Montag, 03. Oktober 2022

Private Daten belegen Kriegsverbrechen
Kommerzielle Satelliten und die Wahrheit des Krieges

Ein über 50 Kilometer langer russischer Militärkonvoi vor Kiew zerstörte Ponton-Brücken im Donbass und Massengräber in Mariupol – täglich zeigen kommerzielle Satellitendaten, was im Krieg in der Ukraine geschieht.

Von Dirk Lorenzen | 14.07.2022

Massengrab neben einer Kirche in Butscha, aufgenommen am 21. März 2022 durch Satelliten des Unternehmens Planet
Massengrab neben einer Kirche in Butscha, aufgenommen am 21. März 2022 durch Satelliten des Unternehmens Planet (Planet)
Einst hatten praktisch nur offizielle Stellen Satellitendaten zur Verfügung. Inzwischen aber gibt es große Unternehmen, wie Maxar und Planet, die ganze Flotten von Erdbeobachtungssatelliten betreiben. Die haben die Ukraine bei vielen Überflügen am Tag im Blick – im sichtbaren Licht, aber auch per Radar. Solche Aufnahmen zeigen das Geschehen auch bei Nacht und Nebel.

Satellitenbilder liefern oft Hinweise auf Kriegsgräuel

Die Raumfahrt verändert die Wahrnehmung dieses Konflikts. Die Satellitenbilder liefern oft Hinweise auf Kriegsgräuel. So belegen die Aufnahmen aus der Umlaufbahn, dass in Butscha wochenlang Leichen auf den Straßen lagen.
Gesichter sind aus dem All nicht zu erkennen, aber oft Details von deutlich unter einem Meter Ausdehnung – die Bilder zeigen, wie vielerorts Strukturen immer größer werden, die wie Massengräber aussehen. Die Kombination aus Satellitenbild und Untersuchungen am Boden ergibt dann das ganze Bild.

Daten enttarnen Militärpropaganda

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit, heißt es. Aber im Krieg gegen die Ukraine enttarnen die Daten aus rund fünfhundert Kilometern Höhe Militärpropaganda. Russland hat keine Kontrolle darüber, wann und wo die Satelliten Aufnahmen machen.
Künftig könnten Aggressoren bemüht sein, die himmlischen Späher vor einer Attacke auszuschalten – bei Hunderten von kommerziellen Erdbeobachtungssatelliten wird das allerdings nicht einfach.