Freitag, 02. Dezember 2022

Deutschlandfunk-Bestenliste
Die besten 7 im November

Allerlei Familienkonstellationen, Freundschaften und Kraft und Kreativität von starken Frauen mit Vorbildfunktion - diese Themen werden kunstvoll als Bilderbücher in Szene gesetzt. Geschwisterliebe, Toleranz und Zufall bestimmen das erzählende Buch.

Franz Lettner im Gespräch mit Ute Wegmann | 05.11.2022

Die besten 7 im Monat November
Die besten 7 im Monat November (Cover: Susanna Rieder Verlag, Rotfuchs Verlag, Gerstenberg Verlag, Leykam Verlag, Dtv)

Bette Westera und Sylvia Weve (Illustration): „Auseinander“

Es geht um Liebe. Und um verlorene Liebe. Mal traut sich jemand nicht, seine Zuneigung kundzutun, mal hat der Vater schon die dritte Freundin, mal wundern sich Kinder, dass ihre Eltern zusammen sind. Oft sind die Eltern getrennt und Kinder leben zwei Leben. Oder man bekommt plötzlich einen Hund oder einen Halbbruder. Ein Gedichtbuch mit 44 Texten, in denen das Auseinandergehen mehr im Vordergrund steht als das Zusammenzufinden.
Bette Westera und Sylvia Weve (Illustration): „Auseinander“
Aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf
Susanna Rieder Verlag, 136 Seiten, 28 Euro. Ab 8

Larysa Denysenko und Masha Foya (Illustration): „Alle meine Freunde“

Maya geht mit vielen anderen Kindern in die 4. Klasse und jedes Kind hat eine andere Lebenssituation: Einer kennt seinen Vater nicht, ein anderer wohnt mal bei seiner Mutter, mal bei seinem Vater, eine lebt bei der Großmutter, weil die Eltern im Ausland arbeiten, Maya selber hat zwei Mütter. Alles ist möglich. Ein Bilderbuch über Diversität, Liebe und Respekt!
Larysa Denysenko und Masha Foya (Illustration): „Alle meine Freunde“
Aus dem Englischen von Mila Piredda
Rotfuchs Verlag, 72 Seiten, 15 Euro. Ab 5

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw (Illustration): „Als der Krieg nach Rondo kam“

In der kleinen Stadt Rondo kann man wunderbar leben. Die Luft ist klar und überall blühen Blumen. Die drei Freunde aus Glas, Papier und Ballons lieben ihre Stadt, aber eines Tages beginnt ein Krieg: dunkel und bedrohlich, groß und überwältigend. Er zerstört alles, und nichts und niemand kann ihn aufhalten. Aber die drei Freunde, sie sind besonders gefährdet, geben die Hoffnung nicht auf: Sie wollen dem Dunkel des Krieges mit einer Lichtmaschine entgegentreten. Ein Plädoyer für den Frieden, den Widerstand und die Hoffnung. Eine Geschichte, die Mut macht, niemals aufzugeben.
Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw (Illustration):  „Als der Krieg nach Rondo kam“
Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe und Oksana Semenets
Gerstenberg Verlag, 40 Seiten, 16 Euro. Ab 5

Raffaela Schöbitz: „Mach dir die Welt. 30 Frauen erzählen“

Kleopatra, Greta Thunberg, Rosa Luxemburg und Malala Yousafzai  - wer waren diese Frauen, was macht ihr Leben so besonders? 30 Frauen aus aller Welt  - Künstlerinnen , Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen werden hier vorgestellt und zu Gast ist auch eine junge Schriftstellerin wie Mithu Sanyal. Die Lesenden sind unbedingt zum aktiven Mitgestalten zum Malen, Dichten und Erfinden aufgefordert.
Raffaela Schöbitz: „Mach dir die Welt. 30 Frauen erzählen“
Leykam Verlag, 200 Seiten, 25,50 Euro. Ab 8

Sarah Jäger: „Schnabeltier Deluxe“

Eine Kaffeemaschine fliegt durch das Fenster des Lehrerzimmers, und Kim fliegt von der Schule. „‘Es ist ja nicht so‘, sagte /die Mutter/ gerade, ‚als würden dir viele Türen offenstehen.‘“ Ein Satz, der bei Kim nachwirkt, sie hebt in der Wohnung erstmal alle Türen aus ihren Angeln. Wohin bloß mit der Wut? Sie landet auf dem Dorf, bei Mutters Exfreund, geht dort zur Schule und arbeitet nebenbei an einer Tankstelle. Immer wieder taucht der Junge aus dem Frisörsalon auf, redet mit ihr, findet sie witzig, auch wenn sie nur spärlich antwortet. Sie nähern sich an, bis das Mädchen Alex dazukommt. Aber immer noch muss Kim den Drang bekämpfen, alles zu zerstören, was ihr zu nahe kommt. Psychologisch überzeugend, gut komponiert und humorvoll.
Sarah Jäger: „Schnabeltier Deluxe“
Rotfuchs Verlag, 208 Seiten, 20 Euro. Ab 14

J.M.M. Nuanez: „Birdie und ich“

Birdie und Jack leben nach dem Tod der Mutter bei ihrem Bruder Carl, der mit Pädagogik und Schule nichts zu tun hat. Das gefiel dem Jugendamt nicht, also Umzug zu ihrem zweiten Onkel, der redet nicht gerne und mag Birdies Vorliebe für Lipgloss und lila Kleider gar nicht. Als Birdie gemobbt wird, entscheidet der Onkel, dass der Achtjährige sich „normal“ kleiden soll. Jack ahnt, was das für Birdie bedeutet, und beschließt zurück nach Portland zu fahren, heimlich, um vielleicht bei der früheren Nachbarin leben zu können, aber der Plan scheitert. Ein Debütroman über Geschwisterliebe und Wahrheiten, die man aushalten muss. Mit Leichtigkeit erzählt.
J.M.M. Nuanez: „Birdie und ich“
Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Dtv/Reihe Hanser, 286 Seiten, 15 Euro. Ab 11

Timothée de Fombelle und Thomas Campi (Illustration): „Hinter dem Schnee. Eine Weihnachtsgeschichte“

Es ist kurz vor Weihnachten. Ein Eiswagenfahrer auf dem Weg von Genua nach London zur letzten Auslieferung, eine Schwalbe mit Namen Gloria auf dem Weg nach Norden statt nach Süden. Beide erzählen von dem Tag des angekündigten Schneesturms, beide sind alleine. Als die Eisfuhre kurz vor Calais annulliert wird, kehrt der Eiswagenfahrer nach Hause zurück, zu Dosenravioli und Einsamkeit. Plötzlich Stromausfall. Der Mann findet in der Kühlung seines LKWs eine tote Schwalbe und als er seinen Wagen öffnet einen unterkühlten Mann. Drei Leben, eine zufällige Begegnung. Oder war es gar kein Zufall. Eine poetische, magische Weihnachtsgeschichte.
Timothée de Fombelle und Thomas Campi (Illustration): „Hinter dem Schnee. Eine Weihnachtsgeschichte“
Aus dem Französischen von Tobias Scheffel und Sabine Grebing
Gerstenberg Verlag, 56 Seiten, 16 Euro. Ab 8