
In mehreren Medien wird ihm vorgeworfen, eine todkranke Bürgerin belehrt oder zurechtgewiesen zu haben, ohne jegliches Einfühlungsvermögen. Er habe "angefressen" und "mit Härte" auf die Frau reagiert, die nach eigenen Angaben Hautkrebs im Stadium IV hat, hieß es. Einige sprechen von Eklat.
Merz war am vergangenen Donnerstag zu Gast bei einem Bürgerdialog im sachsen-anhaltischen Salzwedel. Die Anwesenden durften ihm Fragen stellen.
Bürgerin fragte Merz nach Einschnitten bei der Krankenkassenreform
Die Frau begann merklich nervös und unsicher. Sie verwies auf ihre Krebserkrankung und erklärte, dass sie sich nicht mal mehr ihre Beerdigung leisten könne. Dann kritisierte sie die aktuell geplanten Einschnitte bei der Krankenkassenreform und dass Bürgern die Vorsorge genommen werde.
Sie fragte Merz, warum diese Sparmaßnahmen bei den Bürgern so gewaltig angesetzt würden, während er selbst zum Beispiel versucht habe, sich noch einmal 64.000 Euro im Jahr aufs Konto zu geben. Damit spielte sie auf Berichte über die infolge einer Bundesverfassungsgerichtsentscheidung geplante Erhöhung der Beamtenbesoldung an, an die auch das Gehalt des Kanzlers gekoppelt wäre.
Bundesinnenminister Dobrindt erklärte inzwischen, dass die Erhöhung geringer ausfalle als ursprünglich geplant.
Merz zur Krebspatienten in Salzwedel: "Zu keinem Zeitpunkt, zu keinem Zeitpunkt!"
Die Moderation unterbrach die Frau mehrfach, um sie anzuhalten, schneller zu ihrer Frage zu kommen. Dann setzte der Kanzler an. Vielleicht dürfe er ihr zum letztgenannten Punkt mal etwas sagen: "Zu keinem Zeitpunkt, zu keinem Zeitpunkt", betont Merz, "ist von irgendjemandem erwogen worden, die Bezüge der Mitglieder der Bundesregierung anzuheben. Zu keinem Zeitpunkt. Auch von mir nicht. Alles andere ist eine falsche Behauptung. Und ich wäre Ihnen einfach dankbar, wenn Sie das nicht einfach ungeprüft wiederholen. Zu keinem Zeitpunkt! Und Wissen Sie, nein, ich sage es Ihnen noch mal: Zu keinem Zeitpunkt stand diese Frage im Raum." Die Antwort wurde teilweise mit Applaus quittiert, ebenso wie zuvor die Frage der Frau.
Merz hat in seiner Amtszeit mehrfach mit öffentlichen Äußerungen für Irritationen gesorgt, zuletzt zur Bedeutung der gesetzlichen Rente, zum Stadtbild oder zur Gastgebestadt der jüngsten Weltklimakonferenz im brasilianischen Belem.
Auch Ärger mit Trump offenbar nach Äußerungen Merz‘
Auch Äußerungen zum Vorgehen der USA im Irankrieg werden ihm vorgehalten. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschuss im Europäischen Parlament, Strack-Zimmermann, sagte dem Spiegel, Merz sollte sich zukünftig, bevor er ins Plaudern komme, überlegen, welche Folgen seine Worte hätten.
Trump will mehr als 5.000 Soldaten aus Deutschland abziehen, laut Medienberichten auch aus Verärgerung über Merz. Die FDP-Politikerin führte aus, der Truppenabzug scheine nicht militärisch-strategischer Natur zu sein, sondern offensichtlich aus der Motivation des US-Präsidenten heraus geschehen, "Bundeskanzler Merz – einfach ausgedrückt – den Mittelfinger zu zeigen". Merz widersprach dem.
Diese Nachricht wurde am 04.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
