
Die kleinen modularen Reaktoren erleben gerade einen Hype. Sie sind eine verführerische Idee – aber sie bergen etliche Risiken. Im Prinzip laufen kleine Reaktoren seit Jahrzehnten vor allem im militärischen Bereich – etwa auf Atom-U-Booten, Eisbrechern oder Flugzeugträgern. Nun sollen sie die zivile Strom- und Wärmeerzeugung umkrempeln. Sie sind die Hoffnungsträger der Nuklearindustrie, auch wenn sie jenseits von Russland und China bislang nur virtuell im Computer existieren.
Ihr zentrales Versprechen: günstiger, schneller, sicherer. Sicherer, weil ein einfacheres Design weniger fehleranfällig sein soll und weil man wegen der geringeren Größe stärker auf passive Sicherheit setzen kann. Günstiger sollen die kleinen Reaktoren werden, wenn sie eines Tages in Fabriken standardisiert gefertigt und vor Ort montiert werden – einzeln oder als Park aus mehreren Modulen.
Warum kleine Reaktoren bisher zu teuer waren
In Europa verfolgen etliche Länder diese Pläne. Meist geht es um verkleinerte Varianten erprobter Konzepte, aber auch um Exotischeres, Konzepte, die zwar auf dem Papier attraktiv wirken, bei denen praktisch aber viele Fragen offen sind.
Hinter dem Versprechen von „günstiger, schneller und sicherer“ verbirgt sich ein ganzer Rattenschwanz an Bedenken – angefangen bei den Kosten. Der historische Grund, warum sich diese Reaktoren im zivilen Strommarkt nicht durchgesetzt haben, ist banal: Sie waren zu teuer. Große Anlagen profitieren von Skaleneffekten, kleine nicht. Serienfertigung könnte das zwar ändern – aber nur, wenn wirklich viele Einheiten gebaut werden. Deshalb versuchen europäische Programme, Entwurf und Regulierung früh und länderübergreifend zu verzahnen. Das wird kritisch, wenn der Wunsch, Reaktorkonzepte schnell zuzulassen und die gegenseitige Anerkennung von Zulassungs- und Sicherheitsprüfungen dazu führen, dass nationale Sicherheitsanforderungen verwässert werden. Ausschließen lässt sich das nicht.
Klein heißt nicht automatisch sicher
Dazu kommen systemische Risiken. Nur ein paar Beispiele: Die Anlagen sind nicht im Langzeitbetrieb erprobt. Und um die Leistung eines Großreaktors zu ersetzen, braucht man viele Module. Ob die Summe vieler kleiner Reaktoren mit jeweils rechnerisch geringerem Risiko am Ende tatsächlich „sicherer“ ist, das ist offen: Mehr Einheiten bedeuten mehr Schnittstellen, mehr mögliche Störungen – und potenziell mehr Angriffspunkte für Sabotage oder Terror, vor allem bei verteilten Standorten.
Und dann ist da noch die Brennstoff-Frage: Manche Designs brauchen höher angereicherten Brennstoff. Das bedeutet: mehr Möglichkeiten, Brennstoff in Richtung Waffenprogramme abzuzweigen.
Kleine Kernreaktoren mögen technisch interessant sein. Aber wer sie als Lösung verkauft, verspricht wahrscheinlich mehr als er halten kann und verschiebt Risiken, statt sie zu lösen. Und ob sie wirklich billiger werden, steht auch noch in den Sternen





















