Freitag, 03. Februar 2023

Probleme in der Bundeswehr
Panzer ohne Kommandant

Der neue Verteidigungsminister Boris Pistorius muss sich nicht nur um die Beschaffung funktionsfähiger Ausrüstung kümmern. Auch unbesetzte Dienstposten und unzufriedene Kameraden machen der Bundeswehr Sorgen. Gelingen Zeiten- und Mentalitätswende?

Von Julia Weigelt | 19.01.2023

Ein Kampfpanzer Leopard 2 steht auf dem Truppenübungsplatz Bergen bei einer Gefechtsvorführung
Die Bundeswehr kein attraktiver Arbeitgeber? 20.000 Dienstposten können allein bei Offizieren und Unteroffizieren nicht besetzt werden, wie aus dem Jahresbericht der Wehrbeauftragten hervorgeht. (IMAGO / Björn Trotzki)
Einen Kaltstart muss der neue Verteidigungsminister Boris Pistorius von der SPD hinlegen. Nach dem Rücktritt seiner Parteikollegin Christine Lambrecht übernimmt er das Amt in herausfordernden Zeiten. Und das liegt nicht nur am Krieg in der Ukraine und den Problemen bei der Ausrüstung der Armee. Die Wehrbeauftragte Eva Högl:
„Die Bundeswehr ist sehr belastet, sehr angespannt durch die diversen Aufträge, aber eben auch Bündnisverteidigung NATO-Ostflanke. Das ist notwendig da auch gute Entscheidungen zu treffen, Personalgewinnung, Personalbindung.“
Personalbindung, Personalgewinnung – Eva Högl benennt eines der größten Probleme der Bundeswehr: 20.000 Dienstposten können allein bei Offizieren und Unteroffizieren nicht besetzt werden, wie aus dem Jahresbericht der Wehrbeauftragten hervorgeht. Obwohl das fehlende Personal die Einsatzfähigkeit der Armee bedroht, wird darüber deutlich seltener gesprochen als über den Ausrüstungsmangel. Und ohne Besatzung nutzt der beste Panzer nichts. Doch warum ist die Bundeswehr nicht die attraktive Arbeitgeberin, als die sie sich in Werbebroschüren gerne präsentiert?
Neben mangelnden Neuzugängen gibt es auch viele Soldatinnen und Soldaten, die die Truppe frustriert verlassen. Die Ursache ist oft mangelhafte Führung.
So erlebt es auch Oberleutnant Robert Reinhardt, der eigentlich anders heißt und seine Stimme nicht im Radio hören möchte. Mit einer Journalistin über das zu reden, was in der Bundeswehr schiefläuft, geht dem Fallschirmjäger gegen den Strich.
“Mir wäre es lieber, ich könnte das intern klären. Und eigentlich sollte das ja auch mit der Inneren Führung möglich sein, dass konstruktive Kritik gehört, verstanden und ernst genommen wird. Doch das können Sie sich abschminken.”
Innere Führung ist eine Art Unternehmensphilosophie der Truppe. Kern ist das Konzept des Staatsbürgers in Uniform, der weitgehend dieselben Rechte hat wie ein Zivilist. Außerdem gibt Innere Führung das Primat der Politik vor, nachdem die Armee ihre Aufträge vom Bundestag erhält. Innere Führung soll für Zusammenhalt in der Truppe sorgen, Vertrauen ist dabei das A und O.
Reinhardt erlebt jedoch eine andere Realität: Kritik führe oft zu schlechteren Beurteilungen oder bei Versetzungen zu unattraktiven Dienstposten.
“Manche denken, Kritik an der Sache ist Kritik an der Person. Deswegen werden Meldungen nach oben häufig geschönt. Wenn die Einsatzbereitschaft von Fahrzeugen oder Soldaten abgefragt wird, da werden rote Ampeln zu gelben und ein paar Ebenen weiter oben heißt es dann: alles top, alle einsatzbereit. Mein Alltag besteht darin, Excel-Tabellen auszufüllen, die keinen interessieren und nichts verändern.”
Solche geschönten Meldeketten frustrieren den Offizier. Schlimmer noch: Er sorgt sich, so seiner Fürsorgepflicht nicht nachkommen zu können.
“Wenn Menschen nicht richtig ausgebildet und mit unzureichendem Material in den Einsatz gehen, dann sterben sie eher. Wie soll ich unter solchen Bedingungen meiner Fürsorgepflicht nachkommen? Ich fühle mich da oft einfach ohnmächtig.”
So geht es auch Hartmut Richter. Der Stabsoffizier ist Führungskraft im Sanitätsdienst. Auch er heißt eigentlich anders und möchte anonym bleiben. Der erkennbare Personalmangel werde nicht ernstgenommen, beklagt Richter.
“Das New Force Model der Nato sieht vor, dass wir bis 2025 innerhalb von 30 Tagen 25.000 Soldatinnen und Soldaten mobilisieren können. Für den Bereich Sanität ist derzeit geplant, dass dann klinisches Personal aus den Bundeswehrkrankenhäusern abgezogen werden soll. Die sind aber auch für die Versorgung der Zivilbevölkerung zuständig. Wie diese Lücke gefüllt werden soll, darauf weiß keiner eine Antwort. Wir haben schlicht zu wenig, und das will keiner hören.”

