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Programm: Vor- und RückschauSamstag, 03.10.2026

  • 00:05 Uhr

    Rock
    Giganten
    Donald Fagen, Walter Becker und ihre Superband Steely Dan
    Am Mikrofon: Tim Schauen

    Hochwertig, avanciert, intellektuell: Das Werk der New Yorker Band ist bis heute ein Solitär.

    Fünf Stunden reichen nicht aus, den Kosmos von Walter Becker (1950-2017) und Donald Fagen (*1948) vollends zu erforschen, zumal sie neben neuen Alben ihrer 1972 gegründeten Superband Steely Dan auch beachtliche Solo-Werke herausgebracht haben. Und allzu lange müsste man auch nicht im Katalog von Steely Dan stöbern, um von der Qualität dieses New Yorker Sounds zwischen Rock, Funk, Jazz, Soul und Pop verblüfft zu sein. Denn bereits das Debüt „Can’t buy a thrill“ (1972) ist ein Klassiker. Bis 1977 („Aja)“ folgten Alben im Jahresrhythmus, Zeichen einer unbändigen Kreativität - denn mit Fagen (Gesang/Keyboards) und Becker (Gitarre/Backing vocals) hatten sich zwei New Yorker Studenten gefunden, die denselben Sound im Ohr, dieselbe sarkastische Literaturliebe im Herzen, herausragendes musikalisches Handwerkszeug im Körper trugen - und sich entsprechend versierte Mitstreiter suchten. Nach dem 1980er-Werk „Gaucho“, als die Band längst zur Studioformation geworden war, wurde es 20 Jahre still um Steely Dan, doch besonders Fagen setzte mit „The Nightfly“ und dem kultigen „Kamakiriad“ weitere Meilensteine. 2000 und 2013 erschienen zwei weitere Alben von Steely Dan - der gemeinsame Weg endete mit dem Tod von Walter Becker im Jahr 2017.

    00:05 Uhr   Fazit

    Kultur vom Tage
    (Wdh.)

  • 06:05 Uhr

    Joseph Haydn
    Sinfonie D-Dur, Hob I:86

    Les Agrémens
    Guy van Waas, Leitung


    Wolfgang Amadeus Mozart
    Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, KV 622

    Österreichisch-Ungarische Haydn-Philharmonie
    Sharon Kam, Klarinette und Leitung

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

  • 08:35 Uhr

    Aus Religion und Gesellschaft
    Die heiligen Schmuggler:
    Wie zwei Pfarrer die Stasi narrten
    Von Kilian Kirchgeßner

    In einer konspirativen Wohnung in Ost-Berlin lernten sich Lothar Vierhock und Christoph Biskupek kennen: Beide wollen katholische Priester werden. Sie kommen aus Erfurt und aus Bonn. Sie schmuggeln hunderte theologische Bücher über die Grenze und sind bis heute Freunde.

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 800 Jahren: Ordensgründer Franz von Assisi gestorben

  • 09:10 Uhr

    Klaviermusik

  • 09:30 Uhr

    Kommunikationsfreiheit
    Das Recht, die Macht und die Bedingungen offener Diskurse
    Von Valerie Rhein

    Offene Diskurse sind die Bedingung gelingender Demokratie. Und das Recht hat die Aufgabe, Bedingungen herzustellen, die eine freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung weitestgehend ermöglichen.
    Um eine für alle Bürgerinnen und Bürger zugängliche Öffentlichkeit zu ermöglichen, bedarf es möglichst wenig Vermachtung, vielfältige Inhalte, kommunikative Chancengleichheit, Teilhabemöglichkeiten für alle. Soweit, so gut. Doch immer wieder wird beklagt, dass die Meinungsfreiheit in den öffentlichen Diskursen schwinde, dass vermeintliche Wahrheiten nicht mehr sagbar sind.
    Der Eindruck, dass marginalisierte Stimmen heute in der Öffentlichkeit mehr Widerspruch artikulieren und sich dabei staatlich bereitgestellten Mitteln des Strafrechts bedienen, bezeugt allerdings keine diskursive Verengung, sondern eine Emanzipation ehemals überhörter Belange.
    Beschwerden der AfD über Diskursverengungen zu ihren Lasten kehren Machtgefälle ins Absurde: Wer wachsende Mehrheiten für sich gewinnt und große digitale Öffentlichkeiten hinter sich versammelt, spricht selbst aus keiner vulnerablen Position heraus, die zu Rückzug und Verdrängung als Folge von Diskursverengungen führt.
    Valerie Rhein ist Juristin und Kommunikationswissenschaftlerin an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den theoretischen Grundlagen der Medienordnung, ihrer Weiterentwicklung unter sich stetig verändernden tatsächlichen Bedingungen, den Auswirkungen des Medienwandels auf demokratische Systeme und rechtlichen Steuerungsmechanismen, mit denen diesen Entwicklungen begegnet werden kann.

  • 10:05 Uhr

    Am Mikrofon: Der Komponist Walter Thomas Heyn

    Wir erging es Tonkünstlern in der DDR - und wie hat sich die Wende auf das Musikleben in Ostdeutschland ausgewirkt?

