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Newsblog zum Coronavirus+++ Weitere Einschränkungen in mehreren Bundesländern +++

Ein Hinweisschild mit der Aufschrift "Maskenpflicht" hängt am Eingang eines Kaffeestandes auf dem Wochenmarkt in Kiel. (dpa /  Frank Molter)
Maskenpflicht in Schleswig-Holstein (dpa / Frank Molter)

Wegen steigender Corona-Zahlen treten in mehreren Bundesländern weitere Einschränkungen in Kraft. In Tschechien plant die Regierung, den Notstand zu verlängern. Bundeskanzlerin Merkel dankt den Pflegekräften für ihren Einsatz in der Pandemie. Weitere Entwicklungen in unserem Newsblog.

Dienstag, 27. Oktober

+++ In Schleswig-Holstein wurde der Spielbetrieb etwa im Amateurfußball verboten. Ministerpräsident Günther erklärte, in den nächsten drei Wochen dürften sich nur noch 10 Personen im Freien treffen. Das gelte auch für den Sport.

Nach einem Beschluss des Berliner Senats dürfen an Messen, Tagungen oder Sportveranstaltungen in Innenräumen nur noch maximal 300 Menschen zusammenkommen statt bisher 1000, draußen nur noch 500 statt bisher 5.000 Menschen.

Die Stadt Köln verhängte für den traditionellen Karnevalsauftakt am 11.11. ein Alkoholkonsum- und -verkaufsverbot. Oberbürgermeisterin Reker appellierte an alle, an diesem Tag zu Hause zu bleiben.

+++ Die tschechische Minderheitsregierung will den seit Anfang Oktober geltenden Notstand um einen Monat bis zum 3. Dezember verlängern. Ministerpräsident Andrej Babis von der populistischen Partei ANO kündigte an, er werde dies im Parlament beantragen, um Gesundheit und Leben der Bürger zu schützen.

Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis bei der Besichtigung eines Feldkrankenhauses in Prag, in dem Covid-19-Patienten behandelt werden sollen. (dpa/CTK/Michal Krumphanzl)Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis bei der Besichtigung eines Feldkrankenhauses in Prag, in dem Covid-19-Patienten behandelt werden sollen. (dpa/CTK/Michal Krumphanzl)

Der Ausnahmezustand ermöglicht es der Regierung, die Bürgerrechte einzuschränken und Krisenmaßnahmen ohne Zustimmung des Parlaments zu treffen. In Tschechien haben sich nach Angaben der EU-Gesundheitsagentur ECDC binnen 14 Tagen knapp 1380 Menschen je 100.000 Einwohner angesteckt. Das war nach Belgien der zweithöchste Wert in der EU.

+++ Der polnische Ministerpräsident Morawiecki fordert ein Ende der Massenproteste gegen das verschärfte Abtreibungsrecht. Der PiS-Politiker verwies dabei auf die Corona-Pandemie. Die Demonstrantinnen und Demonstranten würden die massiven Risiken missachten, die vom Wiedererstarken der Seuche ausgingen.

+++ Die Labore in Deutschland haben erneut gefordert, die Zahl der Corona-Tests auf das Notwendige zu beschränken. Es mangele bereits an Material, aber auch Mitarbeiter seien knapp, erklärte der Vorsitzende des Verbands der Medzin-Labore, Müller, in Berlin. Bei der unnötigen Testung von Reiserückkehrern im Sommer seien mindestens 100.000 Tests "verballert" worden – bei einer Positivrate von 0,3 Prozent. Die fehlten jetzt. Hinzu kämen im Herbst auch noch die Influenza-Proben, die die Labore zu bewältigen hätten. Getestet werden sollten deshalb nur Menschen, die die Corona-Tests vordringlich brauchten, so Müller.

Röhrchen für Corona-Tests stehen in einem Labor. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)Röhrchen für Corona-Tests stehen in einem Labor. (picture alliance/dpa/Hendrik Schmidt)

+++ Bundeskanzlerin Merkel hat den Pflegekräften für ihren Einsatz in der Corona-Pandemie gedankt. Sie sei sich bewusst, dass man ihnen viel zugemutet habe, sagte Merkel bei einem Treffen mit Vertretern der Konzertierten Aktion Pflege im Kanzleramt. Mit Blick auf die Schutzkonzepte gegen die Pandemie betonte Merkel, dass keine Gruppe ausgegrenzt werden dürfe. Ziel sei es, Kranke und Pflegebedürftige sowie Menschen mit Behinderungen bestmöglich zu schützen, ohne sie aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen. Hier zeige sich, wie solidarisch und menschlich eine Gesellschaft sei.

