Das Recht der Stärkeren - Wie das Leistungsprinzip den Sozialstaat zu verändern droht
Von Lea De Gregorio
Der Sozialstaat unter Druck: Kürzungen bei Gesundheit, Pflege und Inklusion folgen einer alten Logik - der Macht des Stärkeren. Woher kommt dieses Denken, und welche Gesellschaft entsteht, wenn Leistungsfähigkeit über Teilhabe entscheidet?
Menschen sollen mehr arbeiten. Alle müssen vermeintlich mitwirken, um die Wirtschaft voranzubringen. Zugleich sollen die Gelder, die einmal in Gesundheit, Pflege und Inklusion geflossen sind, künftig gekürzt werden. Diejenigen, die in der Gesellschaft als schwach gelten, zurückstecken. Dahinter verbirgt sich eine alte Logik: die Macht des Stärkeren. Eine Macht, die heute, so scheint es, einige als selbstverständliches Recht ansehen.
Dieses vermeintliche Recht hat Wurzeln in der Antike. Es findet sich bei Platon, führte später zu beispielloser Vernichtung. Es kommt in verschiedenen Formen immer wieder auf. Was ist das für eine Gesellschaft, in der die Starken, womit wir häufig meinen: die Gesunden, Angepassten, Unversehrten, überlegen sein sollen? Und vor allem: Wollen wir heute in solch einer Gesellschaft leben?
Lea De Gregorio ist Schriftstellerin und Journalistin und lebt in Berlin. Sie hat Kulturwissenschaft und Philosophie studiert und schreibt über Macht, Diskriminierung und andere gesellschaftspolitischen Themen. Ihre Texte erscheinen unter anderem bei Deutschlandradio, in der taz und der ZEIT. 2024 erschien ihr Buch „Unter Verrückten sagt man du“, eine Psychiatrie- und Gesellschaftskritik, bei Suhrkamp.