Unsichtbare GefahrLandminen verzweifelt gesucht

Vor fast 25 Jahren haben 165 Staaten sich geeinigt, keine Tretminen mehr einzusetzen, die Zahl der Todesopfer durch die heimtückischen Waffen ging daraufhin zurück. Doch seit 2014 sterben wieder mehr Menschen durch Tretminen, 80 Prozent der Opfer sind Zivilisten.

Von Marc Engelhardt | 29.12.2021

Ein israelischer Arbeiter sucht in den palästinensischen Autonomiegebieten nach Minen.
Ein israelischer Arbeiter sucht in den palästinensischen Autonomiegebieten nach Minen (picture alliance/dpa | Ilia Yefimovic)
Wenige Jahre, bevor die letzte Landmine vernichtet sein soll, sind die Opferzahlen nicht etwa gesunken, sondern gestiegen. 7100 Tote und Verletzte, so sieht die Statistik für die Opfer von Landminen weltweit im vergangenen Jahr aus. Das sind 1000 mehr als noch im Jahr zuvor. 30 Prozent aller Minenopfer weltweit sind Minderjährige.
Grafik zeigt Anzahl der durch Landminen oder Blindgänger getöteten und verletzten Personen weltweit in den Jahren von 1999 bis 2020
Anzahl der durch Landminen oder Blindgänger getöteten und verletzten Personen weltweit in den Jahren von 1999 bis 2020 (IMAGO / Xinhua / Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Serie "Statistik & Story" – Statistiken und die Geschichten dahinter


Manuskript

„Three, two, one“: eine Todesfalle weniger. Ein Team der Vereinten Nationen hat eine im Boden verborgene Tretmine nahe der südsudanesischen Hauptstadt Juba aufgespürt, dann Sandsäcke um sie herum gestapelt und die Mine schließlich gezündet.
Eine von mehr als 100.000 der eigentlich Antipersonenminen genannten Sprengsätze, die im vergangenen Jahr irgendwo auf der Welt geräumt wurden. Bis 2025 will die Weltgemeinschaft eigentlich alle vernichtet haben. Doch mehr als 20 Jahre nach dem Verbot von Tretminen werden sie immer noch hergestellt, und die Zahl der Opfer steigt. Die Statistiken, die die „Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen“ jährlich veröffentlicht, werfen viele Fragen auf.
Wenn es ein Verbot gibt: Warum sind dann nicht alle Landminen zerstört?
Tretminen gehören zu den grausamsten Waffen, die Menschen je erfunden haben. Wenn Soldaten sie eingraben, achten sie darauf, dass sie unsichtbar sind. Selbst wenn der Krieg vorbei ist, sind die Minen noch da. Ihre Opfer sind unschuldige Zivilisten und vor allem Kinder. Über Jahre und Jahrzehnte verhindern Tretminen Wiederaufbau, wirtschaftliche Entwicklung und die Rückkehr von Flüchtlingen in ihre Heimat.
