zur Verfügung stelle. Die Stiko hatte gestern die Empfehlung zur Auffrischungs-Impfung von sechs auf drei Monate verkürzt. Dadurch solle der Schutz der Bevölkerung vor Infektionen mit der Omikron-Variante des Corona-Virus erhöht werden. Denn der Impfschutz nehme drei bis vier Monate nach der Grundimmunisierung signifikant ab.

    +++ Das Corona-Medikament Paxlovid des US-Pharmaherstellers Pfizer hat in den USA eine Notfallzulassung erhalten.

    Sie wurde von der US-Arzneimittelbehörde FDA erteilt. Das antivirale Medikament in Pillenform kann bei Risikopatienten ab zwölf Jahren eingesetzt werden. Laut Pfizer senkt es bei leichten bis mittelschweren Krankheitssymptomen die Gefahr einer Krankenhauseinweisung oder eines Todes um knapp 90 Prozent. Paxlovid verringert die Fähigkeit des Coronavirus, sich in den Körperzellen zu vermehren.

    +++ In Großbritannien hat die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen erstmals die Schwelle von 100.000 überschritten.

    Wie die Regierung in London mitteilte, wurden innerhalb von 24 Stunden 106.122 Ansteckungen registriert. Als Hauptgrund gilt Omikron, die in Großbritannien inzwischen die dominierende Virusvariante ist. Das Land ist stark von der Pandemie betroffenen. Bisher wurden mehr als elf Millionen Infektionsfälle registriert, mehr als 147.500 Menschen starben an oder mit dem Virus. Trotz der beunruhigenden Entwicklung hatte Premierminister Johnson eine weitere Verschärfung der Corona-Maßnahmen in England über die Festtage ausgeschlossen. Die Regionalregierungen in Schottland und Wales hatten hingegen weitere Einschränkungen angekündigt.
    Großbritannien, London: Fahrgäste tragen in einem U-Bahnhof Mund-Nasen-Bedeckung als Präventivmaßnahme gegen die Verbreitung der Omikron-Variante.
    Omikron trifft Großbritannien mit voller Wucht. (Belinda Jiao/SOPA Images via ZUMA/dpa)

    +++ Wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante in Europa verschärfen weitere Länder ihre Corona-Maßnahmen.

    In Belgien werden ab Sonntag Kinos und Konzertsäle geschlossen. Dies gab Regierungschef De Croo am Abend bekannt. Cafés und Restaurants dürfen demnach nur bis 23.00 Uhr geöffnet bleiben. Alle Großveranstaltungen im Innenbereich werden verboten. Fußballspiele dürfen nur ohne Zuschauer ausgetragen werden.

    In Spanien kündigte die Regierung an, dass das Tragen von Masken auch im Freien wieder Pflicht wird.

    Morgen will das Kabinett über die konkreten Schritte beraten. Trotz einer der höchsten Impfquoten weltweit ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt stark gestiegen; gestern wurden fast 50.000 gemeldet. Der Anteil der Omikron-Variante an den Neuerkrankungen stieg binnen einer Woche von 5 auf 47 Prozent.
    Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens in Madrid hilft einer Kollegin beim Anziehen der Schutzkleidung, während sie Proben von Patienten nimmt, die vor einem öffentlichen Gesundheitszentrum auf einen Antigentest warten.
    Madrid während der Coronavirus-Pandemie (Cezaro De Luca/EUROPA PRESS/dpa)

    +++ In Österreich wird ab dem 27. Dezember die Sperrstunde für die Gastronomie von 23 auf 22 Uhr vorverlegt.

    Das gelte auch für den Silvestertag, betonte die Leiterin des Krisenstabs, Reich. Zudem werde es für Teilnehmende von Veranstaltungen je nach Impfstatus gestaffelte Beschränkungen geben. Maximal 2.000 Menschen sind erlaubt, wenn sie über eine Auffrischungsimpfung und einen Test verfügen.

    +++ Nigeria vernichtet mehr als eine Million von westlichen Ländern gespendete Astrazeneca-Impfdosen.

    Der Mangel an Impfstoffen habe das Land dazu gezwungen, die gespendeten Vakzine trotz ihrer kurzen Haltbarkeit anzunehmen, sagte der Direktor der National Primary Health Care Development Agency, Faisal Shuaib. Die Vernichtung der abgelaufenen Vakzine solle das Vertrauen der Nigerianer in das Impfprogramm des Landes stärken, so Shuaib. Zukünftig wolle Nigeria keine bald ablaufenden Impfstoff-Spenden mehr annehmen, ergänzte Gesundheitsminister Osagie Ehanire.

