Mittwoch, 01. Februar 2023

Informatik
KI programmiert so gut wie ein Mensch

Das Unternehmen Deep Mind ist auf Künstliche Intelligenz spezialisiert und hat schon Programme präsentiert, die besser als Menschen Schach oder Poker spielen. Jetzt kann eine KI des Google-Ablegers auch selbst Programme schreiben.

Von Michael Gessat | 09.12.2022

Ein Ausschnitt aus einem Computerbildschirm in der Nahaufnahme, darauf sind einzelne Befehle der Programmiersprache HTML zu sehen.
Ein Computerbildschirm mit HTML-Sprache (dpa picture alliance / MAXPPP/ Alexis Christiaen)
Die KI-Forschung macht große Fortschritte; künstliche Intelligenzen können jetzt sogar bereits selbst Programmiercodes schreiben. Das Unternehmen Deep Mind hat dazu die KI Alpha Code erschaffen. Das Entwicklungs-Team berichtet im Fachmagazin Science davon, wie das neue Projekt funktioniert.

Was kann die KI laut der neuen Studie?

Die Botschaft der Studie: Diese KI programmiert so gut wie Menschen, d.h. sie schneidet bei üblichen Programmier-Wettbewerbs-Aufgaben ähnlich ab wie durchschnittlich erfahrene Programmierer.
Auf der Plattform namens Codeforce ist ein ganzer Katalog solcher Modell-Probleme zu finden, von einfachen Zahlensortier- bis hin zu komplexen statistischen Optimierungs-Aufgaben. Alle Aufgaben sind nach Schwierigkeitsgrad bewertet. So können sich Menschen untereinander messen, aber auch die KI mit Menschen. Das Ergebnis: Alpha Code kann gut mithalten.
Das Entwicklerteam von Deep Mind hatte diese Neuigkeit bereits im Februar 2022 publiziert. Die aktuelle Veröffentlichung in "Science" wurde nun von unabhängigen Fachleuten begutachtet.

Wie funktioniert die Programmier-KI?

Sie funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie andere erfolgreiche KIs: Die Software bekommt keine Regeln oder Vorgaben vorgesetzt, sondern lernt quasi autonom anhand der im Netz verfügbaren Beispiele; in diesem Fall anhand von Programmiersprachen-Beispielen. Damit kann sie neuen, funktionierenden Code erzeugen. Überraschend ist das nicht, denn Programm-Code schreiben ist eine sehr klar definierbare, von der Syntax her sehr eingegrenzte Aufgabe.
In den vergangenen Monaten sind aber noch andere KIs an die Öffentlichkeit gelangt, die nach einem ähnlichem Grundprinzip funktionieren: Sie bekommen einen Text oder eine Aufgabenstellung und liefern dann ein Ergebnis.
Die bekannteste dieser KIs, auch Transformer genannt, ist GPT3 von der Firma OpenAI. Seit kurzem hat die Firma eine auf Dialog hin modifizierte Version namens ChatGPT im Netz bereitgestellt. Sie schreibt auch Programmcode aufgrund einer Texteingabe oder nach Aufforderung. Nutzerinnen und Nutzer können die KI dann testen.

Wofür wird diese KI genutzt?

Für eine ganze Reihe an Dingen, zum Beispiel für Hausaufgaben. Prof. Florian Gallwitz von der TH Nürnberg sagt, die Hochschulleitung überlege derzeit, ob die bisherigen Aufgaben an die Studenten und Studentinnen noch sinnvoll seien, denn die ChatGPT-KI löse diese quasi perfekt. Auch mache sich die Hochschule Gedanken darüber, ob das bisherige Berufsbild des Informatikers oder der Informatikerin eigentlich noch existiere. Offenbar kann KI in Zukunft zumindest Standard-Programmier-Aufgaben eigenständig lösen und Code schreiben, der auch funktioniert. Man kann hier von einem Paradigmenwechsel sprechen.

Wie gefährlich ist eine KI, die sich selbst verbessern kann?

Das wird vermutlich noch lange Science-Fiction bleiben. Prof. Gallwitz, TH Nürnberg, gibt zu bedenken, dass es kein Patentrezept für eine Intelligenz-Verbesserung gebe. Das disruptive und erstaunliche Potential der aktuellen KIs liegt vermutlich eher in der Erledigung von anspruchsvollen Standard-Aufgaben: Texte verfassen, Illustrationen erstellen, Musik schreiben, Programmcode schreiben - mit potenziell traurigen Konsequenzen für die Menschen, die diese anspruchsvollen Standard-Aufgaben bislang erledigt haben.