Inflation
Wie der Krieg im Iran alles teurer macht

Im März ist die Inflation kräftig gestiegen. Der US-Angriff auf den Iran hat die Lieferketten ins Stocken gebracht und insbesondere Öl und Gas teurer gemacht. Das hat Folgen für die Preise zahlreicher anderer Produkte.

    Eine Hand hält einen Einkaufszettel über einem Lebensmittel-Einkauf
    Falls die Energieversorgung weiter stockt, dürften die Lebensmittelpreise noch deutlicher steigen (picture alliance / SvenSimon / Frank Hoermann)
    Energie ist zwischen März 2025 und März 2026 sieben Prozent teurer geworden, so schätzt es das Statistische Bundesamt vorläufig. Insgesamt liege die Inflation bei 2,7 Prozent, Lebensmittel seien bislang aber nur 0,9 Prozent teurer geworden. Doch falls die Energiepreise weiter steigen, wird das Stück für Stück auch in anderen Branchen die Preise treiben.

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    Preise steigen sofort, fallen aber erst verzögert

    Es gibt global keinen Mangel an Öl, aber weil der Iran die Straße von Hormus blockiert hatte, stockte der Transport des Öls. Zwanzig Prozent der gesamten Rohölproduktion gehen durch dieses Nadelöhr.
    Öl wird bei Problemen in der Lieferkette sofort weltweit teurer – auch wenn noch genug Vorräte vorhanden sind. „Die Händler preisen die Risiken sehr schnell ein“, sagt die Ökonomin Claudia Kemfert. Folgerichtig fiel der globale Ölpreis auch unverzüglich, als die Wiedereröffnung der Straße von Hormus verkündet wurde.
    An den Tankstellen sind die Preissenkungen allerdings noch nicht entsprechend angekommen. Auch das ist laut Kemfert nicht überraschend: Preissteigerungen würden sehr schnell an die Kunden weitergegeben – viel schneller als Preissenkungen. Das Bundeskartellamt und die Markttransparenzstelle sollten daher genau hinschauen, so Kemfert. Und die Politik sollte nach Ansicht der Ökonomin über die Abschöpfung von sogenannten Übergewinnen nachdenken, wenn Unternehmen in Krisen außergewöhnliche Gewinne erzielen.

    Zahlreiche Preise hängen von Öl und Gas ab

    Verbraucher haben die Inflation bisher vor allem an der Tankstelle gespürt. Mit etwas Verzögerung kommen die Effekte aber an vielen anderen Stellen an. Im März hat sich beispielsweise der Preis für Kerosin im Schnitt etwa verdoppelt, das treibt den Preis für Flugreisen. Für Verbraucher könnten auch die Energiekosten steigen. „Gas spielt eine große Rolle für die Strommärkte“, sagt der Ökonom Clemens Fuest. „Das heißt Energie insgesamt, also das Heizen und die Stromrechnung, könnte teurer werden, wenn Gas dauerhaft teurer wird.“
    Fossile Rohstoffe nutzen wir aber längst nicht nur in der Energieversorgung. Auch in der chemischen Industrie werden Öl und Gas verarbeitet, zu Plastik, zu Kunstfasern für Textilien – und zu Düngemitteln. Wenn Dünger teurer wird, werden in der Folge auch Nahrungsmittel teurer. Bislang sind die Effekte allerdings in Deutschland gering: Nahrungsmittel sind 0,9 Prozent teurer geworden im Vergleich zu März 2025. Insbesondere ärmere Länder bekommen Versorgungsprobleme, wenn die globalen Getreidepreise steigen.
    Und nicht zuletzt steigen die Transportkosten mit dem Ölpreis an – und das schlägt auf nahezu alle Waren durch. Der steile Anstieg der Inflation im März 2026 geht direkt auf die Steigerung der Energiepreise zurück.  Wie und ob auch die Preise für andere Produkte, wie etwa Lebensmittel, in den kommenden Monaten weiter steigen, hängt auch vom Verlauf des Krieges im Iran ab.

    Die Preise könnten sich mittelfristig wieder normalisieren

    Etwa einen Monat lang haben die USA und Israel den Iran angegriffen, bis sie sich Anfang April auf eine Waffenruhe verständigt haben. Falls diese hält und die Straße von Hormus offen bleibt, könnte das manche Preissteigerungen abfangen. Wenn der Konflikt sich nicht über Monate hinzieht, sollten sich die Energiemärkte nach ein paar Wochen wieder normalisieren, meint Fuest.
    Anfang März prognostizierte der Ökonom, dass ein Krieg von etwa einem Monat eher keine gravierenden Auswirkungen haben werde. Falls der Welthandel aber über Monate ins Stocken gerate, werde das gravierende Folgen für die deutsche Wirtschaft haben.
    Das liegt auch daran, dass manche politische Gegenmaßnahmen nur gegen temporäre Engpässe in der Energieversorgung helfen. So hat Deutschland einen Teil seiner Nationalen Ölreserve freigegeben, um die Märkte zu beruhigen. Der Effekt davon werde aber nur für eine kurze Zeit helfen, hatte unter anderem Frank Umbach vom Europäischen Cluster für Klima-, Energie- und Ressourcensicherheit (EUCERS) gesagt.

    Langfristig hilft nur weniger Abhängigkeit von Öl und Gas

    Auch wenn die Straße von Hormus erstmal offenbleibt: Die nächste Krise in der Öl- und Gas-Versorgung kann jederzeit kommen. „Was wir tun müssen, ist so schnell wie möglich Wegkommen von der fossilen Energie“, sagt Claudia Kemfert. Die aktuellen Preissteigerungen sieht sie als den jüngsten Weckruf.
    Man müsse aus solchen Krisen endlich lernen, sagt auch Harald Lacher, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Brandenburg: „Wenn wir nicht so stark abhängig wären von den fossilen Energien, dann würden wir auch die hohen Kosten so nicht tragen müssen. Und da geht die Regierung ja auch leider in die falsche Richtung und will uns einreden, dass die Energiewende teuer ist. Aber wir sehen jetzt wieder einmal, dass die Nicht-Energiewende enorm teuer ist.”
    Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche betonte hingegen jüngst in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: Die Kosten für den Umbau und Betrieb der Infrastruktur für nachhaltige Technologien seien zu hoch.

    Online-Text: Tobias Pastoors