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Newsblog zum Coronavirus+++ Sieben-Tage-Inzidenz steigt deutlich +++

Eine Person mit Schutzhandschuhen und Kittel steht vor einem Tisch mit Teströhrchen und Desinfektionsmittel. (dpa/Sina Schuldt)
Corona-Tests in einer Grundschule in Bremen (dpa/Sina Schuldt)

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland liegt inzwischen bei 118. +++ In den USA zeichnet sich eine Zulassung der Biontech-Impfung für Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren ab. +++ Mehr im Newsblog.

Mittwoch, 27. Oktober

+++ Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist erneut gestiegen. Wie das Robert-Koch-Institut unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, erhöhte sich der Wert auf 118. Am Vortag hatte er bei 113,0 gelegen, vor einer Woche bei 80,4. Laut RKI wurden binnen 24 Stunden 23.212 Neuinfektionen sowie 114 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet.

+++ US-Expertengremium für Biontech-Impfung bei Kindern

Ein Beratergremium der US-Arzneimittelbehörde FDA hat sich für eine Notfallzulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer für Kinder von fünf bis elf Jahren ausgesprochen.

Die Empfehlung ist nicht bindend, die FDA folgt den Fachleuten aber in der Regel. Eine Entscheidung wird noch für diese Woche erwartet. Ein FDA-Wissenschaftler erklärte, jüngere Kinder würden nicht von Covid-19 verschont. In der Altersgruppe seien in den Vereinigten Staaten 1,9 Millionen Infektionen, mehr als 8.300 Klinik-Einweisungen und rund 100 Todesfälle registriert worden.

Nach der FDA müsste noch die Gesundheitsbehörde CDC eine entsprechende Impfempfehlung abgeben. Dies soll Anfang November geprüft werden. Die Regierung in Washington hofft, bald darauf mit einer großangelegten Impfkampagne für die etwa 28 Millionen Kinder von fünf bis elf Jahren beginnen zu können.

+++ Ärzte dürfen 3G-Regel nicht zur Voraussetzung für Behandlung machen

Das Bundesgesundheitsministerium hat darauf hingewiesen, dass Arztpraxen die sogenannten 3G- oder 2G-Regeln nicht zur Voraussetzung für medizinische Behandlungen machen dürfen. Ein Sprecher von Ressortchef Spahn sagte der Zeitung "Die Welt", Vertragsärzte seien verpflichtet, Patienten zu behandeln. Sie dürften dies nicht von der Einhaltung solcher Regeln abhängig machen. Zuvor hatte das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium der Zeitung zufolge mitgeteilt, im ambulanten Sektor seien Beschwerden über Praxen mit solchen Restriktionen eingereicht worden.

Dienstag, 26. Oktober

+++ Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen ist auf 113,0 gestiegen.

Das Robert Koch-Institut gab die Zahl mit mehrstündiger Verspätung an. Am Vortag lag sie bei 110,1 und eine Woche zuvor bei 75,1. Es wurden innerhalb eines Tages 10.473 neue Ansteckungen registriert. 128 weitere Menschen starben in Verbindung mit einer Sars-CoV-2-Infektion. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der registrierten Todesfälle auf 95.245.

Unser ausführlicher Blick aufs Thema: Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland

+++ Bei der konstituierenden Bundestagssitzung haben 23 Abgeordnete der AfD auf der Tribüne des Parlaments Platz nehmen müssen.

Sie hatten die 3G-Regel nicht akzeptiert. Prominente AfD-Abgeordnete wie die Fraktionsvorsitzende Weidel hielten sich dagegen an die Regelung und saßen unten im Plenarsaal. Die Fraktionen hatten zuvor gegen den Willen der AfD beschlossen, dass nur solche Abgeordnete den unteren Plenarbereich betreten dürfen, die geimpft, genesen oder kurzfristig auf das Corona-Virus getestet sind.

Weitere aktuelle Informationen zur ersten Sitzung des neuen Bundestags in unserem Newsblog

+++ In der Debatte um den Impfstatus des FC-Bayern-Spielers Joshua Kimmich betont dessen Trainer Julian Nagelsmann den Wert einer Impfung.

Er merke ja selbst, wie ein Symptomverlauf sei, wenn man geimpft ist, sagte Nagelsmann mit Blick auf seine eigene Corona-Infektion. "Ich plädiere nach wie vor dafür, sich impfen zu lassen", ergänzte der Trainer. "Aber es ist ein persönliches Thema. Und jeder darf das für sich entscheiden als erwachsener Mensch".

Kimmich hatte am Wochenende erklärt, er habe sich bislang aus Sorge vor möglichen Langzeitfolgen nicht gegen Corona impfen lassen. Daraufhin gab es von zahlreichen Experten Widerspruch.

+++ In der Corona-Pandemie zeigt sich nach Expertenmeinung eine ungerechte und gespaltene Welt.

Die Länder seien weder in der Lage, die Corona-Pandemie in naher Zukunft zu beenden, noch eine ähnliche Pandemie zu verhindern, schreiben unabhängige Experten eines Gremiums der Weltgesundheitsorganisation. Sie legten ihren Bericht bei der Konferenz "World Health Summit" in Berlin vor. Mehr Informationen.

+++ Bulgarien verzeichnet einen Höchstwert bei den täglichen Corona-Todeszahlen und Neuinfektionen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, stieg binnen 24 Stunden die Zahl der Toten um 243 auf nunmehr 23.316. Zudem wurden innerhalb eines Tages 5.863 weitere Ansteckungen mit dem Virus registriert. Auf Corona-Stationen lagen am Dienstag mehr als 7.100 Patienten, 608 von ihnen befanden sich in Intensivbetreuung. Mehr als 90 Prozent der Patienten waren nicht geimpft. Bulgarien steckt mitten in einer vierten Corona-Welle. Die Impfskepsis in dem Land ist hoch, vollständig geimpft sind gerade einmal 24 Prozent der Erwachsenen. In der Europäischen Union sind es durchschnittlich 74 Prozent.

