Samstag, 02. Juli 2022

Wald-Monitoringbericht
Wo weniger abgeholzt wird

Der Schwund tropischer Regenwälder hielt 2021 nach Satellitenbild-Auswertungen unverändert an. Hohe Verluste, ausgelöst durch Brände, gab es zudem in borealen Nadelwäldern wie in Sibirien. Russland erlebte dabei seine schlimmste Feuersaison. Doch es gibt auch einen richtigen Lichtblick.

Von Volker Mrasek | 29.04.2022

In Malaysia sollen Palmölplantagen zurück in Regenwald verwandelt werden.
In Malaysia sollen Palmölplantagen zurück in Regenwald verwandelt werden. (dpa / picture alliance / Tiam Seong Yew)
Mikaela Weisse arbeitet im globalen Wald-Monitoringprogramm des World Resources Institute in Washington. Noch immer bemüht die US-Geographin einen Vergleich, den wir schon so oft gehört haben und der auch für 2021 gilt:
"Der Verlust tropischer Wälder bleibt unverändert hoch. Im vergangenen Jahr ist jede Minute eine Fläche so groß wie zehn Fußballfelder verlorengegangen. Weltweit waren es elf Millionen Hektar - ein Drittel davon in tropischen Urwäldern."

Brasilien büßte massiv Regenwaldfläche ein

Diese Zahlen leiten sich aus Satellitenbildern ab. Ausgewertet wurden sie von einem Geoforschungsteam der Universität von Maryland in den USA. Die mit Abstand größten Flächen büßte demnach Brasilien im zurückliegenden Jahr ein – dreimal mehr als die Demokratische Republik Kongo im afrikanischen Regenwald:
"2021 haben sich die Regenwaldverluste vor allem im bisher noch nicht so auffälligen westlichen Amazonas-Gebiet intensiviert. In manchen Bundesstaaten nahmen sie im Vergleich zum Jahr davor um mehr als 25 Prozent zu. Vor allem dort, wo schon Straßen existieren, kommt es zu großflächigen Kahlschlägen - wahrscheinlich für die Rinderzucht."

Rückgänge in Indonesien und Malaysia

Besser dagegen die Situation in Südostasien, wo Regenwald häufig gerodet wird, um Soja-Plantagen anzulegen. Dazu die Umweltwissenschaftlerin Elizabeth Goldman vom World Ressources Institute:
“Wir haben gute Nachrichten aus Indonesien. Die Regenwaldverluste dort haben im vergangenen Jahr um 25 Prozent abgenommen. Das ist der fünfte Rückgang in Folge! Das Gleiche kann man für Malaysia sagen. Dieser Trend - vor allem der in Indonesien - zeigt: In Gang gesetzte Programme zur Reduzierung der Waldverluste funktionieren!"  

Russland stark betroffen

Wälder gehen aber nicht nur in den Tropen verloren. Ein weiterer Hotspot war 2021 die boreale Zone in hohen nördlichen Breiten. In den ausgedehnten Nadelholzwäldern dieser Region kam es zu massiven Bränden:
"Die Verluste waren dort im letzten Jahr so extrem wie noch nie und um 30 Prozent höher als 2020. Vor allem Russland war betroffen. Es erlebte seine bisher schlimmste Feuersaison. Brände sind zwar ein natürliches Phänomen in borealen Ökosystemen. Aber wenn sie so massiv auftreten, ist das bedenklich. Und erst recht in Russland! Denn in Sibirien gibt es riesige Moor- und Permafrostgebiete. Beide speichern große Mengen Kohlenstoff. Und die können freigesetzt werden, wenn Moore brennen und der Permafrost auftaut."

Belohnungen als Anreiz für andere Länder

Auf dem Klimagipfel von Glasgow im vergangenen Jahr haben über 140 Staatsregierungen erklärt, sie wollten Waldrodungen bis zum Jahr 2030 ganz stoppen. Dann müssten jetzt aber auch energische Taten folgen, mahnt die US-Zoologin Frances Seymour:
"Wir haben jetzt Daten aus zwei Jahrzehnten, die zeigen: Allein von tropischen Urwäldern gehen permanent Millionen Hektar pro Jahr verloren. Um diese Verluste wie geplant auf Null zu reduzieren, brauchen wir dramatische und schnelle Veränderungen!"
Ihr Vorschlag: Man sollte Länder wie Indonesien und Malaysia dafür belohnen, dass sie Abholzungen und Brandrodungen erfolgreich verringern, mit Geldern aus dem internationalen Klimatopf. Andere würden dem Beispiel dann umso eher folgen.