    1953 wurde Heyn in Görlitz geboren. Er studierte Gitarre und Komposition in Leipzig, wo er später als Freischaffender lebte und mit ansässigen Dichtern wie Andreas Reimann und Ralph Grüneberger zusammenarbeitete. Nach der Wiedervereinigung wurde er Cheflektor im Verlag Neue Musik in Berlin und gründete das Klassik-Label Kreuzberg Records. Als Komponist schuf er bisher rund 100 Werke, darunter Bühnenwerke, zahlreiche Lieder und Kammermusik, Stücke für Kinder und Jugendorchester sowie eine Vielzahl von Arrangements. Heute lebt Walter Thomas Heyn in der brandenburgischen Gemeinde Wandlitz und spielt auch begeistert E-Gitarre. Im Deutschlandfunk spricht er über die Wendezeit und unternimmt einen Streifzug durch deutsche Liedkunst.

  • 14:05 Uhr

    Das Bildungsmagazin

  • 15:05 Uhr

    Popkultur - Archäologische Funde aus der Zukunft
    Von Lars Hendrik Beger und Kolja Unger

    Es ist 2626 und ein Team aus Historikern macht einen besonderen Fund: Aus den Archiven der Deutschlandfunk-Sendung „Corso” und mit Hilfe einer Zeitmaschine nähern sie sich einer interessanten Kunst-Epoche des 20. und 21. Jahrhunderts, der sogenannten Popkultur. Wie ist es den Künstlerinnen und Künstlern dieser Epoche gelungen, Identität zu erschaffen, in Zeiten der medialen und technologischen Umbrüche Kunst zu machen, gesellschaftspolitische Themen aufzugreifen und gleichzeitig die Massen zu begeistern? Dieses spielerische „Corso Spezial" fügt die Gegenwartsbeobachtungen vieler Popkulturjournalist*innen zu einem stimmigen Gesamtbild über den State of The Art des Pops im Jahr 2026 zusammen und zwar in Form einer Betrachtung aus der Zukunft, denn, wie die deutsche Popband Tocotronic bereits sangen: „Im Blick zurück entstehen die Dinge”.
    Am Mikrofon: Bernd Lechler

  • 16:05 Uhr

    Bücher für junge Leser

    DIE BESTEN 7 - BÜCHER FÜR JUNGE LESER*INNEN
    Die Deutschlandfunk-Bestenliste im Oktober
    mit dem Juror Ralf Schweikart

    Jens Rassmus: „Das Ram-Tam-Tier“
    (Peter Hammer Verlag)
    Ab 3

    Tomi Kontio, Elina Warsta(Ill.): „Ein Hund namens Katze“
    Aus dem Finnischen von Maximilian Murmann
    (Jupitermond Verlag)
    Ab 8

    Eva Rottmann, Jokin Michelena(Ill.): „Max und Murat“
    (Verlagshaus Jacoby & Stuart)
    Ab 8

    Dorit Linke: „So leicht kommen wir nicht davon“
    (Arena Verlag)
    Ab 12

    Linda Wolfsgruber: „Was siehst du? Unterwegs mit dem Zug“
    (Jungbrunnen Verlag)
    Ab 3

    Tea Ranno: „Die Straßenbahn ins Leben. Inspiriert von Emanuele Di Porto und seiner Flucht aus dem jüdischen Ghetto in Rom“
    Aus dem Italienischen von Ulrike Schimming
    (mixtvision Verlag)
    Ab 10

    Rüdiger Bertram, Heribert Schulmeyer(Ill.): „FRONT“
    (Rotfuchs Verlag)
    Ab 12

    Am Mikrofon: Nora Karches

  • 16:30 Uhr

    Made in Germany
    Neurotech aus Deutschland
    Von Anneke Meyer

    Neurotech boomt. Hirnimplantate, die Sinneswahrnehmungen, Bewegung oder Sprache zurückholen, sind auf dem Sprung in die breite Anwendung.  Wer jetzt vorne dran ist, bestimmt die Regeln und die Grenzen. Deutsche Forscher und Firmen wollen da mitmischen.
    Statt sich auf Entwicklungen aus den USA oder China zu verlassen, wollen sie Lösungen auf den Weg bringen, die mit unseren ethischen Vorstellungen kompatibel sind. Hat Deutschland eine realistische Chance das Zentrum einer europäischer Neurotechnologie zu werden?

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

  • 18:40 Uhr
  • 20:05 Uhr

    Der gute Gott von Manhattan
    Von Ingeborg Bachmann
    Bearbeitung und Regie: Elisabeth Weilenmann
    Mit: Markus Hering, Roland Koch, Max Simonischek, Marie-Luise Stockinger, Alina Fritsch, Lukas Watzl, Alois Frank, Markus Meyer, Katja Holm, Maria Happel, Nils Arztmann, Martin Zauner, Oskar Weilenmann
    Komposition: Anna Bauer
    Ton und Technik: Anna Kuncio und Simon Dünser
    Regieassistenz: Alexandra Wimmer
    ORF/Deutschlandfunk 2026
    Länge: 54‘40