So steht es in der Präambel zur „Konvention über das Verbot des Einsatzes, der Lagerung, der Herstellung und der Weitergabe von Antipersonenminen und deren Vernichtung“, die 1997 in Kanadas Hauptstadt Ottawa verabschiedet wurde. Die Ottawa-Konvention, wie sie deshalb kurz genannt wird, ist seither von 165 Staaten unterzeichnet worden. Eine ziemlich große Zahl angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Abrüstungskonvention handelt, findet Mark Hiznay von Human Rights Watch:
„Aber immerhin 35 Staaten haben die Konvention nicht unterzeichnet. Mindestens 70 bewaffnete Gruppen hingegen, die keinem Staat angehören, haben sich verpflichtet, Antipersonenminen nicht mehr einzusetzen. Wir haben sie bereits 1997 noch während der Verhandlungen dazu aufgerufen."
Zu den Staaten, die der Ottawa-Konvention bis heute nicht beigetreten sind, gehören auch die Großmächte China, Russland und die USA. Eine Resolution gegen Landminen, die jährlich der UN-Vollversammlung vorgelegt wird, lehnte immerhin zuletzt kein Staat ab. Doch solche Resolutionen sind eben nicht bindend. Nur wer die Ottawa-Konvention ratifiziert hat, ist dazu verpflichtet, vorhandene Antipersonenminen zu zerstören. Seit 1999, als die Konvention in Kraft trat, wurden weltweit 55 Millionen Minen vernichtet. Im vergangenen Jahr waren es 106.000, wie Hiznay weiß:
Tatsächlich gab es 2020 nur noch drei Unterzeichnerstaaten, die ihre Lagerbestände vernichten müssen. Einer davon, Sri Lanka, ist im Sommer damit fertig geworden, ein Jahr früher als vereinbart. Bleiben Griechenland und die Ukraine, die klar gegen die Ottawa-Konvention verstoßen, und das seit fast einem Jahrzehnt. Gemeinsam verfügen sie über 3,6 Millionen Antipersonenminen, die der Zerstörung harren.“
Weltweit, so schätzen die Statistiker, gibt es noch 50 Millionen Antipersonenminen. Nicht mitgezählt sind dabei Landminen, die sich nicht gegen Personen, sondern gegen Fahrzeuge, etwa Panzer, richten. Sie fallen nicht unter das Verbot der Ottawa-Konvention, auch wenn es große Überschneidungen gibt, wie Loren Persi weiß. Er ist einer der Autoren des jährlichen Überprüfungsberichts, den die „Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen“ seit 22 Jahren vorlegt.
„Im vergangenen Jahr haben wir folgendes beobachtet: In den Ländern, in denen improvisierte Sprengsätze gegen Fahrzeuge am Straßenrand deponiert wurden, haben oftmals Fußgänger die Detonation ausgelöst. Kindergruppen, Frauen auf dem Weg zur Arbeit oder ins Dorf. Und so werden aus Antifahrzeugminen ganz schnell Antipersonenminen mit wirklich großer Sprengkraft, die Zivilisten in Alltagssituationen schwer verletzen oder töten.“
Solche improvisierten Sprengsätze und Sprengfallen, die teils Fahrzeuge, teils Menschen treffen sollen, sind die neue Art von Landminen, die weltweit eine wachsende Gefahr darstellen. Und das, obwohl auch sie verboten sind. Ihr Einsatz führt zur nächsten Frage:

