Mittwoch, 01. Februar 2023

Kommentar zu Covid in China
Auch hierzulande wachsam bleiben

Der Ruf nach Reisebeschränkungen zwischen Deutschland und China sei nicht unbegründet, kommentiert Arndt Reuning. Eine eingeschleppte Mutante müsste sich aber gegen unsere hochansteckenden Omikron-Varianten durchsetzen. Das sei eher unwahrscheinlich.

Ein Kommentar von Arndt Reuning | 23.12.2022

Peking: Menschen mit Mund-Nasen-Schutz gehen während der Hauptverkehrszeit durch eine U-Bahn-Station.
Angesichts dort stark ansteigender Corona-Infektionszahlen hat der CDU-Politiker Jürgen Hardt gefordert, alle Flugverbindungen von und nach China auszusetzen (Uncredited / kyodo / dpa / Uncredited)
Alle Flugverbindungen zwischen Deutschland und China kappen, nur weil das Coronavirus gerade in einer mächtigen Welle durch das Reich der Mitte fegt? In beiden Ländern, hier bei uns und dort in China, herrschen Virusvarianten vor aus der mittlerweile weit verzweigten Omikron-Familie. Sie alle sind hoch ansteckend. Die wenigen Fälle, die es ins Flugzeug schaffen, dürften sich kaum auswirken.
Dass SARS-CoV-2 in Deutschland gerade irgendwo hinter dem Influenza-Erreger und dem RS-Virus herumdümpelt, während in China die Krematorien auf Hochbetrieb arbeiten, das liegt an der Immunität der Menschen, auch an den vielen absolvierten Infektionen hierzulande. Dazu kommt: Die Wirksamkeit der Totimpfstoffe kann nicht ganz mithalten mit den effizienten mRNA-Vakzinen. Aber als fatal für China dürfte sich vor allem die Lücke bei den Booster-Impfungen in der vulnerablen Bevölkerung zeigen, vor allem bei den Hochbetagten.

Erneut unbeherrschbares Virus aus Asien?

Der Ruf nach Reisebeschränkungen zwischen Deutschland und China bedient die diffuse Angst, dass erneut ein unbeherrschbares Virus aus Asien nach Europa gelangt – wie vor rund drei Jahren. Ganz unbegründet sind diese Bedenken nicht. Durch die hohen Ansteckungsraten entwickelt sich China gerade zu einer Brutstätte für neue Virusvarianten. Mit jeder Ansteckung, mit jeder Replikation des Virus können winzige Änderungen im Erbgut entstehen, die die Eigenschaften des Erregers verändern. Doch diese Mutationen sind nur die halbe Miete im Spiel der Evolution. Hinzu kommt der Prozess der Selektion: Nur die zufälligen Änderungen setzen sich durch, die dem Virus einen Vorteil verschaffen.

Geringe Wahrscheinlichkeit

Eine neue Mutante aus China müsste sich also durchsetzen können gegen die hochansteckenden Omikron-Varianten, die hierzulande zirkulieren. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist eher gering
Dass sprunghaft eine neue, gefährlichere Variante auftaucht, ist nicht hundertprozentig auszuschließen. Die chinesischen Behörden haben zwar angekündigt, die Evolution des Virus zeitnah zu überwachen. Ob sie diese Daten aber weltweit mit der Wissenschafts-Community teilen, wird sich zeigen. Bisher jedenfalls zählten Transparenz und Kommunikation nicht zu den Stärken der Regierung in Peking. Ein guter Grund, auch hier bei uns wachsam zu bleiben.