Sonntag, 10. Dezember 2023

Kommentar zu Goethe-Instituten
Sparpläne zulasten der kulturellen Vermittlung

Mehrere Büros des Goethe-Instituts im Westen sollen geschlossen werden. Dafür soll die Arbeit in Osteuropa und im Südpazifik ausgebaut werden. Die Sparpläne der Bundesregierung stoßen bei Vladimir Balzer auf gemischte Gefühle.

Ein Kommentar von Vladimir Balzer | 29.09.2023
Das Symbol des Goethe-Instituts an der Zentrale am Oskar-von-Miller-Ring in München.
Das Goethe-Institut muss sparen. Das bedeutet, dass neun der insgesamt 158 Institute weltweit geschlossen werden müssen. (picture alliance / SZ Photo / Stephan Rumpf)
Seit über 70 Jahren macht das Goethe-Institut Kulturarbeit im Ausland, und wirklich gedankt wurde es ihm von der Bundespolitik nie. Die ersten Einsparungen gab es schon in der Kohl-Ära – und dann wurde es nicht besser, als der Grüne Außenminister Joschka Fischer bewies, dass er außer Kürzungen wenig Ideen für eines der größten Kulturnetzwerke der Welt hatte.
Später stabilisierte sich die Lage und wird nun unter der grünen Außenministerin Baerbock wieder prekär. Denn auch, wenn es nach außen nicht so kommuniziert wird: Das Goethe-Institut ist abhängig von der Ausrichtung des Auswärtigen Amtes. Es ist entscheidender Bestandteil der Auswärtigen Kulturpolitik.

Weg von den Metropolen, hin zu den angespannten Regionen 

In Annalena Baerbock hat diese stolze und ideenreiche Institution aber keine politische Unterstützerin gefunden. Sonst wäre der immense Spardruck nicht zu erklären. Auch wenn es der Haushaltssauschuss des Bundestages ist, der wichtige Mittel zurückgehalten hatte und sie dann unter Bedingungen wieder freigab – das Auswärtige Amt ist letztlich entscheidend, wie die Auswärtige Kulturpolitik Deutschlands aussieht. Oder eben nicht. Und ob das Außenministerium den eigenen Spardruck an das Kulturinstitut weitergibt oder nicht. 
Es werden Standorte geschlossen, es müssen Mitarbeiter gehen, das Geld soll ins Programm umgelenkt werden. Besser wäre aber gewesen, das Goethe-Institut hätte Reformen ohne diese Sparzwänge bewältigen können. Denn die neue Ausrichtung ist ja völlig richtig: weg von den repräsentativen Instituten in westlichen Großstädten hin zu angespannten Regionen, etwa in den Kaukasus, wo der Konflikt um Bergkarabach seine Spuren hinterlässt.
Oder nach Moldau, das stark belastet ist durch den Krieg gegen die Ukraine. Oder aber ferne Orte wie der Südpazifik, der durch den Klimawandel massiv betroffen ist. Aber auch Regionen wie der Mittlere Westen der USA, der jenseits der beiden Küsten politisch wegzudriften droht und sich immer weniger für Europa interessiert.

Vermittler von Werten

Aber es ist nicht nur eine geografische Verlagerung, die richtig ist. Gut ist auch, dass das Goethe-Institut gerade in dieser schwierigen finanziellen Phase das fortsetzt, was es schon seit Jahren unbemerkt tut, nämlich die alten Vorstellungen von einem deutschen Kulturexport zu beenden. Es versteht sich längst nicht mehr als reiner Repräsentant, sondern als Kommunikator und Vermittler, etwa von Werten wie Demokratie – dort, wo sie es schwer hat.
Die Kulturarbeit wird vor Ort geleistet. Das heißt: Zusammenarbeit mit örtlichen Akteuren, mit Communitys, mit Menschen, die das Land prägen, in dem das Goethe-Institut zu Gast ist. Über diesen Umweg vor Ort Gesellschaften mitzugestalten und mit dieser Art der Kulturarbeit Türen nach Deutschland zu öffnen – das ist die Zukunft des Goethe-Instituts. Und gerade dafür braucht es eher mehr Geld als weniger. Dafür sollte sich das Auswärtige Amt in Zukunft auch im eigenen Interesse einsetzen.
Denn auswärtige Kulturpolitik kann langfristig mehr bewirken als traditionelle Diplomatie, weil sie in den Gesellschaften selber ansetzt und weniger in den politischen Eliten. Das Goethe-Institut ist das beste Beispiel dafür.