Wer stellt heute noch Landminen her?

Myanmar, das ehemalige Burma, ist eines der wenigen Länder, in denen bis heute noch Fabriken für Landminen stehen. Ob dort wirklich produziert wird, weiß wohl nur die mächtige Militärjunta, die die Landminen nach wie vor als Waffe nutzt. Mark Hiznay:
„Seit wir erfassen, welche Länder Landminen einsetzen, also seit 1999, steht Myanmar auf der Liste. Und so ist es auch dieses Jahr. Außerdem gibt es nichtstaatliche Akteure, die Antipersonenminen einsetzen. Zwischen Mitte vergangenen Jahres und diesem Herbst haben wir Einsätze in sechs Staaten dokumentiert, nämlich in Afghanistan, Kolumbien, Indien, Myanmar, Nigeria und Pakistan.“
Grafik zeigt Anzahl der Opfer von Minen/explosiven Kampfmittelrückständen in Afghanistan, Kolumbien und Syrien
Besonders in Syrien gibt es immer mehr Opfer von Landminen. (IMAGO / Xinhua / Andrea Kampmann)
Nichtstaatliche Akteure, das bedeutet: Terrorgruppen wie Al-Qaida, Boko Haram oder der sogenannte Islamische Staat. Oft stellen sie die von ihnen genutzten Sprengsätze und Sprengfallen selber her. Wie professionell das etwa im Irak zugeht, beschrieb Pehr Lodhammar vor drei Jahren am Rande eines Gipfeltreffens in Genf. Er leitet im Auftrag der Vereinten Nationen die Minenräumung im Irak:
„Der sogenannte Islamische Staat hatte die Mittel und die Einrichtungen, um eigene Munition, Sprengsätze und Sprengfallen im industriellen Maßstab herzustellen. Wir haben in Mossul Fabriken geräumt, in denen etwa Artilleriegeschosse gegossen wurden, die der IS dann mit selbst produziertem Sprengstoff gefüllt hat. Auch die Zünder haben sie selbst hergestellt. Es gab ausgeklügelte Lagersysteme mit eigenen Palletten, Barcodes und sogar eine Qualitätskontrolle.“
Die meisten Terrorgruppen halten sich nicht an Konventionen oder humanitäres Völkerrecht. Sie töten ohne Rücksicht auf Verluste. Für sie zählt, dass Tretminen zu den billigsten und zugleich furchterregendsten Waffen überhaupt gehören. Zwischen drei und fünf Dollar kostet ein solcher Sprengsatz in der Herstellung. Aber auch staatlichen Armeen wird immer wieder vorgeworfen, Landminen zu verwenden.
Den Statistiken der „Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen“ zufolge gibt es – neben den Workshops von Terroristen – weltweit noch zwölf Staaten, in denen Tretminen hergestellt werden können. Nicht alle von ihnen produzieren tatsächlich Minen, aber die meisten behalten sich zumindest das Recht vor. Zu ihnen gehören Indien, der Iran, Pakistan und Russland. Und auch im vom Bürgerkrieg gebeutelten Jemen haben die Huthi-Rebellen Fabriken gebaut, in denen Minen hergestellt werden. Sie alle sind illegal.