    +++ Die Bundesregierung verschärft die Einreiseregeln aus Virusvariantengebieten.

    Wer aus einem solchen Gebiet nach Deutschland kommt, muss künftig einen negativen PCR-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Das beschloss das Bundeskabinett in Berlin. Die PCR-Pflicht gilt auch für Menschen, die auf der Durchreise nur einen Stopp in Deutschland machen. Die Altersgrenze für die Nachweispflicht wird von derzeit zwölf auf sechs Jahre abgesenkt. Mit der Verschärfung kommt die Regierung einer Forderung der Bundesländer nach. Dadurch soll eine Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus so lange wie möglich erschwert werden. Virusvariantengebiete sind derzeit verschiedene Länder des südlichen Afrikas und seit Montag auch Großbritannien.

    +++ Deutschland setzt gegen die anstehende nächste Corona-Welle durch Omiron-Variante vor allem auf Booster-Impfungen.

    Das erklärte Bundesgesundheitsminister Lauterbach in Berlin. Er gehe davon aus, dass der Schutz vor einem schweren Verlauf nach einer Auffrischungsimpfung bei über 90 Prozent liege. Bisherige Erkenntnisse zeigten eine Wirksamkeit von 70 und 80 Prozent, was symptomatische Erkrankung gehe, erklärte der SPD-Politiker und zeigte sich zuversichtlich, dass das Ziel von bis 30 Millionen Booster-Impfungen bis Weihnachten erreicht werde. Weitere 30 Millionen sollten folgen. Sicher sei aber, dass sich eine fünfte Corona-Welle durch die Omikron-Variante nicht verhindern lasse. Durch die Bund-Länder-Beschlüsse von gestern habe man sich darauf vorbereitet.

    +++ Lauterbach: vierte Impfung könnte nötig werden - Millionen Dosen bestellt

    Lauterbach erklärte zudem, Deutschland habe 80 Millionen Dosen eines Omikron-spezifischen Impfstoffs bei Biontech geordert. Er rechne mit der Lieferung im April oder Mai. Zusätzlich werde aber auch Moderna-Impfstoff bestellt. Man müsse davon ausgehen, dass im Kampf gegen das Virus eine vierte Impfung nötig sein werde, sagte Lauterbach. Außerdem wurden vier Millionen Dosen des neu zugelassenen Vakzins des US-Herstellers Novavax gesichert. Dazu kommen elf Millionen Dosen eines neuen Impfstoffes des französisch-östereichischen Herstellers Valneva. Hier steht allerdings eine Zulassung noch aus.
    Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit und Lothar Wieler, Präsident Robert Koch-Institut (RKI) nehmen an einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage teil.
    Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit und Lothar Wieler, Präsident Robert Koch-Institut (RKI) zeigen sich nach kurzen Irritationen gestern wieder einig. (dpa/Kay Nietfeld)

    +++ Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Wieler, wies darauf hin, dass die Fallzahlen während der Feiertage unvollständig sein werden.

    In dieser Zeit suchten weniger Menschen einen Arzt auf, es würden weniger Testungen am Arbeitsplatz und in Schulen durchgeführt und damit meldeten die Labore auch weniger Corona-Nachweise an die Gesundheitsämter. Zurückgehende Zahlen seien vor diesem Hintergrund noch kein Zeichen für Entspannung, betonte Wieler. Das Wichtigste neben dem Impfen sei deshalb, dass möglichst wenige Menschen zusammenkommen würden. Wieler sagte wörtlich: "Unser aller Verhalten ist entscheidend".

    +++ In Rheinland-Pfalz und im Saarland hat die Polizei Razzien wegen des Verdachts der Fälschung von Impfpässen durchgeführt.

    Wie die Staatsanwaltschaften in Bad Kreuznach und Trier mitteilten, wurden 17 Wohnungen durchsucht. Es seien Beweismittel wie Impfausweise und digitale Impfzertifikate beschlagnahmt worden. Im westfälischen Porta Westfalica fand die Polizei bei einer Routine-Kontrolle 119 gefälschte Impfpässe in einem Auto. Sie waren teilweise bereits mit Namen versehen. Zwei Personen wurden festgenommen. Die Fälschung von Impfdokumenten kann mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.

