Mittwoch, 18. Mai 2022

Vierfachsystem im Nordwesten
Capella, der doppelte Doppelstern

Nach Einbruch der Dunkelheit funkelt im Nordwesten Capella recht tief, der Hauptstern im Fuhrmann. Teleskope offenbaren, dass dort – gut vierzig Lichtjahre entfernt – nicht ein Stern leuchtet, sondern ein System aus vier Sternen.

Von Dirk Lorenzen | 07.05.2022

Capella im Fuhrmann steht nach Sonnenuntergang im Nordwesten
Capella im Fuhrmann steht nach Sonnenuntergang im Nordwesten (Stellarium)
Nach Einbruch der Dunkelheit funkelt im Nordwesten Capella recht tief, der Hauptstern im Fuhrmann. Teleskope offenbaren, dass dort – gut vierzig Lichtjahre entfernt – nicht ein Stern leuchtet, sondern ein System aus vier Sternen.
Zwei Sterne mit jeweils gut zweieinhalbfacher Sonnenmasse haben einen Abstand, der geringer ist als die Entfernung Erde-Sonne – sie umkreisen einander im Lauf von dreieinhalb Monaten. Diese beiden Riesensterne haben sich zum Ende ihres Lebens bereits aufgebläht.
Ein ganzes Stück von den beiden entfernt, in etwa zehntausendfachem Abstand Erde-Sonne, befindet sich das zweite Sternpaar von Capella. Es besteht aus leuchtschwachen Roten Zwergen und ist nur im Teleskop zu erkennen. Dieses Paar umkreist sich in fast vierhundert Jahren.
An unserem Himmel leuchten die beiden Capella-Paare kaum einen Vollmonddurchmesser voneinander getrennt. Weitere Sterne, die im Teleskop zwischen den Paaren zu erkennen sind, stehen nur zufällig in dieser Richtung und haben mit Capella nichts zu tun.
Das Capella-System ist rund vierhundert Millionen Jahre alt, also deutlich jünger als unsere Sonne. Bald wird der etwas größere der beiden Hauptsterne sich noch weiter ausdehnen und den anderen umhüllen.
Dann strömen Gasmassen auf den etwas kleineren Stern. Die weitere Entwicklung lässt sich noch nicht abschätzen.
Von Mitteleuropa aus gesehen geht Capella nie unter – auch in den kurzen Sommernächten zeigt sich der Winterstern tief am Nordhimmel. Dort funkeln vier Sterne, ein doppeltes Capella-Doppel.