+++ Angesichts steigender Corona-Inzidenzen haben sich Politiker und Experten für mehr Dritt-Impfungen gegen Covid-19 bei Älteren und Risikogruppen ausgesprochen.

Eine Krankenschwester von einem mobilen Impfteam impft einen älteren Mann in einer Sporthalle im sächsischen Pirna. (www.imago-images.de/Daniel Schäfer)Eine Krankenschwester von einem mobilen Impfteam impft einen älteren Mann. (www.imago-images.de/Daniel Schäfer)

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, in Anbetracht der steigenden Fallzahlen auch bei Älteren sei eine neue Impfkampagne zur Nutzung der so genannten Booster-Impfungen in dieser Altersgruppe jetzt unbedingt nötig. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Brysch, beklagte in der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass nur zwölf Prozent der über 70-Jährigen eine dritte Impfung erhalten hätten. Der Präsident der Intensiv- und Notfallmediziner, Marx, betonte die besondere Bedeutung der Auffrischungsimpfungen in der Bekämpfung der Pandemie.

Marx warnte vor einer zunehmenden Belastung der Krankenhäuser durch Covid-Patienten. Er sagte dem MDR, im Vergleich zum Jahresanfang habe man 4.000 Intensivbetten weniger zur Verfügung. Als Grund gab er an, dass aufgrund der Belastung viele Pflegekräfte ihren Beruf beendet oder ihre Arbeitszeit reduziert hätten. Man werde alle Covid-19-Patienten versorgen können, ergänzte Marx. "Aber wenn die Zahlen deutlich nach oben gehen, werden wir wieder Operationen absagen." Zudem sprach sich Marx dagegen aus, die epidemische Lage von nationaler Tragweite auslaufen zu lassen. Es gebe ein hohes Risiko, dass sich die Geschwindigkeit der Infektionen deutlich erhöhe. "Deswegen brauchen wir auf jeden Fall Maßnahmen, die uns ermöglichen, angemessen reagieren zu können."

Mehr Informationen zum Thema: Ist die Booster-Impfung sinnvoll?

+++ Die USA lockern die coronabedingten Einreisebeschränkungen für Flugpassagiere ab dem 8. November.

Der Regierung zufolge können Reisende aus 33 Ländern, darunter auch Deutschland, wieder die Vereinigten Staaten besuchen, wenn sie vollständig geimpft sind. Dies müssten die Fluggesellschaften verpflichtend bestätigen, hieß es weiter. Zudem müssten sie nachweisen, dass Passagiere die letzte Impfung mindestens zwei Wochen vor Abflug erhalten hätten.

Weitere Informationen zum Thema reisen in der Pandemie: RKI aktualisiert Liste der Coronavirus-Risikogebiete

+++ Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat Auffrischungen mit dem Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna freigegeben.

Dies gelte für Personen ab 18 Jahren, teilte die EMA mit. Eine Analyse habe gezeigt, dass eine Auffrischung zu einem deutlichen Anstieg der Antikörper gegen das Coronavirus führe. Nationale Behörden könnten jetzt offizielle Empfehlungen aussprechen, wobei sie die epidemiologische Situation vor Ort berücksichtigen sollten.

Der Moderna-Impfstoff wird zunächst in zwei Dosen verabreicht. Eine Auffrischung soll laut EMA frühestens sechs Monate nach der zweiten Dosis erfolgen und halb so stark sein. Vor Kurzem hatte die EMA bereits Impfauffrischungen mit dem Mittel von Biontech und Pfizer für die EU genehmigt.

+++ Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Mertens, hat die Debatte um den Impf-Status des Fußballspielers Joshua Kimmich als "grenzenlosen Unfug" kritisiert.

Der Fußballer Joshua Kimmich (FC Bayern) in einem weißen Trikot, hat den Mund halb geöffnet und schaut mit gerunzelter Stirn in die Ferne (picture alliance / Thorsten Wagner)Joshua Kimmich, FC Bayern (picture alliance / Thorsten Wagner)Er sagte der "Bild"-Zeitung, das sei Kimmichs persönliche Entscheidung - und so solle es auch bleiben. Mertens rief dazu auf, Impf-Skeptiker und Menschen mit Bedenken zu überzeugen, statt sie unter Druck zu setzen. Überzeugungsarbeit sei oft langwierig, er glaube aber, dass man so noch viele Menschen für die Impfungen gewinnen könne, sagte der Stiko-Chef.

Ausführlichere Infos zum Thema: Corona-Impfung| Gibt es Langzeitfolgen?Gibt es bei der Impfung Langzeitfolgen?

Montag, 25. Oktober

+++ Angesichts der steigenden Zahl von Corona-Infektionen hat die Bundesregierung Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen aufgefordert, das Angebot einer Auffrischungsimpfung wahrzunehmen. Die Impfung sei der beste Schutz, gut durch Herbst und Winter zu kommen, sagte Regierungssprecher Seibert in Berlin. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach warnte vor stark steigenden Corona-Infektionszahlen bei Kindern.

+++ Die SPD peilt eine neue rechtliche Basis für Anti-Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln an. SPD-Fraktionschef Mützenich verwies in Berlin auf die derzeit wieder steigenden Infektionszahlen. Mit den möglichen künftigen Koalitionspartnern, die Grünen und die FDP, sei die SPD im Gespräch über neue Regelungen im Infektionsschutzgesetz. Eine weitere Verlängerung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite um drei Monate werde nicht angestrebt. Mit neuen Regelungen sollten die Länder in die Lage versetzt werden, weiter auf die Herausforderungen reagieren zu können.

