Antigentests Omikron könnte die Zuverlässigkeit von Schnelltests senken

Schnelltests sind hierzulande ein entscheidender Pfeiler bei der Pandemie-Bekämpfung. Doch es ist unklar, wie gut sie bei der Omikron-Variante anschlagen. Zwei Dinge gilt es zu unterscheiden: Erstens, wie gut der Test das Virus erkennt. Zweitens, wie viel Virenmaterial man bei einem Abstrich sammelt.

Von Piotr Heller | 07.01.2022

Antigen-Schnelltest-Set
Jeder kennt sie: die Antingen-Schnelltest für zuhause (imago / Eibner)
Nur einige Tage, nachdem im November die neue Corona-Variante Omikron aufgetaucht war, begann ein Rätselraten darüber, ob die Schnelltests sie erkennen können. Erst meldeten die Test-Hersteller: Unsere Produkte erkennen Omikron! Vor Weihnachten zeigte jedoch eine Studie aus Genf, dass einige Tests bei Omikron nicht so zuverlässig sind. Zwischen den Jahren schrieb die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA: Bei echten Proben von Omikron-Patienten sind einige Tests weniger zuverlässig, verwendet man aber präparierte, abgetötete Viren, funktionieren sie wie gehabt.
Daraufhin entgegnete das Paul-Ehrlich-Institut: Die handelsüblichen Schnelltests sind für den Nachweis der Omikron-Infektion geeignet. Auf den ersten Blick ist das alles widersprüchlich – und lässt sich doch erklären. Vorab aber die gute Nachricht von Ulf Dittmer, Virologe an der Universität Essen: „Es ist so, dass vor allen Dingen die Virologin Sandra Ciesek in Frankfurt durch den Flughafen dort eine Reihe von handelsüblichen Antigen-Tests ausprobiert hat. Wir selber haben dann auch einige ausprobiert. Die haben alle die Omikron-Variante erkannt.“

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Die handelsüblichen Tests funktionieren im Grunde schon. Um die widersprüchlichen Beobachtungen zu erklären, muss man zwei Dinge unterscheiden. Erstens: Wie gut der Test an sich das Virus erkennt. Zweitens: Wie viel Virenmaterial man bei einem Abstrich sammelt. Beginnen wir mit den Tests an sich. Die meisten erkennen einen Baustein des Virus, das so genannte N-Protein. Auch hier hat Omikron Mutationen.

Manche Tests reagieren weniger sensitiv auf Omikron

„Insofern kann es sein, dass dieser Antigen-Test teilweise schlechter funktioniert. Es gibt wohl auch einzelne, die kaum funktionieren. Das sind nicht so die handelsüblichen in Deutschland.“ Das wäre eine Erklärung für die Ergebnisse aus Genf, die zeigen, dass manche Tests weniger sensitiv auf Omikron reagieren. Was im Klartext bedeutet: Ihnen rutschen mehr Infektionen durch. Zudem gibt es in Deutschland mindestens zwei Tests auf dem Markt, die das stark mutierte Spike-Protein erkennen. Deren Hersteller hat das Gesundheitsministerium nun aufgefordert, die Sensitivität bei Omikron zu prüfen.
Der zweite Punkt ist die Virenmenge beim Abstrich. Die ist bei Omikron anders: „Tatsächlich ist es so, dass wir wissen, dass bei Omikron offensichtlich weniger Virus gebildet wird im Nasen-Rachen-Bereich als bei Delta und auch nur kürzer.“
Grafik zeigt die mittlere Inkubationszeit bei Omikron, Delta und früheren Varianten
Die mittlere Inkubationszeit ist bei Omikron etwa zwei Tage kürzer als bei den früheren Varianten, zeigen erste Studien. (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Möglicherweise schlagen Schnelltests bei Genesenen schlechter an

Das bedeutet, man hat einen geringeren Zeitraum, in dem sich genug Viren gebildet haben, um den Test anschlagen zu lassen. Das erklärt wiederum die Beobachtung aus den USA mit echten Proben von Patienten. Hier kommt aber noch eine weitere Schwierigkeit hinzu: „Wir wissen, dass Antikörper, die beim Menschen vorkommen, auch einen Einfluss haben können auf die Funktion des Antigen-Schnelltests. Das bedeutet, dass Personen, die genesen sind, auch Antikörper gegen das Nukleocapsid-Protein haben, und diese Antikörper können, wenn die sich wieder infizieren, interferieren mit dem Antigen-Schnelltest.“
Es kann also sein, dass die Schnelltests bei Genesenen, die sich dann mit Omikron anstecken, schlechter anschlagen. Und weil die Variante einen bestehenden Immunschutz austricksen kann, ist eine Wiederansteckung gar nicht so unwahrscheinlich. Ob das eine Erklärung für die Beobachtung aus den USA ist, kann man nicht sagen, denn die FDA nennt keine Details. All diese Wissenslücken muss man schließen, bevor man allgemeine Aussagen trifft wie: „Die Tests sind auch für Omikron geeignet!“, sagt Ulf Dittmer. Dafür wären große, systematische Studien nötig. Die dauern. Und so lange muss man mit der Unsicherheit umgehen.

PCR-Tests sind der diagnostische Goldstandard

Dittmer: „Das ist weiterhin, dass Antigentests ihre Bedeutung haben. Aber natürlich ist es so, dass wir damit leben müssen, dass wir mehr Infektionen als bei Delta übersehen. In der Schule oder im Kindergarten wird hier in NRW versucht, dagegen zu wirken, indem man mehr PCR-Pool-Tests macht und weniger Antigentests in diesen Einrichtungen. Und auch wir versuchen bei unseren Mitarbeitern frühzeitig, zum Beispiel bei Reiserückkehrern, eher den PCR-Test anzubieten. Das ist eine der Reaktionen auf Omikron.“