
Auf Brasilien gibt es derzeit einen regelrechten Ansturm. Denn die Welt braucht Mineralien - und Brasilien verfügt über große Vorkommen. Neben Seltenen Erden ist gerade Niob von Interesse: Das Metall wird fast ausschließlich in Brasilien gefördert und könnte bei der Energiewende eine entscheidende Rolle spielen. Hält der Rohstoff, was sich viele von ihm versprechen?
Was ist Niob und wozu braucht man das?
Niob ist ein Schwermetall mit hohem Schmelzpunkt, es ist korrosionsbeständig und eignet sich als Zusatz in Stahl, den es leichter und stabiler macht. Niob wird in vielen Bereichen eingesetzt: in Luft- und Raumfahrt, Bauwesen, Automobilindustrie und im Rüstungssektor. So kommt das Element etwa in Flugzeugturbinen, Ölpipelines und Windrädern vor.
Seit Neuestem werden aber auch Batterien aus Niob-Titanoxid getestet. Besonders außergewöhnlich sind die kurzen Ladezeiten. Bis ein E-Auto komplett geladen ist, soll es nur wenige Minuten dauern.
Dazu kommen eine hohe Stabilität und Lebensdauer. Und: Die Batterien aus Niob-Titanoxid sind 35 Prozent leichter als gewöhnliche Lithium-Ionen-Batterien und auch kompakter. Zwar ist die Herstellung der Energiespeicher teurer, dafür werden weniger Batteriemodule pro Fahrzeug gebraucht.
Welche Bedeutung hat Niob für Brasilien?
Brasilien verfügt über zahlreiche wichtige Rohstoffvorkommen: Bauxit, Mangan, Grafit, Nickel und auch Seltenen Erden. Außerdem hat das Land die weltweit größten Reserven an Niob. Hier liegen rund 90 Prozent der weltweiten Vorkommen, schätzungsweise 16 Millionen Tonnen. Damit hat das Land fast ein Monopol auf diesen Rohstoff. Brasilien fördert das Element bereits seit mehr als 60 Jahren. Bisher macht dies vor allem das brasilianische Unternehmen Companhia Brasileira de Metalurgia e Mineração (CBMM).
Doch nun wird Niob weltweit immer gefragter und internationale Konzerne steigen in das Geschäft mit ein: So möchte beispielsweise ein australisches Unternehmen bald mit dem Abbau beginnen. Zwei weitere Niob-Unternehmen in Brasilien wurden 2016 und 2024 vollständig von chinesischen Konzernen übernommen.
Chinas Hunger auf das ungewöhnliche Element ist groß: Im Jahr 2025 gingen 50 Prozent der Niob-Exporte nach China, weitere wichtige Abnehmer sind die USA und die EU. Durch das Mercosur-Abkommen hat sich auch Europa einen guten Zugang zu den brasilianischen Rohstoffen gesichert. Dennoch ist Niob noch ein Nischenprodukt und macht weniger als ein Prozent des Umsatzes in Brasiliens Bergbausektor aus.
Und Brasilien steht bei der Verarbeitung von Rohstoffen noch am Anfang. Es kann also oft keine weiterverarbeiteten Produkte, sondern nur den Rohstoff verkaufen. Laut dem Bergbauexperten André Pimenta sollte Brasilien das ändern, seine Standortvorteile nutzen und selbstbewusst eigene Interessen verfolgen und Ansprüche formulieren – allen Partnern gegenüber.
Die Regierung hat dafür Gesetze auf den Weg gebracht. Sie sollen die Souveränität und die staatliche Kontrolle über strategische Rohstoffe stärken. Geplant sind unter anderem ein staatlicher Kontrollrat für internationale Deals, Maßnahmen zur Förderung der Weiterverarbeitung im Inland sowie finanzielle Anreize wie Steuervergünstigungen und Förderfonds für die heimische Industrie. Den Gesetzentwurf hat die brasilianische Abgeordnetenkammer bereits im Mai angenommen. Jetzt muss der Senat noch darüber befinden.
Welche Risiken birgt der Niob-Abbau für Brasilien?
Der Abbau von Niob kann Folgen für die Umwelt und Gesundheit haben: Das Metall wird im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais im Tagebau gewonnen. Bei der Aufbereitung werden auch Stoffe wie Barium und Uran freigesetzt. Die flüssigen Rückstände werden in Rückhaltebecken geleitet. Durch Lecks sind die Stoffe aber mittlerweile in den Untergrund gelangt. Bereits in den 1980er-Jahren soll es laut Berichten und lokalen Untersuchungen zu Umweltbelastungen gekommen sein.
Zwar schlossen im Jahr 2018 die zuständigen Behörden und der Bergbaukonzern CBMM ein Abkommen zur weiteren Überwachung und zur Verbesserung von Umweltstandards. Doch die letzten Studien zeigen, dass die Kontamination nicht eingedämmt wurde. Das Wasser ist immer noch belastet, und Barium gelangt weiterhin in den Untergrund und erreicht das Grundwasser.
Trotz mehrmaliger Anfragen hat sich das Unternehmen CBMM zu den Vorwürfen nicht geäußert. In öffentlichen Stellungnahmen erklärt es, die Anlagen entsprechen den geltenden Umweltauflagen. Erhöhte Bariumwerte werden auf natürliche geologische Eigenschaften der Region zurückgeführt. Die Bergbaubehörde erklärte auf Nachfrage, es gebe keinen relevanten umweltbezogenen Vorfall, der im Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten hervorzuheben wäre.
Organisationen wie die linkskatholische Landpastorale CPT sind skeptisch und befürchten, dass die Bergbauaktivitäten weitreichende negative Folgen für Umwelt und Gesundheit der Menschen in der Region haben. Sie fordern langfristige und unabhängige Studien.
Der Hunger auf Niob aus Brasilien wird trotzdem wohl nicht abnehmen. Zumal sich verarbeitetes Niob nicht mehr vom Stahl trennen und recyceln lässt. Das schränkt die Wiederverwendung des Materials ein und macht die Abnehmer weiterhin abhängig vom brasilianischen Export.
Autor: Niklas Franzen, Onlinetext: Lukas Gedziorowski