Erstsemester-Studenten stehen bei einer Willkommensveranstaltung auf dem Universitätsplatz vor dem Gebäude der Neuen Universität hinter dem mit Kreide auf dem Boden aufgemalten Schriftzug "corona" (picture alliance/dpa | Uwe Anspach)Masketragen und Abstand halten - diese Maßnahmen sollen auch nach Ende der epidemischen Lage in Deutschland bleiben (picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

+++ Der US-Impfstoffhersteller Moderna hat sein Vakzin gegen Covid-19 eigenen Angaben zufolge erfolgreich bei Kindern getestet. Die Ergebnisse einer Studie mit 4.753 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter zwischen sechs und elf Jahren zeigten eine robuste Anzahl an Antikörpern, wie Moderna am Montag mitteilte. Modernas Corona-Impfstoff ist in den USA und der Europäischen Union für Menschen ab 18 Jahren zugelassen. Ältere Kinder und Jugendliche können dort bisher nur mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer immunisiert werden.

+++ In Russland sind mit 37.930 Fällen die meisten Neuinfektionen binnen 24 Stunden seit Ausbruch der Pandemie registriert worden. Das teilt die für die Corona-Seuche zuständige Arbeitsgruppe der Regierung mit. Es wird damit gerechnet, dass die Behörden angesichts steigender Infektionsraten und geringer Impfbereitschaft strengere Maßnahmen einführen werden.

+++ Auch in Dänemark steigen die Zahlen der bestätigten Neuinfektionen rapide. Heute meldete das staatliche Gesundheitsinstitut SSI 1411 neue Corona-Fälle innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Zum Vergleich: Seit Ende August waren täglich lediglich einige hundert Fälle verzeichnet worden, seit knapp einer Woche liegt die Tageszahl wieder im vierstelligen Bereich. Der Wert vom Montag entsprach der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau zufolge der höchsten registrierten Tageszahl seit Januar. Die Zahl der Krankenhauseinlieferungen in dem Fünf-Millionen-Einwohnerland stieg dabei um 19 auf 186. Todesfälle in Verbindung mit Covid-19-Erkrankungen verzeichnete das SSI diesmal nicht.

+++ In Großbritannien werden wahrscheinlich alle Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes aufgefordert, sich vollständig impfen zu lassen. Obligatorische Impfungen für Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern würden Patienten schützen, sagt Gesundheitsminister Sajid Javid dem TV-Sender Sky News. Er tendiere dazu, die Impfungen anzuordnen.

Innenminister Sajid Javid epa05643697 Secretary of State for Communities and Local Government Sajid Javid leaves after a cabinet meeting at Downing Street in London, Britain, 23 November 2016. Chancellor of the Exchequer Philip Hammond will deliver the Autumn Statement later today in the first economic statement since the referendum of British membership of the European Union. EPA/WILL OLIVER | (picture alliance / dpa / Will Oliver)Der britische Gesundheitsminister Sajid Javid (picture alliance / dpa / Will Oliver)

+++ Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA prüft die Zulassung eines Corona-Medikaments des Pharmaunternehmens MSD.

Das teilte der Konzern mit, der in Nordamerika unter dem Namen "Merck & Co." bekannt ist. Dabei handelt es sich um das antivirale Präparat Molnupiravir. Nach Angaben des Unternehmens soll dieses die Zahl der Krankenhausaufenthalte und Todesfälle um die Hälfte reduzieren können, wenn es im frühen Stadium einer Covid-19-Erkrankung angewendet wird. Sollte es die Genehmigung erhalten, wäre es das erste Medikament in Form einer Tablette zur Behandlung der Krankheit. Anfang des Monats hatte MSD bereits bei der US-Arzneimittelbehörde FDA die Genehmigung für Molnupiravir beantragt. Eine Entscheidung wird in den nächsten Wochen erwartet.

Die EMA prüft eine Reihe weiterer Medikamente zur Behandlung von Covid-19, die meist als Antikörper per Spritze gegeben werden müssen. Dazu zählen etwa das Mittel Evusheld von Astrazeneca oder auch Ronapreve von Roche.

+++ Die AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Weidel, hat die Entscheidung des Bayern-Profis Kimmich, sich bisher nicht impfen zu lassen, als dessen Privatsache bezeichnet.

Dies müsse respektiert werden, erklärte Weidel. "Dass Herr Kimmich nun laufend genötigt wird, sich für seine persönliche Entscheidung zu rechtfertigen, ist übergriffig und offenbart eine bedenkliche Ausbreitung von konformistischem Bevormundungs-Denken". Weidel hatte im Bundestagswahlkampf erklärt, dass sie selbst nicht geimpft sei.

Fußball-Profi Joshua Kimmich (dpa/Sven Hoppe)Joshua Kimmich beim Spiel Bayern München gegen die TSG 1899 Hoffenheim (dpa/Sven Hoppe)

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Buyx, hofft dagegen nach eigener Aussage, dass sich Kimmich doch noch für eine Impfung entscheide. Der deutsche Fußball-Nationalspieler, der seine bisherige Ablehnung mit fehlenden Langzeitstudien begründete, sei einer Falschinformation aufgesessen, meinte Buyx. "Er ist ganz schlecht beraten."

FC-Bayern-Profi Joshua Kimmich will sich noch nicht gegen Covid-19 impfen lassen. Als Grund nennt er fehlende Langzeitstudien. Warum Wissenschaftler den Befürchtungen widersprechen.