    +++ Die Oppositionsparteien im Bundestag haben die Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern gestern kritisiert.

    Linksfraktionschef Bartsch nannte es irritierend, dass die Maßnahmen erst ab dem 28. Dezember und nicht schon vor Weihnachten verschärft würden. Der CSU-Gesundheitspolitiker Pilsinger bezeichnete die Beschlüsse als nicht ausreichend. Nötig sei ein scharfer Lockdown wie in den Niederlanden. Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Weidel und Chrupalla sprachen von willkürlichen und widersprüchlichen Schritten, mit denen die Bevölkerung in Panik versetzt werde. Unionsfraktionschef Brinkhaus sagte im ARD-Fernsehen, er hätte sich bei den Restriktionen keine "Weihnachtspause" gewünscht.
    Wie verändert die Corona-Pandemie unser Land? Dass Lockdowns und Einschränkungen wirtschaftliche Schäden hinterlassen, ist klar. Auch persönliche Folgen etwa durch Erkrankung oder für die Bildungskarriere sind offensichtlich. Aber wie sieht es gesellschaftlich aus? Einige aktuelle Meinungen dazu.

    +++ Die Corona-Pandemie findet sich auch in diesem Jahr wieder im Wort des Jahres in Flandern wieder.

    Eine Bürgerjury entschied sich für "knaldrang" - also den Drang, es knallen oder krachen zu lassen. Laut dem flämischen Rundfunksender VRT ist "knaldrang" vor allem unter jungen Menschen verbreitet und steht für ein "intensives Bedürfnis zu feiern". Dieses Wunsch komme angesichts der strengen Corona-Auflagen zu kurz, heißt es. Bekannt wurde "knaldrang" durch einen gleichnamigen Hit der niederländischen Sängerin Merol. Auch im vergangenen Jahr hatte es ein Corona-Begriff in Flandern auf den Spitzenplatz geschafft: "knuffelcontact", wörtlich übersetzt "Kuschelkontakt".
    Auf dem Platz Flagey in Brüssel drängen sich zahlreiche junge Leute und feiern.
    Den "knaldrang" kennen auch die jungen Leute in Brüssel - auch wenn dort mehrheitlich französischsprachige Belgierinnen und Belgier leben. (dpa / BELGA)

    +++ Nach Angaben eines israelischen Experten sinkt die Zahl der Antikörper auch nach einer Booster-Impfung gegen das Coronavirus.

    Das Immunsystem verhalte sich ähnlich wie nach der zweiten Dosis, sagte Professor Ejal Leschem, Experte für Infektionskrankheiten, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei ein natürlicher Prozess, dass die Antikörper allmählich wieder weniger würden nach einer Impfung. Erst innerhalb einiger Wochen werde man wissen, was das konkret für den Impfschutz bedeute. Denn dieser hänge nicht nur von Antikörpern ab, sondern etwa auch von sogenannten T-Zellen.

    +++ Großbritannien zählt nach Regierungsangaben bislang 14 Todesfälle im Zusammenhang mit der neuen Corona-Variante Omikron.

    Zudem würden derzeit 129 Omikron-Patienten in Krankenhäusern behandelt, sagt Gesundheitsstaatssekretärin Keegan dem Sender Sky News. Die Regierung werde nicht zögern, die Corona-Beschränkungen notfalls zu verschärfen, sollte die Datenlage dies nötig machen. Premierminister Boris Johnson hatte am Dienstag erklärt, vor Weihnachten keine neue Beschränkungen auf den Weg zu bringen. Die Situation bleibe aber weiter extrem schwierig, und die Regierung müsse womöglich nach den Feiertagen handeln.

    +++ Die Folgen der raschen Ausbreitung der Coronavirus-Variante Omikron zeigen sich in Großbritannien auch im Zugverkehr.

