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Abwehr gefährlicher Asteroiden
Erfolgreicher Test mit der NASA-Raumsonde DART

Die NASA hat es geschafft, einen Asteroiden von seiner Umlaufbahn abzubringen. Das zeigen die Ergebnisse vom Flug der Sonde DART, die jetzt vorliegen: Nach dem Einschlag der Sonde hat sich die Umlaufzeit des Asteroiden deutlich verringert.

Von Dirk Lorenzen | 12.10.2022
Dart-Sonde kollidiert mit einem Asteroiden
Dart-Sonde kollidiert mit einem Asteroiden (IMAGO / ZUMA Press / IMAGO / NASA / Johns Hopkins)
In der Nacht vom 26. auf den 27. September ist zum ersten Mal ein Raumfahrzeug absichtlich mit einem Asteroiden kollidiert. Die US-Raumfahrtbehörde NASA ließ die Sonde DART gezielt mit dem Asteroidenmond Dimorphos zusammenstoßen, um dessen Umlaufbahn zu verändern. Ziel der Mission war es zu testen, ob die Erde durch ein solches Manöver vor einem herannahenden Himmelskörper geschützt werden könnte. Die NASA sprach nach der erfolgreichen Kollision vom Beginn einer "neuen Ära".
Nun ist klar, dass auch das Ziel der Kollision erreicht wurde: Die Umlaufbahn des Asteroiden wurde verändert. Mehr noch, die Umlaufzeit von Dimorphos wurde deutlich verringert.

Was passiert, wenn eine Raumsonde wie DART auf einen Asteroiden prallt?

Als DART den Asteroiden getroffen hat, war ein helles Aufleuchten zu sehen. Zudem wurde viel Material aus dem Einschlagskrater der Sonde herausgeschleudert. Noch immer zeigt der gut 150 Meter große Asteroid eine Art Schweif. Und in den letzten Wochen stelle sich heraus, dass auch das Hauptziel der Mission erreicht wurde: Die Bahn des Asteroiden ist jetzt deutlich anders. Der kleine Dimorphos ist ein Mond des größeren Asteroiden Didymos. Vor dem Einschlag hat er fast 12 Stunden für einen Umlauf gebraucht, jetzt ist er auf einer etwas engeren Bahn und braucht eine halbe Stunde weniger. Das DART-Team jubelt.

Eine Verringerung der Zeit für einen Umlauf um 30 Minuten - ist das viel?

Vor der Kollision galt als Minimalziel eine Veränderung der Umlaufzeit des Asteroiden um mindestens eine Minute, mit etwa zehn Minuten hatte man gerechnet, nun ist es mehr als dreimal so viel geworden.

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Wie messen die Forschenden die verringerte Umlaufzeit?

Sie beobachten das mit Teleskopen von der Erde. Dabei kommen auch Radarwellen zum Einsatz. Mit großen Radioschüsseln lässt sich der Tanz der beiden Asteroiden präzise per Radar verfolgen. Noch nicht ganz klar ist, welchen Anteil die Kollision selbst hat. Denn auch das heraus geschleuderte Material hat wohl einen Effekt. Als die vielen Tonnen von Staub und Geröll vom Asteroiden aufstiegen, gab das einen Rückstoß – salopp spricht man vom „Raketeneffekt“. Dafür muss man erst mehr über die Zusammensetzung des Asteroiden in Erfahrung bringen.

Kann man sich den Asteroiden nicht als großen Gesteinsbrocken vorstellen?

Wie erfolgreich so ein Rammen ist, hängt sehr stark vom Material des Asteroiden ab. Im schlimmsten Fall ist der ziemlich fluffig aufgebaut, dann "tunnelt" die Raumsonde hinein, überträgt aber nur wenig Impuls. Auch deshalb wird in vier Jahren noch eine ESA-Sonde den Doppelasteroiden anfliegen, den Krater untersuchen usw..

Waren oder sind die beiden Asteroiden eine Gefahr für die Erde? 

Nein, Didymos und Dimorphos sind völlig harmlos.

Was wäre, wenn ein Asteroid Kurs auf die Erde nimmt, wie im Film "Don't look up!"? Zeigt die DART-Mission, dass eine Rettung möglich ist?

Sie zeigt, dass die Idee grundsätzlich funktioniert: Eine kleine Raumsonde kann einen viel größeren Asteroiden ein wenig aus der Bahn schubsen. Damit ließe sich auch ein gefährliches Objekt vom Kollisionskurs mit der Erde abbringen. Aber das muss viele Jahre vor dem möglichen Einschlag geschehen. Die minimale Änderung der Bahn muss sich erst langsam aufschaukeln, damit der Asteroid im entscheidenden Moment die Erde verfehlt. Man kann auf diese Weise nicht einen Treffer verhindern, der in wenigen Tagen oder Wochen droht.

Wie groß ist die Gefahr durch Asteroiden?

Über 1.400 Objekte stehen derzeit auf der Risikoliste. Aber viele Objekte sind noch gar nicht bekannt. Es geht nicht darum, ob die Erde mal wieder gerammt wird, sondern nur, wann das passiert. Die Gefahr besteht grundsätzlich immer, aber zu Panik besteht kein Anlass.

Wenn eine Kollision droht: Wer entscheidet, was zu tun ist?

Damit beschäftigt sich ein Gremium der Vereinten Nationen. Da ist hoch politisch. Angenommen, es droht der Treffer eines 200-Meter-Objekts in 100 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:30. Dieser Brocken wird also vermutlich einfach an der Erde vorbeifliegen. Aber mit einer geringen Wahrscheinlichkeit trifft er sie eben doch – dann wäre der Schaden immens. Wären wir heute bereit, einige hundert Millionen Euro für eine Mission auszugeben, die einen möglichen Einschlag in 100 Jahren verhindert? Oder sagen wir, darum sollen sich die Menschen in 20 oder 30 Jahren kümmern? Solche Debatten werden wir in einigen Jahren sicher erleben.