Grönland, Friedensrat, Trump-Show
Was bleibt vom diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos?

Der Weltwirtschaftsgipfel in Davos ist zu Ende. Vieles war geprägt von US-Präsident Trump, aber nicht alles. Beobachter sind sich einig, dass die fünf Tage intensiv waren und der Welt einige Veränderungen bringen könnten. Ein Überblick über die Lehren aus dem Treffen in der Schweiz.

    US-Präsident Trump und NATO-Generalsekretär Rutte bei einem Treffen am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Beide sitzen auf Sesseln und schauen sich an. Rutte gestikuliert. Hinter ihnen sind die amerikanische und die NATO-Flagge zu sehen.
    US-Präsident Trump und NATO-Generalsekretär Rutte bei einem Treffen am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Evan Vucci)

    1. Die USA unter Trump bleiben unberechenbar

    Die Rede von US-Präsident Trump in Davos war mit Spannung erwartet worden. In ihr unterstrich er dann auch erneut den Anspruch der USA auf Grönland und stieß gegenüber den Europäern unverhohlene Drohungen aus, sollten diese nicht seinen Plan der Übernahme unterstützen. Nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Rutte dann plötzlich die Kehrtwende: Einigung erzielt, keine Annexion, keine Strafzölle. Ob finanzpolitische Sorgen oder die Standfestigkeit der Europäer Trump zum Umlenken bewegt haben, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Geschlossenheit und Stärke der europäischen Staaten sei jedenfalls bemerkenswert gewesen, sagt der Brüssel-Korrespondent des Deutschlandfunks, Moritz Küpper.
    Der SPD-Außenpolitiker Mützenich sagte im Deutschlandfunk, Europa müsse mit den Vereinigten Staaten im Dialog bleiben. Davos habe aber gezeigt, dass US-Präsident Trump ein unberechenbarer Partner sei. Die EU sollte daher auch neue Kooperationen eingehen, beispielsweise mit den Ländern des globalen Südens.

    2. Unabhängigkeit von den USA stärken

    Bundeskanzler Merz sprach sich in seiner Davoser Rede für eine Stärkung Europas aus - und meint damit auch De-Risking von den USA. Die Europäer müssten Konsequenzen ziehen und ihre Verteidigungsfähigkeit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dennoch müsse mit den USA weiterhin eng zusammengearbeitet werden.
    In Davos aufhorchen ließ auch die Rede des kanadischen Ministerpräsidenten Carney. Er war es, der deutlich aussprach, dass die alte Ordnung der Welt nicht zurückkehre. Man solle ihr aber nicht nachtrauern, denn Nostalgie sei keine Strategie. Die Mittelmächte sollten gemeinsam handeln und ihre Stärken herausstellen und so unabhängig von den Vereinigten Staaten werden.

    3. Skepsis gegenüber Trumps "Friedensrat"

    US-Präsident Trump begründete zusammen mit 19 Staats- und Regierungschefs ein "Board of Peace" - einen sogenannten Friedensrat. Beobachter sehen den Rat als Affront gegen die Vereinten Nationen. Der ehemalige UNO-Botschafter Wittig sagte im Deutschlandfunk, er denke nicht, dass das Gremium lange halten werde, auch weil Trump der lebenslange Vorsitz garantiert sei.
    Mit Blick auf den Ukraine-Krieg brachte Davos etwas Bewegung. Der ukrainische Präsident Selenskyj verkündete eine Annäherung mit den USA über Sicherheitsgarantien. Parallel zum Schweizer Treffen sprachen US-Unterhändler direkt mit Kremlchef Putin. Russland zeigte sich in Folge dessen bereit, mit der Ukraine unter Vermittlung der USA direkte Gespräche zu führen.

    Weiterführende Informationen

    Wie die EU künftig mehr in die Arktis investieren will
    Was US-Präsident Trump mit seinem Friedensrat erreichen will
    Diese Nachricht wurde am 23.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.