Erkennbarer Personalmangel wird laut Insidern verdrängt

Um unangenehme Wahrheiten scheinbar aus der Welt zu schaffen, würden Präsentationen vorher geprobt. So sollen kritische Aussagen rechtzeitig gestrichen werden können. Diese Art, den Personalmangel und andere Probleme kleinzureden, empört Richter:
„Worüber ich richtig sauer werde, ist die mangelnde Transparenz, dass das einfach nicht thematisiert wird, obwohl hinter vorgehaltener Hand darüber geredet wird. Das hat mit Innerer Führung nichts zu tun und höhlt die Truppe von innen her aus.”
Vertrauen herstellen ‒ das sollen Vorgesetzte unter anderem lernen im Zentrum Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz. Dort müssen Vorgesetzte Pflichtlehrgänge machen, Spitzenpersonal bekommt sogar persönliches Coaching. Auf Anfrage äußert sich die Zentrumsleitung zum Thema geschönte Meldeketten so:
“Bereits einer der Schöpfer der Inneren Führung, Wolf Graf von Baudissin, hat gefordert, der Soldat wird nur dann innerhalb und außerhalb der Bundeswehr die notwendige Autorität erlangen, wenn er auch dann zur Wahrheit steht, wenn sie etwas kostet. Meldet der Vorgesetzte dies somit aus Angst vor negativen Konsequenzen nicht weiter, handelt er entgegen der Grundsätze der Inneren Führung und verliert vor allem damit das Vertrauen der ihm unterstellten Soldatinnen und Soldaten.”
Trotzdem beobachtet auch der Militärexperte Carlo Masala das Problem der geschönten Meldeketten. Und zwar umso mehr, je höher man in der Hierarchie gehe. So ließen sich auch Fehlentscheidungen auf allerhöchster Ebene erklären, sagt der Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr in München. Dabei habe die Angst, schlechte Nachrichten zu überbringen, fatale Folgen:
“Dann driften wir halt ab in eine Armee, in der letzten Endes Befehl und Gehorsam so gelebt wird, dass, wenn der Befehl kommt, irgendetwas zu realisieren, der Gehorsam ist zu melden, dass es realisiert werden kann. Dann melden wir halt sozusagen Geisterpersonal, Geistermaterial irgendwo ein. Das funktioniert in Friedenszeiten. Aber in Nicht-Friedenszeiten, wie wir sie jetzt haben, geht es ja ganz konkret um die Frage: Wird das irgendwann mal losgeschickt. Und dann darf es nicht sein, dass was losgeschickt wird, was gar nicht da ist.“
Integrität und Unterstützung von Vorgesetzten ‒ das wünscht sich auch die Stabsoffizierin Anastasia Biefang.
Weil die in offener Beziehung lebende Frau Oberstleutnant auf einer Dating-Plattform nach Sexpartnern jeglichen Geschlechts suchte, habe sie gegen die außerdienstliche Wohlverhaltenspflicht verstoßen, befanden ihre Vorgesetzten. Diese schreibt das Soldatengesetz vor, in dem Rechte und Pflichten von Soldatinnen und Soldaten geregelt sind.
Sowohl das Truppendienstgericht als auch das Bundesverwaltungsgericht gaben Biefangs rügendem Vorgesetzten Recht: durch das Online-Profil werde der Eindruck eines „erheblichen Mangels an charakterlicher Integrität“ nicht vermieden.

