Donnerstag, 09. Dezember 2021

Corona-ImpfungGibt es Langzeitfolgen?

FC-Bayern-Profi Joshua Kimmich will sich noch nicht gegen Covid-19 impfen lassen. Als Grund nennt er fehlende Langzeitstudien. Führende Wissenschaftler widersprechen den Befürchtungen.

25.10.2021

Eine Hand in medizinischem Handschuh hält Spritze und Corona-Impfstoff
Gibt es Langzeitfolgen der Corona-Impfung? Wissenschaftler versuchen, die Bedenken zu entkräften (Archivbild). (Unsplash / Towfiqu Barbhuiya)
Fachleute weisen darauf hin, dass Nebenwirkungen allenfalls kurz nach einer Impfung auftreten können. "Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten", stellte etwa Carsten Watzl von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie klar.
Watzl spricht von einem "Missverständnis, das sich bei vielen Menschen hartnäckig hält". Insofern könnte Kimmichs Statement ganz neuen Schwung in die Aufklärungsarbeit gebracht haben.
Ein Krankenhausmitarbeiter in Schutzkleidung steht am Bett eines Intensivpatienten.
Zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion gehören Erschöpfung, Atemnot und Traumata. (picture alliance/dpa/Jens Büttner)
Covid-19-Langzeitfolgen
In Regensburg hat ein ehemaliger Corona-Patient eine Selbsthilfegruppe gegründet, um die einschneidenden Veränderungen mit anderen Betroffenen und psychologischer Hilfe zu verarbeiten.
In Deutschland seien über 100 Millionen und weltweit über sechs Milliarden Dosen an Corona-Impfstoffen verabreicht worden, erklärte Watzl. Daher kenne man bereits mögliche seltene Nebenwirkungen bei Vektor-Impfstoffen wie Sinusvenenthrombosen. Dabei kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn.

Die gesundheitlichen Risiken bei Covid-Infektionen sind viel, viel größer als bei Impfungen

Die gesundheitlichen Risiken bei Covid-Infektionen seien jedoch "viel, viel größer" als bei Impfungen, sagte der Physiker Dirk Brockmann vom Institut für Biologie der Humboldt-Universität Berlin. "Hinzu kommt: Durch die Impfung vieler Menschen werden vulnerable Gruppen wie Ältere und Vorerkrankte geschützt."
Prof. Dirk Brockmann (Wissenschaftler) 08/20 her Prof. Dirk Brockmann am 12. August 2020 in Markus Lanz , ZDF TV Fernseh
Prof. Dirk Brockmann am 12. August 2020 in der ZDF-Talkshow Markus Lanz (imago images/teutopress)
Dirk Brockmann: "Wir müssen jetzt alles tun, was wirkt"
Impfen, Kontaktreduktion, Testen und Maskentragen – das sind für den Physiker und Modellierer Dirk Brockmann die wichtigsten Maßnahmen zum Brechen der vierten Welle.
Für Ungeimpfte sei eine Corona-Infektion quasi unausweichlich. "Das Coronavirus wird in der Welt bleiben, es wird sicher neue Varianten bilden, aber es wird nicht verschwinden", betonte Brockmann.
Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, wies Kimmichs Bedenken zurück. "Joshua Kimmich ist sicher ein ausgewiesener Fachmann in Fragen des Fußballs, aber kein Fachmann in Fragen der Impfung und der Impfstoffe", erklärte Mertens. Dennoch habe der Fußball-Profi "mit seinen Bedenken einem Problem Ausdruck verliehen, das sicher bei manchen Menschen in unserer Gesellschaft so gesehen wird".

Spät auftretende Nebenwirkungen sind extrem seltene Rarität

Wenn ein Impfstoff zur Verwendung an Menschen freigegeben wird, gebe es begleitende Studien, die genau untersuchten, ob es bei der Anwendung zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen könne, betonte der Stiko-Vorsitzende. "Dass es bei der Anwendung eines Impfstoffes über knapp ein Jahr keine Zehnjahres-Beobachtungsstudien geben kann, ist klar." Das gelte aber nicht nur für jeden anderen Impfstoff auch, der neu angewendet werde, sondern auch für jedes neue Medikament.
Prof. Dr. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission
Prof. Dr. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (www.imago-images.de)
Booster-Impfungen für Ältere und Risikogruppen?
Interview mit Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission
"Neben den Zulassungsstudien wissen wir aus den begleitenden Studien, dass es nur zu einigen Nebenwirkungen gekommen ist, die alle recht kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten sind", so Mertens. In der Wissenschaft sei man sich einig, dass spät auftretende Nebenwirkungen nach einer Impfung "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität bei einzelnen Impfstoffen" gewesen seien.

Klare Impfempfehlung, auch für unsere Nationalspieler

Der Kardiologe Jonas Zacher von der Deutschen Sporthochschule Köln sagte dem TV-Sender Sky: "Die Wahrscheinlichkeit, dass unerwartete Langzeitfolgen auftreten, ist extrem gering, fast nichtig." Er sprach von einer "ganz klaren Empfehlung": "Das Risiko durch eine Impfung ist viel geringer als das Risiko durch eine Covid-19-Infektion. Von daher klare Impfempfehlung, auch für unsere Nationalspieler."