Wie viele Landminen liegen noch irgendwo in der Erde verborgen?

Die genaue Zahl verlegter Minen kennt niemand. Vor Aushandlung der Ottawa-Konvention gingen die Vereinten Nationen davon aus, dass in den Böden von mehr als 70 Ländern 110 Millionen Tretminen lagen. Das US-Außenministerium schätzte die Zahl dagegen auf 70 Millionen.
Ruth Bottomley, die für den „Landmine and Cluster Munition Monitor“ Daten sammelt, ist deshalb auf die Angaben aus den betroffenen Ländern angewiesen.
„Es gibt 33 Unterzeichnerstaaten, die erklärt haben, dass sie gemäß Artikel 5 der Ottawa-Konvention noch Minen räumen müssen. Dazu kommen 22 Länder, die die Konvention nicht unterzeichnet haben, und fünf weitere Gebiete, die verseucht sind. Schließlich gibt es vier Länder, in denen wir noch Restbestände im Boden vermuten, nämlich Algerien, Kuwait, Mosambik und Nicaragua. Nur Algerien stellt uns Zahlen zur Verfügung, die anderen Länder verzichten auf Erklärungen oder aktuelle Updates.“
Auf einem Feld wird eine Landmine kontrolliert gesprengt.
Auf einem Feld wird eine Landmine kontrolliert gesprengt (picture alliance/dpa/Said Tsarnaev)
2020 wurden Bottomley zufolge 135.000 Tretminen auf 146 Quadratkilometern Fläche geräumt. Diese Räumung ist ein langwieriger und teurer Prozess. Die Entfernung einer Mine kostet hundert Mal so viel wie die Herstellung, also bis zu 500 Dollar. Schon deshalb geht die Räumung nur langsam voran. Und im vergangenen Jahr sogar noch langsamer als sonst, so Bottomley.
Covid-19 ist für einige Minenräumungen zur großen Herausforderung geworden. Viele Operationen wurden im Lauf des Jahres zumindest für längere Zeiträume eingestellt. Das war zum Beispiel in Angola, dem Tschad, Äthiopien, Serbien, dem Sudan und Simbabwe der Fall. Manche Länder mussten die Minenräumungen 2020 komplett einstellen, so Ecuador, Peru und der Senegal. Und sie alle haben das mit den Auswirkungen von Covid-19 begründet.“
Und dennoch sind tausende Minenräumerinnen und -räumer auf beinahe allen Kontinenten fast täglich im Einsatz, um ihrem riskanten Beruf nachzugehen. Sie tragen Helme und Schutzwesten, manchmal setzen sie Roboter ein oder auch schwere Maschinen, mit denen ganze Felder auf einmal geräumt werden können.
Warnschild Minen, Golanhöhen, Israel *** Warning sign Mines, Golan Heights, Israel
Ein Schild warnt vor Minen auf den Golanhöhen (imago images/Schöning)
Doch am häufigsten räumen sie Minenfelder immer noch manuell, indem sie jeweils ein Meter breite, abgesteckte Korridore Zentimeter für Zentimeter durchsuchen – mit äußerster Vorsicht, sagt Mike Rashid Fula, der die Minenräumung im Südsudan koordiniert. Anfang November steht er mit seinem mobilen Einsatzteam auf einem Feld am Rande der Hauptstadt Juba.
„Wir sind gerufen worden, weil Menschen Minen entdeckt haben, die noch scharf sind. Deshalb sind wir sofort gekommen, denn wenn wir sie hier einfach im Boden lassen, dann gefährdet das die Kinder der Bevölkerung hier und auch ihr Vieh.“
An manchen Orten ist die Arbeit der Minenräumer besonders gefährlich. Dort geht es längst nicht mehr nur um Landminen alten Typs. Waffenhersteller, Armeen und auch Terrorgruppen haben neue Waffen entwickelt, die Landminen nachempfunden sind. Versteckte Sprengfallen gehören dazu, die vom Opfer ausgelöst werden. Dazu kommen Blindgänger, verborgene Überreste von Kampfmitteln, die schon auf eine unbeabsichtigte Berührung reagieren. Diese Mixtur bedeute täglich neue, unberechenbare Gefahren, sagte Pehr Lodhammar von den UN kurz nach dem Abzug des sogenannten Islamischen Staats aus Mossul vor drei Jahren:
„Ich habe noch nie eine derartige Komplexität erlebt, und eine solche Masse an unterschiedlichen Sprengsätzen und Sprengfallen wie in Mossul. Dazu kommt die Räumung von Kampfmitteln wie Mörsern oder Bomben, die von der irakischen Armee und dem sogenannten Islamischen Staat eingesetzt wurden, aber nie detoniert sind. Wir gehen davon aus, dass zehn Prozent aller eingesetzten Kampfmittel noch scharf sind.“
Kein Wunder, dass die Zahl der Minenopfer in den vergangenen Jahren nicht etwa gesunken, sondern gestiegen ist.
Minenräumer in der afghanischen Provinz Kandahar im Dezember 2016
Sprengfallen und Sprengsätze kommen in Bürgerkriegen häufig zum Einsatz. Minenräumer in der afghanischen Provinz Kandahar im Dezember 2016 versuchen diese zu entschärfen. (picture alliance / Photoshot / Sanauallah Seiam)

