Die internationale Karriere des alpinen Gesangs
Jodelmania

Bei seinem „Bummel durch Europa“ 1878 wollte Mark Twain unbedingt in den Alpen das Jodeln erleben, das er schon aus den USA kannte. Wie aber gelangte der alpine Gesang überhaupt nach Amerika?

Von Christoph Wagner | 16.01.2024
Eine junge Frau in Dirndl steht vor einer Bergkette und lacht in die Kamera.
Das Jodeln kann jeder lernen und wurde berühmt, als das Alpenland als Sehnsuchtsort beliebt wurde. (Unsplash / Stephan Seeber)
Mit dem einsetzenden Tourismus in den Alpen wurde auch die alpenländische Kultur einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Das galt vor allem für das unartikulierte Singen aus der Gurgel, wie das Jodeln in einem Reisebericht von 1810 genannt wurde.
Bald brachen die ersten Sängergesellschaften zu langen Gastspielreisen auf, um die „Tiroler Träller" in Europa zu präsentieren. Im Zuge der Alpen-Romantisierung fanden Jodelmotive auch Einzug in Kompositionen von Franz Schubert, Ludwig van Beethoven und Johann Nepomuk Hummel.

Jodelnd über den Teich

Der Gesang mit Stimmüberschlag wurde derart populär, dass die beliebteste Tiroler Sängergesellschaft, Die Rainers, 1839 zu einer Tournee nach Amerika aufbrach, wo das Jodeln mehr und mehr in andere Musikstile einsickerte, war es Operette, Varieté, Blues, Jazz oder Hillbilly.
In den 30er-Jahren steigerte sich die Begeisterung zu einer richtigen Modewelle, wobei das „Yodeling" vor allem die frühe Countrymusik erfasste und bis heute Spuren in der Musik der USA hinterlassen hat.