Freitag, 19. August 2022

Sanieren statt neu bauen
Mit "grauer Energie" gegen den Klimawandel

In Deutschland entsteht weniger Wohnraum, als sich die Politik vorgenommen hat. Mehr Neubauten sind aber nicht unbedingt die einzige oder beste Lösung. Architekten fordern seit Längerem, lieber bestehende Bauten zu sanieren und die darin gebundene "graue Energie" weiterzunutzen.

Von Tobias Krone | 03.08.2022

Unterschiedliche Wohnhäuser in der Kölner Innenstadt spiegeln sich in einer gegenüberliegenden Glasfassade
Mit mehr Sanierung und weniger Abriss ließen sich viele Ressourcen sparen, sagen Fachleute (picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)
Maximilian Ratycz klopft auf Styrodur – eines der wenigen neuen Elemente seines Eigenheims – eine mehrere Zentimeter dicke Schicht aus Dämmplatten, die den Keller umhüllt. (*)
„Aber halt nur im Perimeterbereich, also im Kellerbereich. Die KMB, das heißt die PMBC, die Bitumendickbeschichtung zweilagig. Und dann eben die Dämmung. Weil wir gesagt haben, wir bauen den Keller aus, wir wollen den Keller auch beheizen. Und dann haben wir's gemacht. Trocken, sicher. Funktioniert.“

"Wir haben drei Jahre lang eine Mietwohnung gesucht"

Maximilan Ratycz ist Fachmann. Der Bauingenieur aus dem Münchner Vorort Hebertshausen hat nicht neu gebaut, sondern ein älteres Haus gekauft und saniert. Die Familie war dabei, sich zu vergrößern, der Platz hatte nicht mehr gereicht. Das Problem aber war, wo etwas Neues finden – angesichts der angespannten Wohnsituation im Großraum München.
„Wir haben in so einer Studentenwohnung gewohnt, hier am Rande von Dachau. Wir haben 600 Euro für 55 Quadratmeter bezahlt. Und dort haben wir neun Jahre unseres Lebens verbracht. Und dann haben wir gesagt: Okay, jetzt kommt der zweite Sohn. Wir haben drei Jahre lang eine Mietwohnung gesucht.“
Eine passende Mietwohnung fanden sie auch nach drei Jahren nicht, dafür ein stattliches Einfamilienhaus, das eine Witwe hinterlassen hatte und dessen bauliche Substanz Maximilian Ratycz sofort prüfte. „Man riecht's, man sieht's, man schmeckt's. Da braucht man nicht unbedingt ein Fachmann sein, wenn man das Haus betritt. Man fühlt sich wohl, es ist trocken, die Substanz schaut solide aus.“
Jedes Stockwerk wurde neu gestaltet. „Wir haben uns die alten Grundrisse hergenommen, meine Frau und ich, haben uns zwei Abende hingesetzt und habe dann einfach gezeichnet. Habe gesagt: Schau mal, Schatz, dann können wir da die Wand rausreißen, verschieben da die Wand dorthin, und so weiter – alles im Machbaren, natürlich, denn, wenn man Holzbalkendecken hat, dann ist keine ausreichende Querlastverteilung, so heißt das fachmännisch. Und dann muss man drauf achten, wie lässt man die Kräfte spazieren an dem Gebäude?“

Neubauen verursacht hohe ökologische Kosten

Sanieren im Bestand also – statt neu zu bauen. Das klingt nach solidem Bauhandwerk, aber nicht unbedingt nach Vision und Innovation - schon gar nicht nach ästhetisch gestaltender Architektur.
Das Thema Sanierung sei unterschätzt, meint dagegen Annemarie Bosch. Die Architektin aus Erlangen ist Präsidiumsmitglied im Bund Deutscher Architekten. Die renommierte Vereinigung drängt schon länger darauf, sich der immensen ökologischen Folgen des Bauens bewusst zu werden und sie ernst zu nehmen.
Gründe gibt es viele: Bauen ist energieintensiv: Schwere Baumaschinen und Lkw verschlingen bei der Arbeit und beim Transport von Materialien Sprit – auch die Herstellung von Baumaterialien, etwa von Zement, das Brennen von Ziegelsteinen, Keramik und Fliesen – all das benötigt enorme Mengen an Energie. Der Energieverbrauch sorgt wiederum für einen hohen Ausstoß an CO2.