+++ Im Norden Chinas haben die Behörden nach einzelnen Corona-Neuinfektionen erneut Ausgangsbeschränkungen verhängt.

In der Provinz Gansu wurden alle touristischen Einrichtungen geschlossen, nachdem dort bei vier Menschen das Coronavirus nachgewiesen wurde. Die Angaben zur Zahl der Neuinfektionen an einem Tag in China variieren – zwischen 35 und 51. Im Landkreis Ejin dürfen 35.000 Menschen ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. In der Hauptstadt Peking wurde der Marathon abgesagt, dort müssen Medienberichten zufolge ebenfalls mehr als 20.000 Menschen in ihren Häusern bleiben.

China verfolgt eine Null-Covid-Strategie. Insbesondere vor den Olympischen Winterspielen, die in gut 100 Tagen in Peking beginnen sollen, will die Regierung einen größeren Corona-Ausbruch im Land verhindern.

+++ Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Coronafallzahlen ist auf 110,1 gestiegen.

Probenröhrchen mit der Aufschrift "Infektiös!" / Archivbild (dpa/Hendrik Schmidt)Die positiven Testergebnisse nehmen weiter zu (dpa/Hendrik Schmidt)

Gestern hatte das Robert Koch-Institut den Wert mit 106,3 angegeben. Vor einer Woche lag er bei 74,4. Innerhalb eines Tages wurden 6.573 Neuansteckungen gemeldet - rund 2.500 mehr als vergangenen Montag. 23 weitere Todesfälle wurden registriert.

Unser ausführlicher Blick aufs Thema: Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland

+++ Die thüringische Gesundheitsministerin Werner hat sich besorgt über die hohen Fallzahlen in ihrem Bundesland gezeigt.

"Wenn wir jetzt in die Jahreszeit kommen, in der sich viele Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten, dann steigt natürlich die Gefahr von Infektionen", sagte die Linken-Politikerin im Deutschlandfunk. Dabei seien die vielen ungeimpften Menschen "tatsächlich auch ein Problem". Werner glaubt, dass es noch möglich ist, Menschen zu erreichen, die "impfwillig sind, sich bisher aber noch nicht dazu durchringen konnten". Thüringen liegt mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 224,3 deutschlandweit an der Spitze und hat zugleich unter den Bundesländern eine der niedrigsten Impfquoten.

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn hält ein Ende der sogenannten epidemischen Lage von nationaler Tragweite weiter für angebracht.

Im ZDF sagte er, der vom Bundestag festgestellte Ausnahmezustand könne beendet werden. Vier von fünf Erwachsenen seien inzwischen gegen das Coronavirus geimpft. Er wolle nicht die Pandemie für beendet erklären, betonte der CDU-Politiker. Für Herbst und Winter brauche man weiterhin Vorsichtsmaßnahmen, vor allem die 3G-Regelung in Innenräumen sowie medizinische Schutzmasken und AHA-Regeln in Bussen, Bahnen und im Einzelhandel. Durch eine Rechtsänderung sei es möglich, dass Länder und Behörden vor Ort solche Maßnahmen losgelöst von einem Ausnahmezustand ergreifen könnten.

Mehrere Industrieländer haben schon vor einiger Zeit mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Wer bekommt in Deutschland die dritte Dosis, wie kommen die "Booster"-Impfungen voran und welche Kritik gibt es? Antworten lesen Sie hier.

Sonntag, 24. Oktober 

+++ In der Diskussion um ein Ende der epidemischen Lage von nationaler Tragweite fordern die Grünen eine gesetzliche Übergangsregelung. "Um der neuen Situation und der Zahl der Geimpften Rechnung zu tragen, schlagen wir eine rechtssichere Übergangsregelung vor, die die befristete Fortführung bestimmter Maßnahmen ermöglicht", sagte die Grünen-Rechtspolitikerin Rottmann der Zeitung "Die Welt". Die epidemische Lage unverändert beizubehalten sei die "falsche Antwort". Zwar sei die Lage derzeit anders als im vergangenen Herbst, weil man dem Virus durch die Impfungen nicht mehr schutzlos ausgeliefert sei. Aber die Situation sei nach wie vor ernst. Denn die Infektionszahlen stiegen deutlich. Die Grünen-Fraktion sei "im Gespräch" zu der Frage, wie eine Übergangsregelung aussehen könne, betonte Rottmann.

+++ Anlässlich des Weltgesundheitsgipfels in Berlin hat der Vorstandschef der Berliner Charité, Kroemer, zur internationalen Zusammenarbeit gerade im Bereich globale Gesundheit aufgerufen. Die weltweite Pandemie habe auf dramatische Weise gezeigt, dass aufeinander abgestimmte Maßnahmen und ein ungehinderter Austausch von Wissen und Know-How notwendig seien, sagte Kroemer. Die offizielle Eröffnungsveranstaltung des Gipfels findet am Abend statt. Themen sind unter anderem Impfgerechtigkeit und Gesundheit als globales Gut sowie künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung. Redner sind unter anderem EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und der Chef der Weltgesundheitsorganisation, Tedros. Die Veranstaltung, an der rund 6.000 Expertinnen und Experten aus einhundert Nationen teilnehmen, geht bis zum 26. Oktober und kann online verfolgt werden.

+++ England hat seine Einreisebestimmungen für vollständig gegen Covid-19 Geimpfte angepasst. Sie müssen seit heute statt eines PCR-Tests nur noch einen negativen Schnelltest vorweisen. Alle Tests müssen laut den offiziellen Reiseregeln weiterhin von einem Anbieter durchgeführt werden, der von der Regierung anerkannt ist. In Wales sollen die Maßnahmen in der kommenden Woche in Kraft treten. Für viele Reisende bedeutet die Änderung vor allem eine Kostenerleichterung: PCR-Tests kosten umgerechnet bis zu 100 Euro, Schnelltests knapp 25.