+++ Das bayerische Landeskabinett hat sich auf weitere Finanzhilfen für die Kulturbranche in Corona-Zeiten verständigt. So sollen etwa Solo-Selbstständige von Oktober bis Ende des Jahres als Ersatz für entfallenden Unternehmerlohn mit bis zu 1.180 Euro im Monat unterstützt werden. Bis Mitte des kommenden Jahres verlängert werden demnach Hilfen für Kinos, Laienmusik und Spielstätten. Das Programm für letztere wurde dahingehend erweitert, dass auch Kulturveranstalter ohne eigene Spielstätte Anträge stellen dürfen.

+++ Der Immunschutz gegen eine erneute Coronavirus-Infektion nimmt laut einer Studie aus Großbritannien schneller ab als vermutet. Forscher des Imperial College in London haben Menschen untersucht, die sich im März beziehungsweise April mit dem Coronavirus infiziert hatten und bei denen schon wenig später keine Antikörper im Blut mehr nachweisbar waren. Der Antikörperspiegel fiel demnach von 6,6 Prozent Ende Juni auf 4,4 Prozent im September. Das deute darauf hin, dass einmal infizierte Menschen nicht mehr ausreichend vor einer zweiten Ansteckung geschützt seien. Auch wer positiv auf Antikörper getestet sei, sollte daher einen Mund-Nasen-Schutz tragen, forderte der Leiter der Studie, Paul Elliott.

Auch in anderen Studien war auf den schnellen Rückgang der Antikörper im Blut hingewiesen worden. Antikörper gelten bei den meisten Virusinfektionen als der wichtigste Faktor für Immunität.

+++ FIFA-Präsident Gianni Infantino ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte der Fußball-Weltverband am Dienstag mit. Der 50-Jährige weise "leichte Symptome" auf und habe sich sofort in Selbstisolierung begeben. Der Schweizer werde für "mindestens zehn Tage" in Quarantäne verbleiben.

+++ In Deutschland sind deutlich mehr Pakete im Umlauf als vor der Corona-Pandemie. Das geht aus einer Marktanalyse für den Bundesverband Paket und Expresslogistik hervor. Die Paketsendungen nahmen demnach im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,9 Prozent zu. Für die Weihnachtszeit rechnet der Verband noch einmal mit einem Verdopplung der Zuwächse bei den Paketsendungen für private Haushalte.

Ein DHL-Mitarbeiter mit Mund-Nase-Schutz liefert in Stuttgart Pakete aus. (imago/Arnulf Hettrich)Ein DHL-Mitarbeiter mit Mund-Nase-Schutz liefert in Stuttgart Pakete aus. (imago/Arnulf Hettrich)

+++ Bundeswirtschaftsminister Altmaier rechnet Ende der Woche mit 20.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag in Deutschland. Altmaier sagte bei einem Deutsch-Französischen Wirtschaftstag, man habe es mit einem exponentiellen Wachstum zu tun. Der CDU-Politiker forderte konkrete Maßnahmen, um die Ausbreitung einzudämmen.

+++ EU-Kommissionsvizepräsident Schinas ist positiv auf das Coronavirus getestet worden und hat sich in Selbstisolation begeben. Das teilte der 58-Jährige auf Twitter mit.

Ein Kommissionssprecher erklärte, Schinas' positiver Test werde absehbar keine Auswirkungen auf das übrige Kollegium haben, da bei allen Kontakten und Sitzungen strenge Vorsichtsmaßnahmen gültig seien.

+++ Papst Franziskus wird die diesjährigen Weihnachtsfeierlichkeiten ohne Gläubige abhalten. Das vatikanische Staatssekretariat habe die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaften darüber in einer Verbalnote informiert, verlautete aus diplomatischen Kreisen in Rom. Das Kirchenoberhaupt wird die Liturgien der Weihnachtszeit demnach "in privater Form" feiern. Die dabei übliche Anwesenheit des diplomatischen Corps ist nicht vorgesehen.

+++ Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut 11.409 neue Corona-Infektionen binnen eines Tages gemeldet. Am Dienstag vor einer Woche hatte die Zahl bei 6.868 gelegen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg im Vergleich zu den Angaben von gestern um 42 auf 10.098. Die Reproduktionszahl lag in Deutschland laut RKI-Bericht bei 1,37. Das bedeutet, dass zehn Infizierte knapp 14 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet ein etwa zehn Tage altes Infektionsgeschehen ab.

+++ Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland wird weiter über stärkere Einschränkungen diskutiert. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Strobl sprach sich für einen kurzzeitigen Lockdown aus. Der baden-württembergische Innenminister sagte dem Nachrichtenportal "ThePioneer", wenn die Zahlen sich weiter so entwickelten, müsse man auch mal für eine Woche "alles dicht machen". Bundeskanzlerin Merkel wird morgen mit den Ministerpräsidenten über weitere Schritte beraten. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, regt sie an, Bars und Restaurants zu schließen und Sperrstunden einzurichten. Der Ökonom Straubhaar warnte dagegen vor einem erneuten bundesweiten Lockdown. Anstatt in Hysterie zu verfallen, solle man die Zahlen in Kauf nehmen und prüfen, wo man mit vergleichsweise geringen Maßnahmen hohe Wirkung erzielen könne, . Die Gesellschaft müsse lernen, mit dem Virus zu leben, damit die Wirtschaft überleben könne.

