Teurer als erwartet
Fußball-EM in Deutschland - wer zahlt?

Am Freitag startet die Fußball-EM in Deutschland. Und schon jetzt ist klar, das Turnier wird teurer als gedacht. Die Kosten trägt vor allem der Steuerzahler. Die Städte erhoffen sich jedoch wirtschaftliche Effekte. Fragen und Antworten.

Von Lukas Thiele | 10.06.2024
    Vor dem Brandenburger Tor in Berlin ist ein riesiges Fußballtor aufgebaut, sowie ein Kunstrasen verlegt.
    Die Fanmeilen am Brandenburger Tor und vor dem Reichstag kosten der Stadt Berlin rund 24 Millionen Euro. (picture alliance / SULUPRESS.DE / Marc Vorwerk / SULUPRESS.DE)
    Die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland soll laut Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) neben sportlichen Wettkampf auch eines werden: eine große Party. Die EM solle "uns mal eine unbeschwertere Zeit einbringen, wo wir uns wieder freuen können mit unserer Nationalmannschaft und vielleicht nicht immer an die schlimmsten Dinge denken, die gerade so außenpolitisch wie innenpolitisch eine gewisse Rolle derzeit spielen", sagte Faeser im Deutschlandfunk.
    Doch auch eine Party kostet Geld. Und schon jetzt ist klar: Die EM wird deutlich teurer als gedacht.

    Wie teuer wird die Fußball-EM in Deutschland?

    650 Millionen Euro wird das Turnier kosten, das haben Recherchen des ZDF und des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ergeben. Allein auf die zehn Ausrichterstädte kommen laut "Correctiv.Lokal" und "FragDenStaat" Kosten in Höhe von 295 Millionen Euro zu. Das seien rund 66 Millionen Euro mehr als im Bewerbungsprozess 2017 erwartet.
    Allein Berlin zahle 40 Millionen Euro mehr als ursprünglich erwartet. In Frankfurt am Main sind es mehr als 13 Millionen Euro. Dortmund, Gelsenkirchen und Köln müssen jeweils mit rund fünf Millionen Euro Extrakosten rechnen.

    Warum müssen die Städte mehr zahlen als ursprünglich gedacht?

    Der Grund für die Kostensteigerungen liegen vor allem bei den Themen Personal, Mobilität, Sanierungen und Sicherheit. Laut der Stadt Berlin seien die genauen Kosten zum Bewerbungszeitpunkt noch nicht abzusehen gewesen. Das liege vor allem an der Corona-Pandemie, inflationsbedingten Preissteigerungen und gestiegenen Energiekosten.
    Den größten Teil der Ausgaben machen aber die Verpflichtungen der Städte gegenüber dem europäischen Fußball-Verband UEFA aus. So ist jede Ausrichterstadt verpflichtet, ein Fanfest zu organisieren. In sogenannten "Fan Zones" sollen Fans feiern und die Spiele verfolgen können. Laut Correctiv machen diese in München und Berlin rund ein Viertel der Gesamtkosten, in Köln ist es etwa ein Drittel.

    Wer trägt die Kosten für die EM?

    Die Kosten tragen der Bund, die Länder und die Austragungsstädte selber - im Endeffekt also der Steuerzahler. Die UEFA selbst beteiligt sich nicht an den Kosten, obwohl sie den Städten etwa die Organisation der Fan-Feste vorschreibt. Das sei eine "problematische Verteilung der Kosten", sagte Katrin Lögering, die für die Grünen im Dortmunder Stadtrat sitzt, gegenüber dem ZDF.
    Insgesamt hat die UEFA hohe Ansprüche an die Ausrichterstädte und beansprucht sogar Steuerfreiheit für sich. "Wenn ihr Veranstaltungen von uns haben wollt, dann verzichtet auf Steuern", beschrieb Spiegel-Journalist Michael Fröhlingsdorf im Deutschlandfunk das Vorgehen des Verbandes.

    Wie viel Geld generiert die EM - und wer bekommt es?

    Die Sponsorenverträge, beziehungsweise die Vermarktung der Medienrechte hat die UEFA dagegen selbst abgewickelt, streicht also auch das Geld dafür ein. Laut Spiegel-Journalist Fröhlingsdorf rechnet die UEFA mit einem Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zur EM 2016 in Frankreich sei das eine Gewinnsteigerung von satten 25 Prozent. "Also da sind die Erwartungen der UEFA sehr hoch, was man in Deutschland so verdienen kann", sagte Fröhlingsdorf.
    Das Geld soll laut UEFA an die europäischen Fußballverbände ausgeschüttet werden. An die Städte fließt dagegen nichts zurück.

    Wie profitieren die Austragungsorte?

    Die Städte erhoffen sich dagegen andere Effekte. "Wir glauben, dass wir wirtschaftlich von diesem Turnier profitieren werden, denn es kommen Hunderttausende Menschen in unsere Stadt, die hier Geld ausgeben werden", sagte Stephan Keller (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, gegenüber der Tagesschau. Vor allem für die Hotel-, Gastronomie und Veranstaltungsbranche erhoffen sich die Städte einen Wirtschaftsboost.
    Und dazu kommt die Präsenz der Städte auf der internationalen Bühne: "Es werden fünf Milliarden Menschen an den Bildschirmen weltweit dieses Turnier sehen, und das ist für Düsseldorf eine unbezahlbare Image-Werbung", sagte Keller.
    Innenministerin Faeser erhofft sich darüber hinaus noch andere Effekte von der EM - ungeachtet der Kosten: "Wir werden mit Sicherheit, glaube ich, sehr viel Freude an der Heim-EM haben. Und ich glaube auch, dass das überwiegt, und dass es auch wichtig ist für die Menschen, solche Ereignisse selbst im Land zu haben, um sich zu freuen, um mal abgelenkt zu sein, was Schönes zu haben, mitzufiebern", sagte Faeser im Dlf.