Freitag, 09. Dezember 2022

Corona-Pandemie
Wie gut die Impfstoffe gegen Omikron wirken

Meldungen über die Entdeckung der neuen Coronavirus-Variante Omikron sorgten weltweit für die Sorge, dass der Schutz durch die Impfstoffe weniger stark sein oder gar ganz wegfallen könnte. Mittlerweile gibt es dazu mehr und mehr Erkenntnisse aus der Wissenschaft.

12.12.2021

    27.11.2021, Grafische Darstellung Corona-Virus, (Corona-Virus Mikroskopische Ansicht), Eine neue SARS-CoV-2-Variante Omi
    Nach und nach werden neue Erkenntnisse zur Omikron-Variante veröffentlicht. (imago images/MiS)
    Die zuerst in Südafrika und Botsuana entdeckte Variante hat besonders viele Mutationen. Sie betreffen unter anderem das Spike-Protein, über das die Viren an menschliche Zellen andocken. Wie genau sich diese Veränderungen auswirken, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt bereits viele Hinweise auf eine verstärkte Übertragung.

    Zwar lassen bisherige Beobachtungen - etwa aus Südafrika - von eher milden Krankheitsverläufen und kürzeren Krankenhausaufenthalten darauf hoffen, dass Omikron weniger schlimme Folgen haben könnte als befürchtet. Inwiefern diese vorläufigen Erkenntnisse aber allgemeingültig sind und ob sie sich auch auf Europa übertragen lassen, ist weiter unklar.

    Forschungsergebnisse des südafrikanischen Professors Sigal zeigten, dass der Impfschutz gegen die Omikron-Variante reduziert ist. Geimpfte hätten aber "keine Null-Immunität gegen diese Variante", sagte unlängst der Charité-Virologe Drosten im "Tagesthemen"-Interview.

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    Beinahe täglich werden nun von Forscherinnen und Forschern neue Erkenntnisse veröffentlicht. Und die betonen meist die Bedeutung der Booster-Impfungen. Unklar ist jedoch noch, ob an die Variante angepasste Impfstoffe auf den Markt gebracht werden müssen.

    Britisches Forschungsergebnis: Wirkung von Biontech/Pfizer und Astrazeneca schwächer

    Dass zwei Impfdosen gegen die Omikron-Variante weniger gut wirken könnten als bei bisherigen Varianten, darauf deutet unter anderem eine Studie aus Großbritannien hin. Forschende der "UK Health Security Agency" haben Hinweise darauf gefunden, dass die Wirkung der Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca schwächer ausfällt als bei der Delta-Variante. Die Auswertung der Daten ergab, dass der Schutz vor symptomatischer Infektion mit Omikron 15 Wochen nach der zweiten Dosis Biontech auf 34 Prozent sinkt. Menschen, die mit zwei Dosen des Astrazeneca-Präparats geimpft worden waren, hatten keinen Schutz mehr vor symptomatischer Infektion. Zwei Wochen nach einer Booster-Impfung stieg die Schutzwirkung bei beiden Präparaten auf über 70 Prozent. Aussagen über den Schutz vor einer schweren Erkrankung ließen die Daten nicht zu.
    Die Forschenden betonen, dass die Ergebnisse wegen der noch geringen Zahl von Omikron-Ansteckungen mit Vorsicht zu interpretieren seien. Die Wissenschaftler hatten bei insgesamt 581 symptomatischen Infektionen die neue Variante nachgewiesen. Im selben Zeitraum wurden mehr als 56.000 Infektionen mit der Delta-Variante bestätigt. Die Studie ist auch noch nicht von Fachkollegen geprüft.

    Lauterbach: frühe Boosterimpfung wahrscheinlich notwendig

    Bundesgesundheitsminister Lauterbach schrieb bei Twitter, die Studie aus Großbritannien zeige erstmals klarer, wie ansteckend die Omikron-Variante sei. Eine frühe Boosterimpfung scheine sinnvoll und sei wahrscheinlich notwendig.

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    Frankfurter Virologin Ciesek: Antikörperantwort drastisch reduziert

    Die Erkenntnisse aus Großbritannien weisen in die gleiche Richtung wie Ergebnisse erster Laboruntersuchungen der Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Sie hatte nach entsprechenden Tests berichtet, dass die Antikörperantwort gegen Omikron im Vergleich zur Delta-Variante drastisch reduziert sei. Sie sei bis zu 37-fach geringer.
    Ciesek betonte jedoch auch, man habe ausschließlich die Antikörperwirkung untersucht. Die Ergebnisse ließen keine Rückschlüsse auf die T-Zell-Reaktion auf eine Infektion mit Omikron zu, die für die Schwere des Krankheitsverlaufs mitentscheidend sei.

