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StartseiteFirmenporträtSicherheit im Panzerschrank12.08.2016

TresorherstellerSicherheit im Panzerschrank

Reihe Sommerzeit - Einbruchzeit, Teil 2

In Deutschland wächst das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit. Gründe sind etwa die steigende Zahl an Wohnungseinbrüchen, aber auch die Geldpolitik der EZB, die dazu führt, dass es bei der Bank kaum noch Zinsen gibt. Und da viele Menschen glauben, dass ihr Geld zu Hause sicherer ist, schaffen sie sich einen Tresor an. Die Branche boomt.

Von Klaus Lockschen

Ein Banktresor in der Prager Handelsbank. (picture alliance / dpa / CTK Photo/Josef Horazny)
Ein Banktresor in der Prager Handelsbank. Für Privatpersonen gibt es deutlich kleinere Lösungen. (picture alliance / dpa / CTK Photo/Josef Horazny)
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"Hier ist die Zentrale der Firma Burg-Wächter. Ja, da verbinde ich Sie mit der Tresorabteilung. Einen Moment bitte…"

Fast im Minutentakt klingelt das Telefon in der Vertriebszentrale des auf Sicherheitstechnik spezialisierten Unternehmens in der Stadt Wetter-Volmarstein an der Ruhr, deren Burg das Markenzeichen des Unternehmens ist. Vertriebsleiter Dietmar Schake empfängt und umreißt kurz die Startphase des 1920 gegründeten und nun in vierter Generation geführten Familienunternehmens. Ein Produkt der Stunde null hält er in Händen: "Angefangen hat das Ganze mit den klassischen Vorhängeschlössern. Früher war das Vorhängeschloss dazu da, den Karnickelstall abzuschließen. Und dann irgendwann ist denn der Bereich der Geldkassetten dazugekommen, mechanische Sicherheit und eben auch Tresore."

Schlösser und Riegel, Türschlosselektronik, nachrüstbare Tür- und Fenstertechnik, Briefkästen, Schlüsselboxen - all das gehört jetzt zum Portfolio des Unternehmens.

Vom Hoteltresörchen bis zum Panzerschrank

Produziert wird mit einer Belegschaft von etwa 1.000 Beschäftigten in vier deutschen Werken und jeweils einem in Osteuropa und Fernost. Schwergewichte sind die Tresore, mit denen sich Burg-Wächter hierzulande zur Nummer eins gemausert hat. Über den Unternehmensumsatz, aber auch über den Marktanteil bei den Geldschränken schweigt sich der Vertriebschef jedoch aus. Leichter fällt ihm der Rundblick auf Geschichte und Produkte: "Mit dem Tresorbereich haben wir schon vor weit über 50 Jahren gestartet. Früher waren mehr der kleine Wandtresor und der kleine Möbeltresor im Fokus, heute sind es eben halt ganz andere Anforderungen. Einmal Anforderungen an die Technologie der Tresore und auch Anforderungen an die Verdübelung an Wand und Boden."

Mehr als 100 Varianten quer über alle Sicherheitsklassifikationen und Größen hat Burgwächter im Programm. Hier im Schauraum im Untergeschoss des Hauses sind die gängigsten Modelle ausgestellt. "Wir bieten eben vom kleinsten Hoteltresor oder für den kleinen Privatmann für die Mietwohnung an bis zu einem großen Panzergeldschrank mit bis zu 2,3 Tonnen," umreißt der Vertriebsleiter.

Die Nachfrage nach Tresoren kennt seit Jahren nur eine Richtung: steil aufwärts, sagt er: "Wir haben natürlich immer einen deutlich steigenden Tresormarkt. Ausgeprägt war es einmal im Bereich der Finanzkrise 2008, da kam verstärkt Nachfrage von privat und auch dem gewerblichen Bereich. Und jetzt merkt man eben halt eindeutig durch zwei Faktoren, möchte ich sagen, einen Anstieg an Bedarf für Tresore. Das ist einmal der gestiegene Einbruch, der Einbruchszahlen, die eben halt Angst schüren, und eben der Negativzins, der auch dazu führt, dass man das Geld in einem hochwertigen, geprüften Tresor unterbringt."

