Dienstag, 29. November 2022

Mission Artemis 1
Die USA fliegen wieder zum Mond

Der erste Teil der Mondmission „Artemis 1“ ist erfolgreich angelaufen. Mit einer Rakete startete die unbemannte Kapsel vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral. In einigen Jahren sollen auch wieder Menschen zum Mond gelangen.

Von Dirk Lorenzen | 16.11.2022

Sonnenaufgang über der Artemis-Rakete der NASA.
Sonnenaufgang über der Artemis-Rakete der NASA. (IMAGO / ZUMA Wire / IMAGO / Joe Burbank)
Im Sommer wurden zwei Startversuche abgebrochen, mal gab es Probleme mit einem Triebwerk, mal mit Lecks beim Betanken mit flüssigem Wasserstoff. Dann kamen gleich zwei Hurricans der Mondmission von NASA und ESA in der Quere. Heute morgen um 7.47 Uhr MEZ war es aber endlich so weit: Die neue Großrakete der NASA namens Space Launch System ist von Cape Canaveral aus gestartet und hat die Mission Artemis I ins All getragen. Dieser Testflug soll die Rückkehr mit Menschen zum Mond einläuten.

Wie ist die Mission bisher verlaufen?

Es gab kleinere technische Probleme, ein spezielles Team musste zur vollgetankten Rakete und Schrauben an einem undichten Ventil nachziehen, dann gab es den Ausfall eines Radarsystems. Aber das alles ließ sich beheben. Die Rakete stieg in den Nachthimmel über Florida. Anderthalb Stunden nach dem Start wurde es wieder spannend: Dann musste der Einschuss Richtung Mond gelingen. Auch das klappte. Orion ist jetzt mit über 35.000 Kilometern pro Stunde unterwegs zum Mond. Nach vielen Enttäuschungen und Verspätungen gab es nun den ersehnten Bilderbuchstart.

Wie geht die Mission jetzt weiter?

Die Orion-Kapsel soll zweimal in einem großen Bogen um den Mond herum fliegen. Montag zieht sie in rund 140 Kilometern Höhe über die Mondoberfläche. Eine Landung auf dem Mond gibt es nicht. Orion kann nicht auf einem Himmelskörper landen. Die ganze Mission, bei der es darum geht, die Kapsel ausgiebig zu testen, die Steuerung, die Kommunikation mit der Erde etc. dauert dreieinhalb Wochen. Am 11. Dezember landet Orion dann an Fallschirmen im Pazifik.

Ist bei diesem Testflug jemand an Bord der Orion-Kapsel?

Menschen sind aus Sicherheitsgründen beim Erstflug einer Rakete nicht an Bord. Drei der vier Plätze der Kapsel sind mit Puppen besetzt. Eine kommt von der NASA, und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt steuert Helga und Zohar bei. Das sind Hightech-Messgeräte, die mit tausenden Sensoren ausgestattet sind und messen, wie gefährlich die kosmische Strahlung auf so einem Flug um den Mond herum für Menschen ist. Denn es ist letztlich noch unklar, wie stark die Belastung für Menschen am und auf dem Mond ist. Bei Apollo hatte man stets nur sehr kurze Missionen und konnte nicht viel Erfahrung sammeln.

Wann geht es für Menschen auf die Reise?

Verläuft der Testflug problemlos, könnte es in etwa anderthalb Jahren, also 2024, für Menschen zum Mond gehen. Aber auch dann gibt es keine Landung. Dafür wird noch eine Landefähre gebraucht. Die hat die NASA bei SpaceX bestellt. Die NASA sagt noch immer, 2025 sollen die ersten Menschen wieder ihre Abdrücke im Mondstaub hinterlassen. Das ist aber nicht zu schaffen. Man braucht noch die Landefähre, die richtigen Raumanzüge und vieles mehr. Raumfahrt ist schwierig. Mit viel Glück sind 2028, bei der dritten Artemis-Mission, wieder Menschen auf dem Mond. Danach sollen dann regelmäßig Mondflüge erfolgen. Bei der zweiten Landung dürfte wohl auch jemand aus Europa in der Orion-Kapsel Platz nehmen. Die heutige Mission ist der Auftakt einer neuen Mond-Ära, hoffen die NASA, ESA & Co. Es gibt Pläne für das Lunar Gateway, eine Art kleine Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes, von der aus man zur Oberfläche absteigen oder noch weiter hinaus ins All fliegen könnte, vielleicht zu einem Asteroiden.

Die Apollo-Flüge zum Mond vor einem halben Jahrhundert waren Teil eines Wettlaufs im Kalten Krieg. Gibt es auch dieses Mal einen Wettlauf?

So ein Wettlauf zeichnet sich wieder ab. Klar ist, dass es keine zweite Internationale Raumstation am Mond geben wird. NASA/ESA/Kanada und Japan wollen gemeinsam zum Mond. China und Russland streben, wie sie sagen, eine Station am Mondsüdpol an. Was von den hoch fliegenden Plänen in West und Ost tatsächlich umgesetzt wird, muss sich erst noch zeigen. China hat in jedem Fall ein sehr ambitioniertes Programm. Es verfügt über eine eigene Raumstation und war schon mit Raumsonden auf dem Mond. Bei Apollo waren zwölf weiße US-Bürger auf dem Mond. Welche Nationalität der 13. Mensch auf dem Mond hat, ist noch keineswegs klar. Womöglich sind die Chinesen am schnellsten. „Mal eben zum Mond fliegen“ kann aber auch China nicht.

Welche Kritikpunkte an der Artemis-Mission gibt es?

Dieser Erstflug kostet um vier Milliarden Dollar. Was genau man eigentlich auf dem Mond will, weiß offenbar keiner so richtig. Ich habe mit vielen Leuten aus der Raumfahrtszene gesprochen. Immer ist die Rede von der Faszination so einer Reise. Wissenschaftlich ist zwar noch unklar, wie genau der Mond entstanden und wie er aufgebaut ist. Aber das ließe sich auch mit automatischen Sonden erforschen. Den Mond braucht man nur zwingend, um für einen möglichen Flug zum Mars zu üben. Man fliegt wohl zum Mond, weil er da ist und weil man nach über 20 Jahren Raumstation auch mal aus der Erdumlaufbahn heraus will – der Mond ist 1000-mal weiter weg als die ISS. Ob diese Rückkehr zum Mond, wie NASA und ESA immer betonen, aber wirklich dauerhaft sein wird, muss sich erst noch zeigen.