Systematische Diskriminierung homosexueller Soldaten bis 2000

Die Wehrbeauftragte Eva Högl reagierte auf das Urteil mit einem Kommentar im Magazin der katholischen Militärseelsorge:
„Dass solch eine Entscheidung im 21. Jahrhundert ergeht, hätte ich nicht für möglich gehalten. Mich sprechen viele Angehörige der Bundeswehr an, die nun verunsichert sind, wie sie im und außer Dienst, online wie offline, privat wie öffentlich, als Vorgesetzte wie Untergebene aufzutreten haben. Das sind berechtigte Sorgen und Fragen, denen nun schnellstmöglich begegnet werden muss.“
Das SPD-geführte Verteidigungsministerium will darauf in einer „Allgemeinen Regelung zum Umgang mit Sexualität und sexuellem Fehlverhalten“ eingehen, wie eine Sprecherin mitteilt. Eine Vorschrift, die von der damaligen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer – CDU – schon für 2020 angekündigt wurde.
Anlass war damals die Rehabilitierung homosexueller Soldaten, die in der Bundeswehr bis Juli 2000 systematisch diskriminiert wurden. Die 2020 angekündigte Regelung ist allerdings bis heute nicht erlassen worden.
Oberstleutnant Biefang hat inzwischen Verfassungsbeschwerde eingelegt. Die erste offen transgeschlechtliche Soldatin vermisst weiterhin die Unterstützung ihrer Vorgesetzten:
“Ich habe in meinem Bataillon meinen Kompaniechefs eröffnet, was mir zur Last gelegt wird, und die Vertrauensfrage gestellt, ob sie sich noch von mir führen lassen wollen. Das war mir nämlich das Wichtigste. Und die witzigste Aussage, ich glaube von einem meiner Oberleutnante, war: Ach, Frau Oberstleutnant, das Bild kennen wir schon, das ging schon durchs Bataillon, das interessiert hier keinen. Alle haben gefragt, wo das Dienstvergehen in diesem Sachverhalt war, sie haben es auch nicht verstanden. Also offensichtlich hat auch die Bundeswehr versagt, auch meinen Kompaniechefs ordentlich Wehrrecht beizubringen, in dem Verständnis, wie es gelebt wird. ”