EZB kurbelt Tresorgeschäfte an

Wenn's auf der Bank keine Zinsen mehr gibt fürs Geldanlegen, dann entscheiden sich immer mehr Sparer für ein Aufbewahren zuhause. Auch die Diskussion über eine Obergrenze bei Bargeldgeschäften beflügelt nach Ansicht von Dietmar Schake die Nachfrage. Die Branche boomt. Nach Angaben der Zertifizierungsstelle von Tresoren sind die Aufträge von Privat seit Jahresbeginn um rund 27 Prozent geklettert. Schränke mit höherem Sicherheitsschutz, meist gewerblich genutzt, verzeichnen zwar einen niedrigeren Zuwachs, doch der liegt immer noch im zweistelligen Bereich.

Gefragt nach konkreten Absatzzahlen bei Burg-Wächter, schüttelt Vertriebschef Schake wieder den Kopf – kein Kommentar. Was der Privatmensch mindestens ausgeben muss? "Bei einem privaten Bedarf, da sprechen wir von Möbeleinsatztresoren, Wertschutzschränken. Das fängt im Bereich von circa 500 Euro an. Da haben Sie schon eine gute Investition als Privatmann, um eine vernünftige Sicherheit zu haben."

Etwa zwei, drei Aktenordner, Geld und Schmuck passen da hinein. Wichtig sei, dass man einen auf Einbruch- und Feuerschutz zertifizierten Tresor mit genug Sicherheitsreserve kaufe, damit "Unterlagen, die man in den Safe einbringen möchte, nicht hinterher auf dem Safe liegen, weil der Safe keinen Platz mehr bietet", betont Schake.

Großer Chef, großer Tresor

Die Königsklasse und High-End-Serie bei Burgwächter ist der Panzerschrank Royal: Der Korpus im Mehrschichtverfahren hochglanzlackiert, wenn gewünscht,  auch in Ferrari-rot -  wie vielleicht der Luxusbolide auf dem Firmenparkplatz -, ferner verchromter oder vergoldeter Griff. Der Innenraum bietet Platz für drei Ordnerreihen. Eine Augenweide mit höchster Sicherheitsstufe, deren Preis auf 20.000 Euro klettern kann, räumt Schake ein: "Tresore sind ja auch heute nicht mehr unbedingt dazu da, sie zu verstecken. Wenn ein Tresor entsprechend sicher ist, dann kann man ihn auch ruhig zeigen. Und das zeigen ja eindeutig auch Chefbüros."

Für ein Sicherheitsplus sorgen auch mehr und mehr elektronische Schließsysteme, die mit einem sechsstelligen Pin-Code arbeiten. Der Schlüssel ist fast out. "Nach dreimaligem Fehlversuch, nach Fehleingabe sperrt die Elektronik für fünf Minuten, bei jedem weiteren Versuch für 20 Minuten. Und das bei über einer Million verschiedenen Möglichkeiten werden Sie also keine Chance haben, den Safe über den Code zu öffnen," verspricht der Vertriebsleiter.

Harte Zeiten also für Einbrecher. Bliebe noch der heiße Annäherungsversuch mit einem Schneidbrenner. Dietmar Schake winkt auch hier ab. Dann werde, sagt er, "bei thermischen Angriffen auch ein Rauchgas freigesetzt. Das ist nicht gesundheitsschädlich, aber das verhindert dem Einbrecher das Weiterarbeiten, und er wird dann in die Flucht gehen. Das sind Effekte, die natürlich das Hab und Gut auch zusätzlich noch schützen."

Letztendlich sei nicht nur das Außenblech entscheidend, sondern die Technologie zwischen den Wandungen. Da liege die Intelligenz der Sicherheit. Ein Metall-Beton-Gemisch, dessen Rezeptur aber streng geheim bleibe. Die liegt sicher verschlossen hinter einer Tresortür aus eigener Fabrikation.

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