+++ Der Landkreistag fordert eine Debatte über eine Corona-Impfpflicht für Lehrer, Erzieherinnen und Pflegekräfte. Der Präsident des Verbandes, Sager, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, bislang seien auch diejenigen geschützt worden, die sich gegen einen Impfschutz entschieden hätten. Ab einem gewissen Punkt müsse jedoch die Frage erlaubt sein, wie lange die Gesellschaft dies mittragen könne. Sager forderte zudem, Bund und Länder sollten den Menschen eine klare Perspektive für ein Ende der Corona-Beschränkungen geben. Über die Wintermonate sollten aber Maßnahmen wie das Tragen von Masken, Abstand und Lüften weiterhin eingehalten werden.

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen steigt weiter. Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, beträgt der Wert nun 106,3 - nach 100,0 gestern und 72,7 vor einer Woche. Binnen eines Tages wurden 13.732 Neuansteckungen gemeldet. Das sind 5.050 Fälle mehr als am vergangenen Sonntag. Zudem wurden 23 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Ansteckung registriert.

Die Zahl der positiv gestesteten Menschen je 100.000 Einwohner, die innerhalb von sieben Tagen neu in Kliniken aufgenommen wurden, gab das RKI zuletzt mit 2,68 an. Der bisherige Höchstwert dieser sogenannten Hospitalisierungs-Inzidenz hatte im vergangenen Winter bei 15,5 gelegen.

+++ Seit Mitternacht gelten mit Kroatien und Bulgarien zwei weitere EU-Länder aus deutscher Sicht als Corona-Hochrisikogebiete. Wer aus einem Hochrisikogebiet einreist und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne und kann sich erst nach fünf Tagen mit einem negativen Test davon befreien. Bisher waren Rumänien, Litauen und Slowenien die einzigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, für die dies gilt. Weltweit stehen rund 70 Länder ganz oder teilweise auf der Risikoliste des RKI.

Einen Überblick über die Corona-Hochrisikogebiete haben wir hier für Sie zusammengestellt.

+++ Eine Mitarbeiterin einer Münchner Apotheke soll hunderte gefälschte Nachweise für Corona-Impfungen über das Internet verkauft haben. Nach Angaben der bayerischen Ermittler kamen die Frau und ein weiterer Beschuldigter in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, seit Mitte August die gefälschten digitalen Impfzertifikate in einem deutschsprachigen Cybercrime-Forum für 350 Euro pro Stück verkauft zu haben. Allein im Oktober sollen die Fälscher mehr als 500 Impfnachweise ausgestellt haben. Den Angaben zufolge ist es nicht möglich, die Namen der Käufer der Fake-Codes zu ermitteln. Zudem sei unklar, ob die gefälschten Impfausweise gelöscht oder ungültig gemacht werden können.

+++ Deutschland hat bislang 7,6 Millionen Impfdosen gegen Covid-19 des Herstellers Astrazeneca bilateral anderen Ländern zur Verfügung gestellt. Hinzu kämen noch einmal zehn Millionen Einheiten, die der Bund im Rahmen der internationalen "Covax"-Initiative der Weltgesundheitsorganisation übergeben hat, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Damit seien seitens des Bundes keine Bestände an Astrazeneca mehr auf Lager. Auf direktem Wege habe Vietnam das meiste Vakzin erhalten, gefolgt von der Ukraine, Ägypten, Ghana und Namibia. Insgesamt hatte die Bundesregierung zugesagt, 100 Millionen Dosen verschiedener Hersteller unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Darunter sind seit Oktober auch sämtliche nach Deutschland gelieferte Ampullen des Herstellers "Johnson & Johnson". Die Verteilung soll zu großen Teilen über die "Covax"-Initiative erfolgen, für die der Bund außerdem 1,6 Milliarden Euro bereitstellt.

+++ Der saarländische Ministerpräsident Hans hat sich hinter den Vorstoß für eine Beendigung der epidemischen Lage gestellt. Die Pandemie sei zwar nicht vorbei, aber sie habe durch die Impfungen ihren Schrecken verloren, sagte der CDU-Politiker der Zeitung "Bild am Sonntag". Die Bundesländer müssten auch nach dem Ende der epidemischen Lage die Möglichkeit haben, Maßnahmen zu beschließen. Aber man dürfe nicht alle Länder über einen Kamm scheren. Bundesländer mit einer hohen Impfquote müssten sich ihre Freiheiten zurückerobern können. Der Vorstoß stammt von Bundesgesundheitsminister Spahn. Seit Tagen wird darüber diskutiert, auch angesichts der derzeit steigenden Infektionszahlen.

Das vollständige Interview der Woche des Deutschlandfunks mit Jens Spahn finden Sie hier.

Samstag, 23. Oktober

+++ In vielen Ländern steigt die Zahl der Infektionen und auch der Todesfälle weiter an. So meldet etwa die Ukraine den zweiten Tag in Folge neue Höchststände. Binnen 24 Stunden wurden in dem Land mit rund 44 Millionen Einwohnern 614 Todesfälle im Zusammenahang mit dem Coronavirus registriert. Im selben Zeitraum wurden rund 24.000 neue Ansteckungen festgestellt. Die Ukraine gehört zu den Ländern mit den niedrigsten Impfquoten in Europa. 

Auch in Russland stieg die Zahl der Fälle weiter an. Dort wurden rund 37.700 neue Ansteckungen festgestellt. 1075 Menschen starben im Zusammenhang mit der Infektion. Russland hat rund 144 Millionen Einwohner. 

Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien melden ebenfalls weiter hohe Corona-Fallzahlen. 

+++ Weltweit sind in den vergangenen vier Wochen fast 200.000 Menschen an Covid-19 gestorben. Das geht aus den Daten der Johns-Hopkins-Universität in den USA hervor, die seit dem Beginn der Pandemie die internationalen Corona-Fallzahlen beobachtet. 

+++ Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert tägliche Corona-Tests in Pflegeeinrichtungen, der ambulanten Seniorenpflege und in Krankenhäusern.

Der Vorsitzende der Stiftung, Brysch, sagte im WDR-Hörfunk, bei älteren und kranken Menschen gebe es wieder die höchsten Todesraten, obwohl sie zweimal geimpft seien. Abstand, Lüften und das Tragen von Masken reichten an diesen Orten nicht aus. Zugleich sprach sich der Patientenschützer gegen eine Impfpflicht für Beschäftigte in Heimen und Krankenhäusern aus. Das würde nur den Fachkräftemangel in der Pflege erhöhen, weil dann die Leute wegblieben, warnte Brysch. Es brauche nun eine konzertierte Aktion, um parallel zu impfen und zu testen

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen hat zum ersten Mal seit Mitte Mai wieder einen dreistelligen Wert erreicht.

Röhrchen für Corona-Tests stehen in einem Labor. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)Die Inzidenz in Deutschland steigt weiter an. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)

Wie das Robert Koch-Institut mitteilte, beträgt der Wert nun 100,0 - nach 95,1 gestern und 70,8. vor einer Woche. Binnen eines Tages wurden 15.145 Neuansteckungen gemeldet. Das sind 4.196 Fälle mehr als am vergangenen Samstag. Zudem wurden 86 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit einer Ansteckung registriert.

Die Zahl der innerhalb von sieben Tagen in Kliniken neu aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner gab das RKI zuletzt mit 2,68 an. Der bisherige Höchstwert dieser sogenannten Hospitalisierungs-Inzidenz hatte im vergangenen Winter bei 15,5 gelegen.

Unser ausführlicher Blick aufs Thema: Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland

+++ Die rumänische Regierung will mit neuen Lockdown-Maßnahmen die jüngste Covid-Welle eindämmen.

Ab Montag gilt landesweit eine nächtliche Ausgangssperre, wie in Bukarest mitgeteilt wurde. Für die meisten öffentlichen Veranstaltungen ist ein Gesundheitspass erforderlich. Schulkinder haben zwei Wochen Ferien.

Rumänien hat in diesem Monat Rekordzahlen bei den Infektionen und Todesfällen gemeldet. Die Krankenhäuser arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Das Land hat die zweitniedrigste Impfquote in der Europäischen Union.

+++ In Österreich droht die Regierung Ungeimpften mit einem Corona-Lockdown.

Österreichs Bundeskanzler Schallenberg beim EU-Gipfel. (www.imago-images.de/Belga)Österreichs Bundeskanzler Schallenberg. (www.imago-images.de/Belga)

Dieser Schritt werde bei einer besonders starken Auslastung der Intensivbetten kommen, sagte Bundeskanzler Schallenberg nach einer Krisensitzung in Wien. Man sei drauf und dran, in eine Pandemie der Ungeimpften hineinzustolpern. Gesundheitsminister Mückstein betonte, wer weder geimpft noch genesen sei, müsse sich auf massive Ausgangsbeschränkungen einstellen. Hier gibt es mehr Informationen zu den verschärften Maßnahmen in Österreich.

+++ Der Vorstoß von Gesundheitsminister Spahn für eine Beendigung der Corona-Notlage in Deutschland sorgt weiter für Diskussionen.

Der wissenschaftliche Leiter der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Karagiannidis, sprach von einem falschen Signal. Dadurch gebe man Kontrollmöglichkeiten aus der Hand, sagte er im Deutschlandfunk. Karagiannidis betonte, man sehe derzeit einen deutlichen Anstieg der Corona-Zahlen, gleichzeitig gebe es noch zu viele Ungeimpfte. Er rechne damit, dass die Inzidenz weiter zunehmen und bis zum nächsten Frühjahr auf einem hohen Niveau verharren werde. 

Unterstützung bekam Spahn vom Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Gassen. Dieser sprach sich wie der Bundesgesundheitsminister für ein baldiges Ende des Ausnahmezustands aus.

+++ Der Verband deutscher Betriebs- und Werksärzte schätzt, dass in Deutschland rund 1,5 Millionen Impfungen gegen Covid-19 vorerst nicht gemeldet wurden.

Wie viele es tatsächlich gewesen seien, bleibe derzeit aber unklar, sagte Verbandsvizepräsidentin Wahl-Wachendorf dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die meisten der offiziell bekannten Impfungen seien über das System der Kassenärze eingegangen. Sie erwarte klärende Gespräche mit dem Robert Koch-Institut, erklärte Wahl-Wachendorf weiter. Das RKI hatte zuletzt eingeräumt, dass die Zahl der geschützten Menschen in Deutschland lange Zeit um mehrere Prozentpunkte zu niedrig angegeben wurde.

Deutschland und weitere Länder haben bereits mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Wer braucht die dritte Dosis wirklich und welche Kritik gibt es daran? Booster-Impfung – ist die dritte Dosis nötig?

+++ Der Präsident des Deutschen Städtetags, Jung, befürchtet für die kommenden Monate eine "Pandemie der Ungeimpften".

