Dienstag, 17. Mai 2022

Corona-Expertenrat zu Omikron-Welle
Verschärfung von Maßnahmen vorbereiten

Der Expertenrat der Bundesregierung warnt angesichts des hochdynamischen Infektionsgeschehens vor einer zu hohen Krankenhausbelegung mit Covid-19-Patienten. Christian Karagiannidis, Mitglied des Rates, sagte im Dlf, er rechne derzeit nicht mit schärferen Maßnahmen. Doch sie sollten vorbereitet werden.

Christian Karagiannidis im Gespräch mit Lennart Pyritz | 24.01.2022

Ãrzte und Pfleger untersuchen einen Patienten auf der Covid-19 Intensivstation im SRH Waldklinikum.
Intensivstationen sind teilweise sehr stark mit Corona-Patienten belegt (picture alliance / Bodo Schackow)
Die bisherigen Corona-Maßnahmen sollten angesichts des hochdynamischen Infektionsgeschehens strikt umgesetzt werden: So steht es in der aktuellen Stellungnahme des Expertinnen- und Expertenrates der Bundesregierung vom 22. Januar. Darüber hinaus: Sollten durch einen weiteren Anstieg der Coronafälle kritische Marken erreicht werden – zum Beispiel eine zu hohe Hospitalisierungsrate – könnten weitergehende Maßnahmen zur Infektionskontrolle notwendig werden.
Christian Karagiannidis ist Intensivmediziner am Klinikum Köln-Merheim und Mitglied des Expertinnen- und Expertenrates der Bundesregierung. Es gehe bei der Empfehlung des Expertenrates darum, vorbereitet zu sein für einen Zeitpunkt X, an dem es beispielsweise eine zu starke Krankenhausbelegung mit Covid-19-Patienten oder wieder extrem stark gefüllte Intensivstationen gebe, erklärte er im Deutschlandfunk.

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Sei dieser Zeitpunkt X erreicht, gelte es beispielsweise zu überlegen, ob eventuell weitere Kontaktbeschränkungen oder eine Reduzierung von Veranstaltungen notwendig würden. Generell rechne er jedoch nicht damit, dass schärfere Maßnahmen noch nötig würden, so der Intensivmediziner weiter: „Aber zumindest in der Theorie sollte das vorbereitet sein.“

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Drei mögliche Szenarien vorbereiten

Insgesamt empfehle er, in drei Szenarien zu denken. Erstens: Was tun, wenn Zeitpunkt X erreicht sei? Das zweite Szenario behandele die Situation, an der die Omikron-Welle wieder abfalle: Ab wann könnten dann Maßnahmen gelockert werden? Wie könne dies verantwortungsvoll umgesetzt werden?
Wichtig sei ihm das dritte Szenario, so Christian Karagiannidis: Was sei im kommenden Herbst zu tun? Wenn Covid-19 parallel zur Influenza auftrete, könnten Krankenhäuser dann wieder an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Zentrale Zahl: die Hospitalisierungsrate

Um eine eventuell notwendige schnelle Umsetzung von weiteren Schutzmaßnahmen gut vorzubereiten, müsse vorab der richtige Zeitpunkt für diese mögliche Verschärfung definiert werden. Dazu sei es dringend notwendig, die Hospitalisierungsrate korrekt zu erfassen. Es gebe sehr gute Daten aus dem Intensivregister. Bei den Normalstationen sei dies jedoch anders.

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Zwar gebe es den Hospitalisierung-Index, der unterliege aber einer sehr starken zeitlichen Verzögerung. Es brauche eine wirklich gute Übersicht darüber, wie viele Patientinnen im Krankenhaus lägen und wie viele tagesaktuell hinzu kämen. Dies sei in den letzten zwei Jahren zu sehr vernachlässigt worden.
Karagiannidis zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass es gelingen könne, diese notwendigen Daten zu generieren: „Wir haben gut etablierte Meldewege in den Krankenhäusern, zum Beispiel zu Abrechnungszwecken. Die Datenschnittstellen sind da. Man kann das Ganze digital übertragen. Eigentlich muss man nur einmal pro Tag zusammenfassen, wie viele Krankenhausbetten habe ich zur Verfügung heute, die ich betreiben kann? Wieviel sind davon belegt? Wieviel sind davon frei? Und wieviel Covid-Patienten habe ich innerhalb der letzten 24 Stunden aufgenommen?“

Neue Virusvarianten verhindern

Im Hinblick auf neue Virusvarianten betonte der Intensivmediziner, dass Omikron Delta in Deutschland zurzeit fast vollständig verdränge und das Risiko einer Mutation besonders bei Delta noch gegeben sei. Daher sei es wichtig, den Impfstoff weltweit zu verteilen, damit nicht immer wieder neue Hotspots entstünden, wo sich Delta weiterentwickeln könne.

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Das Risiko an Long Covid zu erkranken, sei für Geimpfte erheblich geringer als für Ungeimpfte, das sei eine gute Nachricht, hob Christian Karagiannidis schließlich hervor. Dennoch bleibe ein gewisses Restrisiko, dass man an Covid-19 auch über einen längeren Zeitraum hinweg erkranke.