"Graue Energie" weiternutzen, statt Gebäude unnötig abzureißen

Und: Bauen verschlingt nicht nur fossile Energieträger, es verbraucht weitere Ressourcen wie Kies, Sand und Ton, sowie Erze, aus denen Metalle gewonnen werden. Annemarie Bosch benennt Zahlen, verweist auf einen weiteren Aspekt, der ihrer Meinung nach ökologisch nicht tragbar ist:
„50 Prozent der Ressourcen werden durch den Gebäudesektor absorbiert und 60 Prozent des Mülls. Und, um die Debatte runterzubrechen: Jeder weiß inzwischen, dass wir unsere Müllproduktion verringern sollten, dabei denkt jeder an den Hausmüll, da reden wir über circa 250 Kilogramm im Jahr. Wir realisieren aber nicht, dass pro Person 2,5 Tonnen pro Jahr an Baumüll erzeugt werden. Dieser Baumüll resultiert ganz wesentlich aus dem Abbruch. Und daher auch diese Position: Die Abreißerei muss ein Ende haben.“
In jedem Bauwerk steckt so genannte „graue Energie“, also die Energie, die beim Bauen aufgewendet und verbraucht wurde. Auch Sanierung verbraucht Ressourcen, aber mit Abstand weniger. Denn indem man den Rohbau eines schon bestehenden Gebäudes, mitsamt seiner „grauen Energie“ weiternutzt - anstatt neue Energie und neue Ressourcen für Abriss, Entsorgung und Neubau aufzuwenden – kann bei einer Sanierung daran gespart werden, lassen sich auch CO2-Emissionen reduzieren.
Wand eines Altbaus mit abgebröckeltem Putz, darunter Ziegelmauerwerk, davor Eimer mit losen alten Ziegeln
Sanierung statt Neubau kann sich lohnen - vor allem für Umwelt und Klima (picture alliance / Chromorange / Ernst Weingartner)

Neues Selbstverständnis der "Architects for Future"

All das klingt vernünftig. Und doch überrascht, dass gerade Deutschlands renommierteste Architektenvereinigung die Forderung nach Sanierung aufstellt - ist doch das Selbstverständnis der Branche stark vom Entwerfen und damit vom Neubauen geprägt. Mittlerweile aber haben die Forderungen der Generation „Fridays for Future“ auch das Establishment und die Akademien erreicht. Elisabeth Broermann, Berliner Architektin bei „Architects for Future“, spricht von einem neuen Selbstverständnis:
„Auch in der Hochschulausbildung, aber natürlich auch unter den tätigen ArchitektInnen herrscht natürlich noch dieser Traum des repräsentativen Großprojektes vor, und da braucht es definitiv eine Veränderung des Narrativs hin zu der liebevollen Bestandssanierung und das eben wertzuschätzen, was schon da ist und liebevoll weiterzuentwickeln.“
Erst im vergangenen Jahr erhielten die Pariser Architektin Anne Lacaton und ihr Kollege Jean-Philippe Vassal für ihre Umbauprojekte den renommierten Pritzker-Preis. Ein Umdenken in der Zunft hat also längst begonnen. Das bestätigt auch Annemarie Bosch vom Bund Deutscher Architekten. Sie ist davon überzeugt: Kreative Konzepte können auch im Bestand entwickelt werden, heißt bei Gebäuden, die bereits existieren.
„Ich möchte mal ein konkretes Beispiel geben. Wir setzen gerade eine Sanierung eines hybriden Gebäudes um und in diesem Zusammenhang – es geht ja auch immer um Kosten – haben wir geprüft, wie wir am besten den Fußbodenaufbau erneuern. In diesem Zusammenhang muss man dazu sagen, wir setzen aufs Erhalten. Am Ende des Tages wird der bestehende Asphalt-Estrich, der ansonsten hätte für teures Geld ausgebaut werden müssen, erhalten und abgeschliffen und es entsteht durch den Bestand plötzlich eine ganz neue Ästhetik. Ich entwickle aus dem Bestand heraus mit dem, was da ist, etwas Neues, was von der Anmutung her absolut überzeugt.“

