Sonntag, 05. Februar 2023

Verspätete Rodel-Saison wegen Fußball WM
"Ärgerlich für den gesamten Wintersport"

Die Saison der Rennrodlerinnen und Rodler startet in diesem Jahr verspätet, weil die Fußball-WM Fernsehzeiten auffrisst. Ärgerlich, aber auch ein Vorblick auf eine spätere Saison, um klimafreundlicher zu werden, erklären Rodlerin Julia Taubitz und Funktionär Thomas Schwab im Dlf-Sportgespräch.

Julia Taubitz und Thomas Schwab im Gespräch mit Astrid Rawohl | 13.11.2022

Die deutsche Rennrodlerin Julia Taubitz bereitet sich auf der Kunsteisbahn am Königssee auf den Start vor.
Die deutsche Rennrodlerin Julia Taubitz auf der aktuell zerstörten Kunsteisbahn am Königssee (Tobias Hase / dpa)
"Es ist für uns Wintersportler natürlich ärgerlich, dass der Fußball jetzt so in den Vordergrund rückt und uns eigentlich so ein bisschen unsere Winterzeit nimmt. Das betrifft eigentlich den kompletten Wintersport", sagt Rennrodlerin Julia Taubitz, die sich ansonsten aber durchaus als WM-Fan sieht. Die gewünschten Fernsehzeiten der Wintersportler wären während des Turnier nicht mehr garantiert gewesen. "Die sind natürlich überlebenswichtig für uns als Verband. Aber auch für die Sportler natürlich: da sich präsentieren zu können", ergänzt Thomas Schwab, Sportdirektor des Deutschen Bob- und Schlittenverbandes.
Sportlich sei die längere Vorbereitung gar nicht schlecht, erklärt Taubitz, nur am Ende der Saison könnte es mit verschobenen Rennen schwierig werden. Perspektivisch sagt sie: Eine spätere Saison sei vielleicht aufgrund des Klimawandels ohnehin sinnvoll. Man könnte Energie sparen, wenn die Bahnen nicht so früh und damit bei warmen Temperaturen gekühlt werden müssten.

Schwab: möglichst CO2-neutral werden

Man analysiere in dieser Hinsicht die Möglichkeiten, CO2-neutral zu werden, sagt Schwab. Auf der Bahn am Königssee, die neu aufgebaut werden soll, wolle man selbst Energie erzeugen. Die Ausrichtung für mehr Klimaschutz ist für ihn völlig klar: „Wer sich da jetzt nicht in die richtige Richtung bewegt, der ist in Zukunft nicht mehr dabei.“ Eine der vier deutschen Bahnen möchte er dennoch nicht aufgeben.
Taubitz war im vergangenen Winter beim Saisonhöhepunkt, den Olympischen Spielen in China, als Führende im zweiten Lauf gestürzt. Mittlerweile sei das überwunden, sagt sie: "Ich habe da schon eine Weile gebraucht, um das zu verarbeiten. Ich war halt wirklich sehr nah dran an dem großen Ziel. Stürze passieren natürlich. Aber das es genau in diesem Moment passiert – das war sehr tragisch. Ja, ich hatte da auch dran zu knobeln, aber ich denke, es hat mich sehr gestärkt, mal auch die andere Seite der Medaille zu sehen. Man sieht immer viel Positives. Das war wirklich mal ein negativer Punkt in meiner Karriere. Und ich denke, dass mich das menschlich schon weitergebracht hat."
Die Spiele blieben ohnehin in keiner sehr guten Erinnerung: "Schöne Olympische Spiele waren das nicht. Wir waren ja unter Ausschluss der Öffentlichkeit", sagt Schwab. Dass die deutsche Mannschaft sehr erfolgreich war, habe aber vieles wiedergutgemacht.

Taubitz: Wunsch nach mehr Mitsprache bei Vergaben

Um die politische Situation könne sie sich als Sportlerin ohnehin nicht kümmern, erklärt Taubitz: "Wir fahren dahin, um unsere Wettkämpfe zu fahren. Und wir blenden da aus, was ringsum in dem Land passiert." Sie wünscht sich aber, dass künftig Sportler etwa über die Athletensprecher Einfluss auf die Vergaben nehmen könnten.
Zur neuen Saison werden bei den Doppelsitzern sogenannte Einheitsschlitten eingesetzt. Das sei ein einschneidender Schritt, der aber bei den Deutschen gut gelungen sei, sagt Schwab. Deutsche Sportler und ihr Umfeld mit vielen Möglichkeiten könnten das gut schaffen, für andere, kleinere Nationen sei es schwieriger, Kritik am Vorgehen berechtigt. Eine Ansage zwei Jahre vorher wäre besser gewesen.