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    Nicht nur Antikörper wichtig - Bedeutung der T-Zellen

    Es bestehe die Hoffnung, dass die Immunantwort der zellulären Bestandteile des Immunsystems nach einer Impfung noch eine deutliche Wirksamkeit aufweist. Das betrifft die B- und vor allem die T-Zellen, erläutert der Virologe Marco Binder im Deutschlandfunk.
    Die T-Zellen, mit deren Hilfe bei einer Infektion ein schwerer Krankheitsverlauf verhindert werden kann, werden laut dem US-Pharmakonzern Pfizer durch die Impfstoffe angeregt. Vorläufige Tests bestätigten dem Unternehmen zufolge die Annahme, dass diese wohl nicht von der Omikron-Variante beeinträchtigt werden. Darüber hinaus entstünden mit jeder zusätzlichen Dosis sogenannte Gedächtniszellen, die neue und leicht andersartige Antikörper bilden können. "Man trainiert das Immunsystem wirklich nicht nur dahingehend, mit bestehenden Varianten besser zurechtzukommen, sondern es wird tatsächlich ein breiteres Repertoire erstellt, um auch mit neuen Varianten umzugehen", erklärte ein Unternehmensvertreter.

    Biontech und Pfizer: Booster nötig

    Gemeinsam mit Biontech hatte Pfizer mitgeteilt, dass zwei Dosen ihres Impfstoffes womöglich nicht ausreichend vor einer Omikron-Infektion schützen. Eine Booster-Dosis sei nötig. Biontech-Gründer Sahin hatte sich angesichts der Omikron-Ausbreitung für eine frühere dritte Impfung ausgesprochen. Nach Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA können Booster-Impfungen durchaus nach drei Monaten erfolgen.
    Prof. Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender der Firma Biontech in Mainz
    Prof. Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender der Firma Biontech in Mainz
    "Mit Blick auf Omikron sind zwei Dosen noch keine abgeschlossene Impfung mit ausreichendem Schutz. Wenn sich Omikron, wie es aussieht, weiter ausbreitet, wäre es wissenschaftlich sinnvoll, bereits nach drei Monaten einen Booster anzubieten." Biontech-Gründer Ugur Sahin im "Spiegel"

    Israelische Forscher: Einschränkungen, aber Schutz durch Biontech/Pfizer

    Israelische Forschende haben ebenfalls die Wirkung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer untersucht und sprechen von Einschränkungen, aber auch von einem signifikanten Schutz. Wie das "Sheba Medical Center" in Tel Aviv mitteilte, erhöht die Auffrischungsdosis die Wirkung um das Hundertfache. Zwar sei der Schutz immer noch etwa viermal niedriger als derjenige gegen die Delta-Variante. Aber die insgesamt gute Wirkung des Vakzins stimme die Forscher optimistisch. Weiter hieß es, bislang gebe es keine Erkenntnisse darüber, ob und wann diese Booster-Wirkung nachlasse.

    Hersteller arbeiten an Impfstoff-Anpassungen

    Pfizer und Biontech rechnen eigenen Angaben zufolge damit, dass sie bis Ende März ein an die Omikron-Variante angepasstes Vakzin herstellen könnten, sofern dies "für einen höheren sowie lang anhaltenderen Schutz notwendig" sein sollte.
    Biontechs Konkurrent Moderna gibt an, dass es voraussichtlich 60 bis 90 Tage dauern werde, bis ein Impfstoff-Kandidat speziell zur Immunisierung gegen die Omikron-Variante für Tests verfügbar sei. Moderna hat genau wie Biontech und Pfizer einen sogenannten mRNA-Impfstoff entwickelt. Andere Hersteller, wie etwa Johnson & Johnson, die auf einen Vektorimpfstoff setzen, arbeiten ebenfalls an Updates ihrer Mittel gegen das Coronavirus.
    Der amerikanische Immunologe Fauci hält eine variantenspezifische Corona-Impfung jedoch derzeit nicht für nötig. Fauci erklärte, zwei Dosen der Moderna-Impfung "neutralisierten" die Omikron-Variante noch nicht ausreichend, mit einer Auffrischungsimpfung des Moderna-Vakzins sei man jedoch gut geschützt. Der Immunologe bezog sich dabei auf Daten des US-amerikanischen Forschungszentrums "National Institute of Allergy and Infectious Diseases". Mit der Neutralisiserung des Virus ist gemeint, dass der Körper Antikörper und andere Immunzellen gegen den Erreger bildet.
    Wenn die Forscher eine spezielle Impfung gegen das Omikron-Virus entwickeln sollten, wäre noch zu klären, ob sie in Form einer separaten Boosterspritze verabreicht werden muss, oder ob er sich mit den bisherigen Mitteln kombinieren ließe - etwa wie bei einer Grippe-Impfung, die in der Regel gleich gegen mehrere Virus-Varianten schützt. Laut einer ersten Untersuchung von Moderna könnte dieses Prinzip durchaus auch bei der Corona-Impfung funktionieren.

    Neue Generation von Corona-Impfstoffen?

    Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, arbeiten Wissenschaftler bereits an einer neuen Generation von Impfstoffen, die Bestandteile des Virus ins Visier nehmen, die für Mutationen weniger anfällig sind. Omikron sei "ein weiterer wichtiger Weckruf", sagte der US-Immunologe Wherry - und zwar nicht nur dahingehend, die ganze Welt zu impfen, sondern auch dahingehend, flexiblere Möglichkeiten zu schaffen, um diese Aufgabe zu erledigen.