    In der vergangenen Woche fielen nach Angaben der Rail Delivery Group 5,2 Prozent der Züge aus, wie die BBC berichtete - der Durchschnitt liegt bei knapp 3 Prozent. 8,7 Prozent der Belegschaft ihrer Mitgliedsunternehmen seien krankgemeldet - unter anderem wegen Covid-19, heißt es von dem Branchenverband. Die Omikron-Variante, die in England und Schottland bereits vorherrschend ist, hat die Fallzahlen in ungekannte Höhen schnellen lassen. Zuletzt wurden in Großbritannien rund 90.000 Corona-Fälle pro Tag gemeldet.
    Großbritannien, London: Fahrgäste tragen in einem U-Bahnhof Mund-Nasen-Bedeckung als Präventivmaßnahme gegen die Verbreitung der Omikron-Variante.
    Die Londoner U-Bahn fährt noch, andere Bahnverbindungen mussten wegen Krankheitsfällen in der Belegschaft schon Züge ausfallen lassen. (Belinda Jiao/SOPA Images via ZUMA/dpa)

    +++ Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Mertens, hat sich mit Blick auf die Corona-Virusvariante Omikron für umfassendere Kontaktbeschränkungen ausgesprochen.

    Es müssten angesichts der leichten Übertragbarkeit auf jeden Fall viel, viel mehr Kontaktbeschränkungen erfolgen als derzeit üblich - und zwar "sehr schnell", sagte Mertens der "Schwäbische Zeitung". Ob es ein vollständiger Lockdown sein müsse, sei jetzt schwer zu sagen, erklärte der Stiko-Chef.

    +++ Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßt den Verzicht der Bund-Länder-Runde auf pauschale Schließungen von Geschäften zur Eindämmung der Omikron-Welle.

    "Bund und Länder machen deutlich, dass ein Zurück in einen pauschalen und unverhältnismäßigen Lockdown keine Lösung ist und die bewährten Hygienekonzepte des Handels in ihrer Wirksamkeit anerkannt werden", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Genth. Nur unter 2G-Bedingungen mit Zugang für Geimpfte und Genesene öffnen zu dürfen, sei jedoch für viele Händlerinnen und Händler eine große Herausforderung und habe die Existenznot in den vergangenen Wochen verschärft.

    +++ Die Deutsche Fußball Liga hat mit Verständnis auf die Rückkehr der Geisterspiele im Profisport reagiert.

    Die Entscheidungen der Politik seien "bedauerlich, aber nachvollziehbar", teilte die DFL mit, betonte aber gleichzeitig, dass der Gesundheitsschutz und die Entlastung der Gesundheitssysteme oberste Priorität besäßen. Das gelte erst recht angesichts der aktuellen Einschätzungen der Bundesregierung und ihrer Expertinnen und Experten zur möglichen Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus.
    Ein als Geist gekleideter Mann steht auf einer leeren Zuschauertribüne im Stadion.
    Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Die Geisterspiele sind zurück, der DFB findet das zwar bedauerlich, hat aber Verständnis. (picture alliance / AP / Kerstin Joensson)

    +++ Angesichts der Ausbreitung der hoch ansteckenden Corona-Variante warnt die französische Regierung vor einem massiven Anstieg der Neuinfektionen.

    Schon bald könnte es in Frankreich auf rund 100.000 Neuinfektionen täglich hoch gehen von derzeit rund 70.000 neuen Fällen am Tag, sagt Gesundheitsminister Veran dem Sender BFM TV. Omikron werde schon Anfang Januar die dominierende Virus-Variante sein. Die Regierung plane allerdings vorerst keine neuen Beschränkungen. Sie setze auf ein forciertes Tempo bei den Auffrischimpfungen, um das Virus in Schach zu halten.

    +++ Die italienische Polizei hat in landesweiten Kontrollen im Gesundheitsbereich mehr als 300 Angestellte bei der Arbeit aufgespürt, die gegen die Impfpflicht verstießen.

    Davon hätten die Ermittler 135 Ärzte, Apotheker und Bedienstete in der Pflege bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, die trotz bestehender Verbote zur Arbeit kamen, teilten die Carabinieri in Rom mit. Die Polizei habe außerdem sechs Praxen und zwei Apotheken geschlossen, in denen noch gearbeitet wurde, obwohl das zuvor schon wegen Verstößen untersagt worden war. Die Überprüfungen liefen seit November. In dieser Zeit untersuchte die Polizei nach eigenen Angaben rund 6.600 Stellen.
    In einem Impfzentrum in Italien wird eine Frau geimpft.
    In Italien wurde die Impfpflicht für Gesundheitspersonal schon länger eingeführt. Angesichts der Omikron-Variante wird wie in Deutschland auch über eine allgemeine Impfpflicht diskutiert. (picture-alliance / pa / Nur Photo / Davide Pischettola )

    +++ Die Gesundheitsämter haben mehr als 45.600 neue Corona-Infektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet.

    Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 289,0. Am Vortag hatte der Wert 306,4 betragen. Den Angaben zufolge starben 510 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Damit stieg die Gesamtzahl der Corona-Toten auf hierzulande 109.324. Die Hospitalisierungsrate wurde zuletzt mit 4,57 angegeben.
    Details zu den aktuellen Zahlen rund um Corona haben wir hier für Sie zusammengefasst.

    +++ Der Deutsche Ethikrat befürwortet eine Ausweitung der gesetzlichen Corona-Impfpflicht.

    Bislang hat der Bundestag eine solche Pflicht nur für Personal in sensiblen Einrichtungen wie Krankhäusern oder Pflegeheimen beschlossen. 20 von 24 Mitgliedern des Ethikrates erklärten nun in einer Empfehlung, eine allgemeine Impfpflicht sei als Schutz vor gravierenden Folgen künftiger Pandemiewellen gerechtfertigt. Dabei wiesen sie aber auch daraufhin, dass eine Impfpflicht ein Eingriff in persönliche Freiheitsrechte sei.
    Demonstranten ziehen mit Bannern wie „Keine Impfpflicht“ durch die Nürnberger Südstadt.
    Eine allgemeine Impfpflicht ist umstritten, etliche Bürgerinnen und Bürger fühlen sich ihrer freien Entscheidung beraubt. (dpa)

    +++ Nach einem Aufruf zu Protesten vor dem Wohnhaus des Thüringer Innenministers Maier hat der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Schneider, Drohungen gegen Politiker scharf kritisiert.

    Einschüchterungsversuche seien völlig inakzeptabel, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Wer solche Aufmärsche unterstütze, billige damit auch eine mögliche Eskalation. Gestern war ein Aufruf in sozialen Medien zu einer Demonstration vor Maiers Haus kursiert. Der Fall erinnert an eine Kundgebung vor dem Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin Köpping Anfang Dezember. Damals hatten rund 30 Gegner der Corona-Politik demonstriert und dabei Fackeln und Plakate getragen.
    Maier selbst sprach von einem Dammbruch. Dass sich der Protest jetzt ganz gezielt gegen Politikerinnen und Politiker richte, um sie einzuschüchtern, bleibe auch bei den Betroffenen nicht ganz ohne Blessuren, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. Dabei werde die Privatsphäre massiv verletzt und auch die Familie sei betroffen, das sei scharf zu kritisieren.

    +++ Wegen der Ausbreitung der Omikron-Mutante des Coronavirus werden in weiteren europäischen Ländern die Gegenmaßnahmen verstärkt.

    In Finnland müssen Gaststätten an Heiligabend um 21 Uhr schließen und sich zudem nach Weihnachten auf zusätzliche Einschränkungen einstellen, auch was den Verkauf von Alkohol betrifft. EU-Bürger müssen jetzt bei der Einreise einen negativen Coronatest vorweisen. In Schweden gibt es unter anderem eine allgemeine Empfehlung fürs Homeoffice. In Portugal gilt von Samstag an die Vorgabe, von zu Hause aus zu arbeiten. Diskotheken und Bars bleiben geschlossen. In Spanien soll heute über schärfere Maßnahmen beraten werden.

    +++ Bundesgesundheitsminister Lauterbach schließt nicht aus, dass doch noch über einen Corona-Lockdown gesprochen werden muss.

    Wenn sich die Fallzahlen tatsächlich so entwickelten, dass auch über einen harten Lockdown diskutiert werden müsse, dann gebe es da keine roten Linien, sagte der SPD-Politiker gestern Abend im ARD-Fernsehen. An diesem Punkt sei man aber noch nicht. Lauterbach äußerte sich überzeugt, dass die von Bund und Ländern vereinbarten Maßnahmen Wirkung zeigen werden.
    Schüler mit Mund- und Nasenschutz arbeiten in einer siebten Klasse einer Gemeinschaftsschule.
    Schüler mit Mund- und Nasenschutz arbeiten in einer siebten Klasse einer Gemeinschaftsschule. (picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)
    Bundesfamilienministerin Spiegel rief dazu auf, den Schutz und das Wohl von Kindern und Jugendlichen besonders im Blick zu haben. Neue Einschränkungen für Minderjährige dürfe es nur dann geben, wenn dies unvermeidbar sei, erklärte die Grünen-Politikerin.
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