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Gefahr aus dem Weltall?
Asteroid knapp an der Erde vorbeigeschrammt

Nur 3.600 Kilometer entfernt war der Asteroid 2023 BU, als er am frühen Morgen des 27. Januars an der Erde vorbeiflog - kosmisch gesehen war es ein knappes Vorbeischrammen. Entdeckt worden war der Gesteinsbrocken erst wenige Tag zuvor.

Von Karl Urban | 27.01.2023
Ein Diagramm, das zeigt, wie nahe der Asteroid "2023 BU" an der Erde vorbeigeflogen ist.
Der Asteroid "2023 BU" ist so nahe an der Erde vorbeigezogen wie kaum ein anderer Himmelskörper zuvor. (AP)
Am 27. Januar 2023 um 1:29 Uhr (MEZ) war es soweit: Der Asteroid 2023 BU flog an der Erde vorbei. Nur rund 3.600 Kilometer lagen zwischen dem Asteroiden und der Südspitze Südamerikas - kaum weiter als die Entfernung zwischen Berlin und Teheran. Entdeckt hatte den Gesteinsbrocken von vier bis acht Meter Durchmesser ein Hobbyastronom nur wenige Tage zuvor.

Wie gefährlich war der Vorbeiflug von 2023 BU?

2023 BU kam der Erde sehr nahe - der Vorbeiflug dürfte zu den zehn nächsten der vergangenen 20 Jahre gehören, bei denen der Himmelskörper vorher entdeckt wurde. Das Asteroid war aber zu klein, um uns wirklich gefährlich zu werden. Wäre er der Erde noch näher gekommen, wäre er in die Atmosphäre geraten, sehr heiß geworden und möglicherweise zerplatzt. Am Boden wären dann im schlimmsten Fall wenige kleine Trümmer niedergegangen. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese ein Gebäude oder einen Mensch hätten treffen können, wäre sehr gering gewesen. Selbst einen Krater hätten die Brocken nicht hinterlassen.

Warum wurde 2023 BU erst spät entdeckt?

Den Himmelskörper erspäht hatte Gennadi Borissow am Margo-Observatorium auf der Krim. Der der Amateurastronom hat schon mehrere Asteroiden und Kometen entdeckt, darunter 2019 2I/Borisov, der erste bekannte interstellare Komet. Das Weltall ist allerdings keineswegs schlecht überwacht. Es gibt Teleskope wie das ATLAS-Teleskop der NASA, das alle 48 Stunden den Himmel komplett absucht. Trotzdem hat jedes Teleskop blinde Flecken: Etwa bei Vollmond, wenn Wolken aufziehen. Auch die zunehmende Zahl von Satelliten, die die Erde umkreisen, kann Schwierigkeiten bereiten.
Man kann es eher andersherum sehen: Es ist eine besondere Leistung, einen vier bis acht Meter großen Brocken schon sechs Tage vor dem Vorbeiflug zu entdecken. Um wirklich gefährliche Brocken aufzuspüren, wird bereits viel getan. Die NASA-Mission NEO Surveyor soll Asteroiden und Kometen in wenigen Jahren aus dem All aufspüren.

Was hätte vor einem möglichen Zusammenprall getan werden können?

Man könnte die Menschen in der betroffenen Region warnen. Im Februar 2013 zerplatzte ein Meteor über der Stadt Tscheljabinsk, damals ohne Vorwarnung. Es gab mehr als 1.500 Verletzte, vor allem weil durch die Druckwelle Fensterscheiben zerbarsten. Mit nur kurzem Vorlauf hätte man die Menschen davor warnen können, sich ans Fenster zu stellen.
Natürlich gibt es auch die Option, einen Asteroiden abzuwehren - das hat die NASA vergangenen September mit ihrer DART-Mission erprobt. Dabei prallte eine Sonde gezielt in den Asteroiden Dimorphos und veränderte seine Bahn. Eine so aufwändige Mission ist aber nur bei großen Himmelskörpern sinnvoll, die auf der Erde schwere Zerstörungen anrichten könnten. Zudem benötigt so ein Vorhaben Jahre oder Jahrzehnte der Planung.

Wie häufig wird die Erde fast von Asteroiden getroffen?

Gar nicht so selten. Jedes Jahr erreichen die Erde einige hundert Tonnen Meteoriten - so klein, dass wir davon nichts merken. Oder wir sehen schöne Meteor-Ströme, also besonders viele Sternschnuppen, wie die Perseiden im August oder die Leoniden im November. Ungefähr einmal im Jahr tritt ein Objekt in unsere Atmosphäre ein, das so groß ist wie ein Auto. Nach NASA-Angaben erreicht uns statistisch alle 2000 Jahre ein Objekt, das so groß ist wie ein Sportstadion. Dabei können große regionale Schäden entstehen.
Alle paar Millionen Jahre ist laut Statistik mit einem sogenannten Zivilisationskiller zu rechnen, einem Asteroiden mit einem Durchmesser von 300 Metern und mehr. Überraschen dürfte die Menschheit ein solcher Himmelskörper kaum: Die Wissenschaft geht davon aus, dass 99 Prozent der Asteroiden dieser Größe bekannt sind. Anders sieht es bei kleineren Vertretern wie 2023 BU aus. Von diesen Brocken werden immer mehr entdeckt, weil der Himmel immer besser nach ihnen abgesucht wird. Alle werden dabei aber wohl nicht aufgespürt.