Architekten, Bauunternehmen und Behören überlastet

Zudem gebe es auch ganz pragmatische Gründe, so die Erlanger Architektin, warum übers Umbauen anstelle des neu Bauens nachgedacht werden sollte: Überlastung. Architekturbüros und Bauunternehmen ächzten seit langem unter zu viel Arbeit und zu vielen Aufträgen – auch auf die kommenden Jahre hinweg, und die Baubehörden kämen mit den Genehmigungen für Neubauten nicht mehr hinterher.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Verfügbarkeit von Baumaterialien. Derzeit führt der Mangel dazu, dass etwa jedes zehnte Bauunternehmen Bauaufträge stornieren muss:
„Wir haben Lieferengpässe, ich kann Ihnen eines sagen: Wenn man eine Transformation von Bestand bewältigen muss, viel zurückbauen und umstrukturieren muss, kleine Mengen braucht, um mal einen Durchbruch zu schließen und an anderer Stelle einen neuen Durchbruch zu setzen, dann ist das im Moment wirklich ein entspanntes Arbeiten.“
Viele Nachkriegsbauten sollten nach Meinung der Architektin saniert werden – und vieles ließe sich auch relativ einfach bewerkstelligen. Technisch. Eine Hürde aber bleibe bestehen: Die Erfüllung von Normen, von Bauvorschriften, wie sie heute gelten.
Die Anforderungen - sie stehen in den Bauordnungen der Länder, etwa zur Wärme- und Lärmdämmung: Ein hellhöriges Wohnungshaus aus den Sechzigern etwa muss nach erfolgreicher Sanierung neuesten Standards bezüglich der Lärmdämmung entsprechen. Aktuelle Standards gelten auch bei allem anderen: Einer Veränderung der Statik, dem Einbau von Aufzug oder Fluchttreppen, bei einer Neunutzung. Auch die Deckenhöhen von Büroräumen sind normiert, sind je nach Größe der Büros in der Arbeitsstättenverordnung vorgeschrieben.

Nachhaltigkeit steht gegen allzu penible Normerfüllung

Architekt Martin Pampus aus Bremen sieht das kritisch, verweist darauf, dass bei einer Sanierung moderne Lüftungsanlagen und Computerkabel in alten Decken untergebracht werden müssten, die Raumhöhe damit manchmal unterschritten werden müsse. Der Architekt hat unlängst ein Bürohaus aus den 1970er-Jahren saniert:
 „Wenn es dann im Einzelfall mal passieren kann, dass ich die 2,75 Meter, die vorgeschrieben empfohlen sind nach den Arbeitsstätten-Richtlinien, an der einen oder anderen Stelle nicht einhalten kann, sondern da auf 2,72 runtergehe, dann ist das in meinen Augen keine Beeinträchtigung der Arbeitsplätze an der Stelle.“
Viele seines Faches fürchteten jedoch, dass Bauherren Architekten im Nachhinein haftbar machen könnten - wenn eine Prüfbehörde oder aber auch im Fall der Deckenhöhe ein Personalrat die Nichteinhaltung der Norm monierten.
Martin Pampus setzt sich für nachhaltiges und kostengünstiges Bauen ein. Er kritisiert Vorgaben und Standards nicht generell, doch er hat die Erfahrung gemacht, dass allzu penible Normüberprüfung der Nachhaltigkeit schaden könne.
„Ich sehe in den letzten zehn, 15 Jahren Berufspraxis, dass der Grundsatz der Angemessenheit und eigentlich ein Stück weit ein bisschen einfacher formuliert, der Vernunft – des Augenmaßes, dass dies immer mehr verloren gegangen ist.“
Das aber, so Architekt Pampus, sorge mit dafür, dass viele Eigentümerinnen und Eigentümer ihre Gebäude lieber abrissen als sanierten – weil es dann einfacher sei, bei Neubauten von vorneherein die Normen zu erfüllen.

Abrissgenehmigungen braucht man in Deutschland nicht, in anderen Ländern schon

Elisabeth Broermann von „Architects for Future“ führt einen weiteren Grund für das Abreißen an: Bauherren – und auch das Gebäudeenergiegesetz – berechneten bisher nur die anfallende Energie für den Betrieb der Gebäude, also etwa für Licht und Heizung - nicht aber die sogenannte „graue Energie“:
„Es wird eben nicht einberechnet, wie viel graue Energie und graue Emissionen schon in dem bestehenden Gebäude stecken. Und wenn man die aber dazurechnen würde, wäre die Bilanz eine ganz andere. Statistiken sagen, dass je nachdem, wie neu gebaut wird, bis zu 50 Prozent der Emissionen und Energien schon in den Bestandsgebäuden stecken, also diese grauen Emissionen und Energien ausmachen.“
Was also müsste sich ändern, um Sanierung attraktiver und einfacher zu machen? Zunächst einmal müsste der Abriss erschwert werden, so Architektin Broermann, und wünscht sich ein Genehmigungsverfahren: „Wir fordern eine Abrissgenehmigung, das ist in Deutschland im Moment noch nicht der Fall. In anderen Ländern ist das schon Standard, dass man einfach nachweisen muss, dass der Abriss klimatechnisch sinnvoll ist. Im Moment kann man einfach abreißen, was man möchte.“

