Montag, 27. Juni 2022

Ukraine-Krise bei Olympia
Es spitzt sich auch in Peking zu

Die Spannungen im Ukraine-Russland-Konflikt sind auch bei Olympia in Peking zu spüren. Ukrainische Sportler seien angewiesen, russische Sportler zu meiden und keine Fotos mit ihnen zu machen, sagte Ex-Russland-Korrespondentin Gesine Dornblüth im Dlf. Russlands Präsident Putin werde sich nicht an den Olympischen Frieden halten.

Gesine Dornblüth im Gespräch mit Astrid Rawohl | 13.02.2022

Russische und ukrainische Sportlerinnen und Sportler sitzen beim Eiskunstlaufwettkampf in Peking direkt nebeneinander.
Russische und ukrainische Sportlerinnen und Sportler sitzen beim Eiskunstlaufwettkampf in Peking direkt nebeneinander (picture alliance / dpa / Valery Sharifulin)
In der Ukraine wächst seit Wochen die Sorge um einen Einmarsch Russlands. Die diplomatischen Bemühungen laufen auf Hochtouren. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte mehr als 100.000 Soldaten an der russischen Grenze zur Ukraine aufmarschieren lassen.
Auch bei den Olympischen Winterspielen in Peking sind die Spannungen und der Russland-Ukraine-Konflikt zu spüren. So hatte der Ukrainer Wladislaw Heraskewitsch nach seinem dritten Skeleton-Lauf im Zielbereich des Eiskanals von Yanqing einen selbst gebastelten Zettel in den Landesfarben der Ukraine mit der Aufschrift "No War in Ukraine" ("Kein Krieg in der Ukraine") in die Kameras gehalten.
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Für Menschenrechtsorganisationen und viele Athletengruppen sind die Olympischen Winterspiele in Peking ein Sündenfall. Hintergrund sind die massiven Menschenrechtsverletzungen, die man China vorwirft. Trotzdem hält das IOC an den Spielen fest.

"Sport ist ein wichtiger Faktor bei der Nationen- und Identitätsbildung"

Er hoffe, dass "das IOC in dieser Sache meiner Meinung ist", denn auch die olympische Bewegung stehe "für Frieden und Einigkeit und nicht für Krieg", sagte Heraskewitsch.

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Politische Botschaften sind Sportlern bei olympischen Wettkämpfen laut Regel 50.2 der Olympischen Charta der Regel verboten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte jedoch mit, Heraskewitsch müsse nicht mit Konsequenzen rechnen. Es habe sich um einen generellen Aufruf zum Frieden gehandelt, die Sache sei damit erledigt.
In der Ukraine selbst sei die Lage relativ ruhig, sagte Gesine Dornblüth, langjährige Russlandkorrespondentin des Deutschlandfunks. Es gebe keine Panikkäufe, viele Ukrainer glauben nicht an eine Invasion und gehen ihrem Alltag nach. Dabei spiele der Sport eine große Rolle in der Ukraine. "Sport ist ein wichtiger Faktor bei der Nationen- und Identitätsbildung. Gerade die Krim-Annektion durch Russland und der Krieg 2014 hat dazu geführt, dass viele Ukrainer und auch russischsprachige Ukrainer sich als ukrainische Staatsbürger fühlen", sagte Dornblüth.

Putin schert der Olympische Frieden nicht

Es habe bei vergangenen Olympischen Spielen immer mal wieder Verbrüderungsszenen zwischen russischen und ukrainischen Sportlern gegeben, dies solle sich nach Aussagen des ukrainischen Sportministers nicht wiederholen, dieser habe den ukrainischen Olympia-Athleten gesagt, dass sie die russischen Sportler meiden und sich nicht mit ihnen fotografieren lassen sollen, denn Bilder zählen viel und sollen nicht missbraucht werden, so die Osteuropa-Kennerin.
Sie glaube nicht, dass Putin noch lange mit einer Invasion auf sich warten lasse, der russische Präsident habe sich auch schon 2008 und 2014 nicht an den Olympischen Frieden gehalten.