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StartseiteThemaWarum steigen die Preise?08.07.2021

InflationWarum steigen die Preise?

Die Preise in der Euro-Zone steigen:* Im Mai erreichte die Inflationsrate in Deutschland mit 2,5 Prozent den höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Was treibt die Inflation an und welche Maßnahmen werden ergriffen, um Preise stabil zu halten? Ein Überblick.

Von Klemens Kindermann

Hände halten eine Geldbörse mit Euroscheinen auf (Imago / SKATA)
Sorgen um die Kaufkraft in Deutschland: Die Inflation steigt (Imago / SKATA)
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Wie entstehen Inflation und Deflation?

Inflation ist der anhaltende Wertverlust von Geld durch steigende Preise. Preissteigerungen können verschiedene Ursachen haben, etwa die Verknappung bestimmter Güter oder Dienstleistungen. Derzeit sind zum Beispiel viele Baustoffe knapp, aber auch Computerchips. Wegen der hohen Nachfrage erhöhen sich die Preise der Produkte. Dieser Preisanstieg wird von den Unternehmen an die Verbraucher weitergegeben.

Eine Deflation ist sozusagen das Gegenteil der Inflation. Hier gehen die Preise stetig zurück, Güter und Dienstleistungen werden billiger. Die Gründe können ebenfalls unterschiedlich sein: die Nachfrage privater Haushalte sinkt oder die Nachfrage aus dem Ausland nach Importwaren. Gefährlich ist eine Deflation, weil sie eine Abwärtsspirale in Gang setzen kann: werden fallende Preise erwartet, werden Investitionen und Käufe zurückgestellt – die Wirtschaft stockt.

Was sind Auswirkungen und Gefahren von Inflationsraten?

Steigende Inflationsraten können für die Verbraucher einen Verlust ihrer Kaufkraft bedeuten. Das heißt: für eine bestimmte zur Verfügung stehende Geldsumme können bei einem Anstieg der Inflation nicht mehr in gleichem Maße Güter oder Dienstleistungen in Anspruch genommen werden. Daher ist es für die Beurteilung inflationärer Tendenzen sehr wichtig, auf die Entwicklung von Löhnen und Gehältern zu schauen. Steigen sie in der Teuerung nicht oder im Verhältnis zum Anstieg der Preise zu wenig, schwindet die Kaufkraft der Konsumenten.
 
Wichtig ist die Inflation auch für die Geldanlage und den Vermögensaufbau etwa zur Altersvorsorge. Steigt die Inflation, nicht aber die Zinsen, wird angelegtes Vermögen immer weniger wert. 

Was besagt die Inflationsrate?

Als Inflationsrate wird der prozentuale Anstieg des allgemeinen Preisniveaus in einem bestimmten Zeitraum bezeichnet, in der Regel ein Jahr, und zwar gemessen an einem Preisindex. In Deutschland wird die Inflationsrate von den Statistischen Landesämtern und dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden berechnet. Jeden Monat werden zu diesem Zweck Einzelpreise erfasst, und zwar von Waren und von Dienstleistungen. Insgesamt werden Preise von rund 600 Güterarten erhoben: Sie bilden den sogenannten Warenkorb. Er wird als repräsentativ angesehen, allerdings gibt es auch immer wieder Diskussionen dazu, ob er richtig zusammengesetzt ist. 

Wie nehmen Zentralbanken Einfluss auf Preisstabilität?

Die Sicherung stabiler Preise ist in der Regel die originäre Aufgabe der Zentralbanken. Sie sind daher idealerweise nicht an Weisungen von Regierungen gebunden. In Deutschland hat über viele Jahre die Deutsche Bundesbank die Steuerung der Geldpolitik verantwortet. Seit der Einführung des Euro-Systems, deren Mitglied die Bundesbank ist, ist die Europäischen Zentralbank (EZB) zuständig. Auch sie ist vorrangig dem Ziel der Preisstabilität verpflichtet. Das unterscheidet sie zum Beispiel von der US-amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed). Diese berücksichtigt in ihren geldpolitischen Entscheidungen auch Effekte für den Arbeitsmarkt.

