Dienstag, 04. Oktober 2022

"Time Travellers" des Rundfunkchor Berlin
Werden und Vergehen

„Time Travellers“ ist ein transdisziplinäres Projekt des Rundfunkchores Berlin, in dem Tanz, Multimedia und Musik unter dem Thema Zeitreise zusammenfinden. Im Zentrum dieser Zeitreise steht der Mensch, der zurückschaut auf sein Leben, auf Wege, Kämpfe und Freuden.

Am Mikrofon: Haino Rindler | 17.07.2022

Ein Mann und eine Frau gehen auf einem schmalen, schwarzen Steg. Hinter ihnen liegt eine Bühne, darauf steht ein Chor, schwarz gekleidet.
Der Rundfunkchor Berlin ist bekannt dafür, dass er Chormusik gerne mit szenischer Arbeit verbindet. Eines der bekanntesten Projekte ist das Human Requiem, das vor 10 Jahren im Radialsystem in Berlin Premiere hatte. In der Schinkelhalle Potsdam präsentierten sie "Time Travellers", eine Performance aus Tanz, Videoinstallation, Sound und Chormusik. (Lucie Jansch)
Time Travellers ist eine Zeitreise, die auf mehreren Ebenen stattfindet: Es gibt natürlich die musikalische Ebene, in deren Zentrum ein Werk des Briten Jonathan Dove steht: "The passing of the year", ein Chorzyklus mit Klavier in sieben Teilen aus dem Jahr 2000. Um diese sieben Teile herum sind Werke anderer Komponisten gruppiert: "Nachklänge" des Holländers Robert Heppener zum Beispiel, aber auch zwei Lieder von Johannes Brahms und zwei Stücke aus dem Klavierzyklus Images von Claude Debussy. Es ist ein Programm, das die Zuhörerin und den Zuhörer durch die Zeiten wandeln lässt, das Bilder und Sehnsuchtsorte im Kopf entstehen lässt, das aber auch die gnadenlos voranschreitende Zeit im Sekundentakt und die Schrecken der Gegenwart ins Bewusstsein rückt. Romantik und Zeitgeschehen verschmelzen miteinander und führen letztlich sogar zum Eindruck von Zeitlosigkeit und Entrücktheit.

Emotionale Räume eröffnen

Dazu kommen Soundeffekte und Bildprojektionen in der medialen Inszenierung von Nick und Clemens Prokop und zwei Tänzer, die von Shang Chi Sun choreographiert wurden. Ein multimediales Musikereignis also. Durch Gespräche mit dem Choreografen und den Videomachern wird aber auch die visuelle Ebene in der Sendung erfahrbar.
Johannes Brahms
„O schöne Nacht", op. 92 Nr. 1 für Chor und Klavier
„Sehnsucht", op. 112 Nr. 1 für Chor und Klavier

Claude Debussy
"Images". Auszüge aus dem 1. und 2. Buch für Klavier solo

Jonathan Dove
„The Passing of the Year" für Doppelchor und Klavier

John Dowland
„Flow, my Tears" für Gesang und Laute

Robert Heppener
„Nachklänge" für vier Chöre a cappella

Ting An Ying, Tanz
David Pallant, Tanz
Karline Klemm, Kinderstimme
Barbara Berg, Mezzosopran
Markus Syperek, Klavier
Vanessa Heinisch, Laute
Rundfunkchor Berlin
Leitung: Justus Barleben
Nick & Clemens Prokop (TYE Shows), Mediale Inszenierung
Shang Chi Sun, Choreographie

Aufnahme vom 1.7.2022 aus der Schinkelhalle, Potsdam