Es braucht eine Art Umbau-Ordnung

Und schließlich bräuchte es ein Gesetz, das nicht Neubauten favorisiert, sondern vorrangig auf den Umbau von Bestandshäusern setzt. Eine Umbau-Ordnung.
„Das ist im Moment einfach sehr kompliziert, weil jeder Planer, jede Planerin beim Bauen im Bestand immer wieder Einzelfallgenehmigungen erwirken muss. Und das ist halt sehr aufwändig. Und dadurch gibt es keine Planungs- und Kostensicherheit, und das macht es dann wiederum sehr unattraktiv sowohl für die Planer:innen als auch für die Bauherr:innen.“
Bei einer Umbau-Ordnung sind die Prioritäten also anders gesetzt. Ähnlich wie beim Denkmalschutz. Eine Umbau-Ordnung müsste mehr Spielräume bieten für die speziellen Erfordernisse älterer Gebäude. Etwa weniger harte Vorgaben beim Lärmschutz. Findet die Architektin Annemarie Bosch, Mitglied im Präsidium des Bundes Deutscher Architekten.
„Und natürlich ist es so, dass ich dann vielleicht den Nachbarn von oben drüber noch höre, aber wir könnten aus meiner Sicht durch die Weiterentwicklung von Bestand und der Akzeptanz von Rahmenbedingungen des Bestandes einfach wesentlich kostengünstiger auch eine Weiterentwicklung und ein Angebot, gerade ein Mietangebot erhalten.“
März 2021: Ein Dach eines Doppelhauses wird neu gedeckt
Sanierung eines alten Doppelhauses (picture alliance / blickwinkel / fotototo)

Bayerns Bauminister zeigt sich skeptisch

Eine gesetzliche Nachweispflicht für den Abriss von Gebäuden fordern die Einen – doch was sagen die Skeptiker? Was sagen die, die auf das schnelle Schaffen von neuem Wohnraum drängen – und die dabei der Bauwirtschaft möglichst wenige Vorgaben machen wollen?
Bayerns Bauminister Christian Bernreiter von der CSU hält Nachhaltigkeit für wichtig, aber:
„Grundsätzlich eine Nachweispflicht einzuführen und Neubauten gar nicht zuzulassen – ich glaube, das würde den großen Herausforderungen, vor denen wir momentan stehen, eben mehr Wohnraum zu schaffen, eben nicht gerecht. Grundsätzlich also ja, wir werden auch da Gespräche aufnehmen und schauen, was wir in die Gesetzgebung einbringen können, aber generell von Haus aus schon wieder eine Reglementierung – da bin ich momentan eher skeptisch demgegenüber.“
Doch auch das eher zurückhaltende Bayern ist bereits mit „Architects for Future“ im Gespräch. Letztere stellen sich nicht generell gegen Neubauten, aber sie finden, dass viele Neubauten nicht notwendig sind. Sanierung sollte ihrer Meinung nach die erste Option sein. Doch die sei nur möglich, wenn auch die Musterbauordnung auf Bundesebene verändert würde.

Ein neuer Gebäudetyp "E" mit Verzicht auf manche der über 3.000 DIN-Normen

Es gibt weitere Maßnahmen, mit deren Hilfe Architekten und Bauherren Sanierungen vorantreiben könnten. So schlägt die Bayerische Architektenkammer vor, einen neuen Bautyp zu schaffen, den sogenannten Gebäudetyp „E“.
Im Idealfall könnten sich demnach ein Architekt und ein großer Bauherr - etwa eine Wohnungsgenossenschaft oder die öffentliche Hand - darauf verständigen, ein Gebäude als einen Gebäudetyp „E“ zu planen und dabei auf bestimmte DIN-Normen zu verzichten. Nicht, weil DIN-Normen unwichtig seien, so die Architektenkammer, doch nicht jede der insgesamt mehr als 3.000 DIN-Normen sei es gleichermaßen – mit einem Gebäudetyp „E“ könnte das Bauen nachhaltiger und damit auch günstiger sein. Zum Beispiel könne man unter Umständen auf einen energieintensiven Estrich unter Teppichböden verzichten.
Zumindest im Bayerischen Landtag stieß der Gebäudetyp „E“ auf offene Ohren. Ein solcher müsste aber nicht nur im Baurecht, sondern auch im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert werden, damit Architektinnen und Architekten nicht nach Fertigstellung doch noch haftbar gemacht werden können.