Burkhard Jung (SPD) Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Präsident des Deutschen Städtetags während eines Interviews in der Halle des Neuen Rathauses in Leipzig, 04.03.2021  (IMAGO / foto-leipzig.de)Burkhard Jung (SPD) Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Präsident des Deutschen Städtetags (IMAGO / foto-leipzig.de)

Man könne nicht sicher sein, dass die Auswirkungen dieser Welle an den Geimpften vorübergehe, sagte der Leipziger Oberbürgermeister der Funke Mediengruppe. Daher müsse schnell die 2G-Regel für sensible Bereiche wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Kindertagesstätten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen eingeführt werden. Aber auch für Clubs, Theater, Kinos und Fitnessstudios sei es sinnvoll, nur noch Genesene und vollständig Geimpfte hinein zu lassen. In der Debatte um ein Auslaufen der von der Politik erklärten "epidemischen Lage von nationaler Tragweite" warnte der SPD-Politiker vor einem Flickenteppich.

Die Bundesregierung hatte lange wegen der Corona-Pandemie eine generelle Reisewarnung für zahlreiche Regionen in Europa ausgesprochen. Nachdem es zwischenzeitlich drei Kategorien gab, gelten nun nur noch zwei Einstufungen. Hier der Überblick: RKI aktualisiert Liste der Coronavirus-Risikogebiete

Freitag, 22. Oktober 

+++ Ugur Sahin und Özlem Türeci, Gründer des in Mainz ansässigen Biotechnologieunternehmens Biontech, sind mit dem Prinzessin-von-Asturien-Preis geehrt worden. Das deutsch-türkische Forscherehepaar teilte sich die als "spanische Nobelpreise" bekannte Auszeichnung in der Sparte Forschung und Technik mit fünf weiteren Entwicklern von Corona-Impfstoffen.

Die international renommierten Preise werden jedes Jahr in acht Kategorien von König Felipe VI. sowie der spanischen Thronfolgerin Leonor im nordspanischen Oviedo vergeben und sind mit jeweils 50.000 Euro dotiert. 

+++ Der Wissenschaftler Thorsten Lehr rechnet mit weiter stark steigenden Corona-Infektionszahlen. Der Pharmazieprofessor und Experte für Corona-Prognosen von der Universität des Saarlandes sagte im Deutschlandfunk, im Moment stünden die Zeichen "auf Sturm". Eine Entspannung sei nicht in Sicht. Mit Blick auf die Krankenhausbelegung warnt Lehr davor, das Infektionsgeschehen ungebremst laufen zu lassen. Zwar sei die Zahl der Covid-Patienten noch relativ niedrig, allerdings gebe es derzeit überdurchschnittlich viele Nicht-Covid-Patienten auf den Intensivstationen. Jeder Covid-Patient nehme einem Nicht-Covid-Patienten ein dringend benötigtes Bett weg, sagte Lehr. Daher sollte das Infektionsgeschehen möglichst niedrig gehalten werden. Hilfreich seien Impfungen sowie Kontaktbeschränkungen.

Sie können hier alle relevanten Zahlen für Deutschland nachlesen.

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn plant nach Angaben seines Ministeriums keinen Vorstoß für eine weitere Regelung nach einem möglichen Auslaufen der nationalen Corona-Notlage.

Der Ball liege in den Fraktionen und im Parlament, sagte ein Sprecher. Spahn habe betont, dass er fachlich beratend zur Seite stehe, wenn das gewünscht sei. Der CDU-Politiker hatte sich dafür ausgesprochen, die Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite nicht über den 25. November hinaus fortzusetzen. Diese Feststellung ist die Grundlage für Verordnungen und zentrale Corona-Maßnahmen in Deutschland. Die Länder verlangten, dass es weiterhin deutschlandweit einheitliche Regeln zur Bekämpfung der Pandemie geben sollte.

+++ Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterstützt die Impfkampagne "Ärmel hoch" der Bundesregierung. Mehrerer Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Olympischen und Paralympischen Spiele werben nun für die Impfung, darunter Ringer-Olympiasiegerin Aline Rotter-Focken sowie die Medaillengewinner Frank Stäbler (Ringen) und Patrick Franziska (Tischtennis). Die DOSB-Vorstandsvorsitzende Rücker sagte, die Covid-19-Impfung sei der Schlüssel zum Comeback der Gemeinschaft. Nur so könne man sicherstellen, dass ein soziales Miteinander, auch in den Sportvereinen, wieder sorglos möglich sei. 

Mehrere Länder haben bereits mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Wer braucht die dritte Dosis wirklich und welche Kritik gibt es an den "Booster"-Impfungen?

Adeline Maria Gray, rechts, und die Deutsche Aline Rotter-Focken bei den Damen 76kg freestyle wrestling, Olympia 2020 (Aaron Favila/AP/dpa)Aline Rotter-Focken bei Olympia 20202 (Aaron Favila/AP/dpa)

+++ Die Zahl der Coronavirus-Infektionen und -todesfälle in der Ukraine hat den zweiten Tag in Folge einen neuen Höchststand erreicht. Die ukrainischen Gesundheitsbehörden meldeten 23.785 bestätigte Neuinfektionen und 614 Todesfälle in 24 Stunden. Das Land hat eine der niedrigsten Impfquote in Europa.

+++ Die Bundesregierung stuft Kroatien und Bulgarien von Sonntag an als Corona-Hochrisikogebiete ein. Das teilte das Robert Koch-Institut mit. Wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist und aus einem Hochrisikogebiet einreist, muss in Quarantäne und kann sich erst nach fünf Tagen mit einem negativen Test davon befreien. Bisher sind Rumänien, Litauen und Slowenien die einzigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, für die das gilt.

