Samstag, 10. Dezember 2022

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Faust bei Franz Liszt und Richard Wagner
Der Reiz des Bösen

Franz Liszt konnte so teuflisch gut Klavier spielen, dass er oft mit Mephisto verglichen wurde. Mephisto scheint ihn auch gereizt zu haben, denn mit der Faust-Symphonie und dem Mephisto-Walzer schuf er eindrucksvolle Charakterstudien dieser abgründigen Figur.

Am Mikrofon: Haino Rindler | 12.12.2021

Das in Rot getauchte Bild zeigte einen Mann als beleibten Teufel mit kleinen Hörnern auf der Stirn, der einen finsteren Blick in die Kamera wirft.
Der teuflische Gegenspieler von Faust, Mephistopheles, fasziniert die Menschen seit dem Mittelalter. (Unsplush / Maksym Vlasenko)
"Ich finde bei Liszt bedeutend mehr Verständnis für die Figur von Mephisto als für die Figur von Faust", meint der Dirigent Vladimir Jurowski. "Er wurde ja selber mit Mephisto in seiner Jugendzeit verglichen. Die unzähligen Mephisto-Walzer sind ja auch ein Zeugnis davon."
In der Art wie Liszt die Figur des Mephistos mit Tönen charakterisiert, macht er auch zugleich den Reiz des Bösen begreifbar, findet Vladimir Jurowski. "Er zeigt mit seiner Musik unter anderem die Banalität des Bösen und dadurch auch die große Gefahr, die das Böse in sich birgt. Denn das Banale ist auch sehr verführerisch."

Wagner sucht Vorbild bei Liszt

Die Faust-Ouvertüre von Richard Wagner ist viel unbekannter als die Faust-Sinfonie von Liszt. Wagner eifert hier Liszt, der sein Schwiegervater wurde, hörbar nach. Wagner sei ein "Meisterdieb unter den Komponisten", sagt Jurowski, aber er habe sich die Dinge angeeignet und auf den Punkt gebracht.
Mehr Informationen zum Programm "Reiz des Bösen" erhalten Sie hier.
Franz Liszt
„Eine Faust-Sinfonie“ in drei Charakterbildern nach Goethe für Tenor, Männerchor und Orchester
„Tanz in der Dorfschänke“ aus "Zwei Episoden aus Lenaus Faust"
Richard Wagner
„Eine Faust-Ouvertüre“ d-Moll WWV 59
Stuart Skelton, Tenor
Herren des Rundfunkchores Berlin
Justus Barleben - Choreinstudierung
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Vladimir Jurowski, Dirigent
Aufnahme vom 26.11.2021 aus der Philharmonie Berlin