Vermittlung von Kameradschaft und Fürsorge

Vorgesetzte, die sich für ihre Werte einsetzen, auch, wenn es unbequem wird ‒ das fordern nicht nur in der Bundeswehr immer mehr Soldatinnen und Soldaten. Auch eine Studie der renommierten Führungskräftezeitschrift MIT Sloan Management Review kam vergangenes Jahr zu diesem Ergebnis.
Die Forschenden wollten wissen, warum in den USA so viele Menschen ihren Job gekündigt hatten. Das Ergebnis: Zehnmal wichtiger als Gehalt ist Menschen gute Führung. Dazu zählen Diversität und ein wertschätzender, respektvoller Umgang. Im Bundeswehrkontext ließe sich das mit Kameradschaft und Fürsorge übersetzen. Vorgesetzte sind dazu laut Soldatengesetz sogar verpflichtet.
Umso verletzter und schockierter waren viele Soldatinnen und Soldaten, als sie das Interview eines aktiven Generals für ein Bundeswehrmedium lasen. Darin sagte er, Stress sei nur etwas für “Leistungsschwache”.
Der frühere Verteidigungs-Staatssekretär Peter Tauber weiß, wie Stress im Beruf die eigene Gesundheit gefährden kann.
“Ich hatte eine echt schlechte Innere Führung, wenn es um mich selbst ging. Ich hatte keine Selbstfürsorge, ich habe nicht meine Grenzen erkannt.”
Der frühere CDU-Politiker ging so lange über seine Grenzen, bis sich der Stress in einer lebensbedrohlichen Darmentzündung niederschlug. 2017 rettete eine Not-Operation sein Leben. 2021 brach die Krankheit erneut so heftig aus, dass er der Bundespolitik den Rücken kehrte und auch sein Bundestagsmandat niederlegte.
„Geweint wird, wenn der Kopf ab ist“ – das sei immer noch eine verbreitete Einstellung in seiner Generation, meint Tauber.
Für Tauber gehört zur Inneren Führung neben dem richtigen Umgang mit Leistungsdruck auch der Aufbau eines Gemeinschaftsgefühls. In dieser Gemeinschaft müssten sich alle Soldaten, unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung, wohlfühlen. Wenn in einer Kompanie von 150 Soldatinnen und Soldaten sich also keiner offen homosexuell zeigen mag?
“Dann hat der Vorgesetzte definitiv was falsch gemacht, weil er dann nicht diesen Raum der Offenheit schafft, den es ja immer braucht. Und dann geht es dann nur vorrangig darum, dass das eine Diversitätsfrage ist, sondern diese Offenheit, alles sagen zu können, was einen ausmacht oder belastet, das ist ja notwendig zur Erfüllung des Auftrags, und zwar auch immer am scharfen Ende.“

Militärexperte: Sexismus energischer bekämpfen

Der Militärexperte Carlo Masala sieht gar einen gefährlichen Trend:
“Wir haben gerade eine Situation, in der zumindest ein Teil in der Bundeswehr gerne ein Rollback hätte: Lass diesen ganzen Quatsch mit Diversität und Trans und Feminismus, hier zählen jetzt nur noch harte männliche Tugenden. Und das ist meines Erachtens der komplett falsche Weg, der wirklich komplett falsche Weg. Weil: Der führt dann nämlich genau dazu, dass sich Gesellschaft mit ihren Streitkräften nicht identifizieren kann und Streitkräfte nicht mit ihrer Gesellschaft identifizieren. Und das ist bei der Auftragserfüllung immer ein Problem.”
Masala fordert, Sexismus energischer zu bekämpfen.
“Wenn du da nicht militärische Führer hast, die von vornherein und unerbitterlich die Kameradin da unterstützen und dagegen vorgehen, sondern verharmlosen, verlierst du Frauen in den Streitkräften, weil ein Großteil der Frauen wird nicht bereit sein, das sozusagen zu ihrem Dienstalltag für die nächsten 30 Jahre zu machen.“
Frauen kommen seltener in die Truppe und verlassen sie oft wieder: Der Frauenanteil in der Bundeswehr hat sich von 2017 bis 2021 nur um einen Prozentpunkt auf knapp 13 Prozent erhöht.
Eine vertrauensvolle Atmosphäre für Menschen unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung zu schaffen, gehört zur Inneren Führung. Und wie wichtig dieses Prinzip in Extremsituationen ist, hat Oberst Axel Schneider erfahren.
Heute ist er Kommandeur des Landeskommandos Schleswig-Holstein; 2014 war er beim Zentrum für Verifikationsaufgaben im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen. Das Zentrum ist für die Umsetzung der Rüstungskontrolle zuständig. Deswegen war Schneider im Frühjahr 2014 in der östlichen Ukraine, wo er ein internationales Militärbeobachterteam leitete. Pro-russische sogenannte Separatisten entführten ihn und seine Gruppe und hielten die Gefangenen über eine Woche lang fest.
Obwohl der Druck extrem hoch war, erinnerte sich der Oberst an Kernelemente der Inneren Führung. Er wusste, dass Einstimmigkeit selten zu nachhaltigen Vereinbarungen führt und forderte als Teamleiter immer wieder Widerspruch ein. Axel Schneider:
“Und alles das, was man tut, im Wahrnehmen seines Gegenübers mit Respekt, Anerkennung und gleichzeitig auch mit einem, ich nenne das mal Kodex, wie man sich als Soldat und als Offizier verhält, das hat auch über die verschiedenen Sozialisationen funktioniert. Und das sind alles diese Elemente für Kommunikation, auch Krisenbewältigung, die habe ich, seit ich in der Führerausbildung bin, auf dieser Plattform der Inneren Führung so erlebt.“
Schneiders Handeln hat Erfolg: Das wichtigste Ziel bei einer Entführung ‒ dass alle lebend rauskommen ‒ hat er für sein Team erreicht. Auch, indem er alle Teammitglieder wertschätzte.