Es gibt auch Gründe, die gegen eine Sanierung sprechen

Der Sanierung im Bestand haftet außer dem Risiko ein weiteres Manko an. Ihr Image ist nicht gerade gut. Der Architekt Thomas Glöckner:
„Beispiel München, beim Deutschen Museum haben sich die Sanierungskosten verdoppelt von 400 Millionen auf fast 800 Millionen. Auch ohne bösen Willen und schlechte Planung kann das in Nürnberg auch passieren. Das Gebäude ist marode, und dann ist einfach schon die Frage zu stellen: Macht es Sinn?“
Der Nürnberger ist Architekt mit internationalem Renommee, er gestaltete das Leipziger Zentralstadion mit, sein Büro entwarf auch das Nationale Hallenstadion für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Jüngst schaltete sich Glöckner in die Diskussion um die über 100 Jahre alte Oper in Nürnberg ein. Sie soll, wie andere große Opernhäuser in Deutschland, saniert werden. Glöckner stellt die Frage, ob sich eine Sanierung bei diesem Bau tatsächlich lohnen würde. Die Oper in Nürnberg: ein Stahlbetonskelett mit einer Sandsteinverblendung im Neorenaissancestil.
„Natürlich (steht) am Ende die Frage: Wie wertvoll ist die Substanz, die da steht – aus kulturhistorischer Sicht, aus Sicht des Denkmalschutzes – und insgesamt aus bauqualitativer Sicht.“
Schließlich lasse sich in dem relativ engen Bau nur schlecht ein moderner Opernbetrieb organisieren. Nur weil ein Prestigebau wie ein Opernhaus alt sei und unter Denkmalschutz stehe, müsse es nicht unbedingt ein architektonisches Meisterwerk sein, meint Thomas Glöckner.
Die Oper Köln am Offenbachplatz wird seit Jahren saniert, große Abfallcontainer stehen auf dem Vorplatz.
Sanierung kann auch dreimal so teuer wie erwartet werden - Beispiel Oper Köln (picture alliance / Geisler-Fotopress / Christoph Hardt)

Sanierungsquote von einem auf vier Prozent steigern

Zudem würden manche Sanierungsprojekte in Deutschland massiv die Zeit- und Geldbudgets vieler Kommunen übersteigen.
Ein herausragendes Beispiel: Die Sanierung der Oper in Köln 2012. Ursprünglich sollten die Arbeiten drei Jahre dauern – und gut 250 Millionen Euro kosten. Inzwischen liegen die Sanierungskosten offiziell bei etwa der dreifachen Summe – nach einer Sanierungszeit von zehn Jahren. Ein anderes Beispiel: Die Oper in Stuttgart. Dort werden inklusive Puffer für Kostensteigerungen eine knappe Milliarde für die Sanierung prognostiziert.
Jenseits von Diskussionen dieser Art fordern Klimaschützer wie „Architects for Future“, aber auch renommierte Architekturverbände, dass die Sanierungsquote bei Gebäuden generell von einem auf mindestens vier Prozent gesteigert werden sollte. Dafür aber müsse die Politik jetzt handeln. Elisabeth Broermann von „Architects for Future”:
„Uns läuft tatsächlich die Zeit davon, und da müssen wir uns ranhalten. Diese Legislaturperiode ist im Prinzip die letzte, die da noch die Stellschrauben richtig stellen kann.“

Bundesbaukonferenz im Herbst könnte noch wichtige Weichen stellen

„Architects for Future“ hoffen auf die kommende Bundesbaukonferenz im Herbst. Im September sollen die zuständigen Ministerinnen und Minister der Bundesländer zusammenkommen. In dieser Runde möchten die Aktivisten auch die Umbauordnung diskutieren, denn diese, so die Vereinigung, entfalte nur als bundesweit gültiges Gesetz Wirkung.
Der Deutschlandfunk stellte mehrere Anfragen in Berlin, um zu erfahren, wie über die Forderungen von „Architects for Future“ gedacht wird. Das sozialdemokratisch geführte Bauministerium hat dazu keine Stellung bezogen.

(*) Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Bezeichnung des Dämmmaterials Styrodur im Text und im Audio korrigiert.