Das Auswärtige Amt hat lange wegen der Corona-Pandemie eine generelle Reisewarnung für zahlreiche Regionen in Europa ausgesprochen. Nachdem es zwischenzeitlich drei Kategorien gab, gelten mit der neuen Einreiseverordnung seit dem 1. August nur noch zwei Einstufungen. Hier der aktuelle Überblick.

+++ Die Bundesländer plädieren auch weiterhin für eine rechtliche Absicherung der Corona-Maßnahmen. Das zeichnet sich bei den Beratungen der Ministerpräsidentenkonferenz in Königwinter ab. Der stellvertretende Vorsitzende Müller sagte im ARD-Fernsehen, vielleicht werde der Beschluss nicht ganz einstimmig fallen. Aber doch eine große Mehrheit der Länderkollegen wolle zumindest eine Übergangsregelung, wenn die epidemische Notlage am 25. November auslaufe. Die Länder bräuchten Rechtssicherheit für ihre Corona-Schutzmaßnahmen.

+++ Bayerns Gesundheitsminister Holetschek spricht sich für eine Verlängerung der sogenannten epidemischen Lage durch den Bundestag aus. "Sollte die epidemische Lage von nationaler Tragweite auslaufen, könnte das Infektionsschutzgesetz nicht mehr ohne weiteres angewendet werden", sagt der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen". Dann hätten Testnachweiserfordernisse und Maskenpflichten keine ausdrückliche Rechtsgrundlage mehr. Das müsse man mit Blick auf möglicherweise steigende Infektionszahlen im Winter unbedingt vermeiden. 

+++ Das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet im Winter stark steigende Kosten für die stationäre Behandlung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten. Diese wären bei einer höheren Impfquote vermeidbar, teilte das Institut mit. Seit August liege der Anteil ungeimpfter Personen an den stationären Corona-Behandlungen bei durchschnittlich fast 85 Prozent. Mehr Informationen zu den Berechnungen von rund 180 Millionen Euro pro Woche hier in dieser Einzelmeldung.

+++ In Berlin werden laut Landesärztekammer zunehmend Mediziner angefeindet, die gegen das Coronavirus impfen. Der Präsident der Berufsvertretung, Bobbert, sagte im Deutschlandfunk, es gebe in den letzten Monaten eine Häufung von Drohungen gegenüber dem medizinischen Personal, die bis hin zu konkreten Morddrohungen reichten. Man habe die Sorge, dass aus Worten Taten würden. Bereits jetzt werde das Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten gestört. Bobbert verlangte ein verstärktes Vorgehen gegenüber Falschmeldungen durch die Anbieter von Social-Media-Kanälen.

Zuletzt hatte eine Umfrage der Fachzeitschrift "Nature" ergeben, dass sich zahlreiche internationale Fachleute im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie mit Anfeindungen konfrontiert sehen.

+++ Russland meldet neue Höchststände bei den Corona-Neuinfektionen und Todesfällen. Binnen 24 Stunden wurden 37.141 neue Ansteckungen bestätigt und damit den zweiten Tag in Folge so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie, wie die Behörden mitteilen. 1.064 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Coronavirus.

Polizisten stehen während des Lockdowns in Moskau auf leeren Straßen. (AFP/Dimitar DILKOFF / AFP)Moskau verhängt einen neuen Lockdown (AFP/Dimitar DILKOFF / AFP)

+++ Die 27 EU-Staaten wollen sich angesichts steigender Corona-Infektionszahlen für eine größere Impfbereitschaft in Europa einsetzen. Das vereinbarten sie am ersten Tag des EU-Gipfels in Brüssel. In einem am späten Abend veröffentlichten Dokument heißt es, insbesondere die Desinformation zu Impfungen in den sozialen Netzwerken müsse bekämpft werden. Der Gipfel verweist in dem Text auf eine angespannte Corona-Lage in manchen Mitgliedsstaaten. So gebe es in Rumänien eine besonders hohe Zahl an täglichen Neuinfektionen, und nur ein Drittel der Menschen dort sei geimpft.

+++ Die Regierung in Neuseeland will auf weitere Corona-Lockdowns verzichten, wenn eine Impfquote von 90 Prozent erreicht ist. Premierministerin Ardern sagte, man könne geimpfte Menschen nicht ewig bitten, zu Hause zu bleiben. Das Ziel ihrer Regierung sei nun nicht mehr, das Virus gänzlich loszuwerden, sondern Menschen stattdessen durch Impfungen zu schützen. Bislang sind 86 Prozent mindestens einmal geimpft. Mitte August hatte die neuseeländische Regierung einen landesweiten Lockdown verhängt, um den Ausbruch der Delta-Variante einzudämmen.

+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen steigt weiter an. Sie liegt nun bei 95,1 nach 85,6 am Vortag, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen 24 Stunden 19.572 Neuinfektionen. Das sind 3.495 Fälle mehr als am Tag davor. 116 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Die Gesamtzahl der Toten beträgt damit 94.991.

Detailliertere Angaben zu den Zahlen rund um das Corona-Virus in Deutschland finden Sie hier

+++ Der Grundschulverband fordert, Schülerinnen und Schüler sowie Personal weiterhin regelmäßig zu testen. Die Tests müssten wegen der hohen Corona-Infektionszahlen bis auf Weiteres fortgeführt werden, sagte der Verbandsvorsitzende Bohn der Funke-Mediengruppe. Zudem müsse durch den Einsatz von Raumluftanlagen größtmögliche Sicherheit gewährleistet sein. Nur dann sei ein Verzicht auf Masken im Unterricht vertretbar. Der Verband hatte Anfang Oktober vor allem aus pädagogischen Gründen ein Ende der Maskenpflicht an den Grundschulen befürwortet.

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