Montag, 05. Dezember 2022

Ministerin Lemke über den Klimagipfel
Verständnis für den Zorn der jungen Generation

Durch Ukrainekrieg und Energiekrise erwartet Umweltministerin Steffi Lemke schwierige Verhandlungen auf dem Klimagipfel in Ägypten. Der Druck durch Protestbewegungen und Kritik aus der Wissenschaft seien wichtige Antreiber für den Klimaschutz, betont sie.

Steffi Lemke im Gespräch mit Philipp May | 09.11.2022

Steffi Lemke unterstreicht ihre Worte mit Gesten.
Umweltministerin Steffi Lemke sucht nach der richtigen Balance zwischen Krisenbewältigung und Klimaschutz. (picture alliance / photothek / Thomas Koehler)
Die Minderung von Emissionen, notwendige Anpassungen an die Klimakrise und Entschädigungen für Zerstörungen, die durch die Erderwärmung bereits entstanden sind: Das sind für Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) die zentralen Anliegen, für die auf der UN-Klimakonferenz nach Lösungen gesucht wird.
Angesichts des Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen Energiekrise stehe die Konferenz unter sehr schwierigen Vorzeichen, betont sie: "Ob die Staatengemeinschaft in dieser Situation trotzdem die Kraft finden wird, gemeinsame Positionen für den Klimaschutz zu verabschieden, das ist für mich die große Frage."

Zu wenig Tempo

Von Seiten der Klimaschutzbewegung und der Wissenschaft steht die Bundesregierung stark in der Kritik: Die bisherigen Maßnahmen reichten bei weitem nicht aus, um die selbst gesteckten CO2-Reduktionsziele zu erreichen, urteilte sogar der von der Regierung selbst eingesetzte Klima-Expertenrat.
Lemke äußert Verständnis für den Zorn der jungen Generation: "Wir brauchen diesen Antrieb auch, diesen Spiegel, der uns dort immer wieder vorgehalten wird." Mit Blick auf die jüngsten Proteste der Bewegung "Die letzte Generation" sagt Lemke:
"Die Aktionen, die Menschenleben gefährden könnten, halte ich für grundfalsch, die lehne ich ab. Aber dass es Ungeduld und auch Zorn gibt, das ist aus den Verfehlungen der letzten Jahrzehnte nicht nur der Bundesregierung, sondern vieler Staaten dieser Welt nachzuvollziehen."