Wer fällt den Minen zum Opfer?

Selma Guso war acht Jahre alt und hatte gespielt. Auf dem Weg nach Hause lief sie über eine Blumenwiese in der Nähe ihrer Heimatstadt Sarajevo. Bis heute erinnert sie sich an den sommerlichen Sonntag, daran, wie sie auf einmal im Gras lag und an sich herunterschaute. Überall war Blut. Und einer ihrer Unterschenkel war verschwunden.

Ich bin auf eine Landmine getreten und habe mein linkes Bein verloren, unterhalb des Knies. Ich war auf dem Heimweg mit meiner Cousine, und sie hat an diesem Tag ebenfalls ein Bein verloren. Das ist 20 Jahre her. Bis ich 18 war, brauchte ich jedes Jahr eine neue Prothese, es war schrecklich. Und niemand bei uns unterstützte mich, ohne Hilfe aus dem Ausland hätte ich es nicht geschafft.“
Mehrere Beinprothesen wurden an eine Wand gelehnt
Viele Kinder werden beim Spielen Opfer von Minen - und verlieren beispielsweise ein Bein. (EPA)
Guso, die an diesem Sommertag einer Tretmine zum Opfer fiel, engagiert sich seither gegen Landminen, will verhindern, dass andere Kinder ein ähnliches Schicksal erleiden. Meistens sind es Unbeteiligte wie Guso, die verletzt oder getötet werden, wenn sie auf eine seit Jahren im Erdboden oder unter Pflanzen verborgene Mine treten, weiß Berichterstatter Loren Persi, der am jährlichen Bericht für die Überprüfung des Landminenverbots mitarbeitet.
„Die meisten Opfer gehören zur Zivilbevölkerung. Der Anteil in den vergangenen Jahren lag bei 80 Prozent. Die Hälfte von ihnen sind Kinder. Insgesamt, wenn man Kindersoldaten hinzuzählt, machen Minderjährige gut 30 Prozent aller Minenopfer aus.“
Wenige Jahre, bevor die letzte Landmine vernichtet sein soll, sind die Opferzahlen nicht etwa gesunken, sondern gestiegen. 2020 wurden 7.073 Menschen durch Minen oder Überreste explosiver Munition verletzt oder getötet, über Tausend mehr als im Vorjahr. Laut Statistik sei es das sechste Jahr in Folge mit außergewöhnlich hohen Opferzahlen, sagt Persi.
„Knapp 2.500 Opfer starben, mehr als 4.500 wurden verletzt. Insgesamt gehen wir davon aus, dass die Datenlage verlässlicher ist als in den Vorjahren, denn das Verhältnis zwischen Toten und Verletzten entspricht eher den Erfahrungen. Wir haben bessere Quellen, und das ist sicher ein Grund dafür, dass die Opferzahl gestiegen ist.“
Erstmals ist Syrien das Land mit der höchsten Opferzahl, auch Afghanistan verzeichnet viele Tote und Verletzte. Zwei Länder, in denen Terroristen Sprengfallen und improvisierte Sprengsätze legen. Ähnliches gilt für Burkina Faso, Mali, Nigeria oder den Irak, wo jeweils mehr als 100 Opfer gezählt wurden. Während traditionelle Minenfelder geräumt werden und die Zahl der Opfer dort entsprechend abnimmt, steigt die Anzahl derer, die Opfer der neuen Minen werden.
„Mehr als 2.000 Menschen wurden Opfer solcher Minen, aber vermutlich ist die Zahl noch höher. Denn wenn wir Medienberichte auswerten oder Daten analysieren, dann heißt es dort oft nur ganz generell ‚Landmine‘, während wir wissen, dass in dem betreffenden Land vor allem improvisierte Sprengsätze gelegt werden."
Eines von vielen Beispielen dafür, wie schwierig die Datenerhebung für den jährlichen Bericht zur Umsetzung der Ottawa-Konvention ist. Minen liegen oft in entlegenen Gebieten, etwa in Grenzregionen oder dort, wo der Frieden bis heute noch nicht ganz zurückgekehrt ist. Daten aus solchen Regionen sind schwer zu bekommen und noch seltener zu kontrollieren. Noch komplizierter als die Bilanz des Ist-Zustands ist wohl nur der Blick in die Zukunft.

Ist das Ziel einer Welt ohne Landminen bis 2025 realistisch?

Die Frage, ob in den kommenden Jahren tatsächlich auch die letzte Landmine zerstört werden kann, ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Im Jahr 2020 steckten 33 Länder mehr als 565 Millionen US-Dollar in entsprechende Aktivitäten. Auch wegen der Covid-Pandemie haben viele Länder ihre Zuwendungen heruntergefahren.
Während Deutschland nach der EU und den USA der wichtigste Geber war, kürzte Großbritannien mehr als die Hälfte der Zuwendungen. Von Kürzungen betroffen sind ausgerechnet Syrien und Afghanistan. Und trotzdem sei sie optimistisch, dass das Ziel 2025 noch erreicht werden könne, sagt Marion Loddo, Mitherausgeberin des „Landmine Monitor“.
„Bis heute sind 55 Millionen Landminen zerstört worden. Diese Minen werden niemals verwendet werden, nie die Bevölkerung gefährden, nie Land unbenutzbar machen. Das ist ein großartiger Erfolg, der zeigt: es funktioniert.“
Auch Loren Persi spricht von großen Fortschritten. Allerdings drohten neue improvisierte Sprengsätze die Erfolge bei der Bekämpfung alter Minenbestände zunichte zu machen: Die Ottawa-Konvention war ein Versprechen, das Leid zu beenden und Opfer zu schützen. Natürlich haben sich die Bedingungen über die Jahre verbessert, aber es gibt immer noch viele Opfer, und unter ihnen sind weiterhin viele Zivilisten und Kinder.“
1997 wurde die „Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen“ mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Seither suchen ihre Mitarbeiter und Unterstützer in den Daten nach Spuren dafür, dass ihr Traum einer Welt ohne Landminen wahr werden kann.
Ob das tatsächlich gelingt, wird sich wohl erst in der Auswertung der Statistiken von 2025 zeigen.