Russland und Belarus als Drahtzieher vermutet
Lettland: Druck durch Migranten an EU-Außengrenze nimmt zu - Schleuser nutzen vermehrt Tunnel

Die Lage an der Grenze zwischen Lettland und Belarus hat sich verschärft. Zuletzt wurden deutlich mehr unerlaubte Übertritte registriert. Die lettischen Behörden werfen Russland und Belarus vor, Migranten als Druckmittel einzusetzen, um die EU zu destabilisieren.

    Ein Soldat der lettischen Grenzpolizei steht mit einem kleinen Motorrad am Zaun an der Grenze zu Belarus.
    Auch Lettland verstärkt seine Patrouillen an der Grenze zu Belarus. (AFP / GINTS IVUSKANS)
    In diesem Jahr wurden bisher 9.000 versuchte Grenzübertritte registriert, meldet der öffentlich-rechtliche Sender LSM. Das seien bereits jetzt rund 2.200 mehr als im gesamten Vorjahr. In den vergangenen Wochen sei die Lage noch einmal angespannter geworden. Die Migranten stammen überwiegend aus Afrika und Zentralasien. Sie werden den Behörden zufolge vermehrt durch Tunnel in das EU-Land geschleust.
    Der Chef des lettischen Grenzschutzes, Guntis Pujats, beklagte zudem eine zunehmende Gewaltbereitschaft von Schleusern. "Wir müssen spezielle Ausrüstung, Waffen und Warnschüsse einsetzen, um illegale Grenzübertritte zu verhindern." Er forderte deshalb Unterstützung durch die lettische Armee. 

    Auch in Polen und Litauen Tunnel entdeckt

    Auch in Polen und Litauen waren in den vergangenen Wochen Tunnel unter Zäunen an der Grenze zu Belarus entdeckt worden. Sie waren etwa 1,5 Meter tief in den Boden gegraben und mit Baumstämmen und Brettern verstärkt. Mehrere Schleuser wurden festgenommen.

    "Hybride Kriegsführung gegen den Westen"

    Polen und die baltischen Staaten werfen Russland und Belarus seit Längerem vor, Migranten aus Krisenregionen anzulocken und dann an die EU-Außengrenze zu bringen. "Das ist Teil der hybriden Kriegsführung gegen den Westen", sagte Nika Aleksejeva vom NATO-Kompetenzzentrum für strategische Kommunikation der ARD. Ziel sei es, das Gefühl zu vermitteln, dass die EU ihre Grenzen nicht verteidigen könne.
    Die EU-Länder mit Grenzen zu Russland und Belarus haben deshalb ihren Grenzschutz massiv verstärkt und mehrere Übergänge geschlossen. Polen setzte zudem das Recht auf Asyl vorübergehend aus.

    Litauen: Russland erwägt mögliche Provokationen im Baltikum

    Litauens Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben außerdem Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten unter Einsatz ukrainischer Drohnen erwägen könnte. Verteidigungsminister Kaunas bestätigte einen entsprechenden Medienbericht. Er sprach von einer möglichen "False-Flag"-Operation. Demnach könnte Russland abgefangene ukrainische Drohnen einsetzen, um die Herkunft eines möglichen Angriffs auf NATO-Gebiet zu verschleiern und diesen zu bestreiten.

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    Diese Nachricht wurde am 07.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.