Die Sicherung stabiler Preise ist in der Regel die originäre Aufgabe der Zentralbanken. Sie sind daher idealerweise nicht an Weisungen von Regierungen gebunden. In Deutschland hat über viele Jahre die Deutsche Bundesbank die Steuerung der Geldpolitik verantwortet. Seit der Einführung des Euro-Systems, deren Mitglied die Bundesbank ist, ist die Europäischen Zentralbank (EZB) zuständig. Auch sie ist vorrangig dem Ziel der Preisstabilität verpflichtet. Das unterscheidet sie zum Beispiel von der US-amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed). Diese berücksichtigt in ihren geldpolitischen Entscheidungen auch Effekte für den Arbeitsmarkt. 

Preisstabilität sieht die EZB dann als erfüllt an, wenn die Inflationsrate im Euro-Währungsgebiet bei "unter, aber nahe" zwei Prozent liegt. Hier sieht die EZB sozusagen die ideale Mitte gewährleistet: die Gefahr einer Deflation besteht dann nicht, weil es eine maßvolle Teuerung gibt. Die Bedrohung durch eine "galoppierende", also stark zunehmende Inflation wäre bei einer beherrschbaren Preissteigerung von nahe zwei Prozent ebenfalls nicht gegeben. 

Der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) überragt am 04.06.2014 die Zentrale der Bundesbank in Frankfurt am Main (Hessen). (picture alliance / Boris Roessler) (picture alliance / Boris Roessler)Die Bundesbank und ihr Verhältnis zur EZB
Im Streit um die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank spielt die Bundesbank eine wichtige Rolle. Sie ist an die Beschlüsse des Eurosystems gebunden. Wie ist das Verhältnis der beiden Banken?

Welchen Einfluss hat die Coronakrise auf die Inflationsrate?

Das Ziel einer Inflationsrate von nahe 2,0 Prozent hat die EZB über lange Zeit nicht erreicht. Normalerweise erhöhen die Zentralbanken die Zinsen, wenn die Teuerung zunimmt, um die Preise stabil zu halten. Die EZB hat die Zinsen gesenkt, um auf diese Weise ein Anziehen der Inflation zu erreichen. Seit März 2016 liegt der Leitzins im Euroraum bei 0,0 Prozent. 
 
Auf die Coronakrise reagierte die EZB angesichts der ohnehin schon bei Null liegenden Zinsen mit einem anderen Mittel: gigantischen Aufkäufen von Anleihen, um so die Wirtschaft zu stabilisieren.  Mit den jüngsten Fortschritten in der Bekämpfung der Pandemie zieht auch die Wirtschaft im Euroraum wieder an. Da auch andere wichtige Volkswirtschaften wie China oder die USA deutlich zulegen, ist ein Wettlauf um produktionsnotwendige Rohstoffe entstanden. Deren Preise steigen deutlich und heizen die Inflation auch im Euroraum an. Zuletzt lag die Inflationsrate im Mai sogar mit 2,0 Prozent über der von der EZB angestrebten Marke.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm) (picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm)IW-Direktor: "Wir werden eine Korrektur dieser Preiseffekte sehen"
Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, rechnet nicht damit, dass die hohe Inflation lange anhält. Die Preissteigerungen seien vorübergehende Effekte und Nachwirkungen des Corona-Jahres.

In Deutschland lag die Inflationsrate im Mai bei 2,5 Prozent, dem höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Es wird sogar nicht ausgeschlossen, dass die Inflationsrate in Deutschland im Herbst sogar die Vier vor dem Komma bekommt. Der Grund: die Preise sind im letzten Jahr in der zweiten Jahreshälfte durch die gesenkte Mehrwertsteuer gedrückt worden. Dieser Effekt würde sich nun umkehren.

Die EZB hat die Hoffnung, dass sich die Preise im Euroraum 2022 wieder normalisieren. Aber sicher ist das nicht.  

Was lehrt die Geschichte?

Dass die Bundesbank für die D-Mark eine sehr strikte, auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik verfolgte, hat mit dem historischen Trauma der Deutschen zu tun: nämlich der Erfahrung der Hyperinflation des Jahres 1923. Als Hyperinflation wird eine Geldentwertung bezeichnet, die 50 Prozent im Monat in der Spitze übersteigt. Die Bilder von Schubkarren voller Geldscheine waren im Bewusstsein der Deutschen im 20. Jahrhundert gegenwärtig. Letztlich war die "harte D-Mark" eine Folge dieser Erfahrung.

*Hinweis der Redaktion: Wir haben eine Formulierung im Teaser korrigiert.

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