+++ In der Slowakei soll die gesamte Bevölkerung auf das Coronavirus getestet werden. Die Regierung hat dafür die beiden kommenden Wochenenden eingeplant. Der nationale Corona-Krisenstab habe den Plan abgesegnet, nachdem eine Pilotphase am vergangenen Wochenende erfolgreich verlaufen sei, teilte Regierungschef Matovic mit. In den beiden nächsten Phasen sollen binnen vier Tagen, jeweils samstags und sonntags, alle über zehn Jahre alten Einwohner einem Antigen-Schnelltest unterzogen werden - insgesamt knapp fünf Millionen Menschen.

+++ Angesichts der steigenden Zahl an Corona-Infektionen in Russland werden die Auflagen verschärft. Wie die Nachrichtenagentur Ria berichtet, ordnete die Verbraucherschutz-Behörde eine Sperrstunde für Restaurants und Bars an. Die Lokale müssten von 23 Uhr in der Nacht bis sechs Uhr in der Früh geschlossen bleiben. Innerhalb eines Tages registrierten die Behörden zuletzt 16.550 neue Infektionen, mehr als 4.300 davon allein in der Hauptstadt Moskau.

+++ Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Westerfellhaus, rät Familien wegen der Corona-Pandemie dazu, in diesem Jahr Weihnachten im Schichtsystem zu feiern. Das Weihnachtsfest müsse möglichst entzerrt werden, um die Gefahr von Ansteckungen möglichst gering zu halten, sagte er der "Bild-Zeitung". Er rate daher dazu, lieber mit weniger Menschen und dafür doppelt zu feiern. Es könnten unterschiedliche Haushalte an unterschiedlichen Tagen Weihnachten miteinander verbringen. Auch mit Blick auf die Pflegeheime empfahl Westerfellhaus gestaffelte Treffen. Er könne heute aber nicht sagen, ob Besuche an Weihnachten in allen Pflegeeinrichtungen möglich seien.

Corona setzt auch Halloween und Martinsumzügen zu - ein Überblick.

+++ Die weltweit steigenden Infektionszahlen bereiten der deutschen Exportwirtschaft zunehmend Sorgen. Die Exporterwartungen der Industrie fielen im Oktober um 3,7 auf 6,6 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Besonders die Corona-Lage bei wichtigen Handelspartnern wie Frankreich, Italien und Spanien schüre die Angst vor einer nachlassenden Nachfrage.

+++ Fast zwei Drittel der Deutschen rechnen damit, dass es wegen der dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen wieder zu Schließungen von Geschäften, Restaurants oder Schulen kommen wird. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 63 Prozent, dass sie einen solchen Lockdown erwarten. Nur 23 Prozent glauben nicht daran, 13 Prozent machten keine Angaben. Unter einem Lockdown versteht man weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Mitarbeiter betreuen einen Coronapatienten auf der Intensivstation. Die Zahl der Coronapatienten auf den Intensivstationen nimmt während der zweiten Coronawelle weiter zu. (picture alliance / ANP / Marco de Swart)Genügend Intensivbetten scheint es in Deutschland zu geben, aber das Personal könnte knapp werden. (picture alliance / ANP / Marco de Swart)

+++ Intensivmediziner warnen vor Engpässen bei der Versorgung von Covid-19-Patienten wegen des Fehlens von Pflegepersonal. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Janssens, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, man habe einen dramatischen Mangel an Pflegekräften. Es gebe inzwischen ausreichend Kapazitäten an freien Intensivbetten und Beatmungsgeräten. Das allein helfe aber nicht weiter, wenn man kein Personal habe, um die Patienten zu versorgen. Grob geschätzt fehlten bundesweit 3.500 bis 4.000 Fachkräfte für die Intensivpflege, sagte Janssens. 

+++ In Italien haben gestern Abend erneut zahlreiche Menschen teilweise gewaltsam gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. In Turin schlugen Demonstranten Schaufenster ein und warfen Flaschen und Feuerwerkskörper auf Polizisten. Die Polizei setzte Tränengas ein. Für die Ausschreitungen machten die Behörden unter anderem Mitglieder der Fußball-Ultra-Szene verantwortlich. Auch in Mailand kam es am Rande einer Demonstration zu Ausschreitungen. Die Proteste richten sich gegen die jüngsten Regelungen, nach denen Bars und Restaurants um 18 Uhr schließen müssen. Kinos, Schwimmbäder und Fitnessstudios öffnen zurzeit gar nicht.

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