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Corona
STIKO empfiehlt Novavax und einen zweiten Booster

Der Ständigen Impfkommission wird immer wieder vorgeworfen, zu langsam zu sein und den Entwicklungen hinterherzuhinken. Jetzt hat sie gleich zwei Entscheidungen angekündigt. Sie wird aller Voraussicht nach den Impfstoff Novavax empfehlen und befürwortet einen zweiten Booster für besonders gefährdete Gruppen.

Von Volkart Wildermuth | 03.02.2022
Zwei Spritzen liegen vor vier Ampullen gefüllt mit dem Impfstoff des Herstellers Novavax. Sein Firmenlogo prangt im Hintergrund.
Laut Angaben des Herstellers Novavax bietet sein Impfstoff guten Schutz gegen das Coronavirus und eine hochansteckende Variante. (AFP)

Ist die STIKO überzeugt von Novavax?

Ja, auch wenn alles noch mit Fachkreisen und Bundesländern abgestimmt werden muss, empfiehlt die STIKO Novavax im Grunde genauso, wie die anderen hierzulande verfügbaren Impfstoffe: zwei Dosen im Abstand von in diesem Fall mindestens drei Wochen. Die Wirksamkeit lag bei den Zulassungsstudien ähnlich hoch wie bei den anderen Impfstoffen, genauso wie das Spektrum der akuten Nebenwirkungen, also Schmerzen an der Einstichstelle, leichte Grippesymptome. Seltenere Nebenwirkungen sind noch nicht bekannt, dafür wurden bislang noch zu wenig Personen mit diesem Präparat geimpft.

Einige Menschen, die bislang skeptisch waren, haben auf den Proteinimpfstoff Nuvaxovid gewartet, der nach dem Prinzip bestimmter Grippeimpfungen funktioniert. Für diese Gruppe ist Novavax ab dem 21. Februar eine Impfstoffalternative für einen wirksamen Schutz.

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Wirkt der Impfstoff von Novavax auch gegen Omikron?

Die Studien stammen zum größten Teil aus Zeiten, als weder Delta noch Omikron kursierten. Vermutlich wird der Schutz also auch nicht besser sein, als bei den anderen Impfstoffen. Das Unternehmen selbst sagt, dass eine dritte Dosis, also ein Booster, die Impfreaktion noch einmal verstärkt, auch gegenüber Omikron, aber das sind Labordaten. Was der Impfstoff in der aktuellen Pandemielage taugt, wird sich erst zeigen, wenn er in großem Maße auch eingesetzt wird.

Warum empfiehlt die STIKO seit heute einen zweiten Booster?

Die STIKO beruft sich auf Daten aus Israel. Dort haben schon viele hunderttausend Menschen, über 60-Jährige, eine vierte Dosis erhalten. Die steigert nicht nur die Antikörperspiegel. Vor einigen Tagen hat das Gesundheitsministerium von Israel in einer Pressemitteilung mitgeteilt, dass vierfach Geimpfte dreimal besser gegen schwere Verläufe geschützt waren, als dreimal Geimpfte. Was das konkret heißt, lässt sich schwer sagen. Daten aus Großbritannien zeigen, dass schon ein Booster sehr gut vor schweren Verläufen schützt, nämlich zu über 90 Prozent auch noch zwei Monate nach dem Booster. Israel hat sehr früh mit der Booster- Kampagne begonnen, vielleicht ist dort schon ein Nachlassen der Impfwirkung zu beobachten und deshalb eine vierte Impfung sinnvoll.

Die STIKO empfiehlt nun in Deutschland den über 70-jährigen und Menschen mit Immunschwäche eine vierte Impfung ab drei Monaten nach dem Booster. Sie sind besonders gefährdet. Außerdem soll es die vierte Impfung auch für medizinisches und pflegerisches Personal geben, aber frühesten nach sechs Monaten. Diese Gruppen haben ein hohes Ansteckungsrisiko, es soll auch verhindert werden, dass es in diesen Bereichen zu vielen Krankmeldungen kommt.

Ist die Notwendigkeit einer vierten Impfung Konsens?

Leif-Erik Sander von der Charité in Berlin geht davon aus, dass schon der Booster, also die dritte Impfung, einen guten Schutz bietet. Auch Christian Drosten hat sich ähnlich geäußert. Aber das war vor den neuen Erkenntnissen aus Israel. Die Boosterkampagne in Deutschland nahm erst im Dezember Fahrt auf, die Leute werden also auch nach der STIKO-Empfehlung frühestens im März eine vierte Impfung bekommen können. Hoffentlich sind dann die Daten aus Israel im Detail publiziert, so dass man das besser einschätzen kann.

Karl Lauterbach begrüßt auf Twitter die STIKO-Entscheidung, betont aber, Priorität habe das Boostern. Das bringe ganz klar einen großen Gewinn an Schutzwirkung. Eine vierte Impfung setzt zwar nochmal etwas drauf, aber eben auf ein schon hohes Niveau. Deshalb geht es der STIKO um die ganz besonders gefährdeten Menschen.

Wird die STIKO die Impfung für alle 5 bis 11-Jährigen empfehlen?

In dieser Sache ist die Sächsische Impfkommission am 2. Februar vorgeprescht. Sie empfiehlt jetzt die Impfung für alle ab fünf Jahren ohne Einschränkung. Entscheidend waren die Sicherheitsdaten aus den USA, dort sind inzwischen mehr als acht Millionen Kinder zwischen fünf und 12 geimpft worden, ohne dass größere Probleme bekannt geworden wären. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ist von diesen Daten überzeugt. Auf der anderen Seite ist das Risiko für schwere Coronaverläufe in der Omikronwelle für Kinder entgegen ersten Berichten noch einmal niedriger. Aber wenn Eltern einen individuellen Wunsch zur Impfung ihres Kindes haben, gibt es da weder von Seiten der STIKO noch bei der praktischen Umsetzung große Probleme.