    Die Begründung der Jury:
    „Der Gute Gott von Manhattan“ von Ingeborg Bachmann, in der Bearbeitung und Regie von Elisabeth Weilenmann ist das Hörspiel des Monats September 2026. Die behutsame Inszenierung bleibt der literarischen Vorlage treu und schafft eine einzigartige Verbindung von Sprache, Klang und Handlung, ohne vor einem bedeutenden Werk der deutschsprachigen Hörspielkunst zurückzuschrecken. Die minimalistische Musik von Anna Bauer verortet das Geschehen sowohl im New York der sechziger Jahre als auch zeitlos im Heute, vor allem durch die technisch verfremdeten Vocal-Arrangements, die entscheidend die intimen und auch beklemmenden Momente des Stückes tragen. Ein Ansatz, der an die Filmkomposition von „Rose“ erinnert und bemerkenswert Intimität und Grenzsituation vereint. Damit trägt die Musik entscheidend dazu bei, die Erzählebenen des Stückes sowohl zu definieren als auch zu verbinden und diesen Text in die Gegenwart zu
    übertragen - eine Gegenwart, die leider noch immer von Femiziden gekennzeichnet ist, in der noch immer vor allem Frauen für den Ausstieg aus gesellschaftlich Konventionen bestraft werden und „Schweigen bis zuletzt“ als „Lösungsstrategie“ nach wie vor die Norm ist.

    Die Jury und der gastgebende Sender 2026
    Olga Grjasnowa, Schriftstellerin
    Masha Qrella, Musikerin
    Gastgebender Sender: Deutschlandradio

  • 22:05 Uhr

    Berliner Geschichte/n (2/2)
    Versunkene Landschaft
    Ellen Hünigen und ihre ostdeutsche Generation nach 1989
    Von Gisela Nauck
    (Wdh. v. 11.1.2025)

    Die Wiederbegegnung mit Ellen Hünigen löst Fragen aus. Im letzten Jahr der DDR gehörte sie, damals 24 Jahre alt, zu den interessantesten kompositorischen Begabungen ihrer Generation. Mittlerweile ist sie als Solistin der Vokalensembles Diakritos zu hören - etwa in einem Benefizkonzert in der Berliner Marienkirche mit ritueller mittelalterlicher Musik verschiedener Weltreligionen. Diakritos unterstützt damit das multireligiöse Kirchen-Projekt „House of One“. Das ist verdienstvoll, aber wo ist die Komponistin Ellen Hünigen geblieben? Wie ist ihr künstlerischer Weg seit der deutschen Wiedervereinigung verlaufen? Autorin Gisela Nauck hat sich auf Spurensuche begeben, bei der sie auch andere Wege dieser letzten, in der DDR ausgebildeten Komponisten-Generation streift.

  • 22:50 Uhr
  • 23:05 Uhr

    Ein Land an der Küste
    Die Lange Nacht der tschechischen Literatur
    Moderation: Marianne Allweiss und Jörg Plath
    Regie: Hans Dieter Heimendahl

    Stellvertretend für Gegenwartsliteratur aus Tschechien werden in der Langen Nacht im Comedia Theater in Köln zu erleben sein: Radka Denemarková (Schokoladenblut), Miroslav Hlauèo (Pfingsten), Alice Horáèková (Geteiltes Haus), Dora Kaprálová (Die Mariborhypnose), Jaroslav Rudiš (Wo die Toten sprechen) und Jáchym Topol (Die Hölle gibt es nicht). Es moderieren Marianne Allweiss und Jörg Plath. Die Gespräche werden simultan gedolmetscht von Nelly Nitra. Es lesen Christiane Nothofer und Jona Mues.

    Unter dem Motto „Ein Land an der Küste“ präsentiert sich Tschechien als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2026. Tatsächlich liegt Tschechien natürlich nicht am Meer und auch Böhmen nicht, das Shakespeare im „Wintermärchen“ an die Küste verlegt hatte. Damit hat er aber ein Bild von Böhmen als Küstenstaat am literarischen Meer heraufbeschworen, das in Gedichten und Essays in der tschechischen und auch der deutschen Literatur immer wieder variiert worden ist und damit die utopische Aussage auf literarischer Ebene bestätigt hat. Mit seinem Auftritt als Gastland intoniert Tschechien seine Rolle als prominenter Teil der Weltliteratur und stellt auch die aktuellen Werke seiner Autorinnen und Autoren selbstbewusst in einen internationalen und überzeitlichen Kontext. Stellvertretend für Gegenwartsliteratur aus Tschechien werden an dem Abend für die Lange Nacht im Comedia Theater in Köln zu erleben sein: Radka Denemarková (Schokoladenblut), Miroslav Hlauèo (Pfingsten), Alice Horáèková (Geteiltes Haus), Dora Kaprálová (Die Mariborhypnose), Jaroslav Rudiš (Wo die Toten sprechen) und Jáchym Topol (Die Hölle gibt es nicht). Es moderieren Marianne Allweiss und Jörg Plath. Die Gespräche werden simultan gedolmetscht von Nelly Nitra. Es lesen Christiane Nothofer und Jona Mues. (Aufzeichnung am 01.10.2026, Comedia Theater, Köln)