Polizei als Konkurrenz-Arbeitgeber zur Bundeswehr

Ein Beispiel guter Führung – das könnte auch helfen, zukünftig neue Bewerberinnen und Bewerber anzuziehen. Die Bundeswehr steht dabei in Konkurrenz zur Polizei als Arbeitgeberin. Denn auch dort schauen sich Bewerbende um, für die Uniform und Waffen kein Problem sind. Um den Bewerberpool zu erhöhen, hat die Bundespolizei gar ihre Einstellungskriterien gesenkt – so sind in einem Test mehr Rechtschreibfehler erlaubt.
Auch in der Bundeswehr werden – Zitat – „Eignungsmerkmale im Sinne eines kontinuierlichen Qualitätsmanagements regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst“, teilt eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit. Im Wissenstest würden manche Anforderungen gesenkt, manche erhöht. Und wie sieht es beim Sporttest aus?
Der damalige Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels berichtete 2019, Ausbilder bemängelten bei seinen Truppenbesuchen regelmäßig, Soldaten seien „dicker, schwächer und dümmer als früher“. Auch das Verteidigungsministerium räumt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD im Bundestag ein:
„Insbesondere körperliche Leistungsfähigkeit und Robustheit können heute nicht mehr in bisherigen Maßstäben vorausgesetzt, sondern müssen deutlich stärker als zuvor erst entwickelt werden.“
2014 änderte die Bundeswehr ihren Sporttest – statt fünf Übungen müssen Rekruten nur noch drei absolvieren. Für das Verteidigungsministerium ist das nur eine Anpassung – die Einstellungskriterien seien hier nicht gesenkt worden, teilt eine Sprecherin mit.
Dafür wurde das Bewerbungs-Höchstalter 2021 heraufgesetzt: Anwärter für Mannschaftsdienstgrade, die niedrigsten in den Streitkräften, dürfen jetzt auch älter als 30 Jahre sein. Insgesamt sind acht Prozent der 19.000 jährlich neu eingestellten Soldaten über 30.
Dafür tut sich ein anderes Loch auf: Die Bundeswehr wird bald keine Minderjährigen mehr einstellen. 2021 waren noch über sieben Prozent der Rekruten unter 17. Die Bundesregierung will das Mindestalter auf 18 anheben.
Es müssen also grundlegende Veränderungen her, um den geplanten Truppenaufwuchs auf gut 203.000 Soldaten bis 2031 noch zu schaffen. Die zurückgetretene Verteidigungsministerin Christine Lambrecht wollte zuletzt die Verpflichtungszeiten von Zeitsoldaten erhöhen lassen. Nur – das müssen diese auch wollen.
Der Militärexperte Carlo Masala kritisiert: Der Zusammenhang von schlechter Führung, Personalmangel und der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr sei bei der politischen und militärischen Führung nicht ausreichend präsent.
Weil Politiker und Militärs das Thema nicht gerne angehen wollen? Weil sie mit Themen wie Gender und Diversität nichts zu tun haben wollen und die heutige Jugend ihrer Meinung nach nicht hart genug ist? Führungskräften mit dieser Einstellung rät Carlo Masala:
“Für mich steht in meinem Denken der Mensch im Vordergrund. Aber selbst wenn ich sage: Mir ist der Mensch egal, dann muss ich sehen, dass sozusagen das System gefährdet